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Die Soziologie Theodor Geigers - Bedeutung und Rezeption

Title: Die Soziologie Theodor Geigers - Bedeutung und Rezeption

Term Paper , 2008 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Manuela Jacobs (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Die vorliegende Arbeit versucht zu klären, ob dieses Urteil zutreffend ist – und wenn ja, warum ein Soziologe mit einem derart vielfältigen Werk einen solchen Satz verdient. Fest steht, dass, gemessen an der Menge von Rezensionen und Zitaten, Theodor Geiger kein Riese der Soziologenzunft zu sein scheint. Und trotzdem ist ihm in Dirk Kaeslers Überblickswerk „Klassiker der Soziologie“ ein Platz neben den ganz Großen vergönnt, neben Auguste Comte, Karl Marx, Max Weber, Georg Simmel oder Norbert Elias. In der Sekundärliteratur taucht Geiger mal als Marxist, mal als Liberaler oder Positivist auf – und zwar immer mit einer gewissen Berechtigung.
Wenn im Folgenden von Rezeption und Bedeutung von Geigers Werk die Rede ist, so beschränken sich diese Aussagen immer auf den deutschen Raum. Die Wirkung, die er zweifelsohne in anderen Ländern hatte und hat – ganz besonders in seiner Wahlheimat Dänemark – verdient eigentlich eine eigene Untersuchung. Auch die ausführliche Vorstellung seiner Soziologie (oder besser Soziologien) verbietet sich von selbst; ein solches Unterfangen würde schlicht den Rahmen der Arbeit sprengen. Stattdessen soll in einem sehr knappen Abriss ein Überblick gegeben werden.
Danach werden Rezeption und Beurteilung des Geigerschen Schaffens in den verschiedenen Zeitabschnitten der deutschen Soziologie beleuchtet. Da die Meinung des Fachpublikums immer eng verbunden ist mit den jeweils vorherrschenden Tendenzen und Sichtweisen, ist dies zugleich eine Arbeit über die deutsche Soziologiegeschichte – und einen ihrer Vertreter, der meist zwischen den Stühlen saß.
Bei der Untergliederung des zu untersuchenden Zeitraums habe ich mich stark an Thomas Meyers „Die Soziologie Theodor Geigers. Emanzipation von der Ideologie“ orientiert, das mir überhaupt eine große Hilfe war. Die für mich prägnanteste Aussage zu Geiger stammt von Heinrich Popitz: „Inhaltlich besteht seine Eigenart – gerade unter den deutschen Soziologen seiner Generation – darin, dass er ein von Grund auf politischer Soziologe ist… Es sind politische Fragen, die ihn treiben… Selbstverständlich ist auch das provokante Bekenntnis zu einem theoretischen und praktischen Wertnihilismus eine politische These, eine These zur erhofften neuen Phase der Aufklärung.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie und Werk – ein kurzer Abriss

3. Weimarer Republik – „Neue Sachlichkeit“ vs. Kulturkritik

3.1. Kulturpessimismus und die „soziale Frage“

3.2. „Gemeinschaftssoziologie“

3.3. Methoden und Arbeitsfelder

4. 1933-1945: Zwischen Anpassung oder Exil

5. Bundesrepublik Deutschland

5.1. Phase der Restauration

5.2. Vom Neomarxismus in die Gegenwart

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung sowie die Rezeption des soziologischen Werks von Theodor Geiger innerhalb des deutschen Raums. Ziel der Untersuchung ist es, die Gründe für Geigers Rolle als „Außenseiter“ der Soziologenzunft zu identifizieren und zu analysieren, wie sich seine wissenschaftliche Wahrnehmung in Abhängigkeit von den jeweils vorherrschenden fachlichen und politischen Tendenzen über verschiedene Epochen hinweg wandelte.

  • Biographische Einordnung Geigers in den Kontext der Weimarer Republik, des Exils und der Nachkriegszeit.
  • Analyse von Geigers Abgrenzung gegenüber zeitgenössischer Kulturkritik und „Gemeinschaftssoziologie“.
  • Untersuchung von Geigers methodischem Ansatz einer empirisch orientierten Tatsachenforschung.
  • Darstellung der wissenschaftlichen Rezeption und der institutionellen Einbettung seiner Soziologie in der Bundesrepublik Deutschland.

Auszug aus dem Buch

3.2. „Gemeinschaftssoziologie“

Das gesellschaftstheoretische Thema der Zeit war die Gemeinschaftsforschung. Schon seit der Jahrhundertwende, besonders aber nach Kriegsende erschien eine wahre Flut gemeinschaftsverherrlichender Literatur – wiederum eine Folge des deutschen „Sonderweg“-Gedankens. Die Grundidee war dabei deutlich antimodernistisch: Es ging darum, dem haltlosen und entfremdeten „Zivilisations-Menschen“ eine neue geistige Heimat zu schaffen. Getragen wurde dieses Programm von allerlei Gruppen, Bünden und Bewegungen, unter anderem von der soziologischen Elite.

