Who killed Martin Luther King?

Die Ermordung des Führers der Menschenrechtsbewegung in der USA aus heutiger Perspektive


Seminararbeit, 2006
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Kurzbiographie von Martin Luther King, Jr.
2.1 Martin Luther King bis 1955
2.2 Kings Entwicklung hin zum Sprecher der Bürgerrechtsbewegung
2.3 Vom March on Washington zur Pour People Campaign (PPC)

3. Das Umfeld der Ermordung
3.1 Kings letztes Lebensjahr
3.2 Das Attentat auf Martin Luther King

4. Spekulationen um Kings Ermordung
4.1 Die Liste der Verdächtigen
4.2 Das Verhältnis zwischen King und dem FBI
4.3 James Earl Ray
4.4 Verschwörungstheorien

5. Schluss

1. Einleitung

Spätestens nach seiner Ermordung im Jahr 1968 ist Martin Luther King, Jr., zu einer Legende geworden. Der gewaltlose Widerstand wird neben Mahatma Gandhi stets mit seiner Person in Verbindung gebracht werden, er ist das Gewissen Amerikas zu einer Zeit gewesen, in der soziale Ungerechtigkeit und Armut immer stärker in den Vordergrund getreten sind und nicht mehr verleugnet werden konnten. Martin Luther King hat mit seinem Einsatz für die Bürgerrechtsbewegung zu seinen Lebzeiten polarisiert und sich durch seinen Appell nach sozialen Verbesserungen und seinem Einstehen gegen den grausamen Vietnam-Krieg gleichfalls viele einflussreiche Feinde geschaffen. Sein Mörder stammt aus dem Lager seiner ärgsten Feinde, den weißen Rassisten. Dies scheint zumindest das Motiv seines potentiellen Mörders James Earl Ray zu schein. Schnell entstehen nach Kings Tod und der Verurteilung des Täters aber Verdächtigungen und Spekulationen, die einen weit tiefergehenderen und komplizierteren Zusammenhang in seinem gewaltsamen Ableben sehen.

Im Rahmen dieser Arbeit soll daher, knapp 40 Jahre nach dem Tod Martin Luther Kings, der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich aus heutiger Sicht das damalige Attentat auf den Führer der Bürgerrechtsbewegung betrachten lässt. Es gilt zu prüfen, ob die Frage, wer für die Ermordung Kings verantwortlich gewesen ist, inzwischen zufriedenstellend beantwortet werden kann; ob wirklich nur ein Einzeltäter zugange war, oder ob der Erschießungsbefehl womöglich aus elitären oder kriminellen Kreisen gekommen ist. Dass es weiterhin nicht an groß angelegten Verschwörungstheorien gibt, zeigen die Berichte des Rechtsanwalts William F. Pepper[1], der als ehemaliger Bekannter Kings und späterer Anwalt von James Earl Ray eine führende Rolle bei der Propagierung einer groß angelegten Verschwörung im Umfeld von Kings Ermordung spielt. Auf seine Darlegungen stützt sich ein Teil der Arbeit wenn es um die Skizzierung des möglicherweise wahren, von Hintermännern gesteuerten Tathergangs geht, ohne dass dabei gleichsam eine kritische Hinterfragung der Motive des keinesfalls unumstrittenen Peppers stattfinden muss, zumal sich bei den von ihm verfassten Werken gleichzeitig ein starker Anti-Amerikanismus breit macht.

Zur Betrachtung möglicher Attentattheorien muss jedoch zunächst das Umfeld von Kings Ermordung näher beleuchtet werden. Dies soll durch einen kurzen Überblick über sein Leben im Allgemeinen, vor allem aber über das letzte Jahr vor seinem Tod gegeben werden, in dem sich Martin Luther King mit vielen Problemen konfrontiert gesehen hat. Einen umfassenden Überblick zu Kings Leben geben dabei die Biographien von Peter J. Ling[2] und Arnulf Zitelmann[3].

Die Zielsetzung der Arbeit soll natürlich keinesfalls in einer endgültigen Klärung des Falls Martin Luther King, Jr. liegen, da dies schlichtweg unmöglich ist, vielmehr soll eine Art Nachforschung stattfinden, ob es inzwischen möglich ist, von Kings Tod ein klareres Bild zu konstruieren.

2. Kurzbiographie von Martin Luther King, Jr.

2.1 Martin Luther King bis 1955

Martin Luther King Junior wird am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, als erster Sohn von Reverend Martin Luther King, Sr., und Alberta King geboren. Sein Vater ist Pfarrer der dortigen Ebenezer-Baptistengemeinde, seine Mutter Alberta unterrichtet als Lehrerin.

