Jean-Jacques Rousseau. Sein Leben und der Gesellschaftsvertrag


Hausarbeit, 2019

7 Seiten, Note: 14

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Lebenslauf
2.2 Gesellschaftsvertrag

3. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Der Mensch ist frei geboren, und überall ist er in Ketten“1, so lautet der Einleitungssatz im sogenannten „Gesellschaftsvertrag“ von einem der einflussreichsten Denker des 18. Jahrhundert, Jean-Jacques Rousseau. Doch wodurch liegt laut Rousseau der Mensch in Ketten und wie kann man diesen Zustand ändern?2

Nach Rousseaus Gesellschaftsvertrag soll der „Volkswillen“ herrschen, aber gibt es überhaupt einen solchen „Volkswillen“ und welche Probleme hat eine solche Vorstellung? Kann ein herrschender Volkswillen gar die Demokratie gefährden? Ist es moralisch überhaupt vertretbar, die Meinung Einzelner für den „Gemeinwillen“ zu unterdrücken? 1 Zurzeit sieht es so aus, als wäre die Meinung zur Flüchtlingsproblematik im Land sehr eindeutig: Parteien wie die Alternative für Deutschland gewinnen immer mehr Stimmen und stützen sich hauptsächlich auf diese Problematik und Organisationen wie die Pegida und die Identitäre Bewegung stoßen auf größeren Zuspruch, was vermutlich auch an derselben Thematik hängt. Bei so einer Stimmung im Land kann man wahrscheinlich laut Rousseau von einem sogenannten „Volkswillen“ reden. Aber entspricht das der Wirklichkeit? Hört man vielleicht nur den, der am lautesten schreit, und brüllt diese Stimme die allgemeine Meinung aus?

Rousseau sieht ein Problem in der modernen Zivilisation, dass sich diese immer mehr von der Natur entferne. Bei einem Erdbeben seien beispielsweise nicht göttliche Absichten oder Naturereignisse schuld, sondern die Menschen, welche große Städte bauen.

„Der, welcher nur das einfach Notwendige hat, muß gar nichts beitragen; die Besteuerung desjenigen, der Überflüssiges besitzt, kann im Notfall bis zur Summe dessen gehen, was das ihm Notwendige übersteigt“3

Wie dieses Zitat zeigt, war das Privateigentum für Rousseau ein Dorn im Auge, denn Privateigentum sei der Grund für soziale Ungleichheit. In seinem Gesellschaftsvertrag soll das Besitzrecht von Grund und Boden an den Staat übergehen und folgend an die Bürger als deren „Besitz“ zurückerstattet werden, damit diese den „Besitz“ für die Gemeinschaft verwalten. Entsprechend kann durch einen demokratischen Beschluss in die Verteilung des Einkommens eingegriffen und somit eine größere Verteilungsgerechtigkeit hergestellt werden. Inwiefern ist der Eingriff in das Privateigentum heute noch aktuell?4

2. Hauptteil

2.1 Lebenslauf

Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf als zweiter Sohn von Isaac Rousseau und Suzanne Bernard geboren. Seine Mutter starb, als er ein Baby war. Obwohl Rousseau nie eine richtige Schule besuchte, strebte Rousseau nach immer mehr Wissen und fing schon früh mit dem Lesen an. Mit 16 Jahren verließ Rousseau seine Heimat und bereiste verschiedene Länder. Rousseau begann, sich mit Themen wie Mathematik, Kunst und Philosophie intensiv zu beschäftigen. Im Jahr 1742 beschloss er, sich in Paris niederzulassen. Dort arbeitete er als Musiklehrer, Kupferstecher, Jurist und Uhrmacher. „Durch die unterschiedlichen Tätigkeiten lernte Rousseau die vielen Lebensweisen der Menschen kennen, was sich in seiner späteren Philosophie widerspiegeln sollte.“ 5 6 7 8 Er brachte alle fünf Kinder in ein Waisenhaus. Rousseau verfasste später Rechtfertigungen und veröffentlichte 1762 sein Hauptwerk über die „ideale Erziehung eines Kindes“ mit dem Titel „Emile oder über die Erziehung“. In den Folgejahren erzielte Rousseau Bekanntheit als Autor und Musiker. Sein Werk „Abhandlung über Ursprünge und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ veröffentlichte er 1755. „Rousseau erklärt in diesem Text die gesellschaftliche Ungleichheit der Menschen durch die Arbeitsteilung und einen Staatsapparat, der so aufgebaut ist, dass die Besitzenden vor den ärmeren Menschen beschützt werden. […] Diese revolutionäre Schrift machte Rousseau zu einem wichtigen Vordenker des europäischen Sozialismus.“ Rousseaus Briefroman „Julie“ wurde 1761 veröffentlicht und zählt zu den einflussreichsten Romanen der Weltliteratur. Sein Gesellschaftsvertrag wurde von Kirche und Staat geächtet, deshalb reiste er nach Bern in das Exil, kam jedoch später nach Paris zurück und starb am 2. Juli 1778. 9 10 11 12 13

2.2 Gesellschaftsvertrag

„Rousseaus Gesellschaftsvertrag ist der höchst originelle Entwurf einer radikal neuen Staatsverfassung.“ In seinem 1762 veröffentlichten „Du Contract Social“ übte Rousseau Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft und bemängelte die soziale Ungleichheit, welche die politische Ordnung gefährde. Durch die Einbindung des Menschen in die Gesellschaft werde dieser seiner natürlichen Freiheit beraubt und lebe daher in Unfreiheit. Rousseau definiert den „Naturzustand“, dass der Mensch frei geboren werde und eigene Entscheidungen treffen könne, jedoch wird dieser „gute“ Zustand zerstört, sobald er sich in eine Gesellschaft einreihe. Die Gesellschaft ist laut ihm der Ursprung alles „Schlechten“. Neid und Missgunst sind nur zwei Beispiele für die zahlreichen schlechten Einflüsse auf den „vergesellschafteten Menschen“. Das größte Problem sei „Eigentum“, dieses führe zu ökonomischer, sozialer und politischer Unfreiheit. „Als Lösung für dieses Problem plädierte er für einen Gesellschaftsvertrag, der eine sozial gerechte Gesellschaft garantieren sollte.“14 15 16

Der Staat müsse als ein Vertrag gesehen werden, den die freien Bürger aus freiem Willen schließen. Zur damaligen Zeit war dies ein Frontalangriff, denn in Frankreich herrschte der Absolutismus. „Rousseau wurde dadurch zum Wegbereiter der Französischen Revolution.“ Seine Kernfrage war „Wie kann man das Zusammenleben der Menschen, den Staat, die Gesetze […] auf eine Weise ordnen, dass einerseits den Menschen ihre Eigenheiten gelassen werden, dass aber andererseits so gute Gesetze entstehen wie irgend möglich?“ 17 18

Rousseau illustriert das Modell der Familie, es handele sich um eine freiwillige Übereinkunft, dies solle auch für die Gesellschaft gelten. Rousseau hält das „Recht des Stärkeren“ für „sinnlos“. Dabei geht er auf Sklaverei ein. Ein Vertrag, den eine Partei so lange einhalten kann, wie sie es für angemessen hält (Bezug zum Sklavenbesitzer), und die anderen ihn immer einhalten müssen (Bezug zum Sklaven) ohne Mitspracherecht, sei „widersinnig“. Ein wahrer Vertrag als Grundlage einer Gesellschaft basiert auf freiwilligem Verzicht bestimmter Rechte, um andere dafür zu gewinnen. "Jeder von uns stellt gemeinsam seine Person und ganze Kraft unter die oberste Richtlinie des allgemeinen Willens; und wir nehmen in die Gesellschaft jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf." Durch das Einordnen unter den Gemeinwillen verliere man zwar seine persönliche Freiheit, gewinne aber seine bürgerliche Freiheit, Miteigentum am Besitz der Allgemeinheit und erhalte die sittliche Freiheit. Ein solcher Bürger ist gleichzeitig Untertan als Bürger des Staates wie auch Souverän, also derjenige, der die Macht im Staat ausübt. Durch die Wechselseitigkeit der Vertragsbindung könne man nicht für Andere arbeiten, ohne für sich zu arbeiten. „Wenn der Souverän vom Bürger bestimmte Leistungen einfordert, muss dieser sie erbringen. Der Souverän darf aber die Untertanen nicht mit Forderungen belasten, die der Gemeinschaft schaden.“ Möchte man sein Leben auf Kosten anderer bewahren, muss man auch bereit sein, sein Leben für die anderen zu geben. Damit bezieht sich Rousseau auf einen möglichen Kriegsfall, bei dem alle für das „Vaterland“ kämpfen sollten. „Der Gesellschaftsvertrag hat das Ziel, das Wohlergehen aller Mitglieder der Gesellschaft zu verbessern.“ Um dies zu erreichen, ist es besonders wichtig, dass Freiheit und Gleichheit garantiert werden. Individuelle Staatsabhängigkeiten würden dem Staatsorganismus „Energie wegnehmen“. 16 Der Gesellschaftsvertrag muss seiner Natur nach einstimmig angenommen werden. Alles andere wäre widersinnig bei einem Vertrag, dessen konstituierendes Merkmal die Freiwilligkeit ist. Trotzdem ist natürlich nicht auszuschließen, dass es beim Abschluss des Gesellschaftsvertrags Gegner gibt; diese machen allerdings den Vertrag nicht ungültig, sondern sie bewirken nur, dass sie an ihm nicht teilnehmen: sie bleiben Fremde. Rousseau beantwortet die Frage, wie der Mensch frei sein kann, wenn er sich der Meinung der Mehrheit beugen muss, damit, dass die entscheidende Frage nicht ist, ob ein Gesetz mit dem eigenen Willen im Einklang steht, sondern ob es dem allgemeinen Willen entspricht, welche sich aus der Zahl der abgegebenen Stimmen ergibt. „Wenn dabei ein Einzelner unterliegt, so bedeutet das nur, dass er sich in der Frage, was der allgemeine Wille sei, geirrt hat.“ 19 In wenigen Sätzen kann man sagen, dass Rousseau mit seinem Gesellschaftsvertrag Gerechtigkeit schaffen wollte, weil Egoismus das „Allgemeinwohl“ ersetzt wird. „Nach seiner Theorie wird dem Individuum auch das Recht auf Privateigentum, das nun dem Gesamtwohl der Gesellschaft dient, abgesprochen.“ 20 Seine Vorstellung war ein wichtiger Wegbereiter für die Französische Revolution 1789, da sein Gesellschaftsvertrag die Idee der Volkssouveränität prägte. Unter der Schreckensherrschaft der Jakobiner wurde dies erstmals verwirklicht. Heute sehen viele Bürger das Prinzip der Volkssouveränität als alltäglich, es wird jedoch meist in Form von Repräsentation ausgeübt. Rousseaus Idee konnte sich dementsprechend nicht vollständig durchsetzen und wird besonders wegen seiner radikalen Ansätze wie die Abschaffung von Privateigentum oder das Einordnen seines Willen unter dem Gemeinwillen kritisch diskutiert.

[...]


1 Sturma, Dieter: Jean-Jacques Rousseau, Seite 88, 1. Aufl., Verlag C.H. Beck, Bonn 2001

2 Vgl. http://www.diesseits.de/perspektiven/1352156400/rousseau-kontroverser-denker-aufklaerung, 27.11.19, 20:32 Uhr

3 Jean-Jacques Rousseau: Abhandlung über die Politische Ökonomie. In: Politische Schriften. Band 1. Paderborn 1977, S. 56.

4 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentumstheorien#Rousseau, 12.12.19, 17:35 Uhr

5 https://www.univie.ac.at/igl.geschichte/ws2002-2003/ku_ws2002_homepages/Feichtinger/biographie.htm.htm, 01.12.19, 12:57 Uhr

6 Vgl. https://www.kinderzeitmaschine.de/neuzeit/absolutismus/lucys-wissensbox/philosophie-literatur/rousseau-oder-wie-gut-ist-der-mensch/, 30.11.19, 21:38 Uhr

7 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau, 30.11.19, 21:23 Uhr

8 https://www.helles-koepfchen.de/artikel/3473.html, 30.11.19, 21:23 Uhr

9 https://www.helles-koepfchen.de/artikel/3473.html, 03.12.19 20:52 Uhr

10 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Abhandlung_über_den_Ursprung_und_die_Grundlagen_der_Ungleichheit_unter_den_Menschen, 03.12.19, 21:08 Uhr

11 https://www.helles-koepfchen.de/artikel/3473.html, 03.12.19 20:52 Uhr

12 https://www.helles-koepfchen.de/artikel/3473.html, 03.12.19, 21:08 Uhr

13 https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/julie-oder-die-neue-heloise/4077, 03.12.19, 21:10 Uhr

14 Vgl. http://hipa.at/philo/menschenbild_von_rousseau.htm, 08.12.2019, 16:24

15 Vgl. https://www.geschichte-abitur.de/staatstheorien-der-aufklaerung/rousseau-vom-gesellschaftsvertrag, 08.12.19, 15:51

16 Vgl. https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/vom-gesellschaftsvertrag/4853, 08.12.19, 15:55

17 Vgl. https://www.geschichte-abitur.de/staatstheorien-der-aufklaerung/rousseau-vom-gesellschaftsvertrag, 08.12.19, 15:51

18 Vgl. https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/vom-gesellschaftsvertrag/4853, 08.12.19, 15:55

19 Vgl. https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/vom-gesellschaftsvertrag/4853, 08.12.19, 17:05

20 Vgl. https://www.geschichte-abitur.de/staatstheorien-der-aufklaerung/rousseau-vom-gesellschaftsvertrag, 08.12.19, 17:12

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Jean-Jacques Rousseau. Sein Leben und der Gesellschaftsvertrag
Note
14
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V931578
ISBN (eBook)
9783346242952
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, lebenslauf rosseau, politik hausarbeit rousseau
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Jean-Jacques Rousseau. Sein Leben und der Gesellschaftsvertrag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931578

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