Kognitive Wahrnehmungsprozesse und die Vermeidung von Wahrnehmungsfehlern

Der Einfluss auf Personalauswahlverfahren


Hausarbeit, 2020

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wahrnehmung
2.1 Stufen des Wahrnehmungsprozesses
2.1.1 Stimulus und Transformation
2.1.2 Transduktion
2.1.3 NeuronaleVerarbeitung
2.1.4 WahrnehmungundErkennen
2.1.5 Handlung
2.1.6 Bottom-up und Top-down-Verarbeitung
2.2 Wahrnehmungsinterpretation

3. Einfluss der Wahrnehmung auf Personalauswahlverfahren
3.1 Fehlurteile in der Personalauswahl
3.1.1 Ähnlichkeits-Effekt
3.1.2 Halo-Effekt
3.1.3 Primacy- und Recency-Effekt
3.1.4 Rosenthal-/Erwartungs-Effekt
3.1.5 Stereotype
3.2 Gütekriterien der Personalauswahlverfahren
3.1.6 Objektivität
3.1.7 Reliabilität
3.1.8 Validität

4. Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl
4.1 Anforderungsanalyse
4.2 Multimodales Verfahren
4.3 Tests
4.4 Bewerbungsunterlagen
4.5 Interviews
4.6 Assessment Center
4.7 Weitere Empfehlungen

5. Diskussion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wahrnehmungsprozess

Abbildung 2: Junge Schönheit oder alte Frau

1. Einleitung

Viele kennen die Situation, dass der erste Eindruck des_der neuen Kollegjn überzeugt und sich im Nachhinein dieser Eindruck aber nicht bestätigt.1 Täglich begegnen wir vielen Menschen, die wir insbesondere im beruflichen Alltag richtig einschätzen müssen.2 Vor allem in Bewerbungsgesprächen muss sich möglichst schnell ein genaues Bild von der Person gemacht werden, um zu entscheiden, ob der_die Kandidatin für die Stelle geeignet ist.3 Häufig wird sich dabei auf das Bauchgefühl verlassen und versucht nachträglich die Fehleinstellung damit zu rechtfertigen. Dabei überschätzen die entscheidungsbefugten Personen ihre Fähigkeiten und erinnern sich nur an die positiven Fälle der Personaleinstellungen.4 Forschungen belegen, dass Fehlurteile Entscheidungen beeinflussen. So sollen 80% der Einstellungsentscheidungen Fehlurteilen unterliegen.5 Umso essenzieller ist es, sich mit der Wahrnehmung zu beschäftigen und Einsichten in den Wahrnehmungsprozess zu gewinnen, um fehlerhafte Beobachtungen und damit fehlerhafte Einstellungsentscheidungen zu vermeiden.6

Ziel der Arbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über kognitive Wahrnehmungsprozesse zu geben und wie, resultierend aus diesen Erkenntnissen, der Einfluss von Wahrnehmungsfehlern auf die Einstellung von Mitarbeiterjnnen reduziert werden kann.

Im zweiten Kapitel wird die Wahrnehmung anhand der einzelnen Schritte des Wahrnehmungsprozesses erläutert sowie ein Einblick in die Wahrnehmungsinterpretation gegeben. Das darauffolgende Kapitel beschreibt den Einfluss der Wahrnehmung auf Personalauswahlverfahren und stellt eine Auswahl an Fehlurteilen, die bei der Einstellung auftreten können, dar. Schließlich werden die Gütekriterien der Eignungsdiagnostik erläutert, um ableitend aus diesen Erkenntnissen im vierten Kapitel konkrete Handlungsempfehlung für die Personalauswahl zu gegeben. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Diskussion ab.

