Zum Engelsjahr 2020. Friedrich Engels' Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2020

23 Seiten


Leseprobe

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem ökonomischen Erstlingswerk von Friedrich Engels ,Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie' aus dem Jahr 1844 vermag mehrere Gründe auf sich ziehen:

1.) Schon allein die Tatsache eines Erstlingswerks, zudem eines ökonomischen, weckt natürlich das Interesse.
2.) Um 1844 befand sich der junge Engels in einer Umbruchphase, er entwickelte sich gerade vom Idealisten zum Materialisten und vom revolutionären Demokraten zum Kommunisten. Beide Entwicklungen beinhalten einen qualitativen Sprung: Während der Übergang zum Kommunismus den Übergang zum proletarischen Demokratismus unter Bekämpfung des bürgerlichen mit einschließt, der Kommunismus ist demokratisch bis zum Absterben des Staates, der auch ein Absterben der proletarischen Demokratie beinhaltet, bedeutet der Übergang vom Idealismus zum Materialismus unter Zurückstoßung der feindlichen bürgerlichen Ideologie, zu der sich klassenkampfbedingt ein feindliches Verhältnis auftut, zugleich der ständige Bezug auf die Dialektik Hegels, aus dem die gemeinsame Rettung der idealistischen Dialektik Hegels durch Marx und Engels, der die Ideologen des Bürgertums ab 1850 den Rücken zugekehrt hatten, aus der fachphilosophischen Vergessenheit sich folgert.
3.) Die beste ,Werbung' für diese Arbeit des jungen Engels stammt von Karl Marx, der sie 1859 im Vorwort zur ,Kritik der politischen Ökonomie' „eine geniale Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“ nannte. Diese Kritik von Marx enthält die erste zusammenhängende Darstellung der Marxschen Werttheorie einschließlich der Lehre vom Gelde.

Es taucht immer wieder in der Marxforschung das Theorem auf, erst durch das Lesen dieser ökonomischen Skizze sei Marx auf die fundamentale Bedeutung und absolute Notwendigkeit der Untersuchung der ökonomischen Struktur der bürgerlichen Gesellschaft aufmerksam geworden. Es empfiehlt sich in diesem

Zusammenhang die Lektüre von Marxens Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz aus dem Jahr 1842. „Rien n'est plus terrible que la logique dans l' absurdité, d.h. nichts ist schrecklicher als die Logik des Eigennutzes". 1. Schon hier ist Marx klar, dass der bürgerliche Eigennutz zweierlei Brillen besitzt, „von denen die eine schwarz, die andere bunt färbt". 2. Nicht nur das Holzdiebstahlsgesetz gab, wie Marx im obigen Vorwort anführt, den ersten Anlass zur Beschäftigung mit ökonomischen Fragen, sondern auch die sozial elende Lage der Moselbauern.

Im ökonomischen Erstlingswerk von Engels, das er in einer Zeit schrieb, als in England ein erbitterter Klassenkampf zwischen Industriekapitalisten und Landlords tobte und die englische Industrie nach dem ersten Opiumkrieg mit seinem ungerechten Vertrag von Nanking (1842) die ganze Welt zum Markte hatte, stecken noch Reste eines philosophischen Kommunismus und einer allgemein­menschlichen Humanität. Gleich im Anschluss an dieses Werk setzt sich Engels im Januar 1844 mit dem sozialkritischen Buch von Thomas Carlyle ,Past and Present' (London, 1843) auseinander. Die Lösung des sozialen Problems sieht Engels damals im Menschen, noch nicht in der Arbeiterklasse und auch nicht durch den Klassenkampf dieser, den Kampf der Zeit begreift Engels als einen allgemein menschlichen und den Kommunismus nennt er erst noch einen vernünftigen Zustand, auch spricht er von einer 'Reorganisation der Gesellschaft nach vernünftigen Prinzipien', in der die Interessen aller zusammenfallen. In einer Rede in Elberfeld spricht er im Februar 1845 unter Vernachlässigung dialektischen Denkens von einer „Assoziation von Kapital und Arbeit", sodann von einer 'Zentralverwaltung' und 'öffentlichen Vorratshäusern'. Die Überwindung der jetzigen Gesellschaft sei vor allem eine Sache des menschlichen Herzens. 3. Das war noch das Niveau Feuerbachs, am 13. Dezember 1844 von Engels als „hervorragendster Vertreter der deutschen Philosophie" bezeichnet, der diesbezüglich von Marx aber wenig später in der neunten These über Feuerbach belangt wird.

Feuerbach käme nur zur Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft, weil er die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreife. Trotz gewisser peripherer Relikte des Linkshegelianismus hatte sich Engels erstaunlich hoch emanzipiert, stammt er doch aus dem Wuppertal, der neben der Umgebung von Basel wohl finstersten pietistischen Ecke Deutschlands.

Die ,Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie' beginnen mit einem Paukenschlag: „Die Nationalökonomie entstand als eine natürliche Folge der Ausdehnung des Handels , und mit ihr trat an die Stelle des einfachen, des unwissenschaftlichen Schachers ein ausgebildetes System des erlaubten Betruges, eine komplette Bereicherungswissenschaft“ 4. Das war die Posaune, eine Kriegserklärung an die bürgerliche politische Ökonomie in ihrer Eigenschaft als Sozialwissenschaft der Bourgeoisie. Die Quelle dieser akademischen Disziplin sieht Engels im Neid und in der Habgier der Kaufleute. Diese richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit konnte natürlich nicht akzeptiert werden, das ist eben die ideologische Befangenheit, die eigenen Grundlagen nicht eingestehen zu wollen und durch Abwesenheit bei der Grundlegung wissenschaftlicher Disziplinen aufzufallen. Viele Gelehrte dozieren heute drauf los, ohne die ,Idee ihrer Wissenschaft' präsent zu haben. Damit aber fängt das ideologische Defizit gerade an.

Engels musste also gegen den Strom der bürgerlichen Ideologie schwimmen, auch das eine Pflichtübung für Revolutionäre, er schwamm noch allein, unabhängig von Marx, der Beginn ihrer Freundschaft fällt in den August 1844 bei einem Zusammentreffen in Paris. Der eitle intellektuelle Geck sonnt und blendet sich und andere im Applaus der Gegenwart, will nur dieser gefallen; der Revolutionär denkt nicht an den Beifall der spießigen Meute der Gegenwart, gegen die er angeht, er legt Wert auf das Urteil nur der Nachwelt. Engels redet Klartext, setzt den schönen Redensarten der englischen Bourgeoisie ihre hässlichen Taten gegenüber, und spricht von der „ekelhaftesten Selbstsucht“, die zu Verschwendung von Arbeitskraft und zu Kriegen mit unzähligen Toten geführt hat. Die Kriegserklärung von Engels war also längst überfällig, wobei die Betonung auf dem Ekelhaften der bürgerlichen Gesellschaft liegt. Manche sich marxistisch nennende Autoren schreiben heute politisch so trocken, dass dahinter gar kein Ekel vor der perversen bürgerlichen Gesellschaft mehr zu spüren ist, und dabei ist die bürgerliche Gesellschaft heute noch ekelhafter als 1844. Ich schreibe ausdrücklich politisch, denn ökonomische Analysen müssen mitunter in einer objektiv bedingten Trockenheit verharren.

Bürgerliche Gesellschaft und Perversion sind kernhafte Synonyme, eben so wenig wie man die eine, eben so wenig kann man die andere letztendlich zum Guten reformieren, eine reformierte bürgerliche Gesellschaft muss eine perverse bleiben. Was Engels damals schrieb ist heute bereits mehr oder minder fest verankert im Bewusstsein großer Massen vornehmlich der armen Welt, aber in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu diesen Einblicken zu kommen, dazu gehört einiger Scharfsinn und Vertrauen in die eigene Kraft, denn Engels greift mit Hegel und Feuerbach im Rücken die Koryphäen der bürgerlichen Ökonomie allesamt an und muss sie wegen seines Vorhabens, ihnen die Maske der Humanität vom Gesicht zu reißen, auch angreifen. Er weist nach, dass man nicht auf das lächelnde Antlitz des Liberalismus hereinfallen darf, der auch seine Kreuzzüge und Inquisitionen aufzuweisen hat. „Aber im Grunde war es doch die alte Geldgier und Selbstsucht, und diese brach von Zeit zu Zeit in den Kriegen aus, die in jener Zeit alle auf Handelseifersucht beruhten“ 5. Die bürgerlichen Ökonomen haben einiges übersehen: Sie sprechen vom Nationalreichtum, dürften aber nur von der Privatökonomie sprechen. Während der politische Liberalismus nicht die Voraussetzungen des Staates prüfte und in Frage stellte, so stellten seine Ökonomen nicht das alles entzweiende Privateigentum an den Pranger. Um dieses Eigentum hat Adam Smith lediglich Blumengirlanden einer Völkerfreundschaft gelegt, aber die hässliche Fratze des Privateigentums musste wieder hervorkommen, hässlicher als je zuvor, denn das Privateigentum konzentriert Eigentum in den Händen der Nichtarbeiter, Eigentumslosigkeit in denen der Arbeiter, die dazu verdammt sind, stets Eigner von nichts als ihrer Arbeitskraft zu bleiben. Die Völkerverbrüderung erwies sich als eine „Brüderschaft von Dieben". In der liberalen Humanität stecke mehr Barbarei als in der merkantilen, mochte Adam Smith auch noch so oft schreiben, dass keine Gesellschaft gedeihen und glücklich sein kann, in der der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder arm und elend ist. Die Fratze wurde immer grässlicher, und doch verschlossen die Ökonomen die Augen vor ihr und legten nicht offen, dass der Handel „legaler Betrug" ist. Im Gegenteil, es war eine zunehmende Ideologieverdichtung zu konstatieren: „Je näher die Ökonomen der Gegenwart kommen, desto weiter entfernen sie sich von der Ehrlichkeit" 6. Ricardo ist schuldiger als Smith, Mill schuldiger als Ricardo. In Elberfeld hatte Dr. Moses Heß auf einer Versammlung im Frühjahr 1845 das System der Konkurrenz als „System regelrechter Räuberei" bezeichnet. So nähert sich die Arbeiterbewegung dem wissenschaftlichen Sozialismus an. Der Satz von Heß ist im Grunde falsch. Zunächst zertrümmerten die Arbeiter ihnen konkurrierende Fabrikmaschinen, dann folgte die Kriminalisierungswelle a la Proudhon (,Eigentum ist Diebstahl'), bis Marx herausgearbeitet hatte, dass der Ankauf der Ware Arbeitskraft, die Mutter des Mehrwerts, ein Glück für den Käufer, aber kein Unrecht gegenüber dem Verkäufer dieser Ware sei. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen vollzieht sich im Kapitalismus als scheinlegaler Akt, der nach seinen immanenten Gesetzen legal und nur schwer zu durchschauen ist, weil Äquivalenztausch als Erscheinung vorschwebt, das Wesen aber dem entgegengesetzt ist. Nach der wissenschaftlichen Analyse des Verhältnisses von Lohnarbeit und Kapital erscheint ein dem Schein entgegengesetztes Wesen. Dem Schein nach sind im Kapitalismus alle gleich und die Bourgeoisie scheint politisch das Gleichheitsvermächtnis von 1789 zu erfüllen.

Die Grundprämisse von Engels lautet: Wir vernichten den Widerspruch, indem wir ihn aufheben. Sowohl das Merkantilsystem als auch der Wirtschaftsliberalismus beruhen auf dem Privateigentum, wir müssen über diese zwischen Monopol und Konkurrenz hin - und herpendelnden Systeme hinaus, beide kritisieren und überwinden. Wie gesagt, noch führt Engels nicht die Arbeiterklasse an, um einen Zustand zu verändern, den er als „nie gesund“ ansieht, sondern geht von einer rein menschlichen, allgemeinen Basis aus, auf der die Aufhebung des industriellen Privateigentums, das die Menschheit in eine Horde reißender Tiere verwandelt, die Interessen isoliert, die Familie durch Kinderarbeit auflöst, in den Arbeitshäusern werden die Kinder von den Eltern getrennt, die Gleichgültigkeit der Ökonomie gegenüber der Wissenschaft beweist, zu erfolgen habe. Es sei eine Strophe aus dem Gedicht des Edward Meads aus dem Jahr 1843 zitiert, das den Titel trägt ,König Dampf': „Skelette von Jungfrau'n und Knaben füll'n die Höllen des König Dampf“ 7. Die Pauper verhungern lieber, als in die Hölle der staatlichen Armenhäuser zu gehen. Und doch: Watts Dampfmaschine hat in den ersten fünfzig Jahren ihrer Existenz mehr eingebracht als die Menschheit von Anfang an für die Wissenschaft ausgegeben hat. 8.

