Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Zwiespalt zwischen Familienpolitik und gesellschaftlichen Normen

Eine kurze Ausführung


Essay, 2020

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Familienpolitik

Wiedereinstieg in das Berufsleben

Wie unterstützen Arbeitgeber eine Berufs- und Familien Balance?

Beruf und Familie im gerechten Einklang

Diskussion und Fazit

Literatur

Um das folgende Essay angenehmer lesen zu können, wird an einigen Stellen der Sprachgebrauch des generischen Maskulinums verwendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Verwendung der „männlichen“ Form keinen Bezug zum natürlichen Geschlecht hat, sondern als geschlechtsneutral verstanden werden soll.

Einleitung

Monate lang warten werdende Eltern auf diesen Moment. Endlich, der Nachwuchs ist da. Besonders bei den ersten Kindern haben viele Eltern den Wunsch jede mögliche Sekunde für das Kind da zu sein und alles Andere steht plötzlich an zweiter Stelle. Ebenso der Beruf. Doch den Schreibtisch gegen eine Wickelkommode eintauschen, obwohl der Job gerade besonders gut läuft? Mit dieser Frage setzen sich viele Paare, die eine Familie gründen oder erweitern wollen, auseinander.

Helfen soll dabei die eingeführte Elternzeit. Sie ermöglicht den Eltern eine Auszeit vom Beruf, um mehr Zeit mit der Familie zu haben und wird von dem Elterngeld unterstützt. Dies funktioniert aber nur, wenn die werdenden Eltern finanziell abgesichert sind. Denn eine Auszeit von der Arbeit bedeutet gleichzeitig eine Zeit mit geringerem Einkommen.

Darüber hinaus werden Frauen und Männern oftmals bestimmte geschlechtsspezifische Normen zugewiesen. Diese Teilung erzeugt ein Ungleichgewicht zwischen dem Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub , die Frauen und Männer in von der Gesellschaft angesehene ,typische‘ Arbeits- und Familienrollen einteilen. Diese Tatsache erschwert den Männern ihre Vaterrollen auszuleben und den Frauen den Einstieg zurück in das Berufsleben. Dabei wollen beide Geschlechter sowohl Erwerbstätig sein als auch Zeit für die Familie haben.

Doch welche Maßnahmen sind dafür konkret notwendig? Im Folgenden wird sich mit der Fragestellung auseinandergesetzt, ob eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert und wie sie unterstützt wird. Dabei wird sich vermehrt auf den deutschsprachigen Raum bezogen. In den folgenden Abschnitten wird ein Überblick über die zentralen Handlungsfelder „Familienpolitik“, „Einfluss der Arbeitgeber“ und den „Wiedereinstieg in das Berufsleben“ gegeben und diese in einem abschließenden Fazit diskutiert.

Die Familienpolitik

Laut der Familienpolitik lohnt sich der Tausch vom Schreibtisch zur Wickelkommode. Denn Eltern werden, von der seit 2007 eingeführten Elternzeit unterstützt und das dazugehörige Elterngeld soll dabei helfen, den Verdienstausfall der Eltern zumindest zum Teil zu ersetzen. Das ermöglicht Baby und Eltern eine schöne und intensive Zeit miteinander. Die Höhe des Elterngeldes beträgt 67% des Einkommens. Gezahlt wird jedoch mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro im Monat. An Vater und Mutter wird das Elterngeld für maximal 14 Monate gezahlt, dabei können beide Elternteile die Elternzeit frei untereinander aufteilen. Höchstens 12 Monaten dürfen von einem Elternteil in Anspruch genommen werden. Zwei weitere Monate werden zur Verfügung gestellt, wenn in dieser Zeit das Erwerbseinkommen wegfällt und der Partner sich an der Betreuung beteiligt. Alleinerziehende können die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen (vgl. Reimer, 2013).

Zudem fördert der Staat eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in der Familie: Nutzen beide Eltern das Elterngeld, können sie unter bestimmten Voraussetzungen für einen längeren Zeitraum davon profitieren. So beantragen auch immer mehr Väter Elternzeit, erhalten Elterngeld und teilen sich mit der Mutter die Betreuung des Babys. Dadurch verbringen Eltern mehr Zeit mit ihrem Kind und den Vätern wird zusätzlich die Möglichkeit geboten, wenn sie sich auf ihre Vätermonate einlassen, sich intensiver mit ihrer Vaterrolle auseinanderzusetzen und die Frau im Haushalt zu entlasten oder ihr die Möglichkeit zu bieten entspannter in den Beruf wieder einzusteigen.

Mit diesen Leistungen für Eltern inszeniert die Familienpolitik das Ziel, die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu verbessern, Beruf und Familie zu verbinden und die Kinderbetreuung durch Väter zu unterstützen. Zusätzlich werden Anreize für Frauen geschaffen, kurz nach der Geburt eines Kindes wieder erwerbstätig zu werden (vgl. Henninger et al., 2008 nach Reimer, 2013). Allerdings können diese Leistungen nicht alle Eltern gleichermaßen in Anspruch nehmen. Denn Eltern aus höheren Einkommensgruppen, soweit ein gutverdienender Partner zusätzlich zum Einkommen beiträgt, können es sich länger leisten, das Kind zu Hause zu betreuen, als Eltern aus niedrigeren Einkommensgruppen. Daher sehen sich viele Familien mit einem niedrigen und mittleren Einkommen, aufgrund finanzieller Notlagen früher als gewünscht wieder zu arbeiten oder gar (Väter) auf die Elternzeit zu verzichten, da das Elterngeld oft zu wenig beträgt, um die Familie endgültig zu versorgen.

Gleichzeitig werden die Frauen und Männer in gesellschaftlich angesehenen Rollen eingeteilt. Dabei gelten die Väter als ,ideal, ‘ wenn sie ihre Familie finanziell versorgen und keine längere Karrierepause einlegen. Im Gegensatz dazu werden die Mütter als ,ideal‘ gesehen, wenn ihre Hauptberufung darin liegt, sich vollständig, um die Familie zu sorgen. Herbei werden sie in eine Doppelbildung gedrängt: Wenn sie der Norm der ,idealen‘ Mutter entsprechen, verletzen sie die Norm der ,idealen‘ Arbeiterin und umgekehrt (vgl. Lott & Klenner, 2018). Diese stereotypischen Unterschiede werden zusätzlich mit den Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern unterstützt (vgl. Ridgeway, 1997 nach Lott & Klenner, 2018).

Demnach bedeutet es, dass zwar eine unterstützende Leistung existiert, allerdings können nur Eltern diese Leistungen ganz ausschöpfen, die sie sich in keiner finanziellen Notlage befinden. Nebenbei werden beide Elternteile in geschlechtsspezifische Rollen eingeteilt, in denen sie kaum eine Möglichkeit bekommen sich gleichzeitig im Beruf und Familie zu beweisen was zusätzlich von der Politik toleriert wird.

Wiedereinstieg in das Berufsleben

Die Entscheidung zur Familiengründung, -erweiterung oder sich lieber der Karriere zu widmen hat vielfältige Gründe. Besteht zum Beispiel eine starke Bindung in den Arbeitsmarkt, wirkt sich diese negativ auf den Kinderwunsch aus. Vor allem fürchten Eltern in Führungspositionen mit einer Entscheidung für ein Kind eine Schädigung ihrer Karrierelaufbahn. Zudem geht eine Familienplanung mit der finanziellen Situation einher. Es muss sich auf die Einkommensminderung eingestellt werden, sowie die Kosten für die Kinderbetreuung. Schlagen Paare doch den Weg der Familienplanung ein, tauschen sie die bezahlte Erwerbstätigkeit gegen eine unbezahlte Arbeit in Form von Kindererziehung und Haushaltstätigkeiten ein. Obwohl sich 60 Prozent der Paare ein gesundes Gleichgewicht zwischen Kinderbetreuung, dem Haushalt sowie dem gleichzeitigen Nachgehen einer Erwerbstätigkeit wünschen, durch die beide Elternteile die Chance haben, für die Familie da zu sein und Erwerbstätig zu sein (vgl. BMFSFJ, 2015 nach Flaake, 2017), leben nur 6 Prozent diesen Wunsch auch wirklich aus (vgl. Wippermann, 2015, nach Flaake, 2017). Denn in vielen Fällen müssen die Hauptverdiener aus dem Haushalt, vor allem aus einkommensschwachen Familien weiterhin für den finanziellen Ausgleich sorgen.

Darüber hinaus machte eine Befragung zum Elterngeld (BMFSFJ 2009b nach Reimer, 2013) deutlich, dass die Mehrheit der Mütter erst zwei Jahre nach der Geburt eines Kindes wieder berufstätig werden. Zudem findet dieser Einstieg auch nach der Einführung des Elterngeldes, vorwiegend in Form von Teilzeit statt. Zwar ist eine vermehrte Erwerbstätigkeit mit zunehmendem Alter eines Kindes zu erkennen, doch eine Vollzeittätigkeit von mehr als zehn Prozent der befragten Frauen zeichnet sich jedoch erst 30 Monate nach der Geburt des Kindes ab (vgl. Reimer, 2013).

Gründe dafür sind zu einem die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten. Zum anderen gaben viele der befragten Frauen an, dass die frühere Berufswahl nicht den eigenen Wünschen entsprach, sondern aus finanziellen Gründen gewählt wurde und der berufliche Wiedereinstieg als finanzieller Zwang angesehen wurde (vgl. BMFSFJ, 2008 nach Reimer, 2013).

