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Die Freiheit der Gefangenschaft

Der soziokulturelle Aspekt der Gefängnisse der Türkei in den 30er und 40er Jahren des 20.Jahrhunderts am Beispiel Nazım Hikmets

Title: Die Freiheit der Gefangenschaft

Term Paper , 2006 , 13 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Erkan Ertan (Author)

Orientalism / Sinology - Miscellaneous
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Generell werden Gefängnisse zur Verwahrung aufgrund einer Straftat verurteilter Strafgefangener genutzt. Sie sollen davor bewahrt werden, der allgemeinen Gesellschaft weiteren Schaden zuzufügen. In vielen Ländern aber dienten Sie schon immer auch zur Verwahrung politischer Gefangener. Diesen Inhaftierten sollte durch den Freiheitsentzug die Möglichkeit genommen werden, ihre Meinung zu verbreiten, Aktionen zu organisieren oder sich aktiv gegen das politische System aufzulehnen. Die Anlässe waren dabei oftmals haltlos und/oder durch falsche Vorwürfe inszeniert. Auch in der Türkei der 30er Jahre war dies nicht anders gewesen. In der noch jungen Republik versuchte sich das neu errichtete kemalistische System seine neu geschaffenen politischen Strukturen mit aller Macht zu wahren, weshalb staatsfeindliche Ansichten oftmals unter Repressalien zu leiden hatten. Kommunistisches Gedankengut war dabei besonders gefährdet, suchte man doch nach dem Ersten Weltkrieg eine klare Westbindung um sich dem näherrückenden Einflussbereich der expandierenden Sowjetunion zu entziehen. Die Gefängnisse für die Inhaftierten unterschieden sich damals eindeutig von denen in Europa. Die Gruppentrakte, namentlich „Koğuş“, waren eigene soziale Lebensbereiche mit einem gemischten Gesellschaftsbild, in dem der Bauernjunge mit dem intellektuellen Istanbuler Bürgersohn seine Zeit gemeinsam absitzte. Durch zahlreiche Verhaftungen politischer Intellektueller und den ungezählten Begnadigungen entstand eine hohe Fluktuation innerhalb dieser Gefängnisse. Außerdem verlor mit der Zeit das Gefängnis in der Gesellschaft seinen schlechten Ruf und galt alsbald für viele Intellektuelle als Auszeichnung für die Bedeutung der eigenen Person und Inspirationsquelle für das künstlerische Schaffen. Nazım Hikmet hat diese Zeit intensiv erlebt und musste, mehr als manch Anderer, eine lange Phase seines Lebens im Gefängnis verbringen. Er hat in dieser Zeit aber seine intensivste Schaffungsphase durchschritten und dort einige seiner wichtigsten Werke zu Papier gebracht. Diese Hausarbeit soll diesen Umstand der Inspiration und Produktivität näher analysieren und sich mit der soziokulturellen Bedeutung der damaligen Gefängnisse auseinandersetzen. Am Beispiel von Nazım Hikmet sollen dabei deren Nach- sowie Vorteile hinterfragt und anhand von Beispielen verglichen werden. Wie hat Nazım Hikmet die Zeit dort verbracht, welche Rolle hat die sowohl finanzielle als auch moralische Unterstützung von außen gespielt und wie konnte es möglich sein, trotz Freiheitsentzug weiterhin eine derartige Wirkung in die Gesellschaft auszuüben? Dies sind wichtige Fragestellungen, die in dieser Arbeit behandelt werden sollen. Der Aufbau der „Koğuş“ wird dabei genauso hinterfragt, wie auch die Beeinflussung Hikmets durch seine Mitinsassen. Im Fazit soll dann eine Analyse über die Frage, ob die Gefängniszeit für Nazım Hikmet eine Strafe oder Segen gewesen ist, stattfinden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Koğuş

