Charles de Gaulle - Mythos und Legende


Seminararbeit, 2002
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Personenkult“

3. De Gaulles Umgang mit Worten
3.1 Zur Person
3.2 „Magier der Worte“
3.3 Pressekonferenzen

4. De Gaulles Beziehungen
4.1 Beziehung zu den Franzosen
4.2 Beziehung zu den Deutschen
4.3 Beziehung zu Konrad Adenauer

5. De Gaulles Tod
5.1 Reaktion der Franzosen
5.2 Reaktion der Deutschen

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Frankreich ist verwitwet“. Mit diesen Worten wandte sich der neue Staatspräsident George Pompidou an die französische Nation, um den Tod des Generals Charles de Gaulle bekannt zu geben.[1] Diese Worte sollen ausdrücken, dass Frankreich einen seiner bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jhs. verloren hatte und damit einen Teil von sich selbst. Wie viele andere seiner Landsleute lebte de Gaulle in und mit der Geschichte. Er versuchte sich selbst als Teil der französischen Geschichte zu begreifen, verkörperte Frankreich, sah sich sogar als Personifizierung seines Landes.[2] De Gaulle gab nicht nur den Franzosen, sondern besonders auch den Deutschen ihre Identität, die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen war, zurück. Sein Ziel war Frankreich einen Platz und eine bedeutende Rolle innerhalb Europas zu verschaffen.[3] Außerdem strebte er eine deutsch-französische Aussöhnung und Zusammenarbeit an.

Im Folgenden werden jedoch weniger die politischen Vorgänge während der Ära de Gaulles im Vordergrund stehen. Viel mehr soll das Wirken und die Faszination Charles de Gaulles zusammengetragen und anhand mehrerer Beispiele verdeutlicht werden, die sich in der Zeit von 1958 mit seinem 2. Amtsantritt als Staatspräsident Frankreichs bis zu seinem Tod 1970 ereignet haben.

Die Darstellung seiner Wirkung ist nicht leicht, da bis heute nur zahlreiche Biographien über de Gaulle erschienen sind, die zwar in einigen Abschnitten auf die Faszination des Generals eingehen, sich ansonsten jedoch nur auf dessen Politik beziehen. Bis zum heutigen Tag ist noch kein Buch publiziert worden in dem ausschließlich über die Wirkung dieser Person berichtet wird. Meine Darstellung wird sich auf folgende explizite Beispiele beschränken: Zuerst soll die Beziehung zu Franzosen, Deutschen und insbesondere die Beziehung zwischen Adenauer und de Gaulle dargestellt werden. Einen wichtigen Bestandteil dieser Untersuchung bilden de Gaulles Pressekonferenzen und de Gaulle als „Magier der Worte“[4]. Abschließend soll geschildert werden wie Deutsche und Franzosen mit de Gaulles Tod 1970 umgingen.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob man bei de Gaulle überhaupt von Personenkult sprechen kann. Deshalb werde ich zu Beginn des Hauptteils einen kurzen Definitionsversuch von Personenkult versuchen.

2. Der Begriff „Personenkult“

Bevor ich mich mit der Darstellung der Person Charles de Gaulles befasse, soll an dieser Stelle ein kurzer Definitionsversuch von Personenkult, in Anlehnung an das Proseminar, vorgenommen werden, um dann am Ende meiner Ausführungen die Frage, ob man bei Charles de Gaulle überhaupt von einem Personenkult sprechen kann, leichter beantworten zu können.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei Personenkult um die Idealisierung einer führenden Persönlichkeit in einem System (Ideologie, Staat). Der Person werden Eigenschaften zugeschrieben, welche die hohe Stellung dieser im System rechtfertigen. Das System kann durch die Person, um die sich der Kult dreht, gerechtfertigt werden. Die Idealisierung wird durch die Verwendung von Massenmedien, bildlichen Darstellungen (Münzen, Plakate) und Texten (Biographien) erreicht. Meist wird eine Symbolik für den Kult eingeführt oder auf eine in der Gesellschaft verbreitete Symbolik zurückgegriffen.

3. De Gaulles Umgang mit Worten

3.1 Zur Person

Die Großen der Welt betrachteten ihn „als einen Ersten unter ihresgleichen“.[5] Woher aber bezog Charles de Gaulle dieses Ansehen?

Er besaß ein überaus starkes Selbstbewusstsein, das auf seine körperlich hochgewachsene Gestalt zurückzuführen ist, die ihm hingegen der kleinwüchsige Stalin verübelte. Außerdem verließ ihn seine Gesundheit bis ins hohe Alter nicht und selbst während der zwei Weltkriege, in Gefangenschaft, wurde seine Gesundheit nicht in Mitleidenschaft gezogen.[6]

Die Autorität, die er ausübte, war ihm größtenteils angeboren. Schon unter seinen Geschwistern übernahm er die Rolle des Anführers.

