"Der Prozess" von Franz Kafka - Inhaltsangabe und Erläuterung


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,6

Helen Lorentz (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Prozeß
2.1 Die Umstände der Entstehung
2.2 Inhalt
2.3 Eine kleine Literatur
2.3.1 Definition
2.3.2 Briefvampirismus
2.3.3 Die Maschine

3 Fazit

Endnoten

Literaturverzeichnis

1 Einleitung:

In dieser Hausarbeit geht es um den Roman `Der Prozeß` von Franz Kafka. Da für Kafka der Auslöser für den Roman eine Aussprache mit seiner Verlobten Felice ist, folgt die Darstellung dieses Lebensabschnittes. Daran schließt eine Inhaltsangabe des Prozeß, wodurch inhaltliche Strukturen sichtbar werden, die dann auf der Grundlage von `Kafka. Für eine kleine Literatur`, von Gilles Deleuze und Felix Guattari, näher erläutert werden.

2 Der Prozeß:

Franz Kafka begann im August 1914 mit der Niederschrift des Romans `Der Prozeß` und schrieb bis Januar 1915 daran. Er veröffentlichte das Manuskript nicht, da er es als unfertig ansah. Obwohl Kafka von seinem Freund Max Brod verlangt hatte, nach seinem Tod den gesamten Nachlass, der aus Tagebüchern, Ausarbeitungen, Briefen und Gezeichnetem bestand, zu verbrennen, bewahrte Brod ihn auf.

„ Das Manuskript des Romans „Der Prozeß“ habe ich im Juni 1920 an mich genommen und gleich damals geordnet. Das Manuskript trägt keinen Titel. Doch Kafka hat dem Roman im Gespräch stets den Titel „der Prozeß“ gegeben. Die Einteilung in Kapitel sowie die Kapitelüberschriften rühren von Kafka her. Bezüglich der Anordnung der Kapitel war ich auf mein Gefühl angewiesen. Doch da mir mein Freund einen großen Teil des Romans vorgelesen hatte, konnte sich mein Gefühl bei der Ordnung der Papiere auf Erinnerungen stützen.“[i]

1925 veröffentlichte Brod den Roman.

Es geht darin um den Bankangestellten Josef K., dem am Morgen seines 30. Geburtstags seine Verhaftung mitgeteilt wird. Obwohl sich K. keiner Schuld bewusst ist, wird er mit einer mysteriösen Gerichtsmaschine konfrontiert, in der er sich zu behaupten sucht. Es kommt aber zu keiner Auflösung und so wird er einen Tag vor seinem 31. Geburtstag exekutiert.

2.1 Die Umstände der Entstehung:

1906, im Alter von 23 Jahren, beendet Kafka sein Jurastudium und promoviert zum Dr. iur. Advokatur. Er arbeitet zunächst in der Assicurazioni Generali, fängt dann aber in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen an. Er verfasst dort hauptsächlich Gutachten über Schadensersatzprozesse und Aufsätze über Unfallverhütung. Neben seiner Arbeit widmet er sich nachts dem literarischen Schreiben, da er erst dann die nötige Abgeschlossenheit und Ruhe findet. Obwohl das Schreiben für Kafka das wichtigste ist, sehnt er sich nach einem bürgerlichen Leben, dass dann ein dem Schreiben förderliches Hilfskonstrukt darstellen würde. Am 13. August 1912 lernt er bei seinem ehemaligen Studienkollegen Max Brod Felice Bauer kennen, eine entfernte Verwandte Brods, die dort zu Besuch ist. Er ist fasziniert von ihrer gütigen, lebendigen und selbstsicheren Art und beschließt, sie zu becircen. Er beginnt einen Briefwechsel mit Felice, der dazu dienen soll, ihr nahe zukommen, sie zu gewinnen. Im März 1913 besucht er sie in Berlin und lernt im Mai ihre Familie kennen. Am Morgen seines 30. Geburtstags, dem 3. Juli 1913 trifft ein Schreiben Felices bei ihm ein, das seine Vorbehalte gegen eine Verlobung zunächst zerstreut. Obwohl er den „Wunsch nach besinnungsloser Einsamkeit. Nur mir gegenübergestellt zu sein“[ii] in seinem Tagebuch verzeichnet und am 15. August betont „Ich werde mich bis zur Besinnungslosigkeit von allen absperren. Mit allen mich verfeinden, mit niemandem reden“[iii] schickt er Felices Vater noch am selben Tag einen Brief mit einem Heiratsantrag. Der Vater stimmt zu, woraufhin Kafka Felice einen Antwortbrief sendet, die diesen wohl nicht ihrem Vater gab, sondern ihn bat eine andere Fassung zu schreiben. Da Kafka sich dazu außerstande sieht, kommt es zum Bruch zwischen ihm und Felice. Felices Freundin Grete Bloch arrangiert eine neuerliche Kontaktaufnahme, so dass es im November 1913, am 28. Februar und 1. März 1914 zu kurzen Begegnungen zwischen den beiden kommt. Am 1. Juni 1914 verloben sie sich in Berlin. Nach seiner Rückkehr verzeichnet er in seinem Tagebuch:

„Aus Berlin zurück. War gebunden wie ein Verbrecher. Hätte man mich mit wirklichen Ketten in einen Winkel gesetzt und Gendarmen vor mich gestellt und mich nur auf diese Weise zuschauen lassen, es wäre nicht ärger gewesen. Und das war meine Verlobung, und alle bemühten sich, mich zu Leben zu bringen, und da es nicht gelang mich zu dulden, wie ich war. F. allerdings am wenigsten von allen, vollständig berechtigterweise, denn sie litt am meisten. Was den anderen bloße Erscheinung war, war ihr Drohung.“[iv]

Einen Tag vor seinem 31. Geburtstag fasst er den Entschluss sich mit Felice auszusprechen. Die Aussprache zwischen Kafka und seiner Verlobten findet im Berliner Hotel Askanischer Hof statt, an der auch Felices Schwester und Grete Bloch, sowie Kafkas befreundeter Schriftsteller Ernst Weiß teilnehmen. Grete Bloch, die eine Affäre mit Kafka hatte, legt Briefe Kafkas an sie vor, die Felice darin unterstützen, die Verlobung aufzulösen. Auch Weiß ist gegen eine Heirat, da er sich die Bürgerstochter nicht an Kafkas Seite vorstellen mag, so dass die Verlobung aufgelöst wird. Danach schreibt Kafka an Grete: „Sie saßen zwar im Askanischen Hof als Richterin über mir [...] aber es sah nur so aus, in Wirklichkeit saß ich auf ihrem Platz und habe ihn bis heute nicht verlassen“[v]. Im August muss er als 31jähriger die Wohnung im Elternhaus verlassen. Dadurch ergibt sich für ihn die langersehnte Distanz zu seinen Eltern und die Einsamkeit. Der Kontakt zu Felice wird ab Mitte Oktober 1914 wieder aufgenommen und wechselt zwischen Phasen kühler Unvertrautheit hin zu Annäherungen, die in dem Beschluss gipfeln, sich erneut mit ihr zu verloben. Im Juli 1917 verlobt Kafka sich zum zweiten Mal mit Felice. Im September, kurze Zeit, bevor die Hochzeit stattfinden soll, wird bei ihm Tuberkulose festgestellt, woraufhin eine Heirat nicht mehr in Frage kommt. Ende Dezember trennen sich die beiden Verlobten endgültig voneinander. Kafka weint sich nach dem Abschied bei Max Brod aus, aber „es war so, daß das Gehirn die ihm auferlegten Sorgen und Schmerzen nicht mehr ertragen konnte“[vi], so dass die Trennung von Felice auch eine Erleichterung und Befreiung von allen Verpflichtungen ist.