2.1 Struktureller und sozialer Aufbau der Gruppentrakte

2.2 Das gesellschaftliche Bild der türkischen Gefängnisse in den 30er und 40er Jahren

3. Nazım Hikmets Gefängniszeit

3.1 Hikmets Werke während der Haftzeit

3.2 Geprägte Mitinsassen

3.3 Der familiäre, finanzielle und moralische Beistand von außen

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die soziokulturelle Bedeutung der türkischen Gefängnisse in den 1930er und 1940er Jahren unter besonderer Berücksichtigung von Nazım Hikmet. Dabei wird analysiert, inwiefern der Freiheitsentzug paradoxerweise eine Phase hoher künstlerischer Produktivität und Inspiration für den Autor darstellte und welche Faktoren – von sozialen Strukturen innerhalb der Gefängnistrakte bis hin zur Unterstützung von außen – diesen Prozess beeinflussten.

  • Analyse der soziokulturellen Struktur des türkischen Gefängnissystems (Koğuş).
  • Untersuchung des künstlerischen Schaffensprozesses von Nazım Hikmet während seiner Inhaftierung.
  • Evaluation des Einflusses von Mitinsassen auf Hikmets Werk und Lebenswelt.
  • Bewertung der Rolle familiärer und moralischer Unterstützung von außen für die Resilienz des Inhaftierten.
  • Kritische Reflexion über die Gefängniszeit als potenziell produktiven Raum trotz restriktiver Haftbedingungen.

Auszug aus dem Buch

3. Nazım Hikmets Gefängniszeit

In diesem Abschnitt soll auf die Phase der Inhaftierung von Nazım Hikmet im Gefängnis in Istanbul, Çankırı und Bursa eingegangen werden. Die vorigen Verhaftungen und Inhaftierungen werden dabei aufgrund des Arbeitsauftrages außen vor gelassen, wohlwissend, dass diese Inhaftierung von 1938 bis 1950 zwar die Längste jedoch nicht die einzige gewesen ist.

Am 17. Januar 1938 wird Nazım Hikmet wegen Anstiftung zur Revolte verhaftet. Bei Hikmets Militärschülern werden bei einer Razzia Bücher von ihm gefunden - das sieht man als versuchte Meuterei an. In einem politischen Prozess wird Hikmet von einem Militärgericht in Ankara zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt. Die Anschuldigungen scheinen dabei, aufgrund der vorliegenden Beweislage und deren Rechtsmäßigkeit vor Gericht, ungenügend und haltlos. Warum Hikmet vor einem Militärgericht und nicht vor einem Zivilgericht verurteilt wird, ist ebenfalls ein bis heute diskutiertes Thema. Der Prozess wird vielmehr zu einem Exempel hochstilisiert und soll die damals politisch tief gespaltene Republik auf den Weg der konservativen Hüter des Einparteienstaats zurückführen.

Zum Einen ist die Freiheitsstrafe für Hikmet eine entscheidende Zäsur, da er dem dramatisch laufenden Weltgeschehen des Zweiten Weltkriegs entzogen wird. Zum Anderen aber ist seine Zeit im Gefängnis seine wichtigste Schaffensphase, in der seine berühmtesten Werke entstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Gefängnissen als Ort politischer Verwahrung in der frühen türkischen Republik und führt in die zentrale Fragestellung ein, ob die Haft für Nazım Hikmet eher eine Strafe oder eine Quelle der Inspiration darstellte.

2. Die „Koğuş: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Koğuş“ als sozialen Mikrokosmos innerhalb des türkischen Gefängnissystems und analysiert dessen strukturellen Aufbau sowie das gesellschaftliche Bild der Haftanstalten in den 30er und 40er Jahren.

3. Nazım Hikmets Gefängniszeit: Der Hauptteil beschreibt die Umstände von Hikmets langjähriger Inhaftierung, sein literarisches Schaffen in dieser Zeit, seine prägenden sozialen Kontakte zu anderen Inhaftierten sowie die lebenswichtige Unterstützung durch Angehörige von außen.

