Der Heide in "Wilhalm von Wenden" von Ulrich von Etzenbach

Eine kurze Untersuchung


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Heiden in der mittelalterlichen Dichtung

3. Die Heiden im Wilhalm von Wenden
3.1 Das Heidenvolk des Wendenlandes
3.2 Wilhalm - der edle Heide
3.3 Bene – die tugendhafte Herzogin

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die mittelalterliche Welt lebte nach einem starken und beinahe unerschütterlichen Paradigma, welches ihren Blick auf benachbarte Länder und Kulturen formte. Dieses Paradigma trug einen außerordentlich großen Teil zur Entwicklung der Einstellung des mittelalterlichen Europas gegenüber Ausländern, Fremden, Außenseitern und Nonkonformisten bis ins späte 16. und 17. Jahrhundert bei und bestimmt vielleicht noch immer unseren Blick auf fremde Kulturen, die nicht im Christentum begründet sind. Basierend auf dieser Tradition betrachtete die westliche Welt die Heiden, und dabei speziell Muslime, als eine Macht, die es nach Gottes Wille zu bekämpfen und vernichten galt.1 So beginnt Albrecht Classen seinen Aufsatz über die Entstehung der Toleranz, in dem er unter anderem Ulrichs von Etzenbach Wilhalm von Wenden auf Spuren eben dieses Paradigmas untersucht. Denn dieses Denkmuster, von dem Classen spricht, manifestiert sich auch in der mittelalterlichen Dichtung. Berühmte Werke, wie das Rolandslied des Pfaffen Konrad aus dem frühen 12. Jahrhundert beispielsweise, zeigen das klare Bild des edlen christlichen Befreiers. Auch viele etwas jüngere höfische Epen, wie Wolframs von Eschenbach Willehalm oder Ulrichs von Etzenbach Wilhalm von Wenden2 aus dem 13. Jahrhundert beschäftigen sich mit den Kreuzzügen und dem Konflikt zwischen Christen und Heiden.

Hierbei ist zu beachten, dass dieses auch in den mittelalterlichen Texten selbst verwendete Begriffspaar […] dabei ‚asymmetrisch‘ konstruiert [ist]. […] Heiden und Christen sind […] Gegenbegriffe, die zur Ausgrenzung der Nichtchristen einseitig von Adepten des Christentums verwendet werden konnten.3

Der Begriff Heide ist somit eindeutig negativ konnotiert. Doch besonders in den neueren Werken mittelalterlicher Dichtung wird immer deutlicher ein Unterschied gezogen, „[d]as Bild, das die volkssprachlichen Dichter des Mittelalters von den Andersgläubigen entwerfen, ist zwiespältig“4. Der den Christen feindlich gesinnte Heide, den es zu bekämpfen gilt, steht dem guten Heiden gegenüber, der die gleichen, christlichen oder zumindest ähnliche Werte vertritt. Ferner wird der Heide zudem als kriegerischer Gegner bewundert und die Pracht der heidnischen Heere bestaunt.

In der vorliegenden Arbeit soll nun, die Darstellung des Heidentums in Ulrichs von Etzenbach Wilhalm von Wenden näher untersucht werden. Dabei soll bewiesen werden, dass die Protagonisten Wilhalm und Bene sich, stellvertretend für ihr Volk, stets vorbildlich und tugendhaft benehmen und so dem zeitgenössischen negativen Bild der Heiden nicht entsprechen, dass es keinen Unterschied macht, ob sie Heiden oder Christen sind. Nach einer kurzen Kontextualisierung des Werks wird dazu zunächst das Volk des Wendenlandes in seiner Gesamtheit betrachtet, bevor Wilhalm selbst und seine Frau Bene gesondert beleuchtet werden.

2. Die Heiden in der mittelalterlichen Dichtung

Bereits der Chronist Ottokar von Steiermark bietet um 1300 im Akkon-Komplex der Österreichischen Reimchronik „eine bemerkenswert differenzierte Sicht der Konfliktparteien und macht Fragen von Schuld und Verantwortung, Charakter und Moral nicht mehr unverrückbar an Religionszugehörigkeiten fest“5, so Mathias Herweg. Mit der Belagerung von Akkon durch die Mamluken im Jahre 1291 wurde das Ende der Kreuzzüge eingeleitet, doch bedeutet dies nicht, dass dieses positive Bild der Heiden unbedingt mit dem Ende der Kreuzzüge oder der vermehrt auftretenden kritischen Betrachtung jener einherging. Das Bild des edlen Heiden existierte bereits um 1185 im Graf Rudolf und wird daher dem Ulrich von Etzenbach durchaus bekannt gewesen sein. Herweg betont, es handle sich weniger um das Aufkommen von Toleranz anderen Religionen gegenüber, als vielmehr um ein Koexistenzmodell, die Möglichkeit eines gleichwertigen Nebeneinanders von Christen- und Heidentum6.

Er differenziert „fünf stoff- und gattungssignifikante Sichtweisen der epischen Heidenschaft“7. Für das muslimische Heidentum dominiert das Modell eines erbarmungslosen Kampfes zwischen Christen und Heiden. Der Heide „wird entsprechend dämonisiert [und] animalisiert“8, seine religiösen Motive werden abgewertet oder ins Lächerliche gezogen9. Diese Sichtweise findet sich beispielsweise im Rolandslied oder auch später noch im Lohengrin. Das zweite Konzept verwirft das unbedingt antagonistische Spannungsverhältnis gegenüber den Heiden. Stattdessen wird „der anderen Seite ihr Recht und ihre Würde zugest[anden] und in der Konsequenz die religiöse Kluft zumindest relativiert“10. Des Weiteren benennt Herweg die „exotisch-ferne Heidenwelt“, den Mirabilienorient, welcher „weniger als spezifisch ‚heidnisch‘ denn als realphantastisch“, als „Abbildung der Schöpfungnsvielfalt“11, betrachtet wird. Ein weiteres Konzept beschäftigt sich mit fiktiven heidnischen Landschaften, wie denen in Johanns von Würzburg Wilhelm von Österreich. Zuletzt wird das Heidentum als Bestandteil der Eigenwelt betrachtet. Die heidnische Gesellschaft steht nicht im Kontrast zur christlichen Idealvorstellung, sondern erhält im Gegenteil selbst vor einem christlichen Publikum ihre Gültigkeit „als politisch-rechtliche Idealwelt“12. Ein prägnantes Beispiel für eine solche Gesellschaft in mittelalterlicher Dichtung bietet der Wilhalm von Wenden, wie sich im folgenden Kapitel herausstellen soll.

3. Die Heiden im Wilhalm von Wenden

3.1 Das Heidenvolk des Wendenlandes

Im heidnischen Wenden stirbt zu Beginn des Wilhalm von Wenden ein namenloser Herzog und hinterlässt das Land seinem noch jungen Sohn Wilhalm, welcher unter Anleitung seines Schwiegervaters die Regierungsgeschäft übernimmt. Unter der Herrschaft des jungen Herzog Wilhalm und seiner Gemahlin Bene blüht das Wendenland auf, sîniu lant endelich beriht / stuonden vridelich unde wol (WW, V. 440f) . Das Fürstenpaar ist großzügig und ehrt die Gesetze und Götter:

milde sie wârn ir guotes /

gar williges muotes. /

ir gesetzede und ir ê /

sie starke êrten und noch mê /

Jupiter ir werden got (WW, V. 445-449).

Die ebenso heidnischen Gäste, welche zu Wilhalms und Benes Vermählung erscheinen, werden als werde heiden (WW, V. 255) bezeichnet und offensichtlich wissen sie sich zu benehmen (vgl. WW, V. 305-308). Herweg bemerkt, dass ihre „Religion nur nominell anders erscheint, weil die Bewohner [des Wendenlandes] christliche Normen internalisiert haben“13. Auch die politischen Strukturen gleichen denen einer christlichen Gesellschaft. Trotz des erst kürzlichen Todes des einstigen Fürsten befindet sich das Land in einem Zustand des Glücks. Dessen Ratgeber beweisen rehte triuwe (WW, V. 132), indem sie den neuen, noch minderjährigen Fürsten ebenso tatkräftig unterstützen – Herren, Ritter und Knappen behandeln ihn mit wirdiclîcher aht (WW, V. 137). Selbst als Wilhalm auf der Suche nach Christus sein Land ohne Vorwarnung verlässt, bleiben seine Gefolgsleute ihm gegenüber und untereinander solidarisch und überwinden so die entstandene Krise14. Der Erzähler stellt das Wendenvolk gleich zu Beginn als gut strukturierte und zivilisierte Gesellschaft vor.

Auch die anderen heidnischen Gesellschaften des Romans werden meist in ein positives Licht gerückt. Als die Hafenstadt, in der Bene zurückbleibt, nach einem neuen Herrscher sucht, wird Bene demokratisch zur Fürstin gewählt15:

wir lâzen uns des zouwen /

und loben sie zeiner frouwen.‘ /

dô wart diu frouwe gekorn /

und von den vieren gesworn (WW, V. 4311-4314).

Ferner unterscheidet sich zudem das „nahöstlich-fremde“ Heidentum kaum von der Wendischen Gesellschaft16. Vor und selbst im Krieg wird vernünftig kommuniziert17, die gefallenen Gegner werden vom Erzähler als werde heiden (WW, V. 4008) bezeichnet. Er preist die ritterlichen Heiden, bedauert jedoch deren Ignoranz in religiösen Belangen18. Die prächtigen Heere der Heiden sind so beeindruckend, dass sonst nur ein ervarner man (WW, V. 3861) so etwas erleben würde. In Bezug auf das zuvor erwähnte Paradigma führt Classen an:

The acknowledgement of the foreign culture as relatively equal, the break-down of the paradigm, as we might say, is imminent or has taken place here already. It does not necessarily imply the acceptance of the heathens in their religion, but despite the persistent air of superiority we discover the emergence of ever so slightly a notion of tolerance.19

Classen meint hier erste Anzeichen von Toleranz zu erkennen. Der Patriarch Jerusalems äußert sein Mitleid für die Heiden, da sie nach ihrem Tod für immer in der Hölle leiden werden (vgl. WW, V. 3730-3734). Obwohl er Wilhalm um Hilfe im Kampf gegen die Heiden bittet, zählt er sie explizit als Teil der Schöpfung Gottes20, denn auch sie sind gotes hantgetât (WW, V. 3734)21. Später bezieht auch Wilhalm im Gespräch mit Bene alle Heiden in Gottes Plan mit ein:

Swer gnâden an dem herren gert, /

der niemen ist verscheiden, /

er sî jude oder heiden /

und ouch gar sündic kristenman (WW, V. 6182-6185);

Das Heidentum wird hier zwar noch nicht als gleichwertige Glaubensrichtung anerkannt, aber doch zumindest als Teil der bestehenden Welt akzeptiert22. So präsentiert der Erzähler das Wendenvolk bereits vor ihrer Konversion als ideale christliche Gesellschaft, „die schlussendliche Bekehrung bestätigt die Idealität nur post festum“23. Am Beispiel der Wenden wird hier nahegelegt, dass eine solche Bekehrung eben nicht durch einen Kreuzzug erzwungen werden muss, sondern auch friedlich durch Pilger erfolgen kann24. Das Christentum büßt zum Ende des Romans einen Teil seiner Dominanz ein, als die Konversion der Heiden nicht durch Missionierung, sondern durch Verhandlungen erzielt wird25. Die Monopolstellung des Christentums wird gewissermaßen kompromittiert, indem der Glaube nicht mehr absolut ist, sondern verhandelbar wird.

