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Zu Friedrich Schillers "Don Karlos" - Genese, Funktion und Problematik des Marquis Posa

Title: Zu Friedrich Schillers "Don Karlos" - Genese, Funktion und Problematik des Marquis Posa

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 34 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Fabian Elias Gebauer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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[Aus der Einleitung] Die Figur des Marquis Posa stieß schon bei den Zeitgenossen Schillers auf Ablehnung oder Verehrung und erlaubte eine Vielzahl an Möglichkeiten der Identifikation – beispielsweise mit Robespierre oder der „Heroenlegende“ Lafayette. Allein diese beiden bekannten Persönlichkeiten der Französischen Revolution zeigen die Weite des Spektrums, in dem sich der Chevalier Posa bewegt, und deuten zugleich auf die Ambivalenz seines Charakters, seiner Handlungen, letztlich seiner ganzen Rolle im Don Karlos .
Um sich dieser komplexen Figur zu nähern, ist es vonnöten, in einem ersten Schritt Posas Entwicklung im Laufe des mehrjährigen Schaffensprozesses Schillers zu analysieren, wobei nach der Motivation für die Veränderungen ebenso gefragt wird wie nach den Folgen für das Drama. Im Anschluss wird die konzeptionelle Herkunft des Marquis von Posa erörtert, um abschließend ausführlich seine textimmanente Funktion vorzustellen. Hierbei soll das Hauptaugenmerk auf der Frage liegen, wie Posa im Don Karlos funktioniert, welche Bedeutung er für die anderen Charaktere und für die Handlung besitzt. Zwangsläufig treten seine fragwürdigen Methoden in den Fokus der Aufmerksamkeit und werden kritisch beleuchtet sowie bewertet. Im Fazit wird – neben dem Resümee – kurz auf die Problematik der Briefe über Don Karlos eingegangen und ein Ausblick auf die Modernität des Marquis gewagt.
Posas „politische Philosophie“ und ihre aufklärerischen Ursprünge werden aus Gründen der Stringenz nur skizzenhaft dargestellt – wie auch sein ganzer ideengeschichtlicher Horizont für die Behandlung der Funktion des Marquis im Drama eine untergeordnete Rolle spielt. Auch die unterschiedlichen literarischen Quellen seines Schöpfers, Schillers, müssen außen vor gelassen werden.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Werkgenese des Marquis Posa: Vom Confident zum Abgeordneten der ganzen Menschheit

2.1 Der Bauerbacher Entwurf und das Thalia-Fragment

2.2 Die Aufwertung des Marquis Posa: Motivation, Gründe und Folgen

2.3 Die Konzeptionierung Posas: Tradition und Trend

3 Die Figur des Marquis Posa

3.1 Posas Stellung im Drama: Freund – Sohn – Philosoph

3.2 Posas Funktionen im Drama

3.2.1 Karlos – Erschaffung eines aufgeklärten, guten Herrscher durch Posa

3.2.2 Posas Vernichtung der letzten Menschlichkeit in König Philipp II.

3.2.3 Die Politisierung der Königin durch Posa

4 Die fragwürdigen Methoden des Marquis Posa

4.1 Instrumentalisierung und Autonomieverletzung

4.2 ‚Unredlichkeit‘ und Widersprüche

4.3 Intrigen

4.4 Gründe

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Entwicklung und Funktion der Figur des Marquis Posa in Friedrich Schillers Drama Don Karlos. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Posa als zentraler Akteur im Handlungsgefüge fungiert, welche ideologischen Konzepte er vertritt und inwiefern seine politisch motivierten, jedoch oft fragwürdigen Methoden sein Scheitern sowie die tragische Entwicklung des Dramas bedingen.

  • Werkgenese und Aufwertung der Figur des Marquis Posa
  • Die dreifache Rollenkonstellation (Freund, Sohn, Philosoph)
  • Einfluss auf die Hauptcharaktere Karlos, Philipp II. und die Königin
  • Kritische Analyse von Instrumentalisierung und Intrigen als politische Mittel
  • Das Spannungsfeld zwischen aufklärerischem Idealismus und realpolitischer Praxis

Auszug aus dem Buch

3.1 Posas Stellung im Drama: Freund – Sohn – Philosoph

Während sich im Bauerbacher Entwurf Posas Wirkung auf den Infanten beschränkt, wächst mit der Aufwertung in der Personenhierarchie des Don Karlos sein Einfluss auf die übrigen Protagonisten. Der Ritter hat sich zu einem Menschenkenner – „O Sie kennen / den Menschen, Marquis“ (416f.) – entwickelt und findet bzw. entwickelt „Eingang in – und ‚unumschränkte‘ Macht über – die Herzen des Königs, der Königin und des Infanten“56. So schüttet ihm nicht nur Karlos sein Herz aus, setzt die Königin ihre Hoffnung auf ihn, um die „Tränen aus den Niederlanden“ (919) zu stillen, auch König Philipp II. zieht ihn ins Vertrauen und gibt ihm den Auftrag die (mögliche) Intrige gegen die Königin aufzuklären.

