Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) als Alternative zur traditionellen Strafrechtspraxis in Deutschland.
Ziel ist, den Täter-Opfer-Ausgleich in seiner heutigen Form praktisch und menschlich möglichst umfassend zu beschreiben und seine rechtliche Verankerung aufzuzeigen. Die praktische Durchführung und die menschlichen Hintergründe sind hierbei wie ein roter Faden der sich durch die ganze Arbeit zieht. Besonderes Augenmerk liegt auf der Täter- und Opferrolle und ihrer Bedeutung im Täter-Opfer-Ausgleich im Gegensatz zum herkömmlichen Gerichtsverfahren. Auch die Rolle des Mediators wird entsprechend behandelt in Bezug auf die an ihn gestellten Anforderungen, seine Ausbildung und sein Rollenverständnis. Auch eingegangen wird auf das Zusammenspiel von Täter-Opfer-Ausgleichsstellen mit den gesetzlichen Stellen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Die Vorteile des Täter-Opfer-Ausgleichs und seine Möglichkeiten, sich positiv auf den Rechtsfrieden auszuwirken werden dargestellt, ebenso die Einwände gegen den Täter-Opfer-Ausgleich. Auch wird geklärt, warum der Täter-Opfer-Ausgleich trotz guter Aussichten und gesetzlicher Legitimierung immer noch so wenig praktische Durchführung findet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Täter-Opfer-Ausgleich
2.1 Definition TOA mit Hilfe des Begriffs Mediation
2.2 Aussage des Begriffs „Täter-Opfer-Ausgleich“
2.3 Definition TOA mit Hilfe von sinnverwandten Begriffen
2.3.1 TOA und Konfliktschlichtung
2.3.2 (Schadens-) Wiedergutmachung
2.3.3 Versöhnung
2.3.4 Diversion
2.4 Definition TOA mit Hilfe von Gesetzestexten
2.5 Definition TOA aus dem Lehrbuch
3 Die Geschichtliche Entwicklung des TOA
4 Zielsetzung des Täter-Opfer-Ausgleichs
4.1 Täterorientierte Ziele
4.2 Opferorientierte Ziele
4.3 Ziele für die Justiz
4.4 Allgemeine Ziele
5 Rechtsgrundlagen
5.1 Erwachsenenstrafrecht
5.1.1 Die Voraussetzungen des § 46a Nr. 1 StGB
5.1.2 Die Voraussetzungen des § 46a Nr. 2 StGB
5.1.3 Die Rechtsfolgen des § 46a StGB
5.1.4 Weitere gesetzliche Verankerungen des TOAs
5.2 Jugendstrafrecht
6 Voraussetzungen für die Anwendung eines TOA
6.1 Formale Voraussetzungen
6.2 Eignung von Fällen
6.3 Entscheidungsstellen über die Eignung
7 Formaler Ablauf des TOA in einer Ausgleichsstelle
7.1 Die Vorgespräche
7.1.1 Vorgespräch mit dem Täter
7.1.2 Vorgespräch mit dem Opfer
7.2 Das Ausgleichsgespräch zwischen den Beteiligten
7.2.1 Die Einstiegsphase
7.2.2 Die Hauptphase
7.2.3 Die Abschlussphase
7.3 Die Umsetzungsphase
8 Die Rolle des Vermittlers
8.1 Die Ausbildung des Mediators
8.2 Das Rollenverständnis des Mediators
8.3 Möglichkeiten der Intervention
8.4 Die Auswirkung des Zweitberufs des Mediators
8.5 Der Mediator und die richtige Atmosphäre
8.6 Hemmnisse des Mediators
8.6.1 Konflikte
8.6.2 Widerstände
8.6.3 Konsistenz
8.6.4 Denkblockaden
8.7 Methoden des Mediators
8.7.1 Differenziertes Fragen
8.7.2 Zusammenfassen und Fokussieren
8.7.3 Normalisieren, Zukunftsorientieren und Paraphrasieren
9 Finanzierung
10 Servicebüro Täter-Opfer-Ausgleich
11 Einwände gegen den TOA
11.1 Einwände aus rechtsstaatlicher Sicht
11.2 Nachteile für das Opfer
12 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) als alternative Methode zur traditionellen Strafrechtspraxis in Deutschland, mit dem Ziel, dessen rechtliche Verankerung, praktische Durchführung und die menschlichen Hintergründe zu beleuchten sowie die Perspektiven der beteiligten Akteure zu analysieren.