3.2 Wilhalm - der edle Heide

Der Grund für die schlussendliche Bekehrung seines Volkes ist der junge Herzog Wilhalm. Trotz seines geringen Alters erfährt dieser als Sohn eines edel heiden (WW, V. 108) den Respekt und die Hochachtung seiner Gefolgsleute, als ob im wîsheit volliu maht und aldiu jâr sîn gegeben (WW, V. 138f) . Wilhalm und auch seine Frau Bene erhalten bereits zu Beginn einen Vorbildcharakter, der Erzähler lässt sie „vom ersten Auftritt an als politische wie ethische Lichtgestalten erscheinen“26. So schreibt er über Wilhalm:

er wante sîn gemüete /

an wirdîcliche güete; /

zuht sô wolde er minnen, /

sîn kintheit ranc mit sinnen (WW, V. 143-146).

Wilhalm ist trotz seines polytheistischen Glaubens die Verkörperung eines christlichen Fürsten, er trägt ein süezez herze in heidenschaft (WW, V. 653). Dabei gibt es durchaus negative Lesarten des Charakters, der zweifellos auch fragwürdige Entscheidungen trifft. Classen argumentiert, dass er sich sowohl seinem Land als auch seiner Frau gegenüber extrem unverantwortlich verhält, indem er sie im Stich lässt, um seine persönliche Ziele zu verfolgen27. Wilhalm verlasse Bene recht achtlos, ausgenommen des Goldes, welches er ihr zurücklässt28. Ohne Benes Einfluss, so Classen weiter, hätte er ferner keinen Erfolg bei der Konversion der Heiden seines Landes gehabt, eine Konversion, zu der Bene gezwungen ist, da Wilhalm beschließt, sie andernfalls wieder zu verlassen29. Schließlich räumt Classen aber ein:

In light of our discussion the most remarkable aspect of the legendary romance rests, however, in the fact that both the two protagonists and their various subjects demonstrate the highest ideals of courtly society and do not differ from any other Christian even long time before their conversions. There is no need either for Wilhelm or for Bene to change their behavior and value-system in order to conform to Christianity.30

Wilhalm verhält sich laut Classen also stets christlich. Als er seine Familie zurücklässt, tut er dies, da er seiner Suche nach Christus und der Taufe zum Christen die höchste Wichtigkeit beimisst. Ob dies für heutige Verhältnisse eine geeignete Rechtfertigung für sein Verhalten darstellt, ist dabei irrelevant und steht außerdem außer Frage – das Verhalten des Herzogs sei „zumindest aus moderner Sicht kraß, unbedacht und rücksichtlos“31. Zur Entstehungszeit des Textes wird die absolute Hingabe zu Gott jedoch als höchste Priorität gewertet worden sein, denn Ulrich von Etzenbach legitimiert immer wieder das Verhalten seines Protagonisten. Er verfasste den Wilhalm von Wenden für den böhmischen König Wenzel II. und seine Frau Guta, an welche er seine Protagonisten Wilhalm und Bene anlehnte32. Das erklärt auch, wieso Wilhalm so leicht vom Christentum zu überzeugen ist. Er ist zwar zunächst Heide, doch sein Reich und seine Herrschaft sind wohl geordnet, sein Verhalten tadellos, es fehlt nur ein Anstoß in die richtige Richtung. Er gibt „mit der Heirat mit seiner Braut Bene ein sichtbares Zeichen für Ordnung, Recht und Frieden seines Reiches […]: Die Pracht des Festes ist Sinnbild und praktische Vergegenwärtigung einer idealen Herrschaft“33.

In der Folge genügt ein einzelnes Wort, um Wilhalm von seinem ursprünglichen falschen Glauben abzubringen. Der Klang des Namen Krist verzaubert ihn und er ist augenblicklich erpicht darauf, mehr über ihn zu erfahren, doch zugleich:

Krist ouch swârte im den muot /

zaller zît wie er dar qu æ me /

dâ er volliclich vern æ me /

und man im bescheinde /

waz Krist der name meinde (WW, V. 518-522).

