Die Entwicklung des primären Sektors in der BRD nach 1945


Seminararbeit, 2002

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

2 Der Agrarsektor
2.1 Ausgangssituation
2.2 Die Phase des Wiederaufbaus bis 1949
2.2.1 „Siedlung“ und „Bodenreform“
2.2.2 Hilfen aus dem Ausland
2.2.3 Anstieg der Flächenproduktion und Viehbestände.
2.3 Mechanisierung und Strukturwandel in der Landwirtschaft ab 1950
2.3.1 Mechanisierung der Produktionsverfahren
2.3.2 Abbau von Arbeitskräften und Betrieben
2.3.3 Drastischer Produktionsanstieg
2.4 Agrarpolitik des Staates und der EWG/EG/EU
2.4.1 Staatliche Interventionen
2.4.1.1 Das Aufrechterhalten von Absatz und Preisen
2.4.1.2 Eingriffe zur Hebung der Leistungsfähigkeit
2.4.1.3 Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Landwirte
2.4.2 Der gemeinsame europäische Agrarmarkt

3 Der Montanbereich
3.1 Von der alliierten Kontrolle bis zur Montanunion
3.2 Kohlenbergbau und -politik der BRD in der Zeit des Montanvertrages
3.2.1 Vom Nachfrageüberhang zum Angebotsüberhang
3.2.1.1 Kohlenförderung und Beschäftigung im Steinkohlenbergbau
3.2.1.2 Stahlsektor: Produktion und Kapazitäten im Krisenjahrzehnt ab 1974
3.2.2 Deutschland als größter Stahlproduzent der EGKS.
3.2.3 Die Konzentration in Deutschland
3.2.4 Politische Bewährungsproben
3.2.4.1 Das Ruhrgebiet – Herd einer politischen Revolution?
3.2.4.2 Versuch des Interessenausgleiches
3.2.4.2.1 „Hüttenvertrag“ und „Jahrhundertvertrag“
3.2.4.2.2 Weitere staatliche Stützungsmaßnahmen
3.2.5 Die Probleme der letzten Jahre und Perspektiven

4 Resümee

Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Wie der Titel bereits ankündigt, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Entwicklung des Primären Sektors in der BRD nach dem 2. Weltkrieg. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei, aufgrund ihrer Tragweite für Wirtschaft und Gesellschaft, die Entwicklung des Agrarsektors und des Montanbereiches. Schwebte einst über der Wirtschaft „das Gespenst des Morgenthau-Plans, Deutschland in ein Agrarland zu verwandeln“[1], so wird zu sehen sein, wie es dazu kam, dass sich die einstige Hungersnot nach dem Kriege im Laufe der Jahre in „Schweineberge“ und „Milchseen“ verwandelte. Indes wird auch „in einer Branche, deren Wachstum einmal den Anschluss an den industriellen Fortschritt garantierte“, ein Krisenverlauf aufgezeigt, der durch „eine Unternehmenspolitik der Kahlschlagsanierung und Massenentlassungen“ gekennzeichnet ist.[2] Das Zusammenschrumpfen der einst bedeutendsten Bereiche der Volkswirtschaft stellte nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein hochgradig gesellschaftliches Problem dar. Es wird zu erfahren sein, dass es trotz erheblicher staatlicher Interventionen im Primären Bereich zu strukturellen Fehlentwicklungen kam, die sowohl gesamtwirtschaftliche wie auch soziale Folgen hatten. Aber dennoch, „das Wesensmerkmal einer freiheitlichen und offenen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist der permanente strukturelle Wandel. ... Strukturwandel ist freilich nicht nur der Preis der Freiheit, er ist vielmehr zugleich die Quelle des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts.“[3]

