Die seit 1998 im Bund mit den Grünen regierende Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ist die älteste Volkspartei Deutschlands. Ihre Wurzeln reichen bis in die März-Revolution von 1848/49 zurück.
Im Jahre 1875 entstand aus dem Zusammenschluss des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Gotha die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, die 1878 durch das unter Bismarck erlassene Sozialistengesetz verboten wurde. Nach dessen Aufhebung erfolgte 1980 die Umbenennung in Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD). Diese war seit 1912 die stärkste Fraktion des Reichstags und unterstützte während des Ersten Weltkrieges die Reichsregierung. Die SPD zählte zu den Stützen der Weimarer Republik, stellte den ersten Reichspräsidenten, drei Reichskanzler (1919-1920 und 1928-1930) und war in verschiedenen Reichsregierungen vertreten. Die Reichstagsfraktion der SPD stimmte 1933 als einzige gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers und wurde im Juni 1933 verboten.
Nach Emigration und Verfolgung wurde die SPD 1945 wiedergegründet und entwickelte sich zu einer der beiden großen Volksparteien in der Bundesrepublik Deutschland; in der Sowjetischen Besatzungszone erfolgte 1946 die (Zwangs-) Vereinigung mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Nachkriegs-SPD wurde deutlich von Kurt Schumacher (Vorsitzender von 1946-1952) geprägt. Wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der SPD hatte das Godesberger Programm (1959), das während des Parteivorsitzes von Erich Ollenhauer (1952-1963) verabschiedet wurde. Prägend für die SPD war der langjährige Parteivorsitzende Willy Brandt (1964-1987), in dessen Amtszeit die Regierungsbeteiligung auf Bundesebene (Große Koalition mit der CDU/CSU 1966-1969) ebenso fällt wie die Koalitionsregierungen mit der FDP unter den sozialdemokratischen Bundeskanzlern Willy Brandt (1969-1974) und Helmut Schmidt (1974-1982).
Im Jahre 1959 verabschiedete die SPD nach einem längeren kontroversen Diskussionsprozess das Godesberger Programm und öffnete sich damit endgültig zur Volkspartei. Sie gewann breite Wählerschichten hinzu und übernahm auf der Bundesebene die Regierungsverantwortung - zunächst ab 1966 im Rahmen einer Großen Koalition mit der CDU, seit 1969 in einer sozial-liberalen Koalition mit der FDP. Auf der Länderebene übernahm die SPD im Jahre 1966 die Regierungsverantwortung in Nordrhein-Westfalen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Programmatik
2.1. Programmatik in den Sechziger Jahren
2.2. Programmatik in den Siebziger Jahren
3. Organisation
3.1. Organisatorische Diskussionen in den sechziger Jahren
3.2. Die Parteiorganisation in den siebziger Jahren
4. Finanzierung
4.1. Die Parteifinanzierung in den sechziger Jahren
4.2. Die Parteifinanzierung in den siebziger Jahren
5. Mitglieder
5.1. Die Mitgliedschaft in den sechziger und siebziger Jahren
6. Fazit
7. Literaturhinweise
Zielsetzung der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert den tiefgreifenden Wandel der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) während der 1960er und 1970er Jahre, wobei untersucht wird, wie sich die Partei von einer klassischen Arbeiterpartei zur modernen Volkspartei entwickelte.
- Analyse des programmatischen Wandels in Bezug auf das Godesberger Programm.
- Untersuchung der organisatorischen Anpassungen und Reformen.
- Betrachtung der Parteifinanzierung und ihrer Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit.
- Auswertung der Mitgliederentwicklung und der Veränderung der sozialen Struktur.
- Einordnung des Einflusses politischer Schlüsselereignisse und der Regierungsbeteiligung.
Auszug aus dem Buch
3. Organisation
Die Gremien der SPD und somit auch ihre Aktivitäten existieren auf vier Ebenen: die lokale Ebene (Ortsvereine), die regionale Ebene (Unterbezirke, Kreise), die überregionale Ebene (Bezirke, Landesverbände) sowie auf der Bundesebene. Die einzelnen Ebenen sind in der Regel dadurch miteinander verwoben, dass jede Ebene die Gremien der nächsthöheren Ebene wählt.
