Rudolf Arnheims Radiotheorie vor dem Hintergrund der Hörfunksituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2008

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Die Rettung des HÅrfunks

2. Arnheim und heutige Ansichten
2.1. Klang
2.2. Sprache
2.3. Mediale Inhalte
2.3.1. Begleitmedium
2.3.2. Spezialsendungen
2.3.3. Bildungsauftrag

3. Fazit - Arnheims Radiotheorie ist hÅrbar

Literaturverzeichnis

1. Einleitung - Die Rettung des HÅrfunks

In den 1930er Jahren taucht ein Medium auf, dass die Zukunft des Radios gefÇhrden kÅnnte: das Fernsehen.1 Die Eigenschaft des Radios, das GehÅrte nicht sehen zu kÅnnen2, stellt fÉr das Fernsehen keine Schwierigkeit dar. So schreibt Rudolf Arnheim im Vorwort zur deutschen Erstauflage seines Rundfunkbuches: „…doch sah es in den frÉhen dreiÜiger Jahren so aus, als ob der Rundfunk bald ein StÉck Vergangenheit sein wÉrde.“3

Rudolf Arnheim, der selbst zwischen 1930 und 1933 mehrere Radiosendungen moderierte4, beklagt, dass die damaligen Senderregisseure der HÅrfunkanstalten die wahre Funktion dieses Mediums, es als eine Kunstform fÉrs HÅren zu betrachten, verkennen und sieht sich gezwungen Éber das Radio zu schreiben, um diese Kunstform zu retten. So entstand sein Radiobuch „Rundfunk als HÅrkunst“, das 1936 zunÇchst nur in den USA verÅffentlicht wurde und heute als „unverwÉstliche Radiotheorie“5 immer noch aktuell ist. Arnheim formuliert darin VorschlÇge fÉr den korrekten Einsatz von Gestaltungsmitteln, die dem HÅrfunk zur VerfÉgung stehen. Diese Gestaltungsmittel sollen in meiner Arbeit vor dem Hintergrund der Radiosituation in Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts untersucht werden. Es geht darum, ob die VorschlÇge Arnheims fÉr eine „Rettung“ heute tatsÇchlich Anwendung finden und in wieweit der korrekte Einsatz von Gestaltungsmitteln heute die Regel ist. Ich werde mich lediglich auf die wesentlichen Aspekte seiner Radiotheorie konzentrieren, da nur hier die zentralen Gestaltungsmittel am deutlichsten in der Gegenwart zu erkennen sind. Diese Aspekte sind Klang, Sprache und Inhalt.

2. Arnheim und heutige Ansichten

Bevor wir die wesentlichen Aspekte des Kapitels prÉfen kÅnnen, ist es wichtig einen Grundgedanken des Radios, der fÉr weitere Untersuchungen von Belang ist, in den Blick zu nehmen. Arnheim bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Nur zwei KÉnste verzichten ganz auf das Auge und wenden sich ausschlieÜlich an das Ohr: Musik und Rundfunk.“6 Die Ohren stehen dem HÅrer demnach als einzige Aufnahmequelle zur VerfÉgung. Er ist blind und kann das Gesprochene nicht sehen. Arnheim, der hier seine Argumentation beginnt, sieht darin das entscheidende Grundproblem, dem sich der HÅrfunk stellen muss. Es wird deutlich, dass sich Arnheim formalÇsthetisch mit dem HÅrfunk auseinandersetzt. Er versucht von den Materialeigenschaften des Mediums auszugehen.7 8

…d.h. es werden die Eigenarten der Sinnesreize, deren sich die betreffende Kunst bedient, mit den Mitteln der Psychologie beschrieben, und aus diesen Eigenarten werden die AusdrucksmÅglichkeiten der Kunst abgeleitet.9

Die AusdrucksmÅglichkeiten bzw. Gestaltungsmittel, auf die Rudolf Arnheim Wert legt, sind zum Beispiel Tempo, Rhythmus, Klangdynamik, Klangharmonik, KlangintensitÇten u.a.10 Viele dieser AusdrucksmÅglichkeiten werden auch in der Gegenwart geschÇtzt, wie sich in den folgenden Kapiteln zeigen wird.

2.1. Klang

Der Klang nimmt bei Rudolf Arnheim eine entscheidende Stellung ein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihm Arnheim am Anfang seines Radiobuches ein eigenes Kapitel widmet. Bevor ein HÅrer die Bedeutung eines Wortes erfÇhrt, nimmt er den Klang war. Deshalb mÉssen GerÇusche bzw. KlÇnge die oben erwÇhnten AusdrucksmÅglichkeiten berÉcksichtigen. Vorbild sollen dabei die Charaktereigen- schaften der Musik sein, da sie die „reinste und kÅniglichste Kunst“11 ist.