2. Wahrnehmung

Wahrnehmung ist ein „Gesamtprozess des Erfahrbarmachens von Gegenständen und Ereignissen - d.h. wie sie empfunden, verstanden, identifiziert und etikettiert werden.“7 Die Informationen, die über die Sinne aufgenommen, verarbeitet und in den Kortexbereichen der unterschiedlichen Wahrnehmungssysteme gespeichert werden, bildet die Grundlage individueller Erfahrungen. Dabei hat die Wahrnehmung nicht das Ziel, ein exaktes Abbild der Wirklichkeit darzustellen. Im Gegenteil - die Reize werden nicht alle vollständig aufgenommen.8 Das liegt zum einen an der begrenzten Anzahl an Sinnesorganen, die auch nur einige Reizangebote verarbeiten können.9 So kann der Mensch nur einen Teil aus dem Gesamtspektrum elektromagnetischer Wellen als Licht und Farbe sehen. Infrarot-, Ultraviolett- und Röntgenstrahlungen bleiben für Menschen unsichtbar.10 Zum anderen können Reize erst ab einer bestimmten Intensität wahrgenommen werden.11 Hinzu kommt, dass das, was wahrgenommen wird, bei jeder Weiterleitung gefiltert, bewertet und umorganisiert wird. Sinnesinformationen können akustisch, visuell, olfaktorisch, gustatorisch, haptisch oder kinästhetisch sein.12 Zur Vereinfachung wird im Folgenden die Wahrnehmung anhand des visuellen Systems aufgezeigt.

2.1 Stufen des Wahrnehmungsprozesses

Der Wahrnehmungsprozess beginnt mit einem Reiz aus der Umgebung und endet mit dem bewussten Wahrnehmen bzw. Erkennen und ggf. einer Handlung.13 Der Prozess kann dabei in folgende Stufen unterteilt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wahrnehmungsprozess

(Quelle: Goldstein (2015) S. 3)

2.1.1 StimulusundTransformation

Am Anfang des Wahrnehmungsprozesses wirken Sinneseindrücke der physischen Außenwelt auf die Sinnesorgane ein.14 In den Sinnesorganen befinden sich Rezeptoren, welche die Reize bzw. Stimuli aufnehmen und transformieren.15 Wird bspw. ein Baum betrachtet, so wird dabei das Licht des Baumes im Auge des Betrachters reflektiert, um durch die Fokussierung von Hornhaut und Linse transformiert zu werden, sodass auf der Retina ein scharfes Bild entsteht. Hier findet die erste Transformation statt: Der Stimulus, der Baum, wird zu einem Abbild auf der Retina. Das, was der Mensch wahrnimmt, beruht dabei nicht auf dem unmittelbaren Kontakt mit dem Umgebungsreiz, sondern auf dessen Repräsentation durch die Aktivität der Rezeptoren.16

Bei dieser Stufe des Prozesses wird zwischen dem distalen und proximalen Reiz unterschieden. Das physikalische Reizobjekt der Außenwelt, der Baum, wird distaler Reiz genannt. Das Abbild auf den Sinnesrezeptoren, also das optische Abbild auf der Retina, stellt den proximalen Reiz dar. Hier löst das physikalische Signal als proximaler Reiz eine neuronale Aktivität aus.17

2.1.2 Transduktion

Rezeptoren wandeln die physikalische Reizenergie (elektromagnetische Wellen) in Signale um, die das Nervensystem weiterleiten kann (elektrochemische Impulse).18 Diese Umwandlung von einer Energieform in eine andere wird Transduktion genannt. Diese ist notwendig, damit die Informationen über die Repräsentation des Baumes aufder Retina zum Gehirn gelangen können.19

2.1.3 NeuronaleVerarbeitung

Im Anschluss aktivieren die Signale Neuronen, die durch ein System neuronaler Bahnen vernetzt sind. So breiten sich die Signale der Neuronen in der Retina über den Sehnerv hin zu den Neuronen im Gehirn aus und werden dann innerhalb des Gehirnes zu dem primären sensorischen Kortexareal des jeweiligen Sinnesorganes weitergeleitet. Das primäre Areal für das Sehen liegt im Okzipitallappen. Die Signale werden dabei bereits bei der Weiterleitung verarbeitet. Der Signalweg von den Rezeptoren zum Gehirn verläuft nicht nur in eine Richtung, sondern zum Teil auch entgegengesetzt, Signale werden gehemmt oder verstärkt bzw. kommen nicht im Gehirn an.20

2.1.4 Wahrnehmung und Erkennen

Die Signale werden schließlich in bewusste Erfahrung umgesetzt, sodass der Baum erkannt und unter die Kategorie „Baum“ eingeordnet wird.21 Anhand der Schemata, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind, werden Wahrnehmungsinhalte identifiziert und kategorisiert. Das Erkennen erfolgt hypothesengesteuert aufgrund von Erfahrungen und Motiven. Erst bei diesem Schritt, nachdem Wahrnehmungsinhalte in einen größeren Zusammenhang eingefügt wurden, wird Wahrnehmung bewusst.22

2.1.5 Handlung

Schließlich erfolgt eine Handlung, wie bspw. auf den Baum zu zugehen oder den Baum genauer zu betrachten. Die Handlung wird in der Forschung als wichtigstes Ergebnis des Wahrnehmungsprozesses angesehen, da es für das Überleben eine wichtige Rolle spielt.23

Auch wenn der Prozess in Einzelschritten beschrieben werden kann, ist dieser dynamisch.24 Wahrnehmung und Erkennen müssen nicht nacheinander, sondern können auch gleichzeitig oder umgekehrt erfolgen. Des Weiteren kann die Handlung, die durch Wahrnehmung und Erkennen ausgelöst wurde, wiederum Wahrnehmung und Erkennen verändern.25

2.1.6 Bottom-up und Top-down-Verarbeitung

Die Verarbeitung erfolgt in zwei Verarbeitungsrichtungen Bottom-up und Top- down.26

Innerhalb des Bottom-up-Prozesses wird der distale Reiz zu einem proximalen Reiz an den Rezeptoren des Sinnessystems verarbeitet. Die Energie wird von den Rezeptoren in ein neuronales Signal übersetzt und weiterverarbeitet, sodass eine komplexe Szene innerhalb von 200 ms kategorial eingeordnet werden kann. Hier wird ausgehend von einfachen Merkmalen eines Musters eine komplexere Wahrnehmungsleistung bewerkstelligt, ohne verfügbare Informationen im Gehirn zu verwenden.27

Der Top-down-Prozess verläuft entgegengesetzt, denn hier beeinflussen Informationen, die bereits im Gedächtnis vorhanden sind, die Verarbeitung eingehender Reize.28 Beim Identifizieren und Einordnen von Objekten wird auf vorhandenes Wissen zurückgegriffen und es gibt eine bestimmte Erwartung, was erkannt wird.29

2.2 Wahrnehmungsinterpretation

Der dargestellte Wahrnehmungsprozess zeigt, dass die Wahrnehmung einen Konstruktionsprozess darstellt.30 Es „gibt“ nicht einfach die Umwelt, sondern die Welt wird vom Gehirn im Zusammenspiel von angeborenen neuronalen Prozessen und erlernten Mustererkennungen konstruiert.31 Neben Bottom-up- Informationen über die physikalischen Eigenschaften der Objekte beeinflussen auch nach dem Top-down-Prinzip kognitive Verarbeitungsprozesse wie Erinnerungen, Vorstellungen, Erwartungen und Vorwissen sowie emotionale Verarbeitungsprozesse wie Antipathie, Sympathie, Ekel, Angst oder Freude die Wahrnehmung.32

Aus evolutionspsychologischer Perspektive war es wichtig, dass Vorannahmen automatisch wirksam wurden, um die vieldeutigen Interpretationen von Reizen zu reduzieren. Denn der Mensch musste vor allem das wahrnehmen, was für das Überleben wichtig war.33

Um die Welt zu vereinfachen, ist die Einordnung von Informationen in Kategorien und Schemata hilfreich.34 „Schemata sind mentale Wissensstrukturen, die Informationen über ein bestimmtes Objekt oder einen Menschen in generalisierter Form enthalten.“35 Diese Einordnung wird durch Voreinstellungen und Erwartungen, sogenannten Wahrnehmungssets, erleichtert.36 Ein Wahrnehmungsset ist eine Zusammenstellung mentalerAnnahmen37 bzw. „eine mentale Prädisposition, die wie eine Linse funktioniert, durch die wir die Welt wahrnehmen“38, um ,,(...) etwas Bestimmtes wahrzunehmen und nicht etwas anderes“39. Beim Abgleich des ersten sensorischen Inputs mit Gedächtnisinhalten wird eine Hypothese gebildet, um welches Objekt es sich handeln könnte. Die Erwartung wird so lange überprüft, bis das Objekt erkannt wird. So sieht der Mensch nur zum Teil und unbewusst nur das, was dieser sehen möchte oder gewohnt ist zu sehen. Wie der Mensch die Welt wahrnimmt, wird folglich vom Wissen und Erwartungen bestimmt.40 So kann aufgrund von Voreinstellungen dasselbe Objekt zu unterschiedlichen Wahrnehmungen führen. Die mehrdeutige Abbildung unten wird je nach Bildunterschrift - „Eine junge Schönheit“ oder „Eine alte Frau“ - unterschiedlich interpretiert.41

