Wir benutzen im Alltag oft leichtfertig Begriffe, ohne sie weiter zu hinterfragen. Welche Bedeutung haben sie? Welche Funktion spielen sie innerhalb unserer Gesellschaft? Sind sie an bestimmte historische Ereignisse geknüpft?
Die seit 1950er Jahren arbeitende begriffsgeschichtliche Forschung beschäftigt sich eben mit den oben genannten Fragen. Sie analysiert, welche Erfahrungen und Sachverhalte sich in einem Begriff verbergen und welche Bedeutung und Funktion jenem zu unterschiedlicher Zeit zukamen und noch immer zukommen.
In dieser Arbeit geht es um die beiden politisch geprägten Begriffe ‚Legitimität’ und ‚Restauration’, um ihren Inhalt, ihre Funktion und ihre Bedeutung.
Im Fazit wird darüber hinaus noch auf die Problematik abstrakter politischer Begriffe in der Geschichtswissenschaft eingegangen. Wie lassen sich politische Begriffe historisch verwenden? Sind abstrakte Begriffe in der Geschichtswissenschaft überhaupt möglich? Lassen sich historische Ereignisse ‚schablonisieren’?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsgeschichte
2. Legitimität als politischer Kampfbegriff?
3. Restauration als Epochenbegriff?
3.1. Im Spiegel der Lexika
3.2. Phänomen der Geschichte?
4. Die Problematik politischer Begriffe in der Geschichtswissenschaft
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die begriffsgeschichtliche Entwicklung sowie die inhaltliche und funktionale Verwendung der politischen Schlagworte „Legitimität“ und „Restauration“. Ziel ist es, deren Wandel und Rezeption in verschiedenen historischen Epochen und in politikwissenschaftlichen Lexika zu analysieren, um kritisch zu hinterfragen, inwiefern solche abstrakten Begriffe historisch präzise in der Geschichtswissenschaft verwendet werden können.
- Begriffsgeschichtliche Theorien nach Reinhart Koselleck
- Analyse des Wandels von „Legitimität“ von der Antike bis heute
- Untersuchung von „Restauration“ als Epochenbegriff und historisches Phänomen
- Vergleich der Begriffe anhand staats- und politikwissenschaftlicher Lexika
- Problematisierung der Verwendung abstrakter Begriffe in der Geschichtswissenschaft
Auszug aus dem Buch
3.2. Phänomen in der Geschichte?
Für den amerikanischen Historiker Robert A. KANN ist die Restauration ein historisches Phänomen. Will er sie also verallgemeinern, sie ‚schablonisieren’? Zu Beginn seines Buches Die Restauration als Phänomen in der Geschichte definiert er sie als „Wiedererrichtung eines Zustandes auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet, der durch einen vorausgehenden revolutionären Umschwung zu Fall gebracht worden war“.66
Dies klingt ähnlich wie die Lexikonartikel im vorigen Abschnitt. Doch Kann möchte mehr als nur eine Definition von Restauration, es geht ihm um die Analyse des Restaurationsprozesses, der „sehr dynamisch“ sei.67 „Geschichte wirkt in der Zeit, und Zeit bringt Wandel mit sich.“, schreibt Kann. Es gebe einen unausbleiblichen Wandel, welcher durch die Grenzen der menschlichen Lebensspanne herbeigeführt werde.68 Ist dann eine Restauration, eine Wiederherstellung von alten Zuständen, überhaupt möglich? KANN argumentiert, dass die ‚Unvermeidlichkeit’ nur in Bezug auf die menschliche Lebensspanne gelte, nicht aber auf andere Entwicklungen. Da gelte ein nicht voraussagbarer Wandel, welcher durch das menschliche Handeln bestimmt werde, und daher auch relativ zu bewerten sei.69 Um den Begriff Restauration besser zu begreifen, stellt Kann ihm den Begriff Revolution gegenüber. Dazu definiert er Revolution als eine Umwälzung mit langandauerndem technischen Wandel und einem Umsturz bzw. einer Abänderung der Regierungsform mit Bruch in der Rechtskontinuität.70 Ließe sich eine solche Sozialrevolution überhaupt umkehren? Behalten wir diese Definition von Revolution im Kopf und gehen wieder über zur Restauration.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der begriffsgeschichtlichen Forschung ein und definiert die zentralen Begriffe „Legitimität“ und „Restauration“ als Untersuchungsobjekte.
1. Begriffsgeschichte: Dieses Kapitel erläutert das methodische Konzept der Begriffsgeschichte nach Reinhart Koselleck und differenziert zwischen einfachen Begriffen und Grundbegriffen.
2. Legitimität als politischer Kampfbegriff?: Es wird die historische Entwicklung von Legitimität von der antiken Rechtsauffassung bis zum modernen politischen Schlagwort sowie die parteiische Formung des Begriffs untersucht.
3. Restauration als Epochenbegriff?: Dieses Kapitel beleuchtet Restauration sowohl in der lexikalischen Rezeption als auch als historisches Phänomen anhand der Drei-Systeme-Theorie von Robert A. Kann.
3.1. Im Spiegel der Lexika: Hier liegt der Fokus auf der kurz gefassten und teils gegensätzlichen Definition von Restauration in verschiedenen politischen Wörterbüchern und Enzyklopädien.
3.2. Phänomen der Geschichte?: Dieser Abschnitt analysiert die dynamischen Restaurationsprozesse nach Kann und setzt den Begriff in Kontrast zur Revolution.
4. Die Problematik politischer Begriffe in der Geschichtswissenschaft: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und kritisch diskutiert, wie mit abstrakten Begriffen in der geschichtswissenschaftlichen Praxis umgegangen werden sollte.
Schlüsselwörter
Begriffsgeschichte, Legitimität, Restauration, Reinhart Koselleck, Robert A. Kann, politische Begriffe, Historische Semantik, Grundbegriffe, politische Ideengeschichte, Geschichtswissenschaft, Politische Lexika, Bedeutungswandel, Herrschaft, Rechtskontinuität, Abstraktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung, Funktion und dem Inhalt der zwei zentralen politischen Begriffe „Legitimität“ und „Restauration“ im historischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Begriffsgeschichte, die historische Entwicklung der beiden Begriffe sowie deren Darstellung in staats- und politikwissenschaftlichen Nachschlagewerken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie sich diese Begriffe über die Zeit gewandelt haben und ob bzw. wie Historiker abstrakte Begriffe in ihrer Arbeit verwenden können, ohne die historische Präzision zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird primär die Methode der Begriffsgeschichte nach Reinhart Koselleck angewandt sowie eine vergleichende Analyse von Lexikonartikeln aus dem Zeitraum 1847 bis heute durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe „Legitimität“ und „Restauration“ eingehend aus semantischer und historischer Sicht untersucht, wobei auch theoretische Modelle zur Einordnung der Begriffe herangezogen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Begriffsgeschichte, Legitimität, Restauration, Historische Semantik und politische Grundbegriffe charakterisiert.
Welche Rolle spielt die „Drei-Systeme-Theorie“ bei der Analyse der Restauration?
Die Drei-Systeme-Theorie nach Robert A. Kann dient dazu, den komplexen Wandel vom ursprünglichen System A über ein Zwischensystem B zum restituierten System C analysierbar zu machen, ohne die Einzigartigkeit der jeweiligen historischen Fälle zu leugnen.
Warum ist „Legitimität“ schwieriger zu definieren als „Restauration“?
Legitimität wird als abstrakter Grundbegriff eingestuft, der mit zahlreichen Bedeutungen und „Erwartungsmomenten“ aufgeladen ist, während Restauration eher als komparatistischer Begriff fungiert, der meist an konkrete Einzelereignisse gebunden ist.
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- Christine Kruse (Author), 2007, Restauration und Legitimität - Über die Bedeutung, die Funktion und den konkreten Inhalt politischer Begriffe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93160