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Dialog und Missverständnis im Roman 'Die Blendung' am Beispiel von Therese und Kien

Title: Dialog und Missverständnis im Roman 'Die Blendung' am Beispiel von Therese und Kien

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 25 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Corinne Leuenberger (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Elias Canettis Roman ‚Die Blendung’ erschien 1935 vier Jahre, nachdem er fertig gestellt war. Canetti schrieb ein Jahr in grösster Disziplin an diesem Buch. Er verarbeitete darin, was er im Leben beobachtete: „Ich empfand das Erbarmungslose dieses Lebens: dass alles aneinander vorbeilief, dass nicht sich wirklich mit dem anderen auseinandersetzte. Es war in die Augen springend, nicht nur, dass niemand den anderen verstand, sondern dass niemand den anderen verstehen wollte.“ Die Figuren im Roman missverstehen sich dann auch konsequent, so dass das Lesen zum Teil zur reinsten Qual wird. Canetti treibt in seinem Werk die Unmöglichkeit des Menschen, sinnvolle Gespräche zu führen und den anderen zu verstehen, auf die Spitze. Die Protagonisten sprechen grundsätzlich aneinander vorbei. Es gibt keine Freundschaft, keine Achtung zwischen ihnen. Im ganzen Roman wird am Menschen kein einziges gutes Haar gelassen.

In der vorliegenden Arbeit werden drei Dialoge zwischen den Hauptfiguren, Professor Peter Kien und seiner Haushälterin Therese Krumbholz, näher analysiert. Dabei werden auf kommunkationstheoretische Ansätze, Grundvoraussetzungen für eine Kommunikation, ebenso auf sprachwissenschaftliche Theorien wie die Soziolinguistik, die Konversationsanalyse und die sprachlichen Formen von Monolog und Dialog eingegangen.
Die Eigenheiten der Figuren sowie deren Unvermögen über die Grenzen ihrer eigenen Welt hinaus zu kommunizieren, verweisen immer wieder auf Canettis Menschenbild und auf sein Hauptwerk ‚Masse und Macht’. Die in der Arbeit zitierter Seitenangaben entsprechen der im Literaturverzeichnis aufgeführten Taschenbuchausgabe des Romans.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Kommunikationswissenschaftlicher Ansatz

1.2. Sprachwissenschaftlicher Ansatz: Konversationsanalyse und Soziolinguistik

1.3. Der Dialog: Illokutionswissen

1.4. Dialog und Monolog

2. Sprachwelten

2.1. Professor Kien

2.2. Therese Krumbholz

3. Die Dialoge zwischen Kien und Therese

3.1. Dialog 1: Seite 42 ff

3.2. Dialog 2: Seite 124 ff

3.3. Dialog 3: Seite 147 ff

4. Canettis Kommunikationsverständnis

4.1. Kommunikation in der Blendung

5. Entstehungskontext des Romans und Schlussinterpretation

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Scheitern zwischenmenschlicher Kommunikation anhand ausgewählter Dialoge zwischen den Romanfiguren Professor Peter Kien und Therese Krumbholz, um die Unfähigkeit zur Empathie und die Isolation der Individuen in Elias Canettis "Die Blendung" aufzuzeigen.

  • Analyse kommunikationstheoretischer und sprachwissenschaftlicher Grundlagen
  • Charakterisierung der Sprachwelten von Professor Kien und Therese Krumbholz
  • Detaillierte Untersuchung dreier Schlüsseldialoge der Protagonisten
  • Reflexion von Canettis Menschenbild und Verständnis von Macht und Sprache
  • Beleuchtung des Entstehungskontextes des Romans vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Beobachtungen

Auszug aus dem Buch

3.3. Dialog 3: Seite 147 ff

Im Folgenden versteifen sich die beiden immer mehr auf ihre Wahrnehmung. Er ist von Thereses heimlicher Liebe und ihrer Erbschaft überzeugt, und sie wappnet sich gegen den vermuteten Erbbetrug ihres Gatten. Schweigend bauen sie ihre Fronten auf, indem jedes Wort und jede Geste, zur Festigung der eigenen Theorie herangezogen wird. Dies ist die Ausgangslage für die nächste Auseinandersetzung.