- Stellenwert und Entwicklung des Täter-Opfer-Ausgleichs in der deutschen Justiz
- Rechtliche Grundlagen im Erwachsenen- und Jugendstrafrecht
- Die Rolle und Methoden des Mediators im Ausgleichsverfahren
- Anforderungen an die Eignung von Fällen und praktische Hindernisse
- Analyse der Zielsetzungen für Täter, Opfer und die Justiz
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Vorgespräch mit dem Täter
Die Ausgleichsstelle schreibt den Täter an, sobald sie die Ermittlungsakten erhalten hat und sich mit dem Fall vertraut gemacht hat. Im Fall des jugendlichen Täters wird auf eine freundliche Formulierung Wert gelegt, er soll nicht „verschreckt“ werden. Manchmal wird darauf hingewiesen, dass die Ausgleichsstelle unabhängig von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgericht operiert, da viele Jugendliche sich aus Angst vor einer „staatlichen Stelle“ nicht melden. Ein Musterschreiben könnte folgendermaßen aussehen:
„Sehr geehrte/r [Name],
die Staatsanwaltschaft [Sitz] hat mich über das Strafverfahren wegen Körperverletzung gegen Sie informiert und mich gebeten, in diesem Fall den Versuch eines Täter-Opfer-Ausgleichs zu unternehmen.
Das Ziel eines solchen Ausgleichs besteht darin, Jugendlichen und Heranwachsenden, die eine Straftat begangen haben, die Chance zu geben, die Tat mit ihren Folgen wieder gutzumachen. Der Täter-Opfer-Ausgleich e.V. übernimmt hierbei die Rolle des Vermittlers. Bei einem erfolgreichen Ausgleich sieht die Staatsanwaltschaft in der Regel von einer Strafverfolgung ab und stellt das Verfahren ein.
Zu Ihrer weiteren Information liegt dem Schreiben ein Faltblatt zum Täter-Opfer-Ausgleich bei.
Ich möchte nun mit Ihnen darüber sprechen, ob Sie sich eine außergerichtliche Einigung mit dem Betroffenen vorstellen können und wie ein solcher Ausgleich aussehen kann. Ich möchte Sie daher bitten, am [Datum] zu einem Gespräch in mein Büro in der [Adresse] zu kommen.
Falls Sie zu diesem Termin nicht kommen können, rufen Sie mich bitte rechtzeitig an, damit wir einen anderen Termin vereinbaren können. Sie können mich in der Regel zwischen 09.00 und 12.00 Uhr unter der [Telefonnummer] erreichen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Täter-Opfer-Ausgleichs ein, definiert dessen Hauptziele und gibt einen Überblick über den Aufbau sowie die Relevanz der Arbeit.
2 Definition Täter-Opfer-Ausgleich: In diesem Kapitel wird der Täter-Opfer-Ausgleich durch verschiedene Blickwinkel, unter anderem Mediation, sinnverwandte Begriffe und Gesetzestexte, präzise definiert.
3 Die Geschichtliche Entwicklung des TOA: Der historische Abriss dokumentiert die Anfänge in den USA und Kanada sowie die Etablierung des Täter-Opfer-Ausgleichs in der deutschen Rechtspraxis.
4 Zielsetzung des Täter-Opfer-Ausgleichs: Hier werden die spezifischen Ziele des TOA aus Sicht der Täter, der Opfer, der Justiz und der Allgemeinheit differenziert betrachtet.
5 Rechtsgrundlagen: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche Verankerung des Täter-Opfer-Ausgleichs im Erwachsenenstrafrecht (StGB) sowie im Jugendstrafrecht (JGG).
