Schon seit einigen Jahrzehnten ist das Thema Umweltschutz nicht mehr aus öffentlichen Diskussionen und dem gesellschaftlichen Bewusstsein weg¬zudenken. Umweltwissen, Umweltbewusstsein und Umweltverhalten sind zu alltäglichen Vokabeln geworden und es scheint logisch, dass zwischen diesen Begrifflichkeiten ein enger kausaler Zusammenhang besteht. Dass das nicht so ist, bestätigen zahlreiche empirische Studien.
Diese Arbeit soll einen Überblick geben über verschiedene Studien zum Umweltwissen, Umweltbewusstsein und Umweltverhalten und die Forschungen und Ansätze zur Erklärung des Umweltverhaltens vorstellen. Im zweiten Kapitel wird der Zusammenhang zwischen diesen Begrifflichkeiten anhand einer Wirkungskette dargestellt und anschließend die Diskrepanz aufgeführt. Im dritten Kapitel möchte ich die Methoden und Vorgehensweisen der Umweltbildungs- sowie der Umweltbewusst¬seinsforschung aufzeigen und deren Ziele und Probleme thematisieren. In 3.3 werde ich anschließend die verschiedenen Erklärungsansätze des persönlichen Umweltverhaltens umreißen.
Vorrangig in diesem Thema können Udo Kuckartz und Gerhard de Haan genannt werden, die wohl ihren Forschungsschwerpunkt auf dieses Thema gelegt haben und demnach die meiste relevante Literatur für diese Arbeit stellen.
Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, einen groben Überblick über die Kluft zwischen Umweltwissen, Umweltbewusstsein und Umweltverhalten zu vermitteln. Anhand eines Überblicks über die verschiedenen Forschungsansätze soll gezeigt werden, wie vielschichtig die Forschung bereits ist, aber auch inwiefern noch Forschungsbedarf besteht und wo Theoriedefizite aufzuzeigen sind. Darüber hinaus soll eine Übersicht über Erklärungsansätze von persönlichem Umweltverhalten gegeben werden und in welchem Maße diese eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen Umweltwissen, Umweltbewusstsein und Umweltverhalten geben können.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Umweltwissen, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten
2.1 Wirkungskette
2.2 Diskrepanz zwischen Wissen, Bewusstsein, Verhalten
2.3 Ergebnisse
III Forschungsansätze
3.1 Umweltbildungsforschung
3.2 Umweltbewusstseinsforschung
3.3 Erklärungsansätze des persönlichen Umweltverhaltens
3.3.1 Rational- Choice- Ansatz
3.3.2 Dilemma- Ansatz
3.3.3 Wohlbefindensforschung
3.3.4 Lebensstilforschung
3.4 Ergebnisse
IV Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Annahme eines kausalen Zusammenhangs zwischen Umweltwissen, Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten. Das primäre Ziel besteht darin, die empirisch belegte Diskrepanz zwischen diesen Faktoren zu beleuchten und verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für das persönliche Umweltverhalten vorzustellen.
- Analyse der Wirkungskette von Wissen, Bewusstsein und Verhalten
- Untersuchung der Kluft zwischen ökologischem Anspruch und alltäglichem Handeln
- Methodische Betrachtung der Umweltbildungs- und Umweltbewusstseinsforschung
- Vorstellung von Erklärungsmodellen (Rational-Choice, Dilemma-Ansatz, Wohlbefinden, Lebensstil)
- Reflexion über Theoriedefizite und zukünftigen Forschungsbedarf
Auszug aus dem Buch
2.2 Diskrepanz zwischen Wissen, Bewusstsein, Verhalten
Der These „Je umweltbewusster jemand ist, desto umweltgerechter verhält er sich auch“ kann nicht zugestimmt werden. In Hinblick auf die Umweltbewusstseinsforschung, auf die in Kapitel III näher eingegangen werden soll, kann kein Zusammenhang zwischen Wissen, Bewusstsein und Verhalten festgestellt werden (vgl. Kuckartz 1995: 80). So ist ein hohes Umweltwissen nicht Voraussetzung für ein hohes Umweltbewusstsein (vgl. Diekmann 2001: 100). Verschiedene Studien belegen, dass die Zusammenhänge sehr schwach ausgeprägt sind und empirisch ist sogar festzustellen, dass manche Umweltverhaltensweisen sogar negativ korrelieren (Kuckartz 1998: 47).
