Das Schweizerische Vorsorgesystem beruht auf dem sogenannten Drei-Säulen-Prinzip, welches 1972 in einer Volksabstimmung gutgeheissen wurde. Seither steht die erste Säule für die 1948 eingeführte AHV, die Invalidenversicherung (IV), der Erwerbsersatz während des Militärdienstes (EO), die Arbeitslosenversicherung (ALV) sowie die Unfallversicherung.
Erst 13 Jahre später kamen die zwei anderen Säulen dazu: die obligatorische berufliche Vorsorge und die individuelle Vorsorge. Die 2. Säule oder die berufliche Vorsorge soll die Fortsetzung der bisherigen Lebenshaltung sichern, während das freiwillige Vorsorgesparen (3. Säule) den individuellen Wahlbedarf im Alter zu decken hilft.
Innerhalb der 3. Säule muss unterschieden werden, zwischen der mit Steuerprivilegien ausgestatteten Säule 3a und allen andern, meist nicht steuerbegünstigten Sparformen (Säule 3b). Die 3. Säule ist Bestandteil der auf der Bundesverfassung beruhenden Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (AHI-Vorsorge, Art. 111-113 der Bundesverfassung).
Ich möchte mit der folgenden Arbeit versuchen, die aktuelle Ausgestaltung der dritten Säule darzustellen. Die daraus gewonnenen Ergebnisse unterstelle ich einer kritischen ökonomischen und sozialpolitischen Würdigung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zielsetzung der 3. Säule
2. Entstehung
3. Ausgestaltung der 3. Säule
3.1 Gebundene Vorsorge (Säule 3a)
3.2 Freie Vorsorge (Säule 3b)
3.3 Gegenüberstellung freie-/gebundene Vorsorge
4 Kosten der Steuerbegünstigung
4.1 Säule 3a
4.2 Säule 3b
4.3 Fazit zum Steuerverlust
5. Was bewirkt die 3. Säule
5.1 Nutzniesser der Säule 3a
5.2 Befürworter der 3. Säule
5.3 Gegner der 3. Säule
5.4 Gesellschaftlicher Nutzen
5.5 Gesellschaftlicher Schaden
5.6 Ausblick, Verbesserungen
6. Sozialpolitische Betrachtung der dritten Säule
6.1 Umverteilung
6.1.1 Chancengleichheit
6.1.2 Bedarfsgerechtigkeit
7. Zusammenfassung der Ergebnisse
8. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das schweizerische Drei-Säulen-Vorsorgesystem mit einem Fokus auf die ökonomischen und sozialpolitischen Auswirkungen der dritten Säule (individuelle Vorsorge). Ziel ist es, die aktuelle Ausgestaltung zu analysieren und kritisch zu bewerten, insbesondere hinsichtlich der staatlichen Steuervergünstigungen und deren Umverteilungseffekte.
- Analyse der steuerlichen Begünstigung von Säule 3a und 3b.
- Untersuchung der Profiteure der dritten Säule.
- Bewertung der ökonomischen Wirksamkeit der staatlichen Anreize.
- Sozialpolitische Einordnung hinsichtlich Chancengleichheit und Bedarfsgerechtigkeit.
Auszug aus dem Buch
3.3 Gegenüberstellung freie-/gebundene Vorsorge
Gebundene Vorsorge 3a Freie Vorsorge 3b
Einzahlung Vom steuerbaren Einkommen voll abziehbar bis zu einem Maximalbetrag Nur sehr beschränkt von den Steuern abziehbar, im Rahmen der Abzugspauschale für Lebensversich erungs- und Krankenkassenprämien
Vermögensertrag Steuerfrei, keine Verrechnungssteuer Steuerbar, ausgenommen Lebens versicherungen und Kapitalerträge
Vermögen Steuerfrei Steuerbar
Kapitalauszahlung Steuerbar Steuerfrei
Tab. 1 (Bilanz 2002)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das schweizerische Drei-Säulen-Prinzip und die Zielsetzung der kritischen Analyse der dritten Säule.
1. Zielsetzung der 3. Säule: Erläuterung des Leistungsziels der Altersvorsorge zur Sicherung des gewohnten Lebensstandards.
2. Entstehung: Historischer Rückblick auf die Verankerung des Drei-Säulen-Prinzips in der Bundesverfassung.
3. Ausgestaltung der 3. Säule: Differenzierung zwischen der reglementierten Säule 3a und der freien Säule 3b.
4 Kosten der Steuerbegünstigung: Analyse der steuerlichen Auswirkungen und der mit der dritten Säule verbundenen Steuerausfälle.
5. Was bewirkt die 3. Säule: Betrachtung der Nutzniesser, Befürworter, Gegner sowie des gesellschaftlichen Nutzens und Schadens.
6. Sozialpolitische Betrachtung der dritten Säule: Theoretische Einordnung der Vorsorge unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit.
7. Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der Erkenntnisse über die Umverteilungswirkung zugunsten wohlhabender Bevölkerungsschichten.
8. Schlussbemerkungen: Abschließende kritische Bewertung der Effizienz der dritten Säule zur Vermeidung von Altersarmut.
Schlüsselwörter
Drei-Säulen-Prinzip, Altersvorsorge, Säule 3a, Säule 3b, Steuerprivilegien, Vorsorgegelder, Steuerverlust, Sozialpolitik, Umverteilung, Chancengleichheit, Bedarfsgerechtigkeit, individuelle Vorsorge, Selbstvorsorge, Rentenhaushalte, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die dritte Säule des schweizerischen Vorsorgesystems, insbesondere die ökonomischen und sozialpolitischen Auswirkungen staatlicher Steuerbegünstigungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen Säule 3a und 3b, die Analyse von Steuerausfällen sowie die Verteilungswirkungen der staatlichen Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist eine kritische Würdigung der Frage, ob die staatliche Förderung der individuellen Vorsorge ihre Ziele erreicht oder lediglich eine einseitige Umverteilung bewirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Studien, gesetzlichen Rahmenbedingungen, statistischen Daten (z.B. des Bundesamtes für Sozialversicherungen) sowie ökonomischen Gerechtigkeitskonzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Ausgestaltung der Vorsorgeformen, die Kosten der Steuerprivilegien, die Nutzniesser des Systems sowie eine sozialpolitische Analyse der Umverteilungseffekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Drei-Säulen-Prinzip, Steuerprivilegien, Sozialpolitik, Umverteilung, Chancengleichheit und individuelle Vorsorge.
Was bedeutet das "Marktversagen" im Kontext der dritten Säule?
Der Autor diskutiert, dass der private Markt keine Versicherung gegen Armut anbieten kann, was staatliches Handeln in der ersten Säule rechtfertigt, während die Förderung der dritten Säule kritisch hinterfragt wird.
Wie bewertet der Autor den Nutzen der dritten Säule für Kleinunternehmen?
Der Autor führt aus, dass durch die professionelle Verwaltung der Spargelder der dritten Säule Kredite für kleine Unternehmen teurer werden oder schwieriger zu erhalten sind, da sich Schuldner vermehrt an große Vermögensverwalter wenden.
- Quote paper
- Beat Flury (Author), 2002, Staatliche Hilfen zur Deckung des individuellen Wahlbedarfs im Alter - Kritische Würdigung der 3. Säule aus ökonomischer und sozialpolitischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9317