Diese Arbeit befasst sich mit Frage, ob das Geschäftsmodell von Lebensversicherungsunternehmen noch eine Zukunft hat und wie diese aussehen könnte. Bei der ökonomischen Analyse des Marktes wird eine Kundenperspektive eingenommen und der Markt nach zukunftsfähigen Produkten untersucht.
Die Lebensversicherungsbranche steht durch das seit Jahren andauernde Niedrigzinsumfeld, durch neue gesetzliche Regelungen und durch veränderte Kundenbedürfnisse vor schwerwiegenden Herausforderungen. Die klassischen Lebensversicherungsprodukte bieten unter den niedrigen Zinsbedingungen kaum einen Mehrwert für potenzielle Kunden.
Als Anforderungen der Kunden wurden neben dem Wunsch nach Flexibilität und Transparenz vor allem das Verlangen nach Sicherheit und einer adäquaten Verzinsung identifiziert. Die Produktneuerungen die diesen Anforderungen am ehesten entsprechen, sind die verschiedenen Formen der fondsgebundenen Lebensversicherung. Das Ergebnis der ökonomischen Analyse hat gezeigt, dass das Geschäftsmodell der Lebensversicherungen weiterhin tragfähig ist, da die Beitragseinnahmen stabil sind und die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen positiv ist. Es ist jedoch die Tendenz zu erkennen, dass sich die Marktanteile weg von den klassischen Lebensversicherungsprodukten und hin zu den fondsgebundenen Lebensversicherungen verschieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Einordnung, Funktionsweise und Arten von Lebensversicherungen
2.2 Aufsichtsrechtlicher Rahmen
3 Der Markt für Lebensversicherungen in Deutschland
3.1 Kundenanforderungen
3.2 Produktneuerungen
3.3 Analyse des Lebensversicherungsmarktes
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert den deutschen Lebensversicherungsmarkt vor dem Hintergrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds, sich wandelnder gesetzlicher Rahmenbedingungen und veränderter Kundenbedürfnisse, um die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells der Lebensversicherungsunternehmen zu bewerten.
- Analyse der aktuellen Kundenanforderungen hinsichtlich Flexibilität, Transparenz und Sicherheit.
- Untersuchung der Bedeutung neuer Produktentwicklungen wie der fondsgebundenen Lebensversicherung.
- Deskriptive Marktanalyse der Beitragseinnahmen und Kapitalanlagen im Zeitraum 2008 bis 2018.
- Bewertung der Tragfähigkeit des klassischen Geschäftsmodells gegenüber modernen Alternativen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Analyse des Lebensversicherungsmarktes
Die folgende deskriptive Analyse des deutschen Marktes für LV, richtet sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der gebuchten Brutto-Beitragseinnahmen der gesamten Branche. Die Auswertung bezieht sich dabei auf Daten des GDV im Betrachtungszeitraum der Jahre 2008 bis 2018.
Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass sich das Volumen der jährlichen Beitragseinnahmen der LVU von 76,31 Milliarden (Mrd.) € auf 88,70 Mrd. € erhöht hat, dies entspricht einer Steigerung von ca. 16,2 %. Demgegenüber stehen derzeit Versicherungsauszahlungen von 78,8 Mrd. €. In Abbildung 1 ist jedoch zu erkennen, dass dieser Anstieg nicht stetig verläuft, sondern gewissen Schwankungen unterworfen ist. Dieser Anstieg ist besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass sich der Bestand an LV im gleichen Zeitraum von 92,8 Millionen (Mio.) auf 83 Mio. Stück reduziert hat. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass sich die Zahl der Neuverträge von 6,687 Mio. im Jahr 2008 auf aktuell 4,875 Mio. verringert hat.
Die sinkende Anzahl der Neuverträge könnte als Folge der sinkenden Garantieverzinsung angesehen werden, die die Anlage über LVP unattraktiv erscheinen lassen könnte. Der Anstieg der jährlichen Beitragseinnahmen bei gleichzeitiger Senkung des Bestandes und der abgeschlossenen Neuverträge von LV könnte implizieren, dass die VU höhere Prämien von den VN verlangen. Darüber hinaus zeigt Abbildung 1, dass der prozentuale als auch der absolute Anteil der FLV an den gesamten Beitragseinnahmen stetig wächst, sogar in den Jahren, in denen die Gesamteinnahmen sinken. Umgekehrt ist ein deutlicher Rückgang bei den Kapitalversicherungen zu verzeichnen. Ein weiteres Indiz für die gestiegene Attraktivität von FLV sind die gewachsenen Kapitalanlagen für fondsgebundene Policen, die sich von ca. 31 Mrd. € auf knapp 103 Mrd. € mehr als verdreifacht haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert den grundlegenden Wandel der Lebensversicherungsbranche durch das Niedrigzinsumfeld und definiert das Ziel der Arbeit, die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells zu analysieren.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die Funktionsweise von Lebensversicherungen, deren Arten sowie den aufsichtsrechtlichen Rahmen, in dem die Versicherungsunternehmen agieren.
3 Der Markt für Lebensversicherungen in Deutschland: Dieser Abschnitt identifiziert die Kundenbedürfnisse, stellt Produktneuerungen vor und analysiert die Marktentwicklung anhand von Daten zu Beitragseinnahmen und Bestandsveränderungen.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Geschäftsmodell trotz sinkender Bestände bei klassischen Produkten tragfähig bleibt, sich jedoch eine deutliche Verschiebung hin zu fondsgebundenen Versicherungslösungen zeigt.
Schlüsselwörter
Lebensversicherung, Niedrigzinsphase, Geschäftsmodell, Kundenperspektive, Produktentwicklung, Fondsgebundene Lebensversicherung, Kapitalanlage, Versicherungswirtschaft, Solvency II, Rentenversicherung, Garantiezins, Versicherungsaufsicht, Marktanteile, Beitragseinnahmen, Altersvorsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das traditionelle Geschäftsmodell von Lebensversicherungsunternehmen angesichts aktueller wirtschaftlicher und regulatorischer Herausforderungen noch zukunftsfähig ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen zählen die theoretischen Grundlagen der Lebensversicherung, die Identifikation moderner Kundenanforderungen sowie die Analyse der Marktentwicklung unter Berücksichtigung neuer Produktformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels einer ökonomischen Marktanalyse zu klären, wie Versicherungsunternehmen auf den Wandel reagieren und ob ihre Produkte weiterhin tragfähig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine ökonomische Analyse unter Einbeziehung deskriptiver Daten (z. B. GDV-Statistiken) und einer theoretischen Fundierung der Versicherungsprodukte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis, die Darstellung aktueller Kundenbedürfnisse, die Erläuterung innovativer Produktneuerungen und eine detaillierte Auswertung der Brutto-Beitragseinnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lebensversicherung, Niedrigzinsphase, fondsgebundene Lebensversicherung (FLV), Kapitalanlage, Kundenperspektive und Produktneuerungen.
Warum verlieren klassische Lebensversicherungen an Bedeutung?
Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds können klassische Produkte kaum noch attraktive Renditen garantieren, was sie für viele Anleger im Vergleich zu fondsgebundenen Alternativen unattraktiv macht.
Welchen Einfluss haben fondsgebundene Lebensversicherungen auf den Markt?
FLV gewinnen zunehmend an Marktanteilen, da sie die Chance auf höhere Renditen am Kapitalmarkt bieten und durch flexible Garantieelemente dennoch eine gewisse Sicherheit gewährleisten können.
Inwiefern hat sich die regulatorische Situation verändert?
Die Umsetzung von Solvency II im Jahr 2016 führte zu veränderten Kapitalanforderungen und neuen Kapitalanlagevorschriften, die den Versicherern mehr Eigenverantwortung bei der Vermögensanlage übertragen.
- Arbeit zitieren
- Jannik Seeger (Autor:in), 2020, Wie zukunftsfähig ist der Markt für Lebensversicherungen in Deutschland? Eine ökonomische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931895