Eine Umfrage der INFAS von 1984 ergab, dass 48% der Befragten sagten, sie würden sich „im Laufe des nächsten Jahres ein neues Auto kaufen“ und auch wenn sie die „gesamten Mehrkosten selbst tragen müssten“ (Spada 1990: 626) nicht auf einen Katalysator verzichten würden. Der tatsächliche Umsatz von Katalysatorfahrzeugen lag im Folgejahr allerdings weit darunter. (vgl. ebd.: 625f) Dieses Ergebnis scheint nicht nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass diese Studien auch ergaben, dass das Umweltbewusstsein immens gestiegen sei.
Zusätzlich kann man feststellen, dass das Umweltbewusstsein sich als soziale Norm in unserer Gesellschaft durchgesetzt hat. So behaupten doch mehr als 80% der Bevölkerung von sich, Altglas, Altpapier und Textilien der Wiederverwertung zu zuführen (vgl. Kuckartz 1995: 78). So zeigt sich in einigen Äußerungen der Studie zum Umweltbewusstsein und Alltagshandeln von Poferl/Schilling/Brand, dass das Umweltbewusstsein als Norm internalisiert wurde, allerdings diese Internalisierung brüchig sei, was deutlich in der immer wiederkehrenden Formel vom „schlechten“ und „guten“ Gewissen […] zum Ausdruck käme (vgl. Poferl 1997: 117).
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, die Kluft zwischen Umweltwissen und tatsächlichem Umweltverhalten zu untersuchen und die relevanten Forschungsansätze vorzustellen.
II Umweltwissen, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten: Das Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten und erläutert die intuitive Wirkungskette sowie die empirisch nachweisbare Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln.
III Forschungsansätze: Hier werden die Methoden der Umweltbildungs- und Umweltbewusstseinsforschung analysiert und verschiedene soziologische Modelle zur Erklärung des individuellen Umweltverhaltens dargelegt.
IV Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass ein direkter Kausalzusammenhang zwischen Wissen, Bewusstsein und Verhalten empirisch nicht haltbar ist und identifiziert einen deutlichen Forschungsbedarf bei den bestehenden Theoriedefiziten.
Schlüsselwörter
Umweltwissen, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, Diskrepanz, Wirkungskette, Rational-Choice-Ansatz, Dilemma-Ansatz, Wohlbefindensforschung, Lebensstilforschung, Umweltbildungsforschung, Umweltbewusstseinsforschung, Soziale Norm, Umweltkrise, Theoriebildung, Empirische Studien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Untersuchung der Kluft zwischen dem Wissen über Umweltschutz, dem daraus resultierenden Bewusstsein und dem tatsächlich beobachtbaren Umweltverhalten von Individuen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition grundlegender Begriffe, die Analyse der Diskrepanz zwischen ökologischer Einstellung und Handeln sowie der Überblick über verschiedene soziologische Erklärungsmodelle für Umweltverhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu hinterfragen, ob ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Umweltwissen, -bewusstsein und -verhalten existiert, und zu klären, warum sich diese Faktoren in der Praxis oft widersprechen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Analyse verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine umfassende Auswertung vorhandener empirischer Studien sowie theoretischer Konzepte der Umweltbildungs- und Umweltbewusstseinsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Wirkungskette, die methodische Kritik der Umweltbildungs- und Bewusstseinsforschung sowie die Vorstellung von vier populären Erklärungsansätzen für persönliches Umweltverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Umweltwissen, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, die Diskrepanz zwischen Einstellung und Handeln, sowie spezifische Erklärungsansätze wie Rational-Choice, Dilemma-Ansatz, Lebensstil- und Wohlbefindensforschung.
Wie unterscheidet sich der "Rational-Choice-Ansatz" von der "Lebensstilforschung"?
Während der Rational-Choice-Ansatz individuelles Verhalten primär als Kosten-Nutzen-Kalkül von Akteuren betrachtet, erklärt die Lebensstilforschung umweltrelevantes Verhalten als Teil eines sozialen Verhaltensmusters, das identitätsstiftende Funktionen erfüllt.
Welche Rolle spielt das "Trittbrettfahrerdilemma" bei der Erklärung von Umweltverhalten?
Es verdeutlicht, dass Individuen bei der Nutzung von Kollektivgütern (wie sauberer Luft) dazu neigen, nicht kooperativ zu handeln, da der persönliche Vorteil durch das Trittbrettfahren größer ist als der Nutzen einer kooperativen Beteiligung am Umweltschutz.
Warum wird im Fazit ein "Theoriedefizit" der bisherigen Forschung konstatiert?
Die Autorin stellt fest, dass bisherige Ansätze zwar einzelne Aspekte beleuchten, aber keine allgemeine Theorie bieten können, die die Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Verhalten hinreichend und umfassend erklärt.
- Quote paper
- Anna Caroline Paeßens (Author), 2008, Wie wirken Umweltwissen und Umweltbewusstsein auf das Umweltverhalten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93043