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Junge Schönheit oder alte Frau

(Quelle:Zimbardo/Gerrig(1999), S. 148)

Soll die Buchstabenkombination „_ans“ sinnvoll interpretiert werden und wurden zuvor die Wörter „Fuchs“, „Truthahn“, „Schwan“ gezeigt, wird das Wort wahrscheinlich als „Gans“ gedeutet; bei den Wörtern „Robert“, „Ralf“, „David“ hingegen, als „Hans“. Der gleiche Stimulus wird somit in Abhängigkeit vom Kontext bzw. von vorher aktivierten Inhalten gänzlich unterschiedlich bewertet.42 Ferner wird die Wahrnehmung von Emotionen und der Motivation beeinflusst. So sehen Hügel steiler aus, wenn ein schwerer Rucksack getragen wird oder kurz zuvor traurige klassische Musik gehört wurde. Dagegen scheint ein Hügel weniger steil, wenn ein_e Freundjn an der Seite ist.43 Erfolgt eine Voraktivierung motivational, dann ist ein bestimmtes Bedürfnis aktiv und es wird nur das wahrgenommen, was zur Befriedigung des Bedürfnisses führt.44 So erscheint eine Flasche Wasser näher, wenn man durstig ist. Dies gibt dann den Antrieb, sich anzustrengen.45

Die Interpretation von Reizen erfolgt somit nicht objektiv, sondern hängt von unterschiedlichen Einflussfaktoren ab.46 Nur bestimmte Informationen werden aufgenommen und verarbeitet, während andere vernachlässigt werden.47

3. Einfluss der Wahrnehmung auf Personalauswahlverfahren

Auch bei der Einstellung neuer Mitarbeiterjnnen wird die Wahrnehmung des Beurteilers durch Motive, Bedürfnisse, persönliche Erwartungen und der Verfügbarkeit bestimmter Schemata selektiv beeinflusst.48 Resultierend daraus können in der Personalauswahl Fehlentscheidungen getroffen werden, die weder im Interesse der Unternehmen noch Bewerbenden sind. So werden voreilig übergewichtige Menschen oder Personen mit ausländischen Namen abgelehnt, ohne dass sie ihre Eignung unter Beweis stellen konnten. Im Gegensatz dazu wirken Menschen mit maskulinem Körperbau führungsstark und Männer mit rasiertem Schädel besonders dominant.49 Fehlerhafte Urteile können zu unpassenden Besetzungen der Stellen und letztlich zu einer erhöhten Fluktuation führen.50 Ziel der Personalauswahl ist es jedoch, im Sinne der Interessen und Ziele der Organisation den_die passende_n Kandidatjn auszuwählen.51 Aber auch Fehler wie das Schmidt-sucht-Schmidtchen-Prinzip oder die Absage eigentlich geeigneter Bewerberjnnen sollen minimiert werden.52

Die gängigsten Instrumente der Personalauswahl sind Persönlichkeits- und Intelligenztests als standardisierte psychologische Verfahren zur Messung individueller Verhaltensmerkmale, Fachwissenstests, Arbeitsproben zur praktischen Demonstration des Könnens, Assessment Center (AC) als simulationsorientiertes Verfahren, bei dem verschiedene Übungen die Anforderungen der künftigen Tätigkeit simulieren, und schlussendlich Einstellungsgespräche entweder unstrukturiert und mit freier inhaltlichen Gestaltung oder in strukturierter Form mit vorgegebener Reihenfolge und Formulierung der Fragen.53

Die Wahrnehmung scheint dem Individuum oft korrekt, da die Entscheidungsträger den_die Bewerberjn nur in einer begrenzten Anzahl von Situationen erleben, aber nicht privat und somit Situationen, in denen sich die Person anders verhält.54 Denn obwohl die Wahrnehmung subjektiv verarbeitet wird, fühlt sie sich für den Menschen objektiv an. Aufgrund der gefühlten Objektivität fällt es dem Individuum schwer einzusehen, dass die Wahrnehmung Fehlern unterliegt und diese Erkenntnis auf sich selbst anzuwenden.55 So verlassen sich Entscheidungsträger auf ihre eigene Wahrnehmung, so wie es Menschen ständig im Alltag machen. Wenn allerdings die Partybekanntschaft falsch eingeschätzt wird, sind die Konsequenzen nicht so gravierend wie fehlerhafte Personalauswahlentscheidungen.56 Dabei hängt der Erfolg einer Organisation in vielen Bereichen mit dem Einsatz geeigneten Personals zusammen.57

Fehlentscheidung sind teuer. - Durch entgangene Absatzmöglichkeiten, Auswirkungen auf Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen, Trennung, Neusuche und doppelte Einarbeitungszeit können Kosten von bis zu 50.000 Euro entstehen.58 Daher sollten Entscheidungen und Urteile stets kritisch reflektiert werden.59 Auch wenn die Einschätzung in Übereinstimmung mit weiteren Beurteilenden erfolgt, bedeutet das nicht, dass diese korrekt sind.60

3.1 Fehlurteile in der Personalauswahl

Eine Auswahl an Fehlurteilen, die in der Personalauswahl auftreten können, soll im Folgenden dargestellt werden.

3.1.1 Ähnlichkeits-Effekt

Dieser Effekt ist dadurch charakterisiert, dass Menschen andere mögen, die ihnen ähnlich sind. Ähnlichkeit löst eine positive affektive Reaktion aus, weil ähnliche Personen vermutlich eigene Überzeugungen bestätigen und mit eigenen Meinungen und Werten übereinstimmen. Des Weiteren sind ähnliche Menschen vertrauter und vorhersagbarer, weil sie ein Gefühl des Wiedererkennens auslösen, Unsicherheit gegenüber dem anderen verringern und eine leichte Kommunikation ermöglichen.61 Auch in der Personalauswahl kann die wahrgenommene Ähnlichkeit ein wichtiger Faktor sein. Hat der Beurteilende den Eindruck, dass ein Bewerbender eine große Ähnlichkeit mit ihr_ihm selbst oder mit der Tochter oder besten Freund hat, so kann das zu einer günstigeren Beurteilung führen, die sachlich häufig nicht gerechtfertigt ist.62

3.1.2 Halo-Effekt

Menschen neigen dazu, andere nach ihren auffälligsten Merkmalen wahrzunehmen.63 Anstatt bspw. zehn Eigenschaften eines Menschen zu begutachten, wird ein Merkmal herausgegriffen. Dieses einzelne Merkmal erscheint so bedeutsam, dass das Individuum das Gefühl bekommt, sehr viel über den anderen zu wissen. Wenn bspw. Ein_e Bewerberjn eine große Lücke im Lebenslauf aufweist, wird diese_r als wenig leistungsmotiviert, unzuverlässig und als jemand, die_der leicht mit anderen in Konflikten gerät, eingeschätzt.64 Zudem werden Zusammenhänge zwischen Eigenschaften gesehen, die nicht existieren.65 Als Beispiel wird in der Literatur häufig eine hohe Korrelation zwischen Schönheit und Intelligenz genannt. Allerdings konnte in Studien kein Zusammenhang ermittelt werden.66 Trotz identischer Unterlagen führen Bewerbungen von gut aussehenden Kandidatinnen eher zu einer Einladung als von durchschnittlich aussehenden Personen.67 Attraktive Menschen werden darüber hinaus auch für teamfähiger und fachkompetenter befunden.68 Während attraktive Männer eher als geeignete Führungskräfte beurteilt werden, werden attraktive Frauen jedoch als fachlich weniger kompetent angesehen.69

[...]