Ein weiterer Aspekt liegt bei einigen Vorgesetzten, die es den Eltern übelnehmen, wenn eine Frau oder ein Mann in Elternzeit geht, auch wenn viele dieses nicht zugeben wollen. Trotz der Ergebnisse einer Studie (IAB)1 in der die meisten Berufsrückkehrerinnen nach dem Erziehungsurlaub keine systematischen Verschlechterungen der beruflichen Situationen aufzeigten (vgl. Engstler/Menning, 2003 nach Becker/Hauser, 2004), argumentieren Arbeitgeber damit, dass die Bereitstellung von Leistungen wie Elternurlaub kostspielig ist und das Geschäftswachstum beeinträchtigt (vgl. Correll, Benard & Paik, 2007 nach Heymann, 2016).

Den meisten Menschen fällt es schon schwer sich im Berufsleben oder im Familienleben im Einzelnen zu organisieren. Wie mühsam ist dann die Aufgabe, beides zusammen in Einklang zu bringen? Zudem kann der Wiedereinstieg in einen Beruf einem Neuanfang gleichen. Der Job ist zwar derselbe, doch das Leben mit einem Kind oder einer größeren Familie formuliert andere Ansprüche und das hat einen enormen Einfluss auf das Berufsleben und einen selbst. Da stellt sich oft die Frage inwiefern Wiedereinsteiger dabei durch Politik und Arbeitgeber unterstützt werden.

Wie unterstützen Arbeitgeber eine Berufs- und Familien Balance?

Eine Ermöglichung von Flexibilität der Arbeitszeit der eigenen Mitarbeitern (vgl. Ala- Mursula, Vehtera, Pentti & Kivimäki, 2004; Allen Johnson, Kiburz & Shockley, 2013; Gallie, Zhou, Felstead &Green, 2012; Michel, Kotrba, Mitchelosn, Clark & Baltes, 2011; Riedmann, 2006 nach Lott & Klenner, 2018) sowie eine Einführung kürzerer Arbeitszeiten und Karrierepausen für die Kinderbetreuung (vgl. Peters, den Dunlk & van 1 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Lippe, 2009 nach Lott & Klenner, 2018) tragen zu positiven Arbeitsergebnissen, wie einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und einer höheren Arbeitszufriedenheit bei. Sogenannte „Work-Life-Arrangements“ können Mitarbeiter dabei unterstützen, Beruf und Familie zu verbinden. Solche Vereinbarungen, in Form von organisatorischen Richtlinien können aus zeitlicher und räumlicher Flexibilität bestehen, aus Verlängerungen der Urlaubszeiten oder der Bereitstellung von Kinderbetreuung vor Ort (vgl. Ollier-Malaterre, McNamara, Matz-Costa, Pitt-Catsouphes und Valcour, 2013 nach Been et al, 2017).

Es hat sich gezeigt, dass bezahlte Elternleistungen eine Reihe positiver wirtschaftlicher Vorteile mit sich bringen, wie zum Beispiel einer Verbesserung der Arbeitsmoral und Senkung der Arbeiterkosten durch die Steigerung der Mitarbeiterbindung (vgl. Gault, Hartmann, Hegewisch, Milli & Reichlin, 2014 nach Margolis et al, 2019). Zudem kann ein Urlaub für Mütter dazu beitragen, Depressionen und Stress vorzubeugen (vgl. Chatterji & Markowitz, 2012; Chatterji, Markowitz & Brooks-Gunn, 2013 nach Margolis et al, 2019). Allerdings sind diese oder jegliche Art von Unterstützung gegenüber einer Vereinbarung zwischen Beruf und Familie von Arbeitsgeber zu Arbeitgeber sehr unterschiedlich.

Viele Arbeitgeber halten sich an das Gesetz der festgelegten Urlaubsregelungen. Sie fühlen sich nicht verantwortlich und wollen daher nicht über diese gesetzlichen Arbeitnehmerrechte hinausgehen, da sie als umfassend genug und als Regierungsaufgaben betrachten werden und diese nicht in der Verantwortung von Organisationen liegen. Natürlich sagen, viele Arbeitgeber, dass so eine Vereinbarung auch positive Aspekte mit sich bringt bzw. keine negativen Auswirkungen hat, doch sie gelten eher als teurere Optionen mit wenigen direkten Vorteilen für das Unternehmen.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Zwiespalt zwischen Familienpolitik und gesellschaftlichen Normen
Untertitel
Eine kurze Ausführung
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V931404
ISBN (eBook)
9783346257130
ISBN (Buch)
9783346257147
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vereinbarkeit, familie, beruf, zwiespalt, familienpolitik, normen, eine, ausführung
Arbeit zitieren
Violetta Bernhardt (Autor), 2020, Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Zwiespalt zwischen Familienpolitik und gesellschaftlichen Normen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931404

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