Martin Luther King wächst in finanziell abgesicherten Verhältnissen auf. Er besucht zunächst eine Privatschule, in der er zwei Klassen überspringt. Bereits im Alter von 15 Jahren hält er eine Art erste Rede anlässlich eines Rhetorikwettbewerbs. Im selben Jahr beginnt er auch sein Studium am Morehouse College in Atlanta mit dem Schwerpunkt Soziologie[4]. Einen starken Einfluss übt hier der liberale Pfarrer Benjamin May auf ihn aus. 1947 erwirbt King eine Predigerlizenz und hält erste Gottesdienst in der Kirche seines Vaters, dennoch ist er sich nicht sicher, welchen Berufsweg er einschlagen möchte. Nachdem er im Februar 1948 zum Priester geweiht wird schließt er im gleichen Jahr sein Grundstudium am Morehouse College ab und erhält ein Stipendium am Crozer-Theologie-Seminar in Chester, Pennsylvania. Während seines Masterstudienganges beschäftigt sich King vor allem mit Mahatma Gandhis Philosophie der Gewaltlosigkeit. 1951 schließt er sein Studium als Jahrgangsbester ab und nimmt im September sein Promotionsstipendium an der theologischen Fakultät der Universität Boston auf. Seine spätere Frau Coretta lernt King 1952 kennen, 1953 heiraten die beiden. Im gleichen Jahr begibt sich King auf Arbeitssuche und schreibt seine Dissertation. Er zieht mit seiner Frau Coretta schließlich nach Montgomery, Alabama, und wird dort Pfarrer der Dexter Avenue Baptist Church, wodurch er zugleich Hoffnungen seines Vaters enttäuscht, ihn zu beerben. Im Frühjahr 1955 erhält King in Boston den Doktortitel verliehen[5].

2.2 Kings Entwicklung hin zum Sprecher der Bürgerrechtsbewegung

Bereits im Alter von sechs Jahren macht Martin selbst erste bewusste Erfahrungen mit dem weißen Rassismus, als ihm eine alte Frau ins Gesicht schlägt, da er ihr auf die Füße getreten sein soll[6]. Für den Heranwachsenden wird seine Hautfarbe immer mehr zur Belastung, er versucht dem typischen Klischeebild, das die Weißen von den Schwarzen haben, möglichst nicht zu entsprechen und achtet sehr auf sein Äußeres. Ein einprägendes Erlebnis ist eine Klassenfahrt, auf der Martin vom Busfahrer als schwarzer Hurensohn bezeichnet wird und gemeinsam mit seinen Freunden trotz leerer Plätze stundenlang auf dem Gang des Busses stehen muss. Der 14jährige kocht vor Wut.[7] [8]

Als Martin mit 17 beschließt, Pastor werden zu wollen, ist sein Vater hocherfreut. Sogleich hält Martin eine Probepredigt und kurze Zeit später übernimmt er nach seiner Weihung zum Prediger eine Stelle als Hilfsprediger an der Ebenezer-Kirche an. Er nimmt seine Berufung sehr ernst. Seine spätere Frau Coretta schreibt über diese Zeit: „Sein Charakter scheint sic damals gewandelt zu haben... Er hatte wohl das Gefühl er müsse sich läutern.“

Seine Entscheidung Theologie zu studieren stößt bei den Eltern nicht unbedingt auf Zustimmung, doch Martin kann sich durchsetzen und geht nach Chester, Pennsylvania. Tiefen Einfluss auf Martin hat dort die Lektüre von Walter Rauschenbusch, der einen religiösen Sozialismus propagiert, von dem Martin äußerst beeindruckt ist. Auch Gandhi begegnet ihm hier das erste Mal. Eine bittere Erfahrung ist eine andere Begegnung: Martin verliebt sich mit 21 Jahren in ein weißes Mädchen. Die beiden wollen heiraten, doch der Leiter der Universität kann sie von diesem Vorhaben schließlich abbringen, Martin Luther King und das Mädchen trennen sich schließlich, aber für Martin bleibt dies ein Negativerlebnis, das ihn jahrelang beschäftigt[9].

In Boston lernt er schließlich Coretta Scott kennen, die dort Musik studiert, und alle seine Anforderungen an eine Frau erfüllt: Charakter, Intelligenz, Persönlichkeit und Schönheit[10].

Auch sie ist tief beeindruckt von ihm, in ihren Erinnerungen schreibt sie „Zweifellos war er damals der begehrenswerteste junge Neger von ganz Boston“.[11] Trotz anfänglicher Zweifel ihrerseits und dem Widerstand des Vaters kommt es letztendlich zur Heirat der beiden.