1 Vgl. HRM (2013).

2 Vgl. Werth (2004), S. 109.

3 Vgl. Domsch etal. (2019), S. 6.

4 Vgl. HRM (2013).

5 Vgl. Domsch etal. (2019), S. 6.

6 Vgl. Hagendorf et al. (2011), S. 25.

7 Zimbardo/Gerrig (1999), S. 106.

8 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 78.

9 Vgl. Hagendorfetal. (2011), S. 14-15.

10 Vgl. Schermer/Drinkmann (2018), S. 52.

11 Vgl. Hagendorfetal. (2011), S. 14-15.

12 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 78.

13 Vgl. Goldstein (2015), S. 3-4.

14 Vgl. Becker-Carus/Wendt (2017), S. 74.

15 Vgl. Schermer/Drinkmann (2018), S. 53.

16 Vgl. Goldstein (2015), S. 3-5.

17 Vgl. Becker-Carus/Wendt (2017), S. 75.

18 Vgl. Schermer/Drinkmann (2018), S. 53.

19 Vgl. Goldstein (2015), S. 5.

20 Vgl. Ebd., S. 6.

21 Vgl. Ebd., S. 7.

22 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 86-87.

23 Vgl. Goldstein (2015), S. 7.

24 Vgl. Ebd., S. 7.

25 Vgl. Goldstein (2015), S. 4.

26 Vgl. Hagendorf et al. (2011), S. 24.

27 Vgl. Ebd., S. 24.

28 Vgl. Ebd., S. 24.

29 Vgl. Zimbardo/Gerrig (1999), S. 162.

30 Vgl. Zimbardo/Gerrig (1999), S. 147.

31 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 83-84.

32 Vgl. Becker-Carus/Wendt (2017), S. 74.

33 Vgl. Hagendorf et al. (2011), S. 6.

34 Vgl. Höft/Kersting (2018), S. 51-52.

35 Kindermann (2020), S. 93.

36 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 86.

37 Meyer(2014), S. 241.

38 Meyer(2014), S. 856.

39 Ebd., S. 242.

40 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 84-85.

41 Vgl. Zimbardo/Gerrig (1999), S. 148.

42 Vgl. Kindermann (2020), S. 174.

43 Vgl. Meyer(2014), S. 244.

44 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 86.

45 Vgl. Meyer(2014), S. 244.

46 Vgl. Kindermann (2020), S. 175.

47 Vgl. Werth (2004), S. 153.

48 Vgl. Werth (2004), S. 135.

49 Vgl. Kanning (2017b), S. 92.

50 Vgl. Treier(2019), S. 133.

51 Vgl. Blickle (2019), S. 299.

52 Vgl. Kauffeld/Grohmann (2019), S. 149.

53 Vgl. Funk etal. 2015, S. 26.

54 Vgl. Werth (2004), S. 153.

55 Vgl. St. Pierre/Hofinger (2014), S. 86.

56 Vgl. Kanning (2017b), S. 92.

57 Vgl. Funk etal. (2015), S. 26.

58 Vgl. Rohrschneider/Lorenz (2015), S. 2.

59 Vgl. Kanning (2017b), S. 92.

60 Vgl. Werth etal. (2020), S. 139.

61 Vgl. Karremans/Finkenauer (2014), S. 418-419.

62 Vgl. Blickle (2019), S. 287.

63 Vgl. Domsch etal. (2019), S. 4.

64 Vgl. Kanning (2017b), S. 90.

65 Vgl. Werth (2004), S. 144.

66 Vgl. Neyer/Asendorpf(2018), S. 99.

67 Vgl. Kanning (2017b), S. 91.

68 Vgl. Ebd., S. 91.

69 Vgl. Kauffeld/Grohmann (2019), S. 149-150.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kognitive Wahrnehmungsprozesse und die Vermeidung von Wahrnehmungsfehlern
Untertitel
Der Einfluss auf Personalauswahlverfahren
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
28
Katalognummer
V931424
ISBN (eBook)
9783346257116
ISBN (Buch)
9783346257123
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrnehmungsinterpretation, Fehlurteile, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, Wahrnehmung, Wahrnehmungsprozess, Wahrnehmungsfehler
Arbeit zitieren
Sina Heller (Autor), 2020, Kognitive Wahrnehmungsprozesse und die Vermeidung von Wahrnehmungsfehlern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931424

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