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Die Rolle von Politik in Wissensgesellschaften

Title: Die Rolle von Politik in Wissensgesellschaften

Seminar Paper , 2006 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Patrick Sumpf (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Aktuelle öffentliche Debatten moderner Gesellschaften in Politik, Wirtschaft, und Philosophie verweisen immer wieder auf bekannte soziale Phänomene: Politik- bzw. Parteienverdrossenheit, gebrochene Wahlversprechen, staatliche Immobilität und Problemlösungsunfähigkeit im Zeitalter der „Globalisierung“. Als Lösungen werden oft mehr Ehrlichkeit von Politikern, die Entkrustung des Parteienstaates, sowie Kompetenzverschiebungen und Ausschussbildungen im institutionellen Gefüge politischer Systeme gefordert.

Die Gemeinsamkeit fast aller dieser Forderungen besteht darin, dass sie sich hauptsächlich am Selbstverständnis des jeweiligen politischen Systems orientieren, also grundlegende politische Strukturen, Prozesse, und Inhalte kaum in Frage stellen, wenngleich genau jene als Hauptursache für die genannten Probleme identifiziert werden können. Neben dieser Kommunikationsschwelle scheint es allerdings auch einen Bildungsrückstand und/oder ein Unverständnis in Politik und Öffentlichkeit darüber zu geben, was die Sozialwissenschaften bereits seit vielen Jahren als (Teil der) Ursache für die zuvor skizzierten Probleme ausmacht: Den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft.

In den westlichen Demokratien der OECD vollzieht sich eine sozioökonomische Wandlung, die prinzipielles und vor allem politisches Umdenken erfordert. Spezifisches Fachwissen, in erster Linie auf wissenschaftlicher Basis, diffundiert zunehmend in alle gesellschaftlichen Teilbereiche und löst den Materialismus des Industriezeitalters als Berufsgrundlage ab. Die Wissensgesellschaft muss zudem mit nie da gewesenen Risiken und Ungewissheiten von existenzieller Natur fertig werden, die, entgegen einiger Annahmen, durch die fortlaufende Akkumulation von Wissen und die Detailreformierung politischer Systeme nicht einfach ausgeräumt werden können. Wenn die betreffenden politischen Systeme ihre Steuerungsfähigkeit und Responsivität unter diesen veränderten Umständen unter Beweis stellen müssen, ihre Institutionen und Mechanismen aber im Kern denen der Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts entsprechen, dann ergeben sich grundlegende Missverhältnisse.

Folglich stellt sich die Frage: Welche Rolle sollte Politik unter den veränderten Umständen der Wissensgesellschaft einnehmen, um an Problemlösungsfähigkeit und Legitimität zu gewinnen und wie ließe sich diese Rolle verwirklichen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale der Wissensgesellschaft

2.1 Wissenspluralismus

2.2 Wissenschaft und Expertise

2.3 Wissensökonomie

2.4 Risiko

3. Problemdiagnose: Das Dilemma von Politik im Kontext der Wissensgesellschaft

3.1 Politik und Risiko

3.2 Politik und Wissenspluralismus

3.3 Politik und Wissensökonomie

3.4 Politik und Wissenschaftssystem

4. Lösungsansätze und Ausblick

4.1 Lernen

4.2 Aufgaben der Politik

4.2.1 Politische Vermittlung im Wissenspluralismus

4.3 Realisierungschancen

4.4 Legitimität des Wissens

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, denen sich politische Systeme durch den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft gegenübersehen, und erörtert, wie Politik ihre Steuerungsfähigkeit und Legitimität in diesem neuen Umfeld neu definieren und verwirklichen kann.

  • Merkmale und Charakteristika der Wissensgesellschaft
  • Das Spannungsfeld zwischen politischem Machtanspruch und globaler Wissensverbreitung
  • Systemtheoretische Perspektiven auf Politik und Risiko
  • Konzepte für politisches Lernen und Vermittlung
  • Die Legitimität von Wissen als neue Herausforderung für demokratische Prozesse

Auszug aus dem Buch

2.4 Risiko

Entscheidend ist letztlich, welche Schlüsse man aus den skizzierten Charakteristika der Wissensgesellschaft zieht. Eine der leitenden Prämissen der meisten Autoren zur Wissensgesellschaft ist die, das es durch die fortlaufende Verbreitung, Akkumulation, und Globalisierung von Wissen zu erhöhten Unsicherheiten und Risiken kommt, die Gesellschaften und ihre politischen Systeme verarbeiten müssen. Während Donald N. Michael in erster Linie die Vielfältigkeit der sozial relevanten und legitimen Mythologien dafür verantwortlich macht, sieht Nico Stehr die Ursache vorrangig in der prinzipiellen Strittigkeit und Anfechtbarkeit von (wissenschaftlichem) Wissen als Fundament von Gesellschaft (Michael 1993, 82; Stehr 2001, 13).

Helmut Willke stellt diesen Zusammenhang besonders deutlich und analytisch nachvollziehbar dar: Die Erzeugung von Wissen bringe immer auch Nichtwissen mit sich, d.h. eine prinzipiell nicht aufhebbare Ungewissheit über die Konsequenzen von Entscheidungen, die in Zusammenhänge eingebettet sind, über die elaboriertes Wissen existiert oder möglich ist. Diese Ungewissheit, die in der Industriegesellschaft durch die lokale Begrenzung und Erklärbarkeit von Risiken noch absorbiert werden konnte, weite sich in der Wissensgesellschaft zum Systemrisiko aus, weil in komplex vernetzten Systemstrukturen globalen Ausmaßes Zusammenhänge entständen, die kein Akteur bei seinen Entscheidungen mehr berücksichtigen könne. Seine Schlussfolgerung lautet, Wissen im Umgang mit Nichtwissen zu generieren und verfügbar zu machen (Willke 2002).

Diese Ausführungen weisen auf das Kerndilemma hin, dem sich Politik in der Wissensgesellschaft gegenübersieht: Die Auswirkungen von Entscheidungen, deren Produktion Aufgabe von Politik ist, werden zu unüberschaubaren Risiken, die jedweden Anspruch politischer Akteure auf die Intentionalität ihrer Entscheidungen grundlegend in Frage stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Politikverdrossenheit und verortet die Ursachen in einem grundlegenden Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, der politisches Umdenken erfordert.

2. Merkmale der Wissensgesellschaft: Dieses Kapitel definiert zentrale Kennzeichen wie Wissenspluralismus, die Rolle von Wissenschaft und Expertise, die Wissensökonomie und die Entstehung neuer systemischer Risiken.

3. Problemdiagnose: Das Dilemma von Politik im Kontext der Wissensgesellschaft: Hier wird analysiert, wie diese Merkmale die traditionellen, auf Steuerung ausgerichteten Konzepte des modernen Staates unterminieren und zu einem Dilemma für politisches Handeln führen.

4. Lösungsansätze und Ausblick: Dieses Kapitel diskutiert Lernprozesse und neue Aufgaben wie die politische Vermittlung, um Legitimität und Problemlösungsfähigkeit der Politik unter den Bedingungen der Wissensgesellschaft zu sichern.

Schlüsselwörter

Wissensgesellschaft, Politikwissenschaft, Wissenspluralismus, Wissensökonomie, Systemtheorie, Politische Steuerung, Legitimität, Expertise, Nichtwissen, Risiko, Gesellschaftlicher Wandel, Governance, Wissenspolitik, Demokratie, Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie moderne Gesellschaften durch den Wandel zur Wissensgesellschaft geprägt werden und welche tiefgreifenden Auswirkungen diese Entwicklung auf die Rolle, Steuerungsfähigkeit und Legitimität politischer Systeme hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen den Wissenspluralismus, die Bedeutung von wissenschaftlicher Expertise, die Entstehung neuer Systemrisiken sowie die Notwendigkeit einer Neuorientierung des politischen Systems.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, welche Rolle Politik in der Wissensgesellschaft einnehmen sollte, um trotz neuer Unsicherheiten und Komplexitäten an Problemlösungsfähigkeit und Legitimität zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt politikwissenschaftliche und systemtheoretische Analysen, um die Diskrepanz zwischen der traditionellen Selbstbeschreibung politischer Systeme und den realen Bedingungen der Wissensgesellschaft aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Merkmale der Wissensgesellschaft diagnostiziert, anschließend das daraus resultierende Dilemma für die Politik analysiert und abschließend mögliche Lösungsansätze wie Lernprozesse und neue Vermittlungsrollen diskutiert.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wissensgesellschaft, Systemrisiko, Wissenspluralismus, politische Steuerung und Legitimität geprägt.

Welche Bedeutung hat das Konzept des "Nichtwissens" für die Politik?

Das Konzept verdeutlicht, dass Wissen immer auch Nichtwissen über die Konsequenzen politischer Entscheidungen produziert, was Politik in der Wissensgesellschaft vor das Problem stellt, mit prinzipiell unaufhebbarer Ungewissheit umzugehen.

Wie bewertet der Autor die Realisierungschancen der vorgeschlagenen Reformen?

Der Autor zeigt sich skeptisch bezüglich einer einfachen Umsetzung, da politische Akteure stark in traditionellen, auf Machtrationalität basierenden Rhythmen verhaftet sind und tiefgreifende Reformen oft als Bedrohung wahrgenommen werden.

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Details

Title
Die Rolle von Politik in Wissensgesellschaften
College
Bielefeld University  (Fakultät für Soziologie)
Course
Globale Wissenspolitik
Grade
1,7
Author
Patrick Sumpf (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V92927
ISBN (eBook)
9783638072670
ISBN (Book)
9783640101849
Language
German
Tags
Rolle Politik Wissensgesellschaften Globale Wissenspolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Sumpf (Author), 2006, Die Rolle von Politik in Wissensgesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92927
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