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Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen im Vergleich

Title: Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen im Vergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 53 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Max Eifler (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Summary Excerpt Details

Verändern sich die gesellschaftspolitischen Wertorientierungen, so ändert sich auch die politische Kultur eines Landes, insofern man der in der Kongruenzhypothese1 von Almond und Verba inhärenten Definition von politischer Kultur folgt, die diese als Verteilung der individuellen politischen Orientierungen und politischen Werte (vgl. Gabriel/ Neller 2000) gegenüber den politischen Objekten expliziert (vgl. Almond/Verba 1963). Mehr noch sind davon aber die "specific roles or structures" (Almond/Verba 1963, 14) eines Landes betroffen, welche in Abgrenzung zu den Eliten und Policies nach diesem Ansatz die relevanten Komponenten eines politischen Systems darstellen2 (vgl. Arzheimer/Klein 2000). Ohne an dieser Stelle den gesamten analytischen Bezugsrahmen des Konzeptes der politischen Kultur vom "Mikro– zum Makropol"3 (Reichel 1981, 329) detailliert aufzugreifen, soll zuerst festgehalten werden, dass sich mit den Vorgängen, die im Zeitraum von 1989 bis 1990 auf dem Hoheitsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik abspielten – unabhängig von einem anzuwendenden theoretischen Analyserahmen – ein Veränderungsprozess nicht nur wirksam auf die politische Kultur, sondern auf die gesamte staatliche Verfasstheit, Existenz und das politische Regime an sich vollzog: Dieser Veränderungsprozess mündete letztendlich in der staatlichen Einheit.Die vorliegende Arbeit soll aber nicht die Konzeptualität des politischen Kulturansatzes als Erklärungsvollzug für die Ursachen der Transformation, in anderer Lesart: des Beitritts, der Vereinigung oder der "Inkorporation der neuen Bundesländer" (Reißig 2000, 22) behandeln, sondern ich möchte hiermit eine Vergleichsannäherung der politischen Orientierungsmuster und Verhaltensweisen Ost- und Westdeutscher anhand eines Ausschnitts vorhandenen empirischen Materials leisten, insofern gemäß Rolf Reißig die Folgen sozialen Wandels (deren Zeugen wir im 11. Einheitsjahr in ihrer Unterschiedlichkeit sind) sich in ihrem existenten Output gesellschaftlichen Handelns sozialwissenschaftlich auf akteursbezogener Ebene neu denken lassen sollten. Die gängigen Thesen sozialen Wandels – hier im Kontext der Transformation/ Transition4 – sind durch die weiterhin bestehenden Realitäten zweier Teilgesellschaften in Ost und West5 zu korrigieren, da das Wissen über "die Gestaltbarkeit von Gesellschaften, über Struktur und Krisensymptome der kapitalistischen Industriegesellschaften, und über alternative Entwicklungspfade" (Reißig 2000, 13) bereichert wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und retrospektive Spezifizierung der Fragestellung.......... 1

2 Transformationstheoretische Ansätze und ihre Erklärungsleistung für politische Orientierungen und Verhaltensweisen............................................................................................. 4

2.1 Die modernisierungstheoretische Ausprägung der Systemtheorie............ 7

2.2 Der akteurstheoretische Ansatz.....................................................................10

2.2.1 Der erste akteurstheoretische Strang: Der deskriptiv-empirische Ansatz ................................................................................................................11

2.2.2 Der zweite Strang des akteurstheoretischen Ansatzes: Rational Choice................................................................................................................12

2.3 Die Ost/West Dichotomie: Bestandaufnahme und Prägemomente der Differenzen auf Makroebene ..........................................................................14

2.3.1 Sozioökonomische Differenzen.....................................................................15

2.4 Die Ost/West Dichotomie: Wahrnehmung und Handlungsinterpretation spezifischer Situationen durch die Akteure..................................................24

2.4.1 Ost- und westdeutsche Orientierungsdimensionen im mikrosoziologischen/mikropolitischen Vergleich: Individuelle Milieuzuordnungen...........................................................................25

2.4.2 Ostdeutsche Orientierungsdimensionen im mikrosoziologischen/mikropolitischen Vergleich: Haltungsausprägungen und Identitäten........................................................27

2.4.3 Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen: Das Links-Rechts Kontinuum – Sozialismus oder Kapitalismus und der persönliche Wertekanon in der Frage von Krieg und Frieden .......................................................................................31

2.5 Das kollektive Explanandum: Ostdeutsches aggregiertes Individualverhalten auf der Makroebene ......................................................................37

3 Abschlussdiskussion...................................................................................40

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht auf akteursbezogener Ebene, inwiefern ostdeutsche politische Orientierungsmuster und Verhaltensweisen als spezifisch identifizierbar sind. Dabei wird erforscht, wie sozio-politische Prägungsmomente und gegenwärtige Lebensbedingungen die individuellen Handlungsentscheidungen in Ost- und Westdeutschland beeinflussen und ob sich daraus eine dauerhafte „ostdeutsche“ Identität ableiten lässt.

