Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit folgender Forschungsfrage: Inwiefern findet sich in Karls V. Selbstverständnis als Herrscher die Vorstellung eines Universalmonarchen nach Mercurinio Gattinara wieder?
Zu deren Untersuchung wird zunächst die Bedeutung, welche dem Begriff der "Universalmonarchie" im Einzelnen und zur Zeit Karls V. im Besonderen zukommt, betrachtet und identifiziert was einen Universalmonarchen letztendlich charakterisiert. Im Fokus der Betrachtung steht dabei vor allem der Entwurf der Universalmonarchie nach Marcurinio Gattinara.
Anschließend wird das Selbstverständnis Karls V. und dessen damit verbundenes Regierungskonzept fokussiert. Wie präsentierte sich Karl V. zu seiner Wahl zum römisch-deutschen Kaiser 1519 und welche Anschauung hatte er von sich selbst zur Zeit seines Herrschaftshöhepunktes 1548, ferner wie trat dieser am Ende seiner Regierung 1555 auf? Im Fokus der Betrachtung steht dabei vor allem letzteres und die damit verbundene Abdankungsrede. Schlussendlich kann die Forschungsfrage ermittelt werden, inwiefern sich in Karls V. Selbstverständnis als Herrscher die Vorstellung eines Universalmonarchen wiederfindet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
1.Die Universalmonarchie
1.2 Mittelalterliche Grundlagen und eine traditionelle Kaiseridee
1.3 Universalmonarchie zur Zeit Karls V.
1.3.1 Die Universalmonarchie nach Mercurinio Gattinara
1.3.2 Ein Universalmonarch bei Mercurinio Gattinara
2. Selbstverständnis Karls V.
2.1 Karl V.: Leben, Regentschaft und Abdankung
2.2 Karls V. Selbstverständnis als Herrscher
3. Inwiefern findet sich in Karls V. Selbstverständnis als Herrscher die Vorstellung eines Universalmonarchen nach Mercurinio Gattinara wieder?
Schluss
Zielsetzung und thematische Einordnung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstverständnis Kaiser Karls V. im Kontext der zeitgenössischen Vorstellung einer „Universalmonarchie“, wie sie insbesondere durch seinen Großkanzler Mercurino Gattinara geprägt wurde. Es wird analysiert, inwieweit Karl V. tatsächlich nach einer universalen Weltherrschaft strebte oder ob der Rückgriff auf mittelalterliche Kaisertraditionen lediglich als Legitimationsinstrument für seine dynastische Politik diente.
- Analyse des Begriffs der „Universalmonarchie“ in der Frühen Neuzeit.
- Einfluss der politischen Visionen Mercurino Gattinaras auf die Herrschaftspraxis Karls V.
- Untersuchung des kaiserlichen Selbstverständnisses anhand von Regierungstexten und Abdankungsreden.
- Gegenüberstellung von mittelalterlichem Traditionsverständnis und neuzeitlichem Machtanspruch.
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Die Universalmonarchie nach Mercurinio Gattinara
Gattinara gab Karl V. „[…] die wirklich brauchbare Form für die christliche Leitung aller seiner Länder und Völker […]“. Er schaffte es außerdem „[…] aus der begrenzten burgundischen oder spanischen Welt in die universale hinüberzuführen und in wirklich großem Stil die Zentralregierung Karls zu organisieren […]“.
Um die Persönlichkeit Gattinaras und seine Politik kennenzulernen, ist es hilfreich seine von Ilse Kodek übersetzte Autobiographie heranzuziehen. Für eine kritische Auseinandersetzung mit der vorliegenden Quelle ist es wichtig zu berücksichtigen, dass es sich nicht um die Originalfassung handelt. Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem lateinischen von Ilse Kodek, welche sich, wie sie selbst einführt, „[…] auf dem schmalen Grat zwischen Texttreue und Lesbarkeit […]“ befindet. Auch die Auswahl der Inhalte ist kritisch zu hinterfragen, da diese nach Gattinaras eigenem Interesse und seiner Perspektive geschah. Karl V. wird in der Biographie beispielsweise als Schüler Gattinaras gesehen, welchem Gattinara den rechten Weg weisen wollte. Kodek beschreibt es in einer eher negativen Färbung so: „Karl das Pferd und Gattinara sein Reiter.“ Inwieweit Gattinara Karl V. als Marionette oder ähnliches benutzte, bleibt Spekulation. Fest steht hingegen, dass Gattinara politisch auf Karl V. einwirkte und dabei von Karl als rechtmäßigem Kaiser überzeugt war. Für den Zweck der Arbeit eignet sie sich insofern, dass seine persönliche Sichtweise gefragt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Universalmonarchie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der mittelalterlichen Kaiseridee und identifiziert das spezifische Konzept der Universalmonarchie nach Mercurino Gattinara.
2. Selbstverständnis Karls V.: Hier wird der Lebensweg und die Regierungsweise Karls V. betrachtet, wobei ein besonderer Fokus auf seiner Abdankungsrede und der Legitimation seines Herrschaftsanspruchs liegt.
3. Inwiefern findet sich in Karls V. Selbstverständnis als Herrscher die Vorstellung eines Universalmonarchen nach Mercurinio Gattinara wieder?: Das Kapitel führt die Analyse zusammen und bewertet, inwieweit Karl V. Gattinaras Vision einer Weltherrschaft in seinem persönlichen Handeln adaptierte.
Schlüsselwörter
Karl V., Universalmonarchie, Mercurino Gattinara, Kaiserwürde, Legitimation, Weltherrschaft, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Christliche Einheit, Kaisertradition, Machtanspruch, Glaubensspaltung, politische Propaganda, res publica christianas, Abdankung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische Selbstverständnis Kaiser Karls V. und untersucht, ob sein Handeln als Versuch einer Realisierung einer „Universalmonarchie“ gedeutet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kaiseridee des Mittelalters, dem politischen Einfluss von Mercurino Gattinara und der Frage nach der Legitimation kaiserlicher Herrschaft in einer Epoche des gesellschaftlichen Wandels.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern sich die Vorstellung eines Universalmonarchen nach Mercurino Gattinara im Selbstverständnis Karls V. als Herrscher widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, die sowohl zeitgenössische Dokumente als auch neuere Sekundärliteratur zur Interpretation heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung der Universalmonarchie, eine Analyse der Regierungszeit Karls V. und eine abschließende Untersuchung der ideologischen Kongruenz zwischen Gattinaras Vision und Karls Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Universalmonarchie, Karl V., Gattinara, Kaisertradition, Weltherrschaft und Legitimation.
Wie bewertet der Autor Karls V. Verhältnis zum Papsttum?
Der Autor stellt fest, dass Karl V. sich als Hirte der Christenheit verstand und durch den Anspruch einer Universalmonarchie eine Stellung einnahm, die ihn faktisch über den Papst stellte, obwohl dies mit der mittelalterlichen Tradition eines dualistischen Verhältnisses kollidierte.
Welche Rolle spielt die Abdankungsrede von 1555?
Die Rede dient als zentrale Quelle für das Selbstverständnis Karls V. am Ende seiner Regierungszeit, in der er sein Handeln als gottgegebene Verpflichtung zum Schutz der Christenheit und Erhaltung des Friedens rechtfertigt.
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- Lena Rose (Author), 2019, Kaiser Karl V. und die Universalmonarchie. Entspricht sein Selbstverständnis als Herrscher der Vorstellung nach Mercurinio Gattinara?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931346