2 Der Agrarsektor

2.1 Ausgangssituation

„Der Zustand der deutschen Landwirtschaft unmittelbar nach dem 2. Weltkriege findet, was die Tiefe des Sturzes und die Hoffnungslosigkeit der Lage anbelangt, seine treffendste historische Parallele in dem Chaos nach dem Dreißigjährigen Kriege.“[4] „In den ländlichen Regionen Westdeutschlands, die noch am ehesten Wohnung und Nahrung boten, drängten sich die Ausgebombten und Evakuierten, die Verschickten und Umgesiedelten, Flüchtlinge und Vertriebenen. Deutschland schien ... wieder zum ‚Ackerland’ zu werden.“[5] Der zweite Weltkrieg hatte die Nahrungsmittelproduktion Europas stark beeinträchtigt. Die Ausgangsposition für die landwirtschaftliche Produktion sowie für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln war ab 1945 denkbar schwierig. Bereits vor 1939 wiesen die westdeutschen Böden eine geringe Ertragsfähigkeit auf, die Kriegsereignisse führten mangels Versorgung der Böden mit künstlichen wie auch natürlichen Düngern zu einer nachhaltigen Verschlechterung der Ertragsmöglichkeiten. Hinzu kam die Beeinträchtigung des Agrarpotentials durch Gebietsverluste.[6] Die Bevölkerungsdichte war wesentlich höher als in Ostdeutschland, so dass sich Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelbedarf bei Weitem nicht deckten. Auch die natürlichen Produktionsvoraussetzungen Westdeutschlands waren im Vergleich zu Ostdeutschland wesentlich ungünstiger. Ursächlich hierfür waren die große Teile der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnehmenden Mittelgebirgsregionen wie auch Heide- und Moorgebiete. Das Vorherrschen der Gebirgsgegenden hatte zur Folge, dass einerseits der Einsatz von Maschinen und andererseits optimale Betriebsgrößen aufgrund der natürlichen Gegebenheiten begrenzt wurden. Der hohe Anteil an Grünlandflächen, die kaum als Ackerland genutzt werden konnten, machten in Westdeutschland fast 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Nicht nur schlechtere natürliche Bedingungen, sondern auch das Überwiegen von bäuerlichen Kleinbetrieben kennzeichnete die westdeutsche Agrarstruktur.[7] Durch die „vernichtende Schmälerung des Viehbestandes“, der Mangel an Maschinen und Geräten, die erhöhte Abnutzung des Inventars und ähnliche Substanzvernichtungen „hat durchwegs eine Herunterwirtschaftung des landwirtschaftlichen Sachkapitals Platz gegriffen, die einen langfristig wirkenden, die Erzeugungsstruktur nachhaltig beeinträchtigenden Tatbestand darstellt.“[8]

2.2 Die Phase des Wiederaufbaus bis 1949

2.2.1 „Siedlung“ und „Bodenreform“

In einzelnen Teilen der BRD wurden von den Ländern ab August 1946 Gesetze erlassen, die einerseits die Verringerung des politischen und wirtschaftlichen Einflusses der Großgrundbesitzer und andererseits die Gewinnung von Siedlungsland für die Ansiedlung von Flüchtlingsbauern zum Ziele hatten. Allerdings fand dadurch eine wesentliche Änderung der Agrarstruktur zunächst nicht statt, da hierdurch weniger als 5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche erfasst wurde und somit das Ausmaß viel zu gering war. Tatsächlich wurden ca. 230.000ha Land an 7.000 Bauern vergeben. Außerdem erhielten knapp 50.000 Siedler neues Land, allerdings weniger als je 3ha, was zur Folge hatte, dass diese Siedler gemeinsam mit kleineren einheimischen Bauern bald in die Industrie abwanderten.[9]

2.2.2 Hilfen aus dem Ausland

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg konnten gewaltige Lücken im Viehbestand verzeichnet werden, außerdem war die Versorgung mit betriebsfremden Düngern zunächst sehr gering, was eine besonders niedrige Ernte und damit massive Versorgungsschwierigkeiten zur Folge hatte. Die Versorgung der Bevölkerung wurde über ein amtliches Zuteilungssystem geregelt, wobei nur sehr niedrige Rationen ausgegeben werden konnten, die teilweise unter dem Existenzminimum lagen. Durch Hilfen aus dem Ausland, allem voran der USA, gelang es, schwerwiegende Hungerkatastrophen zu verhindern.[10] In den Westzonen, dessen landwirtschaftliche Nutzfläche gut 14 Mio. ha betrug, wurden die Einfuhren an Lebensmitteln, Saatgut und Düngemitteln bis zum Sommer 1948 ausschließlich von den Besatzungsmächten zur Verfügung gestellt. Zunächst stellte Amerika Mittel für die „Verwaltung und Unterstützung der Zivilbevölkerung“ in den amerikanisch besetzten Gebieten bereit. Diese GARIOA[11] -Mittel sollten vor allem der Sicherstellung der Ernährung sowie der Erhöhung der landwirtschaftlichen Eigenerzeugung dienen. Großbritannien führte ein ähnliches Hilfsprogramm durch. Darüber hinaus schuf der am 1. April 1948 in Kraft getretene Marshall-Plan weitere Möglichkeiten. So wurden im Frühjahr 1948 die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OEEC[12] ) und die Economic Cooperation Administration (ECA) ins Leben gerufen. Die gesamten Mittel für Ernährung und Landwirtschaft beliefen sich für Westdeutschland auf mehr als 1.000Mio. Dollar.[13] „Die Reinigungskur der Währungsreform und die Marshallplanhilfen haben der westdeutschen Landwirtschaft in ihrem Gesundungsbemühen wertvolle Dienste geleistet. Schon im Jahre 1949 konnte die Erzeugung fast wieder auf den Stand der Vorkriegsproduktion gehoben werden“.[14] Ab 1949 konnte bei steigender Ausfuhr gewerblicher Produkte die Nahrungsmitteleinfuhr allmählich aus eigenen Mitteln bezahlt werden, ab dem Verzeichnen von Exportüberschüssen 1952 bestanden für die Einfuhr von Nahrungsmitteln keine finanziellen Beschränkungen mehr.[15]