Die Wiederentdeckung des Musikklanges in GerÇusch und Sprache, die Verbindung von Musik, GerÇusch und Sprache zu einem einheitlichen Klangmaterial ist eine der groÜen kÉnstlerischen Aufgaben des Rundfunks.12

Der Wichtigkeit des Klanges sind sich heutige Radiostationen durchaus bewusst. Heute arbeiten alle professionellen Radiostationen mit Produzenten13, die sich zum Beispiel auf die Produktion von Verpackungselementen spezialisiert haben, Moderatoren erhalten ihre klanglich beste Stimmeinstellung. Dabei kommt modernste Technik wie digitale Schnitttechnik, Equalizer und vieles mehr zum Einsatz. Produktionsfirmen wie Top Format Productions beliefern die Radiostationen mit qualitativ hochwertigen Produkten, die den Programmen einen dynamischen und individuellen Klang verschaffen. Auch Moderatoren mÉssen noch bevor sie das Mikrofon einschalten auf den perfekten Klang achten. So schreibt der Moderationscoach Patrick Lynen in seinem Radiohandbuch: „Alle Programmelemente sollten mÅglichst oft miteinander verschmelzen.“14 Mit Programmelementen meint er u.a. Musik, Betten15, O-TÅne, Moderationen, die alle samt in ihrer Verbindung harmonisch und dynamisch klingen mÉssen, wie es eben Rudolf Arnheim fordert. Diese Beispiele zeigen, dass heutige Sender viel Geld in den Klang investieren. In der Praxis ist der Klang also von entscheidender Bedeutung fÉr alle professionell arbeitenden Radiostationen.

2.2. Sprache

Das Kapitel „Die Kunst, zu allen zu sprechen“ in Arnheims Radiobuch befasst sich mit der Sprache und liest sich wie ein aktueller Leitfaden fÉr das richtige Schreiben von Radiotexten. Arnheim macht VorschlÇge wie mit der Sprache umzugehen ist. Zu achten sei u.a. auf einen einfachen Satzbau, Vermeidung von Fachbegriffen, auf Eindeutigkeit des Wortes und perfekte Vorbereitung. Er lehnt die Improvisation strikt ab.16 AuÜerdem heiÜt es weiter: „Man bevorzuge eine schlichte, mit vielen Beispielen und kleinen Lustigkeiten gewÉrzte Darstellung.“17 Patrick Lynen bestÇtigt Arnheims Empfehlungen fÉr eine angemessene Darstellung und schreibt in seinem Praxishandbuch fÉrs Radio:

Einem guten Moderator kann man mÉhelos folgen. Seine Wortwahl ist modern und klar. Jedes Wort zÇhlt, sinnloses Gerede und kopflastige Satzkonstruktionen nerven. Amtsdeutsch und Schriftsprache schrecken ab. Zopfig-altbackene und konstruierte Sprache genauso18

Damals wie heute sind sich die VorschlÇge sehr Çhnlich. Liest man nur diese beiden Schriften, hÅrt aufmerksam verschiedene Radiosendungen und achtet dabei auf die Wortwahl des Sprechers, so ist zu vermuten, dass Arnheims Rettungsversuche in diesem Punkt erfolgreich waren. Die Mehrzahl der Moderatoren liest den geschriebenen Text nicht sondern spricht ihn.

[...]


1 Vgl. Christina Bartz: Tele-Medien, Telegrafie, Television. In: Bohnenkamp, BjÅrn/u.a. (Hrsg.): EinfÉhrung in die Medienkulturwissenschaft. MÉnster 2005, S. 215

2 Vgl. Kapitel 2

3 Ann Arbor: Ein neues Vorwort. In: Rundfunk als HÅrkunst. Hrsg. v. Rudolf Arnheim. Baden-Baden 2001, S. 9.

4 Vgl. Helmut H. Dieterichs: Radio als Kunst. In: Rudolf Arnheim (Hrsg.): Rundfunk als HÅrkunst. Baden-Baden 2001, S. 224.

5 Vgl. ebd., S. 234.

6 Rudolf Arnheim: Rundfunk als HÅrkunst. Baden-Baden 2001, S. 19.

7 Vgl. Rainer Leschke: EinfÉhrung in die Medientheorie. MÉnchen 2003, S. 132.

8 Die Materialeigenschaften des Radios sind die ausschlieÜliche Konzentration auf das Ohr; seine Zeitbedingtheit; die UnterscheidungsmÅglichkeit von unterschiedlichen GerÇuschen, die gleichzeitig tÅnen; die Wahrnehmbarkeit von Raumentfernungen, in denen GerÇusch ertÅnen, u.a.

9 Arnheim. In: Leschke, Rainer: EinfÉhrung in die Medientheorie. MÉnchen 2003, S. 131.

10 Vgl. Rudolf Arnheim: Rundfunk als HÅrkunst, S. 25.

11 Ebd., S.25.

12 Ebd., S.24.

13 Vgl. Patrick Lynen: Das wundervolle Radiobuch. Personality, Moderation und Motivation. MÉnchen 2006, S. 126.

14 Lynen: Das wundervolle Radiobuch, S. 128.

15 Das Bett ist die Musik, die im Hintergrund lÇuft wÇhrend der Moderator spricht.

16 Vgl. Rudolf Arnheim: Rundfunk als HÅrkunst, S. 138.

17 Vgl. ebd., S. 135.

18 Lynen: Das wundervolle Radiobuch, S. 53.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Rudolf Arnheims Radiotheorie vor dem Hintergrund der Hörfunksituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater- Film- und Fernsehwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V93180
ISBN (eBook)
9783638064262
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radiotheorie, Hörfunksituation, Hörfunk, Radio, Rudolf Arnheim
Arbeit zitieren
Felix Wende (Autor), 2008, Rudolf Arnheims Radiotheorie vor dem Hintergrund der Hörfunksituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93180

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