2.2 Inhalt

1. Kapitel: Verhaftung

Am Morgen seines 30. Geburtstags liegt der Bankangestellte Josef K. in seinem Bett und wartet darauf, dass man ihm das Frühstück bringt. Am Fenster des gegenüberliegenden Hauses erblickt er eine ältere Nachbarin, „die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete“[vii]. Da die Köchin um 8 Uhr noch nicht aufgetaucht ist, läutet er nach ihr. Anstelle der Köchin betritt ein Fremder das Zimmer und erklärt K., dass dieser verhaftet sei. Er nennt sich Franz und ist beauftragt K., zusammen mit seinem Kollegen Willem, zu bewachen. Aufgrund von Geräuschen vermutet K. im Nebenzimmer noch weitere Personen. Die ältere Frau am Fenster holt ihren Gatten und einen großen bärtigen Mann dazu und das Grüppchen schaut gemeinsam herüber. Als K. in das Zimmer von Frau Bürstner, einer anderen Mieterin, beordert wird, wechselt das Trio das Fenster, um das Geschehen weiter verfolgen zu können. Dort sind außer den Wächtern noch ein Aufseher und drei Männer. K. bekommt Anweisungen, wie er sich weiterhin zu verhalten habe. Da er sich keiner Schuld bewusst ist, fragt er die Wächter nach dem Grund der Verhaftung, die ihm antworten, dass sie dies nicht wüssten, die Verhaftung aber von höherer Stelle angeordnet worden sei. Arbeiten dürfe K. aber trotzdem und so bringen ihn die drei Herren, die er dann als ihm untergeordnete Arbeitskollegen identifiziert, ins Büro.

2. Kapitel: Gespräch mit Frau Grubach/ Dann Fräulein Bürstner

Nach der Arbeit geht K. direkt nach Hause. Er sucht seine Vermieterin Frau Grubach auf und versucht ihre Einschätzung zum Geschehen in Erfahrung zu bringen. Ihr kommt die Verhaftung wie etwas Gelehrtes vor, was ihr unverständlich ist, dem man sich aber unterordnen müsse. Ihre Sympathiebekundungen hält er aber für wertlos und beschließt sich Fräulein Bürstner anzuvertrauen und sich für das, was in ihrem Zimmer passierte, zu entschuldigen. Sie kommt spät nach Hause und bittet K. trotz ihrer Müdigkeit freundlich ins Zimmer. Dort versucht er derart enthusiastisch das morgendliche Geschehen nachzustellen, dass der Besuch von Frau Grubach aufmerksam wird und an die Tür von Frau Bürstner klopft. Erschrocken und ängstlich geleitet sie K. hinaus, der sich aber, da er sehr angetan von ihr ist, nicht trennen kann und sie mit Küssen überschüttet, vor denen sie sich müde zu wehren versucht.

3. Kapitel: Erste Untersuchung

K. wird im Büro angerufen und am darauffolgenden Sonntag zu einer Untersuchung geladen. Man nennt ihm die Hausnummer und Strasse, so dass sich K. am Sonntagmorgen auf den Weg macht. Obwohl keine Zeit genannt wurde, versucht er um neun dazusein. Das Haus ist in einer entlegenen Vorstadtstrasse und mehrere Treppen führen hinein. Da K. nicht weiß, wohin er muss, beschließt er auf die Aussage Willems zu vertrauen, dass das Gericht von der Schuld angezogen werde, geht irgendeine Treppe hinauf, klopft an Türen und fragt sich durch. Er fragt aber nicht nach dem Gericht, sondern nach dem Tischler Lanz. Eine Stunde später klingelt er bei einer Wäscherin, die ihn in ein Nebenzimmer mit einer Galerie geleitet, in dem Männer eine Versammlung abhalten. K. wird zu einer Zimmerhälfte geführt, an deren Ende ein Untersuchungsrichter sitzt, der ihn tadelt, dass er eine Stunde zu spät komme. K. fängt an sich zu verteidigen und wird angestachelt durch das Klatschen der linken Menschengruppe, die er als eine Interessensgemeinschaft zu erkennen meint, immer selbstsicherer, bis er anfängt den Richter anzuklagen. Dann stellt er fest, dass die Menge nicht in zwei Parteien geteilt ist, sondern dass die Männer alle die selben Embleme auf den Hemdkragen tragen. Wütend bezichtigt er das Gericht und die Anwesenden der Korruption und verlässt die Veranstaltung.