Einen herausragenden Beitrag zu dieser Diskussion leistete das „… vielleicht einflußreichste Lehrbuch der deutschen Soziologie…“: Ferdinand Tönnies’ 1887 erschienenes, viel gelesenes Hauptwerk „Gemeinschaft und Gesellschaft“, das bis 1935 in immerhin acht Auflagen erschien. Tönnies Absicht war es, eine rein soziologische Typologie zu erstellen, die den Wechsel von der bäuerlichen zur industriellen Gesellschaft beschreiben und die Gesetzmäßigkeiten des historischen Wandels erklären könne.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde es nachgerade zur Grundlage der politisch-kulturellen „Gemeinschaftsdebatte“. Die Kernthese lautet, dass die „Gemeinschaft“ die ursprüngliche Form menschlichen Zusammenlebens sei: echt, lebendig und dauerhaft. Diese „Gemeinschaft“ löst sich nach Tönnies jedoch in der „Gesellschaft“ auf, die ein künstliches Gebilde ist und in der das Individuum nicht mehr in einem stützenden Rahmen von festen sozialen Bindungen verankert ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach Geigers Rolle als marginalisierter Soziologe und begründet die methodische Vorgehensweise anhand der deutschen Soziologiegeschichte.

2. Biographie und Werk – ein kurzer Abriss: Das Kapitel skizziert die Lebensstationen Theodor Geigers von seiner akademischen Ausbildung bis zu seinem Exil und benennt die Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Schaffens.

3. Weimarer Republik – „Neue Sachlichkeit“ vs. Kulturkritik: Hier wird Geigers distanzierte Haltung zur zeitgenössischen Kulturkritik und sein Engagement für eine empirisch fundierte „neue Sachlichkeit“ beschrieben.

4. 1933-1945: Zwischen Anpassung oder Exil: Dieses Kapitel behandelt die Emigration Geigers und die Unterdrückung bzw. ideologische Umformung soziologischer Ansätze während des Nationalsozialismus.

5. Bundesrepublik Deutschland: Es wird die schwierige Wiederaufnahme und Rezeption von Geigers Werk in einer durch personelle und inhaltliche Kontinuitäten geprägten Nachkriegssoziologie analysiert.

6. Fazit: Das Fazit bestätigt Geigers Rolle als Außenseiter und betont die anhaltende Relevanz seiner Arbeiten zur Demokratietheorie und Ideologiekritik.

Schlüsselwörter

Theodor Geiger, Soziologiegeschichte, Weimarer Republik, Empirie, Wertnihilismus, Gemeinschaftssoziologie, Ideologiekritik, Nachkriegssoziologie, Exil, Neue Sachlichkeit, Klassiker der Soziologie, Sozialforschung, Demokratie, Methodenstreit, deutsche Soziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das soziologische Werk und die Wirkung von Theodor Geiger im deutschen Raum und untersucht die Gründe für seine zeitweilige Marginalisierung im Fachdiskurs.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit fokussiert auf Geigers Verhältnis zur „Gemeinschaftssoziologie“, seinen positivistischen Forschungsansatz, seine Emigration sowie die Rezeptionsgeschichte seines Werks nach 1945.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, das Urteil über Geiger als „Wanderer zwischen den Welten“ zu überprüfen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche wissenschaftliche Paradigmen seine Rezeption beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine historische und wissenssoziologische Aufarbeitung, die sich primär auf die Auswertung von Sekundärliteratur und Fachdiskursen stützt.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Phasen von Geigers Wirken: von seinem Werdegang in der Weimarer Republik über die Zeit des Exils bis hin zu seiner verzögerten Anerkennung in der Bundesrepublik.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ideologiekritik, Empirische Sozialforschung, Wertnihilismus, Demokratie und Wissenschaftsgeschichte beschreiben.

Warum wird Geiger als Außenseiter bezeichnet?

Geiger vertrat eine empirisch-nüchterne Methodik, die im starken Kontrast zum vorherrschenden deutschen Kulturpessimismus und zur spekulativen Gemeinschaftsforschung der Zeit stand.

Welche Rolle spielte Geigers Wertnihilismus für seine wissenschaftliche Isolierung?

Sein klares Bekenntnis zum Wertnihilismus und zur naturwissenschaftlichen Orientierung passte weder in das restaurative Klima der frühen Bundesrepublik noch in die ideologisch geprägten Diskussionen der späteren Jahrzehnte.

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Details

Title
Die Soziologie Theodor Geigers - Bedeutung und Rezeption
College
Dresden Technical University  (Institut für Soziologie)
Grade
1,7
Author
Manuela Jacobs (Author)
Publication Year
2008
Pages
17
Catalog Number
V92996
ISBN (eBook)
9783638067003
Language
German
Tags
Soziologie Theodor Geigers Bedeutung Rezeption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Jacobs (Author), 2008, Die Soziologie Theodor Geigers - Bedeutung und Rezeption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92996
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