2.2.3 Anstieg der Flächenproduktion und Viehbestände

Die Ernten der Jahre 1945, 1946 und 1948 werden auf etwa 80 %, 1947 auf ca. 60 % des Vorkriegsniveaus eingeschätzt. Doch bereits 1949 überflügelte die Getreide- und Kartoffelernte das Niveau der Vorkriegsjahre, was in Tab. 1 deutlich wird. Maßgeblich für die im Jahre 1949 angestiegenen Ernten war vor allem der ab 1948 deutlich erhöhte Einsatz künstlicher Dünger. Währenddessen die Ackererträge relativ schnell angehoben werden konnten, dauerte, wie Tab. 2 zeigt, der Aufbau der Viehbestände etwas länger. Der Bestand an Schweinen nahm nach dem Krieg stark ab, da das Schwein wegen des Kartoffelverbrauchs ein Konkurrent des Menschen war. Indes wurde die Rindviehhaltung einigermaßen aufrechterhalten, da vor allem die Kühe wichtige Fettlieferanten, vor allem für die Butterherstellung, waren. Die Haltung von Schafen als Wolllieferanten wurde im und in den ersten Jahren nach dem Krieg erweitert, ab 1949 verringerte sich deren Bestand jedoch, weil man nun die Wolle billiger einführen konnte. Als wichtigstes Zugmittel für die Landwirtschaft galt das Pferd. Der Pferdebestand wies kaum Schwankungen auf, so dass die landwirtschaftliche Produktion hierdurch keinen Engpass erlitt.[16]

2.3 Mechanisierung und Strukturwandel in der Landwirtschaft ab 1950

2.3.1 Mechanisierung der Produktionsverfahren

Die meisten und wichtigsten landwirtschaftlichen Arbeiten wurden zunehmend mechanisiert. So kam es insbesondere zum sprunghaft gestiegenen Einsatz von Schleppern, welche nicht nur als Zugmaschinen, sondern auch als Arbeitsmaschinen dienten, die mit Hilfe der Hydraulik auch andere landwirtschaftliche Geräte integrieren konnten. Die Getreideernte wurde mit Hilfe von Mähdreschern bewältigt, die Ernte der Zuckerrüben und Kartoffeln wurde durch Vollerntemaschinen wesentlich erleichtert. Darüber hinaus fand auch der Einsatz von Melkmaschinen immer mehr Verbreitung. Dieser, in Tab. 3 dargestellte, wachsende Mechanisierungsgrad erleichterte den Landwirten die entsprechenden Tätigkeiten erheblich, viele Arbeiten konnten nun zu optimal günstigen Zeitpunkten ausgeführt werden, was dazu beitrug, Ernteverluste wesentlich zu verringern. Gleichzeitig ersetzte die zum Teil einsetzende Übermechanisierung, welche ab den 1970er Jahren allmählich wieder sank, in großem Maße sowohl menschliche Arbeitskraft wie auch tierische Zugkraft.[17]

[...]


[1] Bundestag, Geschichte, S. 348.

[2] Hartmann, Krise, S. 9.

[3] Tietmeyer, Anmerkungen, S. 9.

[4] Weber, Agrarpolitik, S. 57.

[5] Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte, S. 119.

[6] Weber, Agrarpolitik, S. 58-60.

[7] Henning, Landwirtschaft, S. 254-258.

[8] Weber, Agrarpolitik, S. 59.

[9] Henning, Landwirtschaft, S. 262.

[10] L.c., S. 258ff.

[11] Government And Relief In Occupiend Areas

[12] Organisation for European Economic Cooperation

[13] Weber, Agrarpolitik, S. 73-75.

[14] L.c., S. 75.

[15] Henning, Landwirtschaft, S. 261.

[16] L.c., S. 259ff.

[17] L.c., S. 267-269.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des primären Sektors in der BRD nach 1945
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V9297
ISBN (eBook)
9783638160353
ISBN (Buch)
9783638728157
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Sektors, Seminar
Arbeit zitieren
Anett Grießer (Autor), 2002, Die Entwicklung des primären Sektors in der BRD nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9297

Kommentare

  • Gast am 15.5.2007

    Agrarstruktur ist auch im 3. Jahrtausend noch Suboptimal!.

    Ich finde die Westdeutsche Agrarstruktur viel zu klein um mit ehemaligen LPGen oder ehemaligen Kolchosen oder auch Grossfarmen in den Flächenstaaten zu konkurrieren! Wenn die EU weiterhin Bauernhöfe mit Steuergeldern konserviert und keine Innovationsanreize gibt, ist der Abstand zu den gewerblichen Agrarbetrieben nicht mehr aufzuholen!!! Aber das scheinen die Wessis vergessen zu haben!

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