4. Fazit: Das Fazit resümiert die ambivalenten Aspekte der Haft und kommt zu dem Schluss, dass Nazım Hikmet den Freiheitsentzug bewusst in eine Phase intensiver künstlerischer Entwicklung umwandeln konnte, die seinen Aufstieg zum Weltliteraten begünstigte.

Schlüsselwörter

Nazım Hikmet, Gefängnissystem, Koğuş, Türkische Republik, Politische Gefangene, Künstlerisches Schaffen, Literaturgeschichte, Kemalismus, Soziokultureller Austausch, Haftbedingungen, Resozialisierung, Literarische Inspiration, Solidarität, Kemal Tahir, Orhan Kemal

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die paradoxe Situation Nazım Hikmets, der trotz seiner langen Inhaftierung in der Türkei der 30er und 40er Jahre eine seiner produktivsten und bedeutendsten Schaffensphasen erlebte.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf den sozialen Aufbau der türkischen „Koğuş“-Gefängnistrakte, die Rolle der Intellektuellen in diesen Räumen und die Bedeutung externer Unterstützung für das Überleben und Schaffen von Hikmet.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt, wie es Nazım Hikmet gelang, trotz Freiheitsentzug und politischer Repression eine derartige Wirkung auf die Gesellschaft auszuüben und ob die Haftzeit für seine künstlerische Karriere eher förderlich oder hemmend wirkte.

Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit angewandt?

Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Analyse von Hikmets Werken, historischen Quellen zum türkischen Justizsystem der damaligen Zeit sowie biographischen Dokumentationen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Strukturen der Gefängnisse, die inspirierende Wirkung der Mitinsassen sowie die essenzielle finanzielle und moralische Unterstützung durch Hikmets Familie und Weggefährten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt dieser Publikation?

Zu den prägenden Begriffen gehören Nazım Hikmet, Koğuş-Gefängnistrakte, politische Inhaftierung, literarische Produktivität und die gesellschaftliche Rolle des Künstlers unter Repression.

Wie bewertet der Autor die Effizienz der damaligen Haftanstalten hinsichtlich ihrer Resozialisierungsaufgabe?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die damaligen Gefängnisse ihren resozialisierenden Auftrag verfehlten und stattdessen eher archaische Parallelgesellschaften schufen, in denen Machtstrukturen oft unkontrolliert blieben.

Welchen Einfluss hatten Mitinsassen wie Orhan Kemal oder Kemal Tahir auf Hikmets Schaffen?

Die Interaktion mit anderen intellektuellen Inhaftierten war für Hikmet ein wichtiger soziokultureller Austausch; er beeinflusste sie als Mentor, während er selbst Inspiration für seine literarische Verarbeitung menschlicher Schicksale gewann.

Warum spielt die Unterstützung durch Frauen in Nazım Hikmets Leben eine so zentrale Rolle?

Frauen wie seine Mutter Celile Hanım, seine Ehefrau Piraye und später Münevver Berk sorgten für die finanzielle Absicherung, hielten den Kontakt zur Außenwelt aufrecht und organisierten Kampagnen, die Hikmets künstlerisches Arbeiten in der Haft überhaupt erst ermöglichten.

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Details

Title
Die Freiheit der Gefangenschaft
Subtitle
Der soziokulturelle Aspekt der Gefängnisse der Türkei in den 30er und 40er Jahren des 20.Jahrhunderts am Beispiel Nazım Hikmets
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Professur für Turkologie)
Course
Jahrhunderts am Beispiel Nazım Hikmets
Grade
1,0
Author
Erkan Ertan (Author)
Publication Year
2006
Pages
13
Catalog Number
V93063
ISBN (eBook)
9783638071420
ISBN (Book)
9783638956031
Language
German
Tags
Freiheit Gefangenschaft Jahrhunderts Beispiel Nazım Hikmets
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Erkan Ertan (Author), 2006, Die Freiheit der Gefangenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93063
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