4. Kapitel: Im leeren Sitzungssaal/ Der Student/ Die Kanzleien

In der nächsten Woche erwartet K. ungeduldig eine weitere Vorladung. Obwohl niemand anruft, sucht er den Verhandlungssaal am folgenden Sonntag zur selben Uhrzeit auf. Die Frau, die ihm beim letzten Mal die Tür geöffnet hatte, ist wieder da und sagt ihm, dass keine Sitzung stattfinde. K. unterhält sich mit ihr über den vorherigen Sonntag. Sie erzählt ihm, dass sie von einem Studenten, der sie schon seit langem begehre, verfolgt wird. Sie traue sich aber nicht, gegen sein Bedrängen vorzugehen, da er irgendwann eine gehobene Position haben werde. K. verspricht ihr unter der Bedingung zu helfen, dass sie ihm Einblick in die Gesetzbücher, die auf dem Tisch im Sitzungssaal liegen, gewährt. Auf der ersten Seite des einen Buches ist eine pornografische Zeichnung zu sehen, bei dem anderen Buch handelt es sich um den Roman „Die Plagen, welche Grete von ihrem Mann Hans zu erleiden hatte“. Die Wäscherin macht K. Komplimente erklärt ihm ihre Zuneigung und bietet ihm sich und ihre Hilfe an. Sie glaubt den Richter beeinflussen zu können, da dieser neuerdings Interesse an ihr zeige. Das Gespräch bricht ab, weil der aufdringliche Student dazutritt und die Wäscherin zum Fenster zieht. Als K. versucht, die gerade für sich Entdeckte zu befreien, trägt der Student sie auf einem Arm hinaus, mit der Begründung, sie dem Untersuchungsrichter vorführen zu müssen. Im Gegensatz zu K. wehrt sie sich aber nicht dagegen. Der Student trägt sie eine kleine Holztreppe hinauf, die zu einem Dachboden führt. Davor entdeckt K. ein Schild, dessen Aufschrift „Aufgang zu den Gerichtskanzleien“ ihn erheitert. Kurze Zeit später kommt der Gatte der Frau, der Gerichtsdiener ist, und klagt K., dass er wie so häufig weggeschickt worden sei, um einem Amt eine Meldung zu bringen und dann bei seiner Rückkehr feststellen müsse, dass seine Frau von dem ihm verhassten Studenten davongetragen worden sei. K. verspricht ihm in dieser Sache seine Unterstützung und geht dann mit dem Gerichtsdiener die Dachbodentreppe hinauf. Sie kommen in einen langen Gang, an dem aus Holz grob zusammengezimmerte Türen zu den einzelnen Abteilungen führen. Davor warten auf langen Holzbänken die Angeklagten. K. spricht einen der Sitzenden an, der ihm ängstlich erklärt, dass er Beweisanträge abgeben müsse und laut aufschreit, als K. ihm an die Schulter fasst. K. geht weiter, bis ihm von der stickigen Luft in den Kanzleien immer schwindeliger wird, so dass ihn zwei Angestellte des Gerichts nach draußen bringen müssen.

[...]


[i] Kafka, Franz: Der Prozeß. 3. Auflage. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag GmbH, April 1976,

[ii] Franz Kafka. Tagebücher 1910-1923. Hrsg. von Max Brod. 4. Auflage. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1986,

[iii] Franz Kafka. Tagebücher 1910-1923. Hrsg. von Max Brod.

[iv] Franz Kafka. Tagebücher 1910-1923. Hrsg. von Max Brod.

[v] Franz Kafka. Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit. Hrsg. Erich Heller und Jürgen Born. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 1970,

[vi] Franz Kafka. Briefe an Milena. Hrsg. Max Brod. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 1975,

[vii] Kafka, F.: Der Prozeß,

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Der Prozess" von Franz Kafka - Inhaltsangabe und Erläuterung
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,6
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V92919
ISBN (eBook)
9783638067959
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess, Franz, Kafka, Inhaltsangabe, Erläuterung
Arbeit zitieren
Helen Lorentz (Autor), 2008, "Der Prozess" von Franz Kafka - Inhaltsangabe und Erläuterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92919

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