Hayao Miyazakis "Chihiros Reise ins Zauberland". Ein Überblick über die Entwicklung der weiblichen Figuren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

20 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1 Definition: Anime und Manga
II.2 Darstellung der Frau in Anime und Manga
II.3 Die Welt von Hayao Miyazaki
II.4 Methodisches Vorgehen
II.5 Chihiros Reise ins Zauberland
II.5.1 Handlung
II.5.2 Figurenanalyse

III. Schlussteil

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis

V. Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit wird abgegeben für das Seminar „DER FILMKANON: THEORIE, GESCHICHTE UND ÄSTHETIK“ unter der Leitung von Dr. phil. Andy Räder für das Modul MEDIENANALYSE UND MEDIENÄSTHETIK.

Diese Hausarbeit behandelt den Film „Chihiros Reise ins Zauberland“ von Hayao Miyazaki aus dem Jahr 2001. Ziel der Arbeit soll es sein, anhand der Figurenanalyse von Werner Faulstich die wichtigsten weiblichen Charaktere zu untersuchen und so einen guten Überblick über ihren Zweck im Film zu schaffen. Für diese Arbeit wichtig ist außerdem die Darstellung der Figuren im Anime generell.

Zu Beginn werden die Begriffe Anime und Manga definiert, da sich „Chihiros Reise ins Zauberland“ in diesem Genre bewegt, anschließend wird die Präsentation und Position der Frau nochmals näher beleuchtet, da diese meistens negativ behaftet ist und von Vorurteilen bestimmt wird.

Um eine Brücke zum eigentlichen Kernthema zu schlagen wird es in dem darauffolgenden Punkt einen kleinen Exkurs zu Chihiros Schöpfer, Hayao Miyazaki, geben. Versucht werden soll, einen kurzen, jedoch ausführlichen Überblick über sein Schaffen in den letzten Jahrzehnten zu geben. Der Fokus wird sich außerdem auch auf Miyazakis Darstellung von Frauen in seinen Filmen richten, da viele seiner Werke starke, weibliche Hauptrollen besitzen, ohne den Klischees zu entsprechen, die bereits zu Beginn erläutert wurden.

Nachdem anschließend das methodische Vorgehen erläutert wurde, beginnt der letzte Teil mit der Analyse der Figuren. Aus dem Film ausgewählt wurden neben Chihiro als Hauptfigur ihre Freundin Lin, die Leiterin des Badehauses, Yubaba, sowie ihre Zwillingsschwester Zeniba. Der Schluss der Arbeit soll die Ergebnisse, die in der Figurenanalyse entstanden sind nochmals kurz zusammenfassen und einen Bezug zu den theoretischen Ausarbeitungen des ersten Teils herstellen.

II. Hauptteil

Der Hauptteil dieser Arbeit wird sich in zwei Teile gliedern. Den Anfang machen Definitionen, um Begriffen wie Manga und Anime ein Gesicht zu verleihen. Hierbei wird kurz die Geschichte dieser beiden Bezeichnungen umrissen, um das Ganze in einen Kontext setzen zu können. Anschließend daran soll eine kurze Darstellung dessen folgen, wie Frauen in Manga und Anime oft präsentiert wurden und auch immer noch werden. Anknüpfend folgt dann eine Überleitung zum eigentlichen Themenkomplex dieser Arbeit: Mit einem Blick auf den Schöpfer von „Chihiros Reise ins Zauberland“ und seinem Schaffen vor- und nachher soll versucht werden, ein Bild von ihm und seiner Arbeit, vor allem in Bezug auf seine Frauenfiguren, geschaffen zu werden. Bevor sich die Arbeit im Anschluss mit der Auseinandersetzung der These befasst, wird kurz die Methodik, nach Werner Faulstich, erläutert, an der sich diese orientiert.

II.1 Definition: Anime und Manga

Zu Beginn dieser Arbeit soll für das Verständnis geklärt werden, was genau unter Begriffen wie Manga und Anime zu verstehen ist. Anime bezeichnet gemeinhin japanische Serien oder Film im Zeichentrickstil. Daneben gibt es noch Manga, womit japanische Comics bezeichnet werden. Meist dienen Manga als Vorlage für viele Anime-Serien und Filme. Als gutes Beispiel ließe sich hierfür One Piece von Eiichirō Oda anführen. Schon seit Jahren erscheinen immer wieder neue Bände dieser Reihe und auch im Fernsehen bzw. im Internet kann man die Abenteuer der Figuren miterleben. Schwer auszumachen ist, wann genau diese Kunst ihren Anfang hatte. Der bekannteste Vertreter von Holz- und Farbholzschnitten, mit denen bereits seit dem 17. Jahrhundert Geschichten festgehalten wurden, war Katsushika Hokusai. Dieser prägte seine Werke erstmals mit dem Begriff Manga, auch wenn damals natürlich eine etwas andere Form dessen so benannt wurde, als es heute der Fall ist. (vgl. Tagsold 2015: 97) Historische Zusammenhänge mit der Begriffsbestimmung könnten in Bezug zur sogenannten Edo-Zeit gezogen werden, in der Künstler sich von ihrer Umgebung inspirieren ließen und so den Moment festhielten, in dem sie sich befanden. (vgl. Brock 2017: 8; vgl. Tagsold 2015: 97) Allerdings scheint diese Art der Sicht Kritik ausgesetzt zu sein, da sie als „weitgehend konstruiert“ gilt. (ebd.) Hier würde versucht werden, eine rein japanische Innovation aus dem Begriff Manga zu erschaffen, wobei die Einflüsse sich leichter und direkter aus amerikanischen und englischen Comics ableiten ließen. (vgl. Tagsold 2015: 97) Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen wieder vermehrt ausländische Besucher in das Land, da sich Japan vorher von der Welt abgeschottet hatte. (vgl. ebd.) Dadurch wurden vermehrt neue Verlagshäuser gegründet, neue Zeitschriften geschaffen und diese wurden versehen mit Karikaturen, nicht nur von japanischen sondern auch von amerikanischen oder englischen Karikaturisten. (vgl. ebd.) Auch Zeitschriften, die die Zielgruppe Kinder ansprechen sollten, wurden populär. (vgl. ebd.) Hierbei ist auffällig, dass es eine Aufteilung nach Geschlechtern gab. Für die Mädchen gab es sogenannte Sh ō jo- Manga und für die Jungen Sh ō nen- Manga (McCarthy 2014: 29). Erwähnenswert an dieser Stelle sei noch, dass der Begriff Sh ō nen sich zu Beginn nicht nur auf die Zielgruppe der Jungen spezialisierte. (vgl. Mae, Scherer, Hülsmann 2016: 8). Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit diesem Begriff die Gruppe der „junge[n] Menschen im Allgemeinen“ bezeichnet, ohne zwischen Mädchen und Jungen zu unterscheiden. (vgl. ebd.) Anfang des Jahres 1895 wurde eine Zeitschrift mit dem Titel Sh ō nen Sekai veröffentlicht, die ab September desselben Jahres eine Sh ō jo -Kolumne, extra für die weiblichen Leserinnen, einführte. (vgl. ebd.) Der Begriffe wurde danach immer wieder für die Klassifizierung, der speziell auf Mädchen zugeschnittene Texte, genutzt. (vgl. ebd.)

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff Manga vom Künstler Rakuten Kitazawa erneut in den Sprachgebrauch, wenn auch anders als der historisch konnotierte Begriff, für seine Werke eingeführt. (vgl. Patten 2004: 369) In den 1920er Jahren wurden schließlich die für Comics typischen Sprachblasen von den japanischen Künstlern übernommen und in ihre Werke integriert. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges begann dann eine harte Zeit für die Zeichner und Karikaturisten. (vgl. Tagsold 2015: 95) Ihre Zeichnungen wurden zensiert, missbraucht für Propagandazwecke oder aufgrund von Ressourceneinsparungen komplett eingestampft. (vgl. ebd.) Nach Ende des Krieges – die Themen wurden zu der Zeit noch immer von der amerikanischen Besatzungsmacht vorgegeben, wenn auch nicht mehr so streng, wie während des Krieges – waren vor allem die Manga beliebt, die den Lesern eine leichte Kost boten, um sich von dem tristen Nachkriegsalltag ablenken zu lassen und erholen zu können. (vgl. ebd.) Ab den 1960er Jahren erfreuten sich auch Anime zunehmender Beliebtheit. Unter anderem war das auch der Startpunkt für die mittlerweile zum Kult gewordenen Figuren, wie zum Beispiel Heidi. (Miyazaki 2009: 195) Von großer Bedeutung für die „Rückkehr“ von Manga und Anime in der Öffentlichkeit ist Osamu Tezuka zuzuschreiben, der auch unter dem Beinamen „hand of god“ bekannt geworden ist. (Izawa 1997) Besonders an seiner Erzählweise war, dass er seine Geschichten als richtige Story ausbaute und nicht, wie andere Zeichner, als Karikatur. (Brenner 2007: 6) Er orientierte sich hierbei an Disney-Filmen und nutzte die Panels einer Seite (Panels bezeichnen hier die einzelnen Bildkästchen auf einer Seite), um eine Art Kameraperspektive, mit Zoom oder Schnitt, herzustellen, wie es im Film der Fall ist. (vgl. ebd.)

In den Jahrzehnten danach brach für die Anime- und Mangabranche eine Art goldenes Zeitalter an. Es folgten viele Neugründungen von Produktionsfirmen und brachte auch einigen Vertretern große Erfolge ein – ein Beispiel hierfür wäre Hayao Miyazaki, der im weiteren Verlauf der Arbeit noch weiter beleuchtet werden soll. (vgl. Brock 2017: 9)

Im Gegensatz zu den Comics, die man hierzulande kennt, lassen sich Manga sehr eindeutig davon unterscheiden. Die wichtigsten Merkmale hierfür sind beispielsweise die großen Augen, die fast jede Mangafigur besitzt, außerdem die oft übertriebenen Darstellungen von Gefühlen, die die Figuren auch im Anime zur Schau stellen, das schwarz-weiße Layout und die Eigenheit, die Manga von rechts nach links zu lesen.

Abb. 1: Ausschnitt aus Astro Boy

Aus urheberrechtlichen Gründen wurde die Abbildung entfernt. (Anm. d. Red.)

Wie auch bei ganz „normalen“ Büchern oder Filmen gibt es auch bei Anime und Manga verschiedenste Genres, die abgedeckt werden, um jeder Zielgruppe etwas bieten zu können. Wie bereits erwähnt, erfolgt eine Unterteilung für Jungen und Mädchen, also Shonen oder Shoujo. Auf Plattformen wie anime-lods.org oder anime-tube.tv, die online Anime oder Manga zur Verfügung stellen, wird die ganze Bandbreite an Genres klar. Dem Nutzer werden hier Genres zur Auswahl gestellt, wie Romanze, Science Fiction, Abenteuer, Action, Macigal Girl, Alltagsdrama oder Erotik, um nur einige zu nennen. Im Grunde ist für jede Lebens- oder Gesellschaftssituation etwas zu finden und ist auch unabhängig vom Alter der Nutzer.

II.2 Darstellung der Frau in Anime und Manga

Beschäftigt man sich mit der Rolle der Frau in Anime und Mange werden schnell Vorurteile laut. Das klassische Bild, welches Menschen vor sich sehen, wenn sie – vielleicht sogar, ohne vorher wirklich in Berührung damit gekommen zu sein – an eine weibliche Figur innerhalb eines Anime denken, ist meist eine zierliche, junge Frau, die neben dünnen Armen und Beinen eine sehr üppige Oberweite hat, im besten Fall wenig Kleidung trägt und im Gesamtbild meist auch recht naiv und dümmlich wirkt und darauf wartet, dass ihr ein Mann in der Not zur Hilfe kommt (wobei dieses Problem auch in einigen Disney-Filmen kritisiert werden könnte, was aber nicht in den Kontext dieser Arbeit passt). Als Beispiel für diese Klischees sollen die unteren beiden Abbildungen der Serien AIKa und Love Hina dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: AIKa von Katsuhiko Nishijima

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Love Hina (Christimas Edition) von Ken Akamatsu

Eine Pauschalisierung des Themas ist aber nicht angemessen, denn glücