Diese Arbeit setzt sich damit auseinander, dass das Selbst- und Weltbild der postmodernen Gesellschaft einen Perspektivwechsel in Bezug auf die Konzepte von Kultur, Identität und Sprache erfordert. Die Postmoderne kreiert ein neues Weltbild, das gravierende Auswirkungen auf das Verständnis von Kultur, Identität und Gesellschaft hat. Daher gehe ich folgenden Fragen nach: Welche gesellschaftlichen Veränderungen hat die Postmoderne bewirkt? Wie hängt die Postmodernisierung mit Kultur und Identität zusammen?
Ich werde mich dem Problem aus sozialwissenschaftlicher Seite nähern und verschiedene Sichtweisen aus der Kulturwissenschaft, der Kommunikations- und Medienwissenschaft, der Soziologie und der Psychologie vorstellen, um letztendlich auf die Linguistik zurück zu schließen. Durch Kontingenzerfahrung ist Sprache zu einem Spielzeug geworden, mit dem Wirklichkeit und Identität bewusst konstruiert und dekonstruiert werden können.
Welcher sprachtheoretische Ansatz kann dem heutigen Verständnis von Kultur, Identität und Sprache sowie Wirklichkeit und Gesellschaft daher gerecht werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kultur
2.1 Kultur als Programm
2.2 Anbindung an die Cultural Studies
2.2.1 Das Encoding-Decoding-Modell nach Stuart Hall
2.2.2 Stuart Halls Identitätspolitik
3. Kennzeichen der Postmoderne und postmoderner Gesellschaften
4. Sprache als natürliches soziales Phänomen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den notwendigen Perspektivwechsel im Verständnis von Kultur, Identität und Sprache innerhalb der postmodernen Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Veränderungen, Kontingenzerfahrungen und mediale Transformationen die Konstruktion von Wirklichkeit und Identität beeinflussen.
- Postmoderne Identitätskonzepte und die Rolle von Selbst-Narration
- Medien als Instrumente der Wirklichkeitskonstruktion
- Kultur als soziales Programm und Diskursfiktion
- Das Encoding-Decoding-Modell nach Stuart Hall
- Sprache als natürliches soziales Phänomen und interaktives Handlungsspiel
Auszug aus dem Buch
2.1 Kultur als Programm
Um über Kultur sprechen zu können, bedarf es zunächst eines klar definierten Kulturbegriffs. Ich möchte daher hier in die Begrifflichkeiten Wirklichkeit, Kultur und Gesellschaft des Kommunikations- und Kulturwissenschaftlers Siegfried J. Schmidt einführen und zudem auf seinen Medienkompaktbegriff eingehen.
Schmidts Kulturbegriff gehen seine Überlegungen zur Wirklichkeit voraus: „Wirklichkeitsmodelle systematisieren für alle Aktanten den Umgang mit allen für lebenspraktisch wichtig gehaltenen Handlungs- bzw. Bezugnahmebereichen in gesellschaftlichen Interaktionen […].“ Unter diesen lebenspraktisch relevanten Bereichen versteht Schmidt Umwelten, Aktanten, Vergesellschaftungsformen (Institutionen und Organisationen), Gefühle und Werte. In Bezug auf die Wirklichkeitskonstruktion stellt sich das Individuum demnach die Fragen: Wo befinde ich mich? Mit wem interagiere ich? Durch welche politischen und gesellschaftlichen Institutionen ist mein Handeln beschränkt? Wie sind meine persönlichen Emotionen? Welche gesellschaftlichen Werte stehen diesen gegenüber? Diese Überlegungen, die im Unterbewusstsein ablaufen, bestimmen die eigene Wirklichkeit, in der man agiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit postuliert einen notwendigen Perspektivwechsel auf Kultur, Identität und Sprache angesichts der durch die Postmoderne geschaffenen neuen Weltbilder.
2. Kultur: Dieses Kapitel erläutert den Kulturbegriff als Programm nach Siegfried J. Schmidt und verknüpft diesen durch Stuart Halls Encoding-Decoding-Modell mit der medienwissenschaftlichen Bedeutungsproduktion.
3. Kennzeichen der Postmoderne und postmoderner Gesellschaften: Der Abschnitt analysiert die zentralen Merkmale der Postmoderne, insbesondere die Reflexivität, den Bedeutungspluralismus und die Auswirkungen der Globalisierung auf das menschliche Zusammenleben.
4. Sprache als natürliches soziales Phänomen: Es wird ein handlungstheoretischer Sprachbegriff nach Edda Weigand vorgestellt, der Sprache als komplexes, dialogisches Ganzes betrachtet, welches der Komplexität der postmodernen Welt gerecht wird.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert die interdisziplinäre Notwendigkeit einer neuen Betrachtungsweise, in der Sprache als Instrument der reflexiven Selbst-Narration zur Identitätsbildung fungiert.
Schlüsselwörter
Kultur, Identität, Sprache, Postmoderne, Wirklichkeitskonstruktion, Kontingenz, Medien, Encoding-Decoding-Modell, Stuart Hall, Siegfried J. Schmidt, Edda Weigand, Selbst-Narration, Bedeutungspluralismus, Interdisziplinarität, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Kultur, Identität und Sprache vor dem Hintergrund der postmodernen gesellschaftlichen Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirklichkeitskonstruktion durch Medien, der Rolle von Identitätspolitik im Wandel der Zeit sowie dem Verständnis von Sprache als handlungsorientiertes, soziales Phänomen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, einen theoretischen Perspektivwechsel zu begründen, der notwendig ist, um die neuen Anforderungen an Identität und Kommunikation in der Postmoderne wissenschaftlich erfassen zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Linguistik integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Kulturbegriff als Programm, analysiert das Encoding-Decoding-Modell von Stuart Hall, beschreibt die Kennzeichen der postmodernen Gesellschaft und diskutiert abschließend Sprache als dialogisches Instrument.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Kontingenz, Selbst-Narration, Wirklichkeitskonstruktion, Medienkultur und der interdisziplinäre Zugang zur Identitätsarbeit.
Wie unterscheidet sich der hier verwendete Kulturbegriff von traditionellen Ansätzen?
Der Begriff nach Siegfried J. Schmidt betrachtet Kultur nicht als statisches Gebilde, sondern als „Programm“, das unbewusst Wirklichkeiten produziert und als „Kontingenzinvisibilisierungsmaschine“ fungiert.
Welche Rolle spielt das Encoding-Decoding-Modell nach Stuart Hall für das Verständnis von Medien?
Es dient dazu zu verdeutlichen, dass Medienbotschaften auf Produzentenseite kodiert und auf Rezipientenseite je nach soziokulturellem Hintergrund unterschiedlich dekodiert werden, was die aktive Rolle des Rezipienten betont.
Warum wird Sprache im Kontext der Postmoderne als „natürliches soziales Phänomen“ bezeichnet?
Weil Sprache nicht als starres System, sondern als interaktives Ganzes verstanden wird, das es dem Individuum ermöglicht, durch dialogische Handlungen Weltbezug herzustellen und eigene Identität zu konstruieren.
- Quote paper
- Ina Brauckhoff (Author), 2007, Kultur - Identität - Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93191