Kien hat sich mittlerweile mit der vermeintlichen Millionenerbschaft Thereses angefreundet und ist ebenso gierig auf ihr Geld wie sie auf seines. Während dem er denkt, sie empfinde wahrhaftige und ehrliche Liebe für ihn, ist sie von seiner kalten Berechenbarkeit überzeugt. Kien leitet den Dialog mit einem Befehl ein, worauf sie in Gedanken vertieft eine ihrer Phrasen laut ausspricht. Beide müssen ihre Worte wiederholen, bevor sie überhaupt wahrnehmen, dass sie sich im Gespräch befinden. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten entspannt sich ein Dialog, in welchem beide bewusst Worte aneinander richten. Es hat zwar den Anschein, als spräche sie über dasselbe, nämlich über Geld. Das grundsätzliche Missverständnis jedoch besteht darin, dass sie denkt, es sei sein Geld und er denkt, es sei ihres, in Wirklichkeit aber gar kein Geld vorhanden ist. Die Aussichten und die Gier, welche der Reichtum dabei weckt, bewirken, dass beide versuchen, sich je in den anderen hineinzuversetzen. Da sie sich aber in die Vorstellung hineindenken, die sie sich vom anderen gemacht haben und nicht in den Menschen, wie er wirklich ist, wird die Situation noch vertrackter. Gegenseitiges Verständnis kommt erst zustande, als sie konkret werden und das Testament selbst als materielles Dokument ins Spiel bringen. Ähnlich wie das Buch, beschrieben im ersten Dialog, hat das Papier eine Orientierungsfunktion, welche verhindert, dass sich die Kontrahenten in Vorstellungen und Fantasien flüchten können. Das gegenseitige Verstehen löst eine Reaktion aus und diesmal ist es Hass.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Thematik des Kommunikationsmissverständnisses in Canettis "Die Blendung" ein und erläutert den methodischen Ansatz der Arbeit.

2. Sprachwelten: Dieses Kapitel analysiert die Charaktereigenschaften sowie die gegensätzlichen und dennoch in ihrer Isolation ähnlichen Lebens- und Sprachwelten von Professor Kien und Therese Krumbholz.

3. Die Dialoge zwischen Kien und Therese: In diesem Kapitel werden drei zentrale Dialogszenen analysiert, um das zunehmende Unvermögen der Figuren zu einer echten Verständigung zu verdeutlichen.

4. Canettis Kommunikationsverständnis: Dieses Kapitel untersucht, wie Canetti in "Masse und Macht" und im Roman Sprache als Mittel der Machtausübung und als Ausdruck menschlicher Isolation darstellt.

5. Entstehungskontext des Romans und Schlussinterpretation: Der letzte Abschnitt beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Werks und fasst die zentralen Erkenntnisse über die stilisierte Darstellung menschlichen Unvermögens zusammen.

Schlüsselwörter

Elias Canetti, Die Blendung, Kommunikation, Sprachanalyse, Dialog, Monolog, Soziolinguistik, Illokution, Empathie, Professor Kien, Therese Krumbholz, Missverständnis, Isolation, Sprachwelt, Machtausübung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Scheitern der zwischenmenschlichen Kommunikation in Elias Canettis Roman "Die Blendung", insbesondere das gegenseitige Vorbeireden der Hauptfiguren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen Kommunikationsmodelle, die Analyse von Sprachwelten der Protagonisten, das Verständnis von Sprache als Machtmittel und die Auswirkungen mangelnder Empathie auf soziale Beziehungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Canettis Figuren durch ihre Unfähigkeit zur Empathie und ihre Isolation in eigenen Wahnwelten jede echte Kommunikation unmöglich machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf kommunikationstheoretische Ansätze, die Konversationsanalyse, soziolinguistische Parameter sowie die Interpretation von Dialogmustern im literarischen Kontext.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Figuren, die detaillierte Analyse dreier spezifischer Dialoge und die Herleitung von Canettis Kommunikationsverständnis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kommunikation, Dialoganalyse, Sprachwelten, Soziolinguistik, Machtausübung durch Sprache und Canettis Menschenbild.

Wie beeinflusst das Thema Geld die Dialoge zwischen Kien und Therese?

Geld fungiert als Projektionsfläche für Missverständnisse, da beide Figuren unterschiedliche Vorstellungen über die Vermögensverhältnisse haben, was die Kommunikation weiter verhärtet und in gegenseitigen Hass umschlägt.

Warum hält Canetti Fragen für eine "Art des Eindringens"?

Nach Canetti sind Fragen Machtwerkzeuge, die den Antwortenden zwingen, sich zu rechtfertigen oder zu unterwerfen, weshalb er (insbesondere Kien) Fragen als Bedrohung der eigenen Autonomie empfindet.

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Details

Title
Dialog und Missverständnis im Roman 'Die Blendung' am Beispiel von Therese und Kien
College
University of Fribourg
Course
Hauptseminar. Poetische Anthropologie bei Elias Canetti
Grade
sehr gut
Author
Corinne Leuenberger (Author)
Publication Year
2007
Pages
25
Catalog Number
V93058
ISBN (eBook)
9783638070751
ISBN (Book)
9783640204786
Language
German
Tags
Dialog Missverständnis Roman Blendung Beispiel Therese Kien Hauptseminar Poetische Anthropologie Elias Canetti
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Corinne Leuenberger (Author), 2007, Dialog und Missverständnis im Roman 'Die Blendung' am Beispiel von Therese und Kien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93058
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