  • Transformationstheoretische Grundlagen und Akteurshandeln
  • Sozioökonomische Disparitäten zwischen Ost- und Westdeutschland
  • Mikrosoziologische Analyse politischer Orientierungen und Milieus
  • Vergleich von Wertvorstellungen und Demokratieverständnis
  • Einfluss des Links-Rechts-Kontinuums auf politisches Verhalten

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Sozioökonomische Differenzen

Es kann allgemein von einem Abschluss des Systemwechsels vom zentralgesteuerten Planwirtschaftssystem zum marktwirtschaftlichen System gesprochen werden, obwohl sich in den DDR-spezifischen wirtschaftlichen Transformationserfahrungen die allgemeinen Probleme des ökonomischen Systemwechsels – wie sie für alle postsozialistischen Staaten diagnostizierbar sind – wiederspiegeln. Nach einem Schock der Öffnung folgt die Phase einer sogenannten "schöpferischen Zerstörung" (Reißig 2000, 38), die mit einer rasanten Implosion des Produktions- und Forschungspotentials, der Deindustrialisierung, der Entwertung bisheriger funktionaler sozialer Ressourcen, massiven Arbeitsplatzverlusten und der Etablierung und Verfestigung neuer sozialer gesellschaftlicher Problemgruppen einhergeht (vgl. Reißig 2000).

Dietmar Wittich, letzter Leiter des Instituts für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED nennt in Folge der ökonomischen Vereinigung drei weitere effektive Veränderungsproblematiken im deutsch-deutschen Gefüge:

1. Die Initiativen für weitere gesellschaftliche Prozesse einschließlich der symbolischen Deutungshoheit wurde an die westdeutschen Eliten transferiert, und auch die dominierenden Orientierungen wurden fortan über deren Interessen und das westliche Gesellschaftsbild formuliert.

2. Es erfolgte eine schlagartige Konfrontation der DDR-Wirtschaft mit dem Weltmarkt.

3. Mit der DM-Einführung verwandelte sich das DDR-Staatseigentum in Kapital, welches den Akkumulationsprozessen und Profitrateninteressen marktwirtschaftlichen Ausmaßes unterworfen wurde. Stichwort: Treuhandanstalt, als omnipotenten Verwaltungsrat und alleinigem Kapitaleigner. Hierdurch erfolgte eine Umwandlung der Masse von berufstätigen Staatsangestellten in Lohnarbeiter (vgl. Wittich 2001b).

Durch diese Art der Subordination der bisherigen ökonomischen Prinzipien unter die Prämissen der westlichen Marktwirtschaft verkehrten sich nach marxistischer Lesart die Subjekt-Objekt-Beziehungen in ihr Gegenteil. Sie verwandelte den bisherigen kollektiven Akteur der DDR-Bevölkerung – freiwillig – in einen Empfänger von Transferleistungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und retrospektive Spezifizierung der Fragestellung: Diese Einführung erläutert den theoretischen Rahmen der Arbeit und präzisiert die Forschungsfrage zur Spezifik ostdeutscher politischer Verhaltensweisen.

2 Transformationstheoretische Ansätze und ihre Erklärungsleistung für politische Orientierungen und Verhaltensweisen: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Modelle vor, die zur Analyse von Transformation und individuellem Akteurshandeln herangezogen werden.

2.1 Die modernisierungstheoretische Ausprägung der Systemtheorie: Der Abschnitt diskutiert den Übergang vom industriellen zum postindustriellen Paradigma und die damit verbundenen systemimmanenten Krisen in der DDR.

2.2 Der akteurstheoretische Ansatz: Hier wird der Fokus auf die Mikroebene des Akteurshandelns gelegt, um deterministische Ansätze der Modernisierungstheorie zu ergänzen.

2.2.1 Der erste akteurstheoretische Strang: Der deskriptiv-empirische Ansatz: Dieses Kapitel beleuchtet das Phasenmodell der Transformation von der Liberalisierung bis zur Konsolidierung.

2.2.2 Der zweite Strang des akteurstheoretischen Ansatzes: Rational Choice: Der Abschnitt führt das RREEMM-Modell als analytisches Instrument zur Rekonstruktion strategischer Kosten-Nutzen-Kalküle ein.

2.3 Die Ost/West Dichotomie: Bestandaufnahme und Prägemomente der Differenzen auf Makroebene: Dieses Kapitel analysiert die sozioökonomischen Voraussetzungen und die Entstehung der ostdeutschen Teilgesellschaft.

