Gewaltprävention in der Grundschule am Beispiel des Faustlos-Curriculums


Vordiplomarbeit, 2008
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Gewalt
2.2 Prävention
2.3 Gewaltprävention

3 Das Faustlos-Curriculum
3.1 Grundannahmen
3.2 Die drei Einheiten
3.3 Implementierung in den Schulalltag

4 Evaluationsergebnisse
4.1 Die Studie
4.2 Ergebnisse

5 Zusammenfassung und Kritik

1. Einleitung

Der Hilferuf des Lehrerkollegiums der Rütli Schule in Berlin, der Amoklauf eines Studenten in den USA, Berichte von Schülern, die andere Schüler erpressen. Eine solche Aufzählung ließe sich noch lange fortführen, denn Gewalt an Schulen ist immer wieder ein Thema in den Medien. Auch der aktuelle Bericht der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention zu Strategien der Gewaltprävention im Kindes- und Jugendalter (2007) der stellt fest: „[...] zugleich kann nicht geleugnet werden, dass Gewalt im Jugendalter ein Ausmaß und eine Intensität aufweist, die niemanden ruhig lassen kann." Die Kriminalitätsstatistik der Polizei verweist auf 53.979 Delikte wegen Gewaltkriminalität der unter 18-jährigen im Jahre 2005, das sind 26% aller erfassten Gewaltdelikte. Im Vergleich zum Jahr 1996 lässt sich ein Anstieg von 33% feststellen. (vgl. Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 176)

Doch was kann gegen Gewalt im Kinder- und Jugendalter unternommen werden? Und sind Maßnahmen auch wirksam? Die Studie der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention unterteilt mögliche Maßnahmen in sechs Handlungsfelder. Neben den Feldern Familie,

Kindertageseinrichungen, Kinder- und Jugendhilfe, polizeiliche Gewaltprävention und Justiz wird das Handlungsfeld Schule untersucht.

Ein Präventionsprogramm ist „FAUSTLOS“, das speziell für die Grundschule entwickelt wurde und auf dem amerikanischen „Second Step“ Curriculum basiert. Faustlos wird in Thüringen momentan in 100 Grundschulen eingesetzt. Die vorliegende Arbeit soll dazu dienen die Wirksamkeit dieses Programmes zu untersuchen und einer kritischen Wertung zu unterziehen.

In den nachfolgenden Ausführungen werden als erstes Begriffsbestimmungen der Schlüsselwörter Gewalt, Prävention und natürlich Gewaltprävention vorgenommen. Dann wird das Faustlos-Curriculum sowie auch die Implemetierung dessen in den Schulalltag behandelt, um eine Basis für die Evaluationsergebnisse zu schaffen. Das vierte Kapitel stellt dann anhand einer Wirksamkeitsstudie den Erfolg oder Misserfolg des Programmes vor. In der abschließenden Zusammenfassung werden Kritikpunkte an Faustlos erläutert.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Gewalt

Allgemein. „Gewalt wird häufig als extreme Form physischer Aggression aufgefasst.“ (Gollwitzer/Pfetsch/u.a., 2007, S.7). Diese erste, enge Definition von Gewalt wird auch als manifeste Gewalt bezeichnet und ist noch zu durch eine Definition im weiten Sinne zu ergänzen. So zählen Gollwitzer/Pfetsch u.a. (2007, S. 7) auch die psychische Gewalt, Vandalismus und strukturelle Gewalt zum Begriff der Gewalt.

Manifeste Gewalt äußert sich in einem körperlich-schädigenden Verhalten gegenüber von anderen Menschen (beispielweise durch einen Faustschlag) und grenzt sich so vom Vandalismus, der als Gewalt gegen Sachen definiert wird ab. Bei psychischer Gewalt kommt es zu einer Verletzung einen anderen Menschen durch Worte und nichtkörperliche Taten (beispielsweise Beleidigungen, Beschimpfungen). Mit dem Begriff der strukturellen Gewalt sind hier Beeinträchtigungen und Benachteiligungen die durch gesellschaftliche und institutionelle Bedingungen zustande kommen gemeint. Beispiele hierzu sind Ausgrenzung von Arbeitslosen, Obdachlosen oder auch die Benachteiligung von Müttern im Beruf. (vgl. Gollwitzer/Pfetsch/u.a., 2007, S.7)

Im Kontext von Schule. Auch die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention nennt „vier Phänomenbereiche: verbale Gewaltformen wie Beleidigungen, Beschimpfungen und Hänseleien, die traditionell als Gewalt definierte körperliche Gewalt, wie Schlagen, Treten oder Raufen, die immer häufiger vorkommende psychische Gewalt, wie jemanden fertig machen, jemanden ausschließen oder Mobbing sowie das Zerstören, Beschädigen oder Klauen von persönlichen Gegenständen und Schuleinrichtung, bekannt auch als Vandalismus.“ (2007, S.105)

Häufigkeit und Formen von Gewalt aus diesen vier Bereichen sind von vielen Faktoren abhängig. So wirken beispielsweise der Zustand und Einrichtung des Schulgebäudes und der Klassenzimmer, die Größe der Klassen, das Personal (Lehrer, Sozialarbeiter, Hausmeister) sich erheblich aus. Auch durch der durch das Schulsystem vorgegebene Rahmen, also die unterschiedlichen Schulformen in einem Bundesland nehmen Einfluss auf die Entstehung von Gewalt. Des Weiteren spielt in diesem Zusammenhang das soziale Umfeld der Schule, also welchen familiären Hintergrund die Schüler haben und wie ihre Zukunftsaussichten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind, eine wichtige Rolle. (vgl. Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 106).

2.2 Prävention

„Der Begriff Prävention kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich, einer Sache zuvor (prä) kommen (veniere), also eine meist unerwünschte Entwicklung durch geeignete Maßnahmen im Vornhinein zu verhindern." (Gollwitzer/Pfetsch/u.a., 2007, S.7). Unterschieden werden drei Formen der Prävention:

Bei der primären Prävention stehen Maßnahmen zur Verhinderung von unerwünschten Entwicklungen im Mittelpunkt. Sie zielt auf breite gesellschaftliche Gruppen ab.

Die sekundäre Prävention möchte die Folgen von bereits aufgetretenen, negative Entwicklungen mindern. Zielgruppe sind spezifische, gefährdete Gruppen.

Tertiäre Prävention stellt die Eindämmung von Folgeschäden in den Vordergrund. Sie zielt auf eine enge, auffällig gewordene Gruppe ab.

(vgl. Gollwitzer/Pfetsch/u.a., 2007, S.7)

2.3 Gewaltprävention

Gewaltprävention versucht durch Maßnahmen das Auftreten von Gewalt zu verhindern, sie versucht also „als vorgelagerte Intervention zu verhindern, was noch nicht aufgetreten ist." (Schröder/Merkele, 2007, S.17). Die

Gewaltprävention wirkt wie andere Präventionen ebenfalls in den oben beschriebenen folgenden drei Feldern:

Gollwitzer/Pfetsch/u.a. beschreiben „Primärprävention [als] jene Maßnahmen, die aggressive Verhaltenstendenzen verhindern sollen, bevor sie auftreten und sich verfestigen." (2007, S.7). Im Vordergrund steht der Aufbau von erwünschten Verhaltensweisen wie beispielsweise konstruktive Konfliktlösungsstrategien. Diese Maßnahmen zielen auf alle Schüler ab und werden meist durch Lehrer der Schule durchgeführt, da viele Programme speziell auf die Struktur „Klasse plus Lehrkraft" und den 45 Minuten Rhythmus abgestimmt sind. (vgl. Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 108).

Sekundärprävention von Gewalt setzt in der Schule zielt auf das Eindämmen von aufgetretenem, aggressivem Verhalten ab. Dabei steht der Abbau unerwünschten Verhaltens und die Arbeit mit Schülern die bereits Erfahrungen mit Gewalt gesammelt habe und erste unerwünschte Verhaltensweisen aufzeigen im Vordergrund (vgl. Gollwitzer/Pfetsch/u.a., 2007, S.8).

Zeigen einzelne Schüler ein kontinuierliches Gewalthandeln oder haben sie eine schwere Straftat begangen arbeiten Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter mit diesem Schüler. Diese Arbeit wird als tertiäre Prävention bezeichnet und dient dazu den Schüler, andere Schüler und die Klasse vor den Auswirkungen und Folgen seines gewalttätigen Handelns zu schützen. (vgl. Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 109).

Außer der Unterscheidung in primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention ist auch eine Unterscheidung dessen, worauf die Maßnahmen versuchen Einfluss zu nehmen sinnvoll. Das der Ansatz von Gollwitzer/Pfetsch/u.a. (2007, S. 8f.), die fünf unterschiedliche Formen nennen: Täterbezogene Maßnahmen, Opferbezogene Maßnahmen,

Gruppenbezogenen Maßnahmen, Elternbezogene Maßnahmen und Kontextbezogene Maßnahmen. Sie begründen diese Einteilung mit der Komplexität von gewalttätigem Handeln und seiner Entstehung.

3. Das Faustlos-Curriculum

Faustlos ist im Bereich der primären Gewaltprävention einzuordnen. Es basiert auf dem in vom Committee for Children in Seattle, USA entwickelten „Second Step". Das in Amerika erfolgreiche Programm wurde mehrfach Ausgezeichnet und basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. In Deutschland wurde Second Step in einem mehrjährigen Prozess unter Leitung von Prof. Cierpka übersetzt und findet seitdem Anwendung in zahlreichen Kindergärten und Grundschulen. (vgl. Heidelberger Präventionszentrum, 2005, S.4) Für diese beiden Einrichtungen wurde jeweils ein separates Curriculum entwickelt, die folgenden Ausführungen beziehen sich auf das Programm für Grundschulen.

3.1 Grundannahmen

Aggressive Kinder haben Defizite in der Empathiefähigkeit, der Impulskontrolle und im Umgang mit Ärger und Wut. Ausgehend von dieser Annahme, die auf Forschungsergebnissen amerikanischer Sozialwissenschaftler beruht (vgl. Schröder/Merkele, 2007, S.115), wurde ein umfassendes Training entwickelt. Es setzt an den drei Punkten Empathiefähigkeit, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut an und soll so systematische die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Grundschulkindern fördern. (vgl. Schick, 2006, S. 91)

Zur Durchführung eines langfristigen Präventionsprogrammes sind Schulen besonders gut geeignet.

In der Schule werden sehr viele Kinder erreicht. Insbesondere auch Kinder aus belasteten Familien, die von außerschulischen Angeboten nur selten erreicht werden. Des Weiteren können die Kinder hier das Erlernte über mehrere Jahre hinweg regelmäßig in sozialen Situationen anwenden und üben. (vgl. Schick, 2006, S. 91)

Aus diesen Gründen ist Faustlos auf eine Dauer von drei Jahren in den Klassenstufen eins bis drei angelegt und wird regelmäßig durchgeführt, der Aufbau lehnt sich an die Struktur einer Schulstunde an.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gewaltprävention in der Grundschule am Beispiel des Faustlos-Curriculums
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V93096
ISBN (eBook)
9783638062831
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewaltprävention, Grundschule, Beispiel, Faustlos-Curriculums
Arbeit zitieren
Jan Sommer (Autor), 2008, Gewaltprävention in der Grundschule am Beispiel des Faustlos-Curriculums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93096

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