6 Voraussetzungen für die Anwendung eines TOA: Es werden die formalen Kriterien sowie die Faktoren für die Eignung von Fällen zur Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs dargelegt.
7 Formaler Ablauf des TOA in einer Ausgleichsstelle: Dieser Abschnitt beschreibt praxisnah den Prozess von den Vorgesprächen über das Ausgleichsgespräch bis hin zur Umsetzung der Vereinbarungen.
8 Die Rolle des Vermittlers: Das Kapitel widmet sich den Anforderungen an Mediatoren, ihrer Ausbildung, ihrem Rollenverständnis und ihren Interventionsmethoden.
9 Finanzierung: Es wird die problematische und uneinheitliche Finanzierungssituation der Ausgleichsstellen in Deutschland analysiert.
10 Servicebüro Täter-Opfer-Ausgleich: Hier wird die Bedeutung und die Aufgabenbereiche des Servicebüros als Institution zur Etablierung des Täter-Opfer-Ausgleichs beschrieben.
11 Einwände gegen den TOA: Kritische Einwände aus rechtsstaatlicher Sicht und aus Sicht der Opfer werden dargelegt und fachlich entkräftet.
12 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Diskrepanz zwischen theoretischen Möglichkeiten und praktischer Umsetzung des TOA.
Schlüsselwörter
Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation, Strafrecht, Wiedergutmachung, Jugendstrafrecht, Konfliktschlichtung, Diversion, Resozialisierung, Opferinteressen, Rechtspraxis, Allparteilichkeit, Konfliktmanagement, Strafmilderung, Prozessabläufe, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Was ist der grundlegende Zweck der Arbeit?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland, analysiert seine Entstehung, rechtliche Grundlagen und praktische Anwendung sowie die Perspektiven der Beteiligten.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Zentral sind die Definition und Geschichte des TOA, die rechtlichen Voraussetzungen, der Ablauf des Vermittlungsprozesses, die Rolle des Mediators sowie die Finanzierung der Ausgleichsstellen.
Was ist das primäre Ziel des Täter-Opfer-Ausgleichs?
Das primäre Ziel ist die außergerichtliche Friedensstiftung zwischen Täter und Opfer unter Beteiligung eines neutralen Dritten, um den Konflikt konstruktiv zu bereinigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die durch eigene Einblicke in die Praxis sowie Informationen aus Interviews und Statistiken ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition, der historischen Entwicklung, den Zielen, den rechtlichen Grundlagen, dem Ablauf eines Ausgleichsverfahrens und der Rolle des Mediators.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Zu den wichtigsten Schlagworten gehören Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation, Schadenswiedergutmachung, Diversion und Strafverfahren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Problem und Konflikt für den Mediator wichtig?
Probleme sind rein sachbezogen, während Konflikte immer eine persönliche Ebene haben. Ein Mediator muss diese Ebene identifizieren, da der TOA primär zur Lösung zwischenmenschlicher Konflikte konzipiert ist.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Mediators von der eines Rechtsanwalts?
Während ein Rechtsanwalt ein Mandat vertritt und oft in Win-Loose-Szenarien denkt, agiert der Mediator als neutraler Dritter (Allparteilichkeit), der nicht entscheidet, sondern einen Prozess der Einigungsfindung moderiert.
Warum ist die finanzielle Lage der Ausgleichsstellen oft prekär?
Es gibt keine einheitliche gesetzliche Regelung für die Finanzierung von Ausgleichsstellen, weshalb diese oft auf verschiedene Förderwege, Spenden oder projektbasierte Zuwendungen angewiesen sind.
Wann ist ein Fall aus Sicht der Autorin für einen TOA geeignet?
Der TOA ist besonders geeignet, wenn der Täter seine Schuld einsieht, ein persönliches Opfer vorhanden ist, Freiwilligkeit besteht und es sich nicht um Bagatellfälle handelt, die ohnehin eingestellt würden.
- Quote paper
- Veronika Schmidt (Author), 2007, Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93140