Bei der sprachwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Texten spielt die Unterscheidung zwischen konzeptionell geschriebener und konzeptionell gesprochener Sprache eine grundlegende Rolle. Im Rahmen dieser Arbeit wird zunächst das diese Unterscheidung thematisierende Modell sprachlicher Nähe und Distanz von Koch und Oesterreicher umrissen. Daran anschließend wird als Beispiel für die praktische Nutzung dieses Modells eine Darstellung der Monographie „Textgliederung. Einheitenbildung im geschriebenen und gesprochenen Deutsch“ von Stephan Stein gegeben, in der die Theorie von Koch und Oesterreicher als Basis der weitergehenden Untersuchung von Textgliederungsmitteln und Texteinheiten dient.
Schließlich wird die Monographie „Grammatik aus Nähe und Distanz. Theorie und Praxis am Beispiel von Nähetexten 1650 – 2000“ von Vilmos Ágel und Mathilde Hennnig vorgestellt, in der das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher diskutiert und auf Basis der daraus gewonnenen Erkenntnisse ein differenzierteres Modell entworfen wird. Als Grundlage dieser Arbeit dienten die beiden angesprochenen Monographien sowie der Aufsatz „Schriftlichkeit und Sprache“ von Peter Koch und Wulf Oesterreicher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Kauf)
2. Das Modell von Koch und Oesterreicher: Schriftlichkeit als Medium und Konzept (Khalil)
3. Anwendung des Konzepts durch Stephan Stein (Kauf)
3.1 Übersicht (Kauf)
3.2 Darstellung des Inhalts (Kauf)
3.2.1 Grundlagen (Kauf)
3.2.2 Textgliederung unter Bedingungen kommunikativer Distanz (Kauf)
3.2.3 Textgliederung unter Bedingungen kommunikativer Nähe (Kauf)
3.2.4 Bilanz (Kauf)
4. Kritik des Konzepts (Khalil)
4.1 „Grammatik aus Nähe und Distanz“ von Vilmos Ágel und Mathilde Hennig (Khalil)
4.2 Ausgangspunkt (Khalil)
4.3 Kritik am Modell von Koch/Oesterreicher und anderen Ansätzen (Khalil)
4.4 Das Modell des Nähe- und Distanzsprechens (Khalil)
5. Schluss (Kauf)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und kritisiert das bekannte Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher. Ziel ist es, die praktische Anwendbarkeit des Modells auf verschiedene Textsorten zu untersuchen, seine Grenzen aufzuzeigen und weiterführende Ansätze zur präziseren Klassifizierung sprachlicher Äußerungen vorzustellen.
- Grundlagen des Nähe-Distanz-Modells
- Anwendung des Modells in der Textgliederungsforschung durch Stephan Stein
- Kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Schwächen des Modells
- Diskussion neuerer Ansätze, wie der "Grammatik aus Nähe und Distanz"
- Entwicklung und Erläuterung des Modells des Nähe- und Distanzsprechens
Auszug aus dem Buch
Das Modell von Koch und Oesterreicher: Schriftlichkeit als Medium und Konzept (Khalil)
Koch und Oesterreicher weisen den Begriffen Mündlichkeit und Schriftlichkeit eine zweifache Bedeutung zu. Einerseits können diese als eine mediale Realisierung sprachlicher Äußerungen verstanden werden, so dass unter mündlich die phonische und unter schriftlich die grafische Realisierung einer Äußerung erfasst wird. Andererseits können sie die Konzeption, die die Äußerungen charakterisiert, bedeuten. Hierbei handelt es sich um die Aspekte sprachlicher Variation. Im medialen Bereich stellen die Begriffe mündlich und schriftlich ein sich entgegen gesetztes Begriffspaar dar, im konzeptionellen Bereich hingegen sind diese graduell zu verstehen, was Koch und Oesterreicher als „Endpunkte eines Kontinuums“1 bezeichnen. So ist ein Vortrag beispielsweise als ,medial phonisch‘, aber ,konzeptionell schriftlich‘ zu nennen. Umgekehrt kann ein Tagebucheintrag ,medial grafisch‘, ,konzeptionell‘ jedoch ,mündlich‘ heißen. Dennoch besteht eine gewisse Verwandtschaft zwischen ,medial phonischen‘ und ,konzeptionell mündlichen‘ Äußerungen zum einen und ,medial grafischen‘ und ,konzeptionell schriftlichen‘ Äußerungen zum anderen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung (Kauf): Einleitende Darlegung der Relevanz des Nähe-Distanz-Modells und Vorstellung der zu untersuchenden Fachliteratur.