Aus Colombey, dem privaten Familiensitz, waren im Gegensatz zu seinem Nachfolger Mitterrand nie Schlagzeilen aus dem Privatleben der de Gaulles zu erwarten gewesen. Seine Familie hielt er soweit es ging dem politischen Leben fern und stellte sie nicht in die Öffentlichkeit. Vielmehr gab ihm seine Familie die Kraft für sein , die er benötigte. Sein Sohn beschrieb das häusliche Leben in seinem Elternhaus als das einer preußischen Offiziersfamilie während der Reichswehrzeit. „Bei uns wurde nicht gelacht. Und ich habe meinen Vater während seines ganzen Lebens nur einmal den Tränen nahe gesehen: als meine mongoloide Schwester Anne starb.“[7] Geld bestimmte nie sein Handeln und überstieg nicht den finanziellen Rahmen. Selbst 1969 nach seiner Wahlniederlage und seinem Rücktritt verzichtete er auf das ihm zustehende Ruhegehalt als ehemaliger Staatspräsident. Sogar die Honorare für seine Bücher überließ er einer Stiftung für behinderte Kinder, der er den Namen seiner Tochter Anne gab.

3.2 „Magier der Worte“

Charles de Gaulle erwies sich als „Magier der Worte“, der die Zuhörer mit seiner Redeweise in seinen Bann zog.[8] Vieles begann mit dem Wort und sein geschickter Umgang mit diesem war das Geheimnis seines erfolgreichen Wirkens. Er blieb also unbestrittener Führer der Résistance dank der Worte, die er vom Londoner Exil aus über den Rundfunk an die Franzosen richtete. Diese Botschaften begannen stets: „Ich, Charles de Gaulle [...].“[9] Auch später während seiner Amtszeit (1958-69) als Staatspräsident Frankreichs griff er in dramatischen Augenblicken immer wieder zum Wort. Ein Beispiel dafür zeigte sich während des Algerienkrieges (1954-1962) als durch de Gaulles Worte die höchste Form der Massenbeeinflussung erreicht wurde. Dazu wandte er eine bestimmte Taktik an. Die Ziele seiner Formulierungen blieben zunächst ungenau. Nach und nach ließ er seine Absichten klarer werden und konnte so seine Zuhörer für sich gewinnen und sie dorthin führen, wo er sie haben wollte.[10] Charles de Gaulle gewöhnte die Franzosen durch immer neue Worte daran, die Unabhängigkeit Algeriens zu tolerieren und auf das letzte koloniale Gebiet zu verzichten. Den Algerienfranzosen rief er zu, sie seien Franzosen mit gleichen Rechten und Pflichten. Diese Formulierung enthielt die Gleichberechtigung der Moslems, die damals noch durch ein Zweiklassenwahlrecht entmündigt waren. De Gaulle machte den Franzosen klar, dass ein Großteil der Einwohner Moslems waren, die sich der französischen Kultur nicht unterordnen wollten. Als de Gaulle dann schließlich vom „algerischen Algerien“ sprach, war klar, dass in absehbarer Zeit Verhandlungen zur Unabhängigkeit Algeriens stattfinden würden.[11]

Charles de Gaulle wusste genau wie er das Wort zu wählen hatte, so dass es die Aufmerksamkeit seiner Landsleute auf sich zog.

[...]


[1] Vgl. Kapferer, Reinhard, Charles de Gaulle. Umrisse einer politischen Biographie, Stuttgart 1975, S. 270.

[2] Vgl. Kiersch, Gerhard, De Gaulle und die deutsche Identität, in: Loth/Picht (Hrsg.), De Gaulle, Deutschland und Europa, Opladen 1991, S. 182.

[3] Vgl. Weisenfeld, Ernst, Charles de Gaulle - der Umgang mit der eigenen Legende, in: Wilfried Nippel (Hrsg.), Virtuosen der Macht, Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao, München 2000, S. 213.

[4] Weisenfeld, Ernst, Europa vom Atlantik zum Ural – Eine magische Formel – Eine Vision – Eine Politik, in: Loth/Picht (Hrsg.), De Gaulle, Deutschland und Europ, Opladen 1991, S. 71.

[5] Schunck, Peter, Charles de Gaulle. Ein Leben für Frankreichs Größe, Berlin 1998, S. 634.

[6] Ebenda, S. 634.

[7] Weisenfeld, Ernst, Charles de Gaulle - Der Magier im Elysée, München 1990, S. 137.

[8] Weisenfeld, Ernst, Europa vom Atlantik zum Ural - Eine magische Formel - Eine Vision - Eine Politik, in: Loth/Picht (Hrsg.), De Gaulle, Deutschland und Europa, Opladen 1991, S. 71.

[9] Vgl. Ebenda, S. 71.

[10] Vgl. Weisenfeld, Ernst, Charles de Gaulle - Der Magier im Elysée, S. 24.

[11] Vgl. Ebenda, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Charles de Gaulle - Mythos und Legende
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Personenkult in der Moderne - Von Mussolini zu Putin
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V9301
ISBN (eBook)
9783638160384
ISBN (Buch)
9783640865260
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charles, Gaulle, Mythos, Legende, Personenkult, Moderne, Mussolini, Putin
Arbeit zitieren
Anne Sophie Günzel (Autor), 2002, Charles de Gaulle - Mythos und Legende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9301

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Charles de Gaulle - Mythos und Legende


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden