Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, welche Charaktereigenschaften einem Smart Beta ETF interessierten Investor zugeordnet werden können. Anhand der definierten Charaktereigenschaften können Anomalien im Anlegerverhalten identifiziert, erklärt und Methoden zur Eliminierung dieser genannt werden. Die Analyse des Investorenverhaltens kann für viele Interessengruppen wichtig sein, hier bspw. für private Anleger, Fondmanager oder Finanzberater. Durch das Wissen wie Investoren sich in Bezug auf Risiko verhalten, kann es zu besseren Einschätzungen und Beratungen kommen, welche Investitionsprodukte zu den jeweiligen Interessen passen. Dies kann zu einer gut funktionierenden Gesamtwirtschaft beitragen.
Die Investitionsvielfalt steigt und ein Produkt hat es den Anlegern besonders angetan. Der Exchange Traded Fund (ETF) erfreut sich bei den privaten, professionellen und institutionellen Anlegern eines starken Ansehens.
So wie die Beliebtheit von ETF Produkten im Allgemeinen steigt, steigt auch die Beliebtheit der Smart Beta ETFs auf dem Markt. Das steigende Wachstum führt dazu, dass das damals als Trend angesehene Produkt nun eine große Rolle am Markt spielt. Das gestiegene Volumen lässt die Frage aufkommen: Wer investiert eigentlich in ETFs und mit welcher Erwartung tut er dies?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen zu Investitionsstrategien
2.1 Assetmanagement
2.2 Passives Portfoliomanagement
2.3 Aktives Portfoliomanagement
2.4 Hybrid Form: Smart Beta ETF
3. Grundlagen des Investitionsverhaltens
3.1 Die Neoklassische Kapitalmarkttheorie und ihre Grenzen
3.2 Die Behavioral Finance als Erklärungsansatz für Marktanomalien
3.3 Marktanomalien in der Wertschöpfungskette
3.3.1 Anomalien in der Informationsaufnahme
3.3.2 Anomalien in der Informationsverarbeitung
3.3.3 Anomalien in der Entscheidungsfindung
4. Analyse der Investorentypen
4.1 Charakteristika eines aktiven Investors
4.2 Charakteristika eines passiven Investors
4.3 Charakteristika von Smart Beta ETF Investoren
4.3.1 Innere Charaktereigenschaften eines Smart Beta ETF Investors
4.3.2 Äußerliche Charaktereigenschaften eines Smart Beta ETF Investors
4.3.3. Maßnahmen zur Korrektur von abweichendem Investitionsverhalten
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Charaktereigenschaften von Investoren, die sich für Smart Beta ETFs entscheiden, um psychologische Anomalien im Anlegerverhalten zu identifizieren und Korrekturmaßnahmen aufzuzeigen.
- Grundlagen von Investitionsstrategien (aktiv, passiv, hybrid)
- Behavioral Finance als Erklärungsmodell für Marktanomalien
- Klassifizierung und Analyse verschiedener Investorentypen
- Psychologische Verhaltensverzerrungen (Heuristiken und Bias)
- Ableitung der Charakteristika von Smart Beta ETF Investoren (SBEI)
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Anomalien in der Informationsaufnahme
Bei der Informationsaufnahme bedienen sich die Marktteilnehmer an Heuristiken, meist kognitiver Art. Im Rahmen dieses Abschnitts werden die Verfügbarkeits-Heuristik, der Darstellungseffekt und das Herdenverhalten vorgestellt.
Die Verfügbarkeits-Heuristik ist eine stark verzerrende kognitive Heuristik und entsteht durch eine Fehleinschätzung von Wahrscheinlichkeiten. Bei der Aufnahme von Informationen bedient sich das menschliche Gehirn meist an vergangenen Informationen, die leichter abrufbar und stark prägend sind. Diese abgerufenen Informationen oder Ereignisse werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, als Informationen die schwerer vorzustellen oder abzurufen sind. Bspw. überschätzen viele Befragte die Todesopfer von Naturkatastrophen. Die starke Überschätzung hängt mit der leichten Abrufbarkeit und der prägnanten medialen Berichterstattungen dessen zusammen. Durch die genannte Heuristik wird eine Bewertung von Informationen anhand fundierter Daten erschwert. Außerdem kann es dazu führen, dass Wertpapiere aus der eigenen Branche, Region oder aus dem Bekanntenkreis lukrativer geschätzt werden, als sie es tatsächlich sind.
Eine Methode der Wahrnehmungs-Heuristiken ist der Darstellungseffekt. Dieser Effekt behandelt unterschiedliche Darstellungsarten von Entscheidung. Studien zeigen, dass bei unterschiedlichen Darstellungen eines Sachverhaltes die Probanden eine andere Antwortmöglichkeit wählen. Dabei wurde die Frage sachgemäß nicht geändert, jedoch wurden Formulierungen hinsichtlich Gewinn- oder Verlustgrößen anderes gewählt. Würde die Prognose bei einem Aktienkauf lauten: „Der Aktienkurs könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% sinken“, wären die Käufer weniger gewillt sie zu kaufen, als wenn die Darstellung lauten würde: „Der Aktienkurs könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% steigen“. Kahneman und Tversky fanden in ihren Studien heraus, dass die Menschen eher dazu neigen keine Verluste einzugehen, als den Versuch zu wagen Gewinne zu erzielen. Sachverhalte, die eine Verlustgröße mehr in den Fokus stellen, werden durch die Verlustaversion versucht zu vermeiden. Der Darstellungseffekt ist somit eine Heuristik kognitiver Fehleinschätzungen von Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung von ETFs und Smart Beta ETFs sowie Erläuterung der Relevanz der Untersuchung des Anlegerverhaltens.
2. Grundlagen zu Investitionsstrategien: Definition und Abgrenzung von aktivem, passivem und hybridem Portfoliomanagement unter Berücksichtigung von Risikokennzahlen.
3. Grundlagen des Investitionsverhaltens: Darstellung der Grenzen der neoklassischen Theorie und Einführung der Behavioral Finance zur Erklärung irrationaler Marktanomalien.
4. Analyse der Investorentypen: Klassifizierung von Investorentypen und detaillierte Untersuchung der inneren und äußeren Merkmale von Smart Beta ETF Anlegern.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Studienergebnisse und Empfehlungen zur Aufklärung von Investoren zur Vermeidung psychologischer Verzerrungen.
Schlüsselwörter
Smart Beta ETF, Behavioral Finance, Investorenverhalten, Portfoliomanagement, Marktanomalien, Heuristiken, Bias, Rendite-Risiko-Relation, psychologische Verzerrungen, Anlegertypologie, Kapitalmarkttheorie, Informationsverarbeitung, Finanzielle Bildung, Entscheidungsfindung, Diversifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche spezifischen Charaktereigenschaften Anleger aufweisen, die in Smart Beta ETFs investieren, und wie psychologische Verzerrungen ihr Verhalten beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Grundlagen der Portfoliostrategien, die Behavioral Finance sowie die verhaltenspsychologische Profilbildung von Investoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Smart Beta ETF Investor (SBEI) zu definieren, seine Verhaltensmuster zu verstehen und Möglichkeiten zur Korrektur irrationaler Investitionsentscheidungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Analyse durchgeführt, die bestehende Studien aus der Behavioral Finance und der Finanzmarktforschung zusammenführt und auf das spezifische Produkt Smart Beta ETF anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Investitionsstile, die Erklärung von Marktanomalien durch die Behavioral Finance sowie eine detaillierte Analyse der inneren und äußeren Charakteristika von SBEI.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Smart Beta ETF, Behavioral Finance, Investorentypen, Heuristiken, Bias, Marktineffizienzen und Anlegerentscheidungen.
Wie unterscheiden sich Smart Beta Investoren von rein aktiven oder passiven Anlegern?
Der SBEI agiert als Hybridtyp, der zwar die Effizienzmarkthypothese teilweise anerkennt, aber durch Trendverfolgung und eine mittlere finanzielle Bildung zu bestimmten Heuristiken wie Herdenverhalten neigt.
Welchen Einfluss hat die „Reueaversion“ auf den Smart Beta Anleger?
Sie verstärkt die ängstliche Herangehensweise des Investors, da er versucht, die Verantwortung für Fehlentscheidungen zu vermeiden und sich an der Masse orientiert.
Warum ist die Analyse der „äußeren Charakteristika“ für Berater relevant?
Sie hilft Finanzberatern dabei, Mandanten besser einzuschätzen und sie gezielt auf ihre individuellen Wahrnehmungsverzerrungen hinzuweisen, um eine optimierte Anlageberatung zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die finanzielle Bildung in der Analyse?
Sie ist ein entscheidender Faktor, da eine nur mittelmäßige finanzielle Bildung beim SBEI dazu führt, dass er leichter durch Trends und Medienberichterstattung beeinflusst wird.
- Citation du texte
- Asma El Aoudati (Auteur), 2019, Smart Beta ETF Investoren. Der Zusammenhang von Charaktereigenschaften und Portfoliostrategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931304