Röcke beschreibt es als „ein Fest der Sinne, welches der Name krist hervorruft und auf diese Weise die Konversion Wilhelms vom Heiden zum Christen anstößt“34. Diese muss allerdings im Verlaufe des Romans von Wilhalm selbst durchgeführt werden, indem er sein Land und seine Familie verlässt, um nach Jerusalem zu gehen. Denn Wilhalm fasst den Entschluss, auf Pilgerfahrt zu gehen, damit Krist im bekant würde (WW, V. 558). Er trägt seinem Kämmerer auf, ihm Pilgerkleidung zu besorgen und niemandem davon zu erzählen:

Einen grâwen roc und zwêne schuo /

nâch gebûres ahte /

mir, lieber friunt, betrahte, /

einen stap und einen huot /

der dâ wese niht ze guot (WW, V. 606-610)!

Infolgedessen erprobt er allein in seinen Gemächern das Pilgerleben, indem er sich in diese Gewänder kleidet35. Das alles hielt Wilhalm vor seinem Gefolge und seiner Gemahlin geheim. Als diese schließlich von seinem Vorhaben erfährt, fühlt sie sich von ihm betrogen. Bene stellt ihre eigenen Bedürfnisse jedoch zurück und erinnert Wilhalm stattdessen an seine Vasallen, welche ihn stets êrten (WW, V. 1146). Dennoch kann sie ihn nicht vom Bleiben überzeugen, denn Wilhalm ist fest entschlossen, ins Heilige Land zu reisen. Nicht einmal Benes Ultimatum: daz dû belîbest hie bî mir, / oder lâz mich volgen dir (WW, V. 1337f) bringt ihn von seinem Vorhaben ab, denn er muss unbedingt erfahren, was der Name Christus bedeutet.

Interessant ist aber, dass er nicht, wie sonst üblich in zeitgenössischer Dichtung, in Ausblick auf seine Konversion vollständig mit seinem alten Leben bricht36. Vor der Abreise deckt er sich mit genügend Proviant ein und führt so viel Gold mit sich, dass er Bene problemlos ein anständiges Leben in der Hafenstadt ermöglichen kann. Auf die radikale Hinwendung zum neuen Glauben folgt nicht die Abwendung von Gewalt und Macht. Stattdessen bewahrt sich der Protagonist die Möglichkeit auf Herrschaft und Reichtum, was im Widerspruch zur geplanten Konversion steht37. Dennoch erweist sich Wilhalm auch nach der Taufe als vorbildlicher Christ. Er zieht in den Krieg gegen die Heiden, die Jerusalem belagern, und erwirbt dort prîs und siges êre (WW, V. 4002), sodass ihn selbst die feindlichen Heiden bewundern (vgl. WW, V. 4011). Der Erzähler lobt ihn über alle Maßen:

An fürstlîcher tugende /

was er sich vermugende. /

swaz er den heiden abebrach, /

als im sîn süezer art verjach, /

das was milteclich vergeben. /

er konde wirdeclîchen leben /

und was allen liuten wert, /

ze allen sachen unerv æ rt /

die ze wirde tohten. /

sîn herze was geflohten /

in eine süeze reinekeit (WW, V. 3973-3983)

Schließlich erringt Wilhalm in einem Duell den Sieg, entscheidet so den Krieg für die Christen und bewirkt die Konversion seines heidnischen Gegners.

In all dieser Zeit vergisst Wilhalm seine geliebte Bene jedoch nie. So betont der Erzähler zum Ende des Krieges, dass Wilhalm unentwegt an sie denke und sie sehr vermisse (vgl. WW, V. 4013-4015), er bleibt ihr stets treu. Als die beiden endlich wieder vereint sind, ist Wilhalm allerdings überzeugt, Bene wieder verlassen zu müssen: nû müezet ir mîn mangel hân, / wan ir sît ein heidenîn (WW, V. 7942-7943) . Sein Handeln erscheint hier erneut recht egoistisch38, doch wie zu Beginn, als er sein Land und seine Familie zurücklässt, nimmt sein christlicher Glaube den höchsten Stellenwert für Wilhalm ein. Aus christlicher Perspektive verhält er sich außerordentlich vorbildlich, er ist bereit, für seinen Gott ein so großes Opfer wie den Verlust seiner Familie ein zweites Mal zu erbringen.

Zu Beginn des Romans wird Herzog Wilhalm, trotz seines geringen Alters, als weiser und edler Herrscher eingeführt, der sein Land nach dem Tod seines Vaters stabilisiert und erneut aufblühen lässt. Er beweist seinen starken Glauben, als er alles, was ihm teuer ist, zurücklässt, um nach seinem Gott zu suchen und zeigt seinen Mut im Kampf gegen die kriegerischen Heiden. Schließlich kehrt er in seine Heimat zurück, um seine Frau zu suchen, welcher er die gesamte Zeit über die Treue gehalten hat. Wann immer er eine vermeintlich rücksichtslose Entscheidung trifft, so tut er dies, da er seinen Glauben über alles andere stellt. Wilhalm von Wenden erweist sich über die gesamte Dauer des Romans als vorbildlich christlicher und tugendhafter Mensch, ungeachtet seiner religiösen Orientierung.

[...]


1 Albrecht Classen: Emergence of Tolerance. An unsuspected medieval phenomenon. In: Neophilologus 76 (1992), S. 586-599, hier S. 586.

2 Textgrundlage der folgenden Ausführungen ist: Ulrich von Etzenbach: Wilhalm von Wenden. Text, Übersetzung, Kommentar, hg. von Mathias Herweg. Berlin 2017. - Diese Ausgabe wird im Folgenden zitiert unter Verwendung der Sigle ‚WW' und Seitenangabe.

3 Uta Goerlitz: Integration oder Desintegration? Heiden und Christen im Mittelalter. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 39 (2009), H. 156, S. 6.

4 Rüdiger Schnell: Die Christen und die „Anderen“. Mittelalterliche Positionen und germanistische Perspektiven, In: Die Begegnung des Westens mit dem Osten, hg. von Odilo Engels/Peter Schreiner. Sigmaringen 1993, S. 185-202, hier S. 186.

5 Mathias Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition. Bilder der ‚nahen Heidenwelt‘ im späten deutschen Versroman. In: kunst und saelde, hg. von Katharina Boll/Katrin Wenig. Würzburg 2011, S. 87-113, hier S. 88.

6 Vgl. Ebd., S. 89.

7 Ebd., S. 90.

8 Ebd.

9 Vgl. Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 90.

10 Ebd.

11 Ebd., S. 91.

12 Ebd.

13 Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 109.

14 Vgl. Ebd., S. 110.

15 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 593.

16 Vgl. Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 111.

17 Vgl. Ebd., S. 111f.

18 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 594.

19 Ebd.

20 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 594.

21 Hierbei handelt es sich um ein Zitat aus der Rede Gyburgs aus Wolframs von Eschenbach Willehalm, zu welchem sich Ulrich bereits zu Beginn des Romans in engen Bezug stellt.

22 Vgl. Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 89.

23 Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 91f.

24 Vgl. Ebd., S. 109.

25 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 593.

26 Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 110.

27 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 593.

28 Vgl. Ebd.

29 Vgl. Ebd.

30 Ebd., S. 595.

31 Albrecht Classen: Ulrichs von Etzenbach Wilhalm von Wenden – ein Frauenroman? In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, hg. von Hermann Kunisch u.a. Berlin 1989, S. 27-43, hier: S. 32.

32 Vgl. Herweg: Zwischen Handlungspragmatik, Gegenwartserfahrung und literarischer Tradition, S. 110.

33 Werner Rö>397-412, hier S. 408.

34 Ebd., S. 409.

35 Vgl. Ebd., S. 409.

36 Vgl. Ebd., S. 409f.

37 Vgl. Rö>

38 Vgl. Classen: Emergence of Tolerance, S. 593.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Heide in "Wilhalm von Wenden" von Ulrich von Etzenbach
Untertitel
Eine kurze Untersuchung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V930096
ISBN (eBook)
9783346255976
ISBN (Buch)
9783346255983
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhalm von Wenden, Ulrich von Etzenbach, Heide
Arbeit zitieren
Myron Christidis (Autor:in), 2019, Der Heide in "Wilhalm von Wenden" von Ulrich von Etzenbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/930096

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