Am 1. September 1954 bezieht King mit seiner Frau in seiner Funktion als Prediger ein Haus im Farbigenviertel von Montgomery. In Ralph Abernathy, Pastor der First Baptist Church, findet King schnell einen Freund.

Als Reaktion auf die Festnahme der Farbigen Rosa Parks, die sich geweigert hat ihren Sitzplatz in einem Bus einem weißen Fahrgast zu überlassen, kommt es 1955 in Montgomery zu einem Busboykott der schwarzen Bevölkerung. Der Busstreik soll gegen die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln protestieren, und Martin Luther King, noch nicht lange zugezogen, wird im Alter von 26 Jahren Anführer der Bewegung. Der Boykott wird über ein Jahr aufrechterhalten, und endet schließlich mit dem Erfolg, dass der Oberste Gerichtshof der USA jegliche Art von Rassentrennung in den Bussen der Stadt Montgomery verbietet[12]. Rückwirkend war der Busboykott von Montgomery vor allem aber ein Sieg für die gewaltfreie Art des Protestes, die gewaltlose Bürgerrechtsbewegung hatte durch ihn enorm an Bedeutung gewonnen, und mit ihr Martin Luther King als Wortführer der Bewegung.[13]

Er wird in der Folge zum Präsidenten der SCLC (Southern Christian Leadership Conference) gewählt und wirbt auf Reisen quer durch die USA bei den Schwarzen für einen gewaltlosen, aber unnachgiebigen Protest für die Bürgerrechte.

Als King im Herbst 58 sein erstes Buch herausgibt und dafür in einem Kaufhaus in Harlem wirbt, verübt eine psychisch kranke Frau einen Mordanschlag auf ihn. Die Ärzte können sein Leben nur durch eine Notoperation retten. Zur Erholung reist King reist danach mit seiner Frau Coretta nach Indien und wandelt auf den Spuren seines Vorbilds Mahatma Ghandi.

Nach fünf Jahren als Priester in Dexter entschließt sich King plötzlich Montgomery zu verlassen und die zweite Predigerstelle bei seinem Vater in Atlanta anzunehmen. Diese Entscheidung trifft er auch vor dem Hintergrund, mehr Zeit für seine Reisen quer durch die USA zu haben. Gleichzeitig entscheidet er sich mit seiner Rückkehr nach Atlanta auch dazu, nicht mehr nur ein lokaler, sondern vielmehr ein nationaler Führer der Bürgerrechtsbewegung sein zu wollen.

[...]


[1] William F. Pepper: In der Schusslinie. Die wahren Hintergründe der Ermordung von Martin Luther King, Bergisch Gladbach 1998.

Ders.: Die Hinrichtung des Martin Luther King. Wie die amerikanische Staatsgewalt ihre Gegner zum Schweigen brachte, München 2003.

[2] Peter J. Ling: Martin Luther King, Jr., London und New York 2002.

[3] Arnulf Zitelmann: „Keiner dreht mich um“. Die Lebensgeschichte des Martin Luther King, Weinheim 1985.

[4] Vgl.: Britta Waldschmidt-Nelson: Gegenspieler. Martin Luther King und Malcom X, Frankfurt am Main, 2000, S. 35ff

[5] Vgl.: Zitelmann: „Keiner dreht mich um“, S. 30ff.

[6] Vgl.: Ebd., S.16.

[7] Vgl.: Ebd., S. 25.

[8] Coretta Scott King: Mein Leben mit Martin Luther King, Stuttgart 1970, S.75.

[9] Vgl.: Zitelmann: „Keiner dreht mich um“, S. 46f.

[10] Vgl.: King: Mein Leben mit Martin Luther King, S. 50.

[11] Ebd., S. 51.

[12] Vgl.: Ling: Martin Luther King, S. 37ff.

[13] Vgl.: Url: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_King, Letzter Zugriff: 21.08.2006, 18:30 Uhr.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Who killed Martin Luther King?
Untertitel
Die Ermordung des Führers der Menschenrechtsbewegung in der USA aus heutiger Perspektive
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Martin Luther King, Jr. und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung in den 1950ern und 1960ern
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V92936
ISBN (eBook)
9783638073004
ISBN (Buch)
9783638957380
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martin, Luther, King, Bürgerrechtsbewegung, Bürgerrechtler, Mord, Anschlag, I have a dream, Rassissmus, Chicago
Arbeit zitieren
Martin Walter (Autor), 2006, Who killed Martin Luther King?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92936

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