Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit "Venture Philanthropy" einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann.
Der Traum von einer fairen und friedlichen Welt ist so alt wie die Menschheit selbst. Seit jeher gibt es Philanthropen, die versuchen, diesen Traum ein Stück weit zu verwirklichen. Doch zu hundert Prozent mochte das bisher nicht gelingen. Deshalb gibt es im Philanthropie-Sektor immer wieder neue Trends und Strömungen, um diesem Ideal näherzukommen. Eine ökonomisch ausgerichtete Strömung davon ist die "Venture Philanthropy".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprung von Venture Philanthropy
3. Grundlagen und Merkmale von Venture Philanthropy
3.1 Begriffsbestimmung und Methodik
3.2 Verbindung zu Venture Capital
3.3 Investoren und Empfänger
3.4 Wirkungsmessung
4. Venture Philanthropy als Beitrag zu einer besseren Welt
4.1 Cases
4.2 Problematik von Venture Philanthropy
5. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Venture Philanthropy und analysiert, inwieweit dieser moderne, ökonomisch ausgerichtete Ansatz des Philanthropie-Sektors tatsächlich einen substanziellen Beitrag zur Lösung komplexer gesellschaftlicher Probleme und somit zu einer besseren Welt leisten kann.
- Historische Entwicklung und Begriffsbestimmung der Venture Philanthropy
- Die drei Säulen: Finanzielles, intellektuelles und soziales Kapital
- Vergleich zwischen Venture Philanthropy und Venture Capital
- Methoden und Herausforderungen der Wirkungsmessung (SROI)
- Praktische Anwendungsfälle (Hamburger Hauptschulmodell und COMACO)
- Kritische Auseinandersetzung mit ökonomischen Prinzipien im Dritten Sektor
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsbestimmung und Methodik
Für den Begriff ‚Venture Philanthropy‘ liegt keine allgemeingültige Definition vor, da es sich um eine im Entstehen befindende Praxis handelt, die sowohl international als auch intranational unterschiedliche Auslegungen und Anwendungsweisen findet (Vgl. OECD netFWD 2014, S. 35) Für den europäischen Raum versucht die European Venture Philanthropy Association eine einheitliche Begriffsbestimmung zu finden und definiert folgendermaßen: „Venture Philanthropy works to build stronger investee organisations with a societal purpose (SPOs) by providing them with both financial and non-financial support in order to increase their societal impact“ (EVPA 2013, S. 5).
Diese Definition macht jedoch nicht deutlich genug, dass es sich bei Venture Philanthropy auch um eine Investitionsart handelt, die sich an unternehmerischen Prinzipien orientiert. Unternehmerisch in diesem Sinne wird jedoch nicht als gewinnorientiert verstanden, sondern so, dass der Fokus auf „strategischer Planung, Festlegung von Kernkompetenzen, koordinierte[m, M.L.] Einsatz von Kapital, Wissen und Investition in Infrastruktur und Prozesse“ (Alberg-Seberich; Wolf 2011, S. 287) der Organisation liegt. Der wichtigste und neueste Aspekt von Venture Philanthrophy ist, dass Methoden aus dem Venture Capital, einer Unternehmens-/Investitionspraxis, die vor allem junge Unternehmen fördert, mit der Philanthropie verbunden werden (Vgl. Alberg-Seberich; Wolf 2011, S. 287).
Venture Philanthropy fußt auf drei Säulen, sprich der Investor bringt drei Arten von Kapital in die gemeinnütze Organisation ein. Die erste Säule besteht aus dem finanziellen Kapital. Hierbei geht es rein um die Geldsummen, die der Geförderte vom Förderer über eine festgelegte Anzahl von Jahren bekommt. Die zweite Säule ist das intellektuelle Kapital. Da sich der Investor nicht nur finanziell in die Organisation einbringt, wirkt er dort auch als Mentor oder Berater. In dieser Funktion bringt er Fachwissen, zum Beispiel zu Management- oder Strategiefragen, ein und fördert das Wachstum der Organisation. Die dritte Säule bezeichnet das soziale Kapital. Auch hierbei handelt es sich um eine nicht-finanzielle Form der Unterstützung. Für die gemeinnütze Organisation stellt der Investor sein berufliches und privates Netzwerk zur Verfügung, dessen Kontakte zu Beratern, Experten und Unterstützern für die Organisationen einen Mehrwert darstellen können. (Vgl. Lee et al. 2005, S. 6)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Philanthropie-Sektors ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Weltverbesserungspotenzial von Venture Philanthropy.
2. Ursprung von Venture Philanthropy: Dieses Kapitel skizziert die historische Genese des Konzepts von der ersten Erwähnung durch Rockefeller bis hin zum Popularitätsschub durch den Harvard Business Review Ende der 1990er Jahre.
3. Grundlagen und Merkmale von Venture Philanthropy: Hier werden die theoretischen Fundamente, die drei Säulen der Unterstützung und der Vergleich zur traditionellen Finanzierung durch Venture Capital detailliert analysiert.
4. Venture Philanthropy als Beitrag zu einer besseren Welt: Das Hauptkapitel untersucht anhand konkreter Projektbeispiele (Cases) das Potenzial des Konzepts und stellt kritische Argumente hinsichtlich der Übertragbarkeit ökonomischer Prinzipien in den sozialen Sektor gegenüber.
5. Resumée: Die abschließende Bewertung reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass Venture Philanthropy zwar eine produktivere Kooperation ermöglicht, jedoch kein Allheilmittel zur Lösung komplexer sozialer Probleme darstellt.
Schlüsselwörter
Venture Philanthropy, Philanthropie, Soziale Rendite, Capacity Building, Venture Capital, Non-Profit-Organisation, Social Entrepreneurship, Wirkungsmessung, SROI, Soziales Kapital, Investoren, Gesellschaftliche Wirkung, Nachhaltigkeit, Finanzielle Rendite, Drittsektor.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der Venture Philanthropy als einem modernen Förderansatz, der Methoden aus der Wirtschaftswelt auf gemeinnützige Organisationen überträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit thematisiert die Entstehung des Begriffs, die theoretischen Grundlagen (3-Säulen-Modell), den Vergleich zu Venture Capital, die Bedeutung der Wirkungsmessung sowie die kritische Problematik einer ökonomischen Ausrichtung des sozialen Sektors.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Venture Philanthropy einen nachweisbaren Beitrag zu einer "besseren Welt" leisten kann oder ob die ökonomischen Anforderungen den sozialen Kern der Arbeit gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie der deskriptiven Untersuchung von Fallbeispielen (Cases) zur Illustration der theoretischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Merkmale von Venture Philanthropy und die praktische Anwendung durch zwei Fallstudien (Hamburger Hauptschulmodell und COMACO), gefolgt von einer kritischen Reflexion.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Venture Philanthropy, Soziale Rendite, Capacity Building, Wirkungsmessung und die Verbindung von wirtschaftlichem und sozialem Kapital.
Welche Rolle spielt die Wirkungsmessung für Venture Philanthropy?
Sie ist ein zentrales, wenn auch schwieriges Merkmal, da Investoren eine Präferenz für messbaren Output haben, während für soziale Organisationen die qualitative Wirkung oft schwer in quantitativen Standard-Tools (wie SROI oder Performance Measurement) abzubilden ist.
Was genau sind die drei Säulen der Venture Philanthropy?
Die Unterstützung durch den Investor erfolgt über finanzielles Kapital (Geldmittel), intellektuelles Kapital (Mentoring und Management-Know-how) sowie soziales Kapital (Zugang zu Netzwerken und Kontakten).
Warum wird Venture Philanthropy teilweise kritisiert?
Kritiker befürchten, dass die Anwendung betriebswirtschaftlicher Prinzipien den Dritte Sektor unterminieren könnte, soziale Ziele zugunsten messbarer Ergebnisse in den Hintergrund geraten und Konflikte zwischen Renditeerwartung und sozialem Auftrag entstehen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Venture Philanthropy. Ein Beitrag zu einer besseren Welt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931492