2. Das Modell von Koch und Oesterreicher: Schriftlichkeit als Medium und Konzept (Khalil): Theoretische Grundlegung des Modells und Erläuterung der Unterscheidung zwischen medialer und konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit.
3. Anwendung des Konzepts durch Stephan Stein (Kauf): Darstellung, wie Stephan Stein das Modell als Basis für seine Forschungen zur Textgliederung nutzt und auf verschiedene Ebenen anwendet.
4. Kritik des Konzepts (Khalil): Analyse der Schwächen des ursprünglichen Modells und Vorstellung alternativer Ansätze zur Klassifizierung historischer Nähe- und Distanztexte.
5. Schluss (Kauf): Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung des Modells als Grundlage sowie die Notwendigkeit einer methodischen Ausdifferenzierung für präzisere Analysen.
Schlüsselwörter
Nähe-Distanz-Modell, Koch und Oesterreicher, konzeptionelle Mündlichkeit, konzeptionelle Schriftlichkeit, Textgliederung, Sprachvariation, Nähetext, Distanztext, Sprachgeschichte, Medialität, Konzeption, Textualität, linguistische Gesprächsanalyse, Nähesprechen, Distanzsprechen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher, stellt dessen Anwendung in aktueller Forschung dar und analysiert kritisch seine theoretischen sowie praktischen Grenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind die Unterscheidung zwischen medialer und konzeptioneller Sprache, die Analyse von Textgliederungsmitteln sowie die historische Einordnung von Texten in ein Nähe-Distanz-Kontinuum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Evaluation des Modells von Koch und Oesterreicher und die Diskussion weiterführender Ansätze, die eine präzisere Verortung von Textsorten ermöglichen sollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und vergleichende Theoriebildung, indem sie bestehende Monographien und wissenschaftliche Aufsätze zu diesem Thema gegenüberstellt und analysiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden sowohl die praktische Anwendung des Modells durch Stephan Stein als auch die Kritik von Vilmos Ágel und Mathilde Hennig sowie der Entwurf eines neuen "Modells des Nähe- und Distanzsprechens" behandelt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nähe-Distanz-Modell, konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit, Textgliederung und Sprachvariation charakterisiert.
Warum kritisieren Ágel und Hennig das Modell von Koch und Oesterreicher?
Sie bemängeln, dass die Unterscheidungen im Modell zu vage seien und keine methodisch kontrollierbare praktische Umsetzbarkeit zur Bestimmung des Grades an Nähe- oder Distanzsprachlichkeit böten.
Was ist das "universale Axiom" im neuen Modell des Nähe- und Distanzsprechens?
Das universale Axiom definiert Nähesprechen als eine offene Produzenten-Rezipientenbeziehung, bei der die Rollen getauscht werden können, und Distanzsprechen als geschlossene Beziehung mit festen Rollen.
Wie unterscheidet Stephan Stein "Gliederung" und "Segmentierung"?
Stein definiert Gliederung als erworbene kommunikative Kompetenz zur Textorganisation, während er Segmentierung lediglich als eine rein methodische Analyseverfahren zur Identifizierung linguistischer Einheiten ansieht.
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- Thomas Kauf (Author), Jinan Khalil (Author), 2006, Das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93024