Die Organisationsentwicklung der SPD kann nicht unabhängig von der allgemeinen Entwicklung der Partei betrachtet werden. Die Diskussionen vor und während der Parteitage in den sechziger und siebziger Jahren über Statutenänderungen weisen innerparteiliche Auseinandersetzung und Differenzen hin. Die Wandelungen in der Organisationsstruktur der SPD waren oft Reaktionen auf Erfolge und Misserfolge bei Wahlen. In den sechziger Jahren während der Großen Koalition und in den siebziger Jahren vor und nach dem Kanzlerwechsel von Willy Brandt zu Helmut Schmidt sowie nach dem Misserfolg bei den Landtagswahlen im Jahre 1974 fanden in der Partei Diskussionen über erforderliche Organisatorische Wandelungen statt, mit dem Ziel das Erscheinungsbild der SPD in der Öffentlichkeit zu verbessern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der SPD seit ihrer Gründung im Jahr 1875 bis hin zur Regierungsverantwortung in den späten 1960er Jahren.
2. Programmatik: Hier wird die ideologische Neuausrichtung der Partei beschrieben, insbesondere die Transformation weg von marxistischen Forderungen hin zur Volkspartei auf Basis des Godesberger Programms.
3. Organisation: Dieses Kapitel beleuchtet die strukturellen Reformen innerhalb der SPD, die auf eine Straffung der Parteiorganisation und die Stärkung der Führung abzielten.
4. Finanzierung: Hier wird die finanzielle Entwicklung der Partei analysiert, die durch steigende Mitgliederzahlen einerseits und kostenintensive Modernisierungsmaßnahmen andererseits geprägt war.
5. Mitglieder: Dieses Kapitel behandelt das massive Mitgliederwachstum der SPD in den 1960er und 1970er Jahren und die einhergehende Veränderung der sozialen Zusammensetzung der Basis.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung des Imagewandels und der parteiinternen Krisen im Kontext der Regierungsjahre bis 1982.
7. Literaturhinweise: Hier werden die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Standardwerke zur Parteigeschichte aufgelistet.
Schlüsselwörter
SPD, Volkspartei, Godesberger Programm, Parteiorganisation, Parteifinanzierung, Mitgliederstruktur, Willy Brandt, Reformpolitik, Regierungsbeteiligung, Arbeiterbewegung, Sozialliberalismus, Parteigeschichte, politischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der SPD in den 1960er und 1970er Jahren hinsichtlich ihrer Programmatik, Organisation, Finanzen und Mitgliederbasis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die ideologische Öffnung zur Volkspartei, die organisatorischen Straffungsprozesse, die Entwicklung der Beitragseinnahmen und die Veränderung der sozialen Wähler- und Mitgliederschicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die SPD durch organisatorische und programmatische Anpassungen den Imagewandel vollzog, der schließlich die Regierungsübernahme ab 1969 ermöglichte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse auf Basis von Fachliteratur, Parteiprogrammen, Parteitagsbeschlüssen und statistischen Daten zur Parteientwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung des programmatischen Wandels, die Entwicklung der Organisationsstrukturen, die Parteifinanzierung sowie die demografische Entwicklung der Mitgliedschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind SPD, Volkspartei, Godesberger Programm, Parteigeschichte, Mitgliederentwicklung und politischer Wandel.
Welche Rolle spielte das Godesberger Programm für den analysierten Zeitraum?
Das Godesberger Programm markierte den entscheidenden Wendepunkt weg von marxistischen Traditionen hin zu einer modernen, gesellschaftlich breit verankerten Volkspartei.
Wie wirkten sich die 1970er Jahre auf die Finanzlage der Partei aus?
Trotz hoher Mitgliederzahlen führte die Modernisierung des Parteiapparats ab 1974 zu einem erheblichen Kostenanstieg, der die SPD zeitweise in die Verschuldung trieb.
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- Aladdin Sarhan (Author), 2002, Die SPD in den sechziger und siebziger Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9293