Karlos Erwartungshaltung gegenüber Posa wird schon in der ersten Szene deutlich: „Laß mich weinen, / an deinem Herzen heiße Tränen weinen, / du einz’ger Freund. Ich habe niemand – niemand – / auf dieser großen weiten Erde niemand.“ (207-210). Des Infanten zerrüttete Seele benötigt jetzt die Freundschaft so sehr, dass Karlos seinen „Rodrigo“ (137) aus Angst vor Zurückweisung an eine kindliche Schuld ihm gegenüber erinnert (I, 2, 231-292), was man durchaus als seelischen Erpressung interpretieren kann.57 Dass Posas menschliches Versagen schon an dieser Stelle erkennbar ist,58 sieht beispielsweise André von Gronicka:

He [Posa] makes no reference whatever to Carlos‘ plight; there is no natural, warmhearted response to his friend’s present, pressing needs of succor and compassion, no human simple word of heartfelt sympathy.59

Dabei wird die Intensität ihrer Freundschaft am Ende des I. Aktes ersichtlich: Nachdem der Königssohn alle sozialen Schranken durch den Wunsch „Nenne / mich Du“ (1145f.) eingerissen hat, fragt er ihn „Willst du / mein Bruder sein?“ (1153f.) und der Marquis willigt ein. Die genaue problematische Beziehung von Seiten Posas zu Karlos wird detaillierter bei der Betrachtung der Funktion des Malteserritters herausgearbeitet, dort wird ebenso das Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen den beiden Männern erläutert (Punkt 3.2.1)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Ambivalenz der Posa-Figur und deren Entwicklung im Entstehungsprozess des Dramas.

2 Die Werkgenese des Marquis Posa: Vom Confident zum Abgeordneten der ganzen Menschheit: Analyse der schrittweisen Aufwertung Posas vom einfachen Vertrauten zum zentralen, politisch agierenden Motor der Handlung.

3 Die Figur des Marquis Posa: Untersuchung der verschiedenen Rollen Posas als Freund, Sohn und Philosoph sowie seine prägende Wirkung auf die drei anderen Hauptfiguren.

4 Die fragwürdigen Methoden des Marquis Posa: Kritische Beleuchtung der Instrumentalisierung, Intrigen und der moralischen Widersprüche in Posas aufklärerischem Handeln.

5 Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Selbstopferung Posas und der anhaltenden Relevanz der Figur in der Forschung.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Don Karlos, Marquis Posa, Werkgenese, Aufklärung, Intrige, Instrumentalisierung, politische Philosophie, Freundschaftskonzeption, König Philipp II., Menschheitsideal, Dramentheorie, Machtpolitik, Ideologiekritik, Menschenwürde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit analysiert die dramaturgische Entwicklung und die komplexe moralische sowie politische Rolle des Marquis Posa in Schillers Don Karlos.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Werkgenese, der Figurenkonstellation, der Instrumentalisierung anderer Charaktere durch Posa sowie der moralischen Rechtfertigung seiner politischen Methoden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Wandel der Figur Posa über die verschiedenen Fassungen des Stückes hinweg zu beleuchten und zu hinterfragen, wie er durch seine Methoden versucht, aufklärerische Ideale in einer despotischen Welt umzusetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Dramentext unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, Briefe Schillers und einschlägiger Forschungsliteratur interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Genese, die Analyse der Funktionen Posas als Mentor und Manipulator sowie eine kritische Auseinandersetzung mit seinen fragwürdigen Methoden wie Intrigen und Autonomieverletzung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Schillers Don Karlos, Marquis Posa, Aufklärung, politische Intrige und Instrumentalisierung.

Warum wird Posa als eine ambivalente Figur bezeichnet?

Posa wird als ambivalent wahrgenommen, weil er einerseits edle humanistische Ideale vertritt, diese jedoch durch manipulatives Verhalten und die Verletzung der Freiheit seiner Mitmenschen zu erreichen sucht.

Welche Rolle spielt der Dialog zwischen Posa und König Philipp II.?

Dieser Dialog ist der Angelpunkt des Dramas, in dem Posa sein politisches Programm entfaltet; er führt jedoch paradoxerweise nicht zur Bekehrung des Königs, sondern zu einer Verschärfung der despotischen Rache gegen Posa und Karlos.

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Details

Title
Zu Friedrich Schillers "Don Karlos" - Genese, Funktion und Problematik des Marquis Posa
College
University of Cologne
Grade
1,3
Author
Fabian Elias Gebauer (Author)
Publication Year
2008
Pages
34
Catalog Number
V93026
ISBN (eBook)
9783638067300
ISBN (Book)
9783638953696
Language
German
Tags
Karlos Dom Carlos Don Schiller Elisabeth dramatisches Gedicht Posa Marquis Philipp Philipp II.
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Elias Gebauer (Author), 2008, Zu Friedrich Schillers "Don Karlos" - Genese, Funktion und Problematik des Marquis Posa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93026
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