2.3.1 Sozioökonomische Differenzen: Der Abschnitt befasst sich mit den ökonomischen Folgen der deutschen Einheit, insbesondere Arbeitslosigkeit und Transferabhängigkeit.

2.4 Die Ost/West Dichotomie: Wahrnehmung und Handlungsinterpretation spezifischer Situationen durch die Akteure: Hier steht die subjektive Verarbeitung der Transformationserfahrungen durch die Akteure im Mittelpunkt.

2.4.1 Ost- und westdeutsche Orientierungsdimensionen im mikrosoziologischen/mikropolitischen Vergleich: Individuelle Milieuzuordnungen: Der Teil vergleicht soziale Milieus und deren Einfluss auf die Selbstverortung der Bürger.

2.4.2 Ostdeutsche Orientierungsdimensionen im mikrosoziologischen/mikropolitischen Vergleich: Haltungsausprägungen und Identitäten: Dieser Abschnitt thematisiert das Gefühl der ostdeutschen Bürger, „Bürger 2. Klasse“ zu sein.

2.4.3 Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen: Das Links-Rechts Kontinuum – Sozialismus oder Kapitalismus und der persönliche Wertekanon in der Frage von Krieg und Frieden: Der Teil analysiert ideologische Präferenzen und Einstellungen zu aktuellen politischen Ereignissen.

2.5 Das kollektive Explanandum: Ostdeutsches aggregiertes Individualverhalten auf der Makroebene: Dieses Kapitel führt die Einzelergebnisse zusammen und beschreibt die ostdeutsche Wertegemeinschaft.

3 Abschlussdiskussion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Bedeutung langfristiger Sozialisationsprozesse für das heutige politische Verhalten.

Schlüsselwörter

Transformation, Ostdeutschland, politische Kultur, Wertorientierungen, Rational Choice, Systemwandel, soziale Milieus, Identität, PDS, Sozialisation, Transformationsforschung, Arbeitslosigkeit, Marktwirtschaft, Demokratieverständnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwieweit sich die politischen Orientierungen und das Wahlverhalten von Ost- und Westdeutschen nach der Wiedervereinigung unterscheiden und durch welche Faktoren diese Differenzen sozialwissenschaftlich erklärbar sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen Transformationstheorien, sozioökonomische Unterschiede, die Entstehung einer spezifischen ostdeutschen Identität sowie milieutheoretische Analysen des politischen Verhaltens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob ostdeutsche politische Orientierungen derart manifest spezifizierbar sind, dass sie als eindeutig „ostdeutsch“ identifiziert werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung folgt einem methodisch-individualistischen Ansatz, insbesondere der Rational-Choice-Theorie sowie der Wert-Erwartungstheorie, ergänzt durch die Auswertung empirischer Umfragedaten und soziologischer Studien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Transformationsforschung erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse sozioökonomischer Differenzen und einer Untersuchung individueller Einstellungen anhand von Milieus, Identität und Parteipräferenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Transformation, Ostdeutschland, politische Kultur, soziale Milieus, Rational Choice, Identität, Sozialisation und das normative Demokratiemodell.

Welche Rolle spielt das „Reformlager“ in der Arbeit?

Das „Reformlager“ wird als Ausdruck einer spezifischen ostdeutschen Präferenz für soziale Sicherheit und ausgleichende Gerechtigkeit beschrieben, die sich insbesondere in Wahlentscheidungen, etwa für die PDS, manifestiert.

Wie bewertet der Autor den Einfluss der Sozialisation auf die politische Einstellung?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Sozialisation in der DDR nach wie vor die entscheidende Rolle spielt, da sie tief verankerte Wertstrukturen und Einstellungen zu Arbeit und staatlicher Absicherung geprägt hat, die bis heute fortbestehen.

Was besagt die Situationshypothese im Vergleich zur Sozialisationshypothese?

Die Situationshypothese erklärt Unterschiede durch aktuelle Lebensbedingungen (Einkommen, Arbeitsmarkt), während die Sozialisationshypothese die langfristige Prägung durch das DDR-System als primären Faktor für abweichendes politisches Verhalten gewichtet.

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Details

Title
Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen im Vergleich
College
University of Stuttgart  (Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Politische Theorie und Politikfeldanalye)
Course
Systemumbruch und Transformation in der DDR 1998/1990 und in Ostdeutschland
Grade
1,0
Author
Max Eifler (Author)
Publication Year
2001
Pages
53
Catalog Number
V9307
ISBN (eBook)
9783638160421
ISBN (Book)
9783656562580
Language
German
Tags
Politische Orientierungen Ost / West Empirie & Transformationstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Max Eifler (Author), 2001, Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Ost- und Westdeutschen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9307
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