Die Ökonomen selbst sind sich ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung nicht bewusst, wissen nicht, dass sie Glieder in der Kette des allgemeinen Fortschritts der Menschheit sind. Da stand Hegel im Hintergrund. Das hat auch dieser über seine philosophischen Vorgänger geäußert, nur sprach er vom Fortschritt der Vernunft, von den Heroen der denkenden Vernunft. Engels sieht noch im 19. Jahrhundert einen großen Umschwung kommen, an dessen Ende „die Versöhnung der Menschheit mit der Natur und mit sich selbst“ 9. zu feiern sein wird. Eine Formulierung, die noch ganz den Geist Feuerbachs atmet, Feuerbach begriff sein Denken als eine autonomische Tat, auf dass der Mensch als ein autonom humanistisches Naturwesen weiterhin wirke. Wir stehen mitten in der Natur, in der nichts vereinzelt passiert. Wir gehören ihr „mit Fleisch und Blut und Hirn“ 10. an. Die Prophezeiung von Engels hat sich durch die 72tägige Herrschaft der Kommune angedeutet, in der die Arbeitenden den Versuch unternahmen, ihre Arbeit mit Bewusstsein auszuführen, nicht länger Spielball fremder Mächte zu sein. Denn das gilt für den jungen Engels generell: Die Menschheit lebt unter den skizzierten ökonomischen Bedingungen, unter dem Gesetz der Konkurrenz noch im bewusstlosen Zustand.

Das Privateigentum führt zu Widersprüchen, die die bürgerlichen Ökonomen nicht lösen können, weil sie gerade von den Gegensätzen der bürgerlichen Wirtschaft leben, immer wieder in diese hineingeraten und in diesen befangen bleiben. Am Beispiel des Doppelcharakters der Ware, einmal einen Realwert und zum anderen einen Tauschwert zu besitzen, wird dies verdeutlicht. Mac Culloch, dem die ganze Bourgeoisie nachbetet, und besonders Ricardo bestimmten den Realwert durch die Produktionskosten, „weil niemand die Sache, unter gewöhnlichen Umständen und das Verhältnis der Konkurrenz aus dem Spiel gelassen, für weniger verkaufen würde als ihm ihre Produktion kostet - verkaufen würde? Was haben wir hier, wo es sich nicht um den Handelswert handelt, mir ,Verkaufen' zu tun?“ 11. Den beiden Ökonomen schwebt ein abstrakter Handel ohne Konkurrenz vor. ,Ein abstrakter Handel ohne Konkurrenz' aber gleicht einem Menschen ohne Körper, einem Gedanken produzierenden Gedanken ohne Gehirn. Nach dem Franzosen Say, dem Gegenspieler der beiden englischen Ökonomen, bestimmt sich der abstrakte Wert durch die subjektiv zu bestimmende Brauchbarkeit. Somit wären Güter des alltäglichen Bedarfs wertvoller als Luxuswaren.

Jede Schule behauptet ihre Einseitigkeit als das Ganze, und selbst die naheliegende Synthese: ,Der Wert ist das Verhältnis der Produktionskosten zur Brauchbarkeit' führt uns zu Widersprüchen, solange wir dem Privateigentum verhaftet bleiben. „ ... und das Beste ist, daß bei den Engländern die Konkurrenz, gegenüber den Produktionskosten, die Brauchbarkeit vertritt, während sie umgekehrt bei Say, der Brauchbarkeit gegenüber, die Produktionskosten beibringt" 12. Die bürgerlichen Ökonomen schummeln. Inwiefern? Engels geht davon aus, dass der Wert einer Sache verschieden ist von dem im Handel für sie gegebenen sogenannten Äquivalent. Das Äquivalent ist kein Äquivalent. Die Ökonomen müssten hier vom Preis sprechen und zugeben, dass der Preis nicht mit dem Wert zusammenfällt. Ricardo wusste, dass die Marktpreise um den Wert schwanken und sich nicht mit ihm decken, begriff diesen Umstand aber nicht als Wirkung des Wertgesetzes. Auch Engels war sich 1845 noch nicht darüber im Klaren, er negiert einfach den Wert (!), erst Marx legte den Zusammenhang zwischen Marktpreis und Wert dialektisch dar 13.

Dieselbe Art von Widersprüchen liegt beim Grundzins vor. Der Grundbesitzer raubt den Boden, indem er ihn monopolisiert und indem er die von den Pächtern angelegten Verbesserungen übereignet bekommt. Der Reichtum des Grundbesitzers steigt ständig. Die Erde, unser Ein und Alles, ist verschachert worden, d. h. die übergroße Mehrheit ist von den Bedingungen ihres Lebens ausgeschlossen, ist „stets zu harter Arbeit und wenig Genuß verurteilt" 14., während der liederliche Genuss der Bourgeoisie nach den Worten von Fourier kein Genuss ist.

Ich möchte kurz abschweifen: In den heutigen Supermärkten ist alles schön ordentlich arrangiert und alles schön für das Auge hergerichtet, und doch darf man sich davon nicht ablenken lassen, es sind Lasterhöhlen der Volkausplünderung. Jawohl, bei Licht besehen wird das arbeitende Volk, das sich sein Leben mit seinem Lohn erkaufen muss, also aus Geldsklaven besteht, von morgens bis abends ausgeplündert. „Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit beendigt, daß er seinen Arbeitslohn bar ausgezahlt bekommt, so fallen die andern Teile Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der Krämer, der Pfandleiher usw." 15. Wenn dagegen das hungernde Volk einmal einen Supermarkt „plündert", sich sein Leben also zu Recht aneignet, die Lebensmittel als Lebensmittel nimmt, die im Kapitalismus keine unmittelbaren sind, sondern gekauft werden müssen, wenn das hungernde Volk den Lebensmittelhandel, der Menschen verhungern lässt, direkt angreift, dann ist der Aufschrei der bürgerlichen Medien dagegen groß. Das sei Plünderung. Dabei hatte der große Jakobiner Jean Paul Marat schon während der Hungerrevolten in der bürgerlichen Revolution von 1789 den Sturm auf Läden ausdrücklich als ein Naturrecht, dem Recht auf Leben, gutgeheißen. Aber in diesem Lebensmittelemeuten gilt das Recht des Stärkeren, in einer proletarischen Revolution wird alles zu registrieren sein, um es den Ärmsten der Armen, den Schwächsten der Schwachen zukommen zu lassen. Kommunistinnen und Kommunisten lehnen sogenanntes wildes Plündern ab und ihm wurde während der Oktoberrevolution durch die roten Milizen auch nicht stattgegeben. Aber auch heute muss gelten, was Marat schon 1792 geschrieben hatte, dass ein Mensch, der am Verhungern ist, ein unmittelbares, direktes Zugriffsrecht auf Lebensmittel hat. Dem ist im Rahmen der perversen bürgerlichen Rechtsordnung nicht so, die die Aneignung der Lebensmittel von den sie produzierenden Völkern sanktioniert. Doch zurück zum Text über die Nationalökonomie von Engels.

Die Produktionskosten einer Ware bestehen nach den Ökonomen aus drei Elementen: Grundzins, Kapital und Lohn. Kapital und Arbeit aber sind identisch, denn auch die Ökonomen erkennen an, dass Kapital aufgespeicherte Arbeit ist. Aber es sind dann doch drei Elemente, nur dass die bürgerlichen Ökonomen die Elementarkraft der Wissenschaft völlig ignorieren. Wenn aber Kapital und Arbeit identisch sind, so liegt vor uns eine „Entzweiung der Arbeit in sich selbst (Hegel hätte es nicht besser formulieren können/H.A.) ... Alle ... diese ... Spaltungen ... entstehen aus der ursprünglichen Trennung des Kapitals von der Arbeit und die Vollendung dieser Trennung in der Spaltung der Menschheit in Kapitalisten und Arbeiter, einer Spaltung, die alle Tage schärfer und schärfer ausgebildet wird“ 16.

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Details

Titel
Zum Engelsjahr 2020. Friedrich Engels' Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie
Autor
Jahr
2020
Seiten
23
Katalognummer
V931703
ISBN (eBook)
9783346250315
ISBN (Buch)
9783346250322
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels 27.11.2020
Schlagworte
engelsjahr, friedrich, engels, umrisse, kritik, nationalökonomie
Arbeit zitieren
Heinz Ahlreip (Autor), 2020, Zum Engelsjahr 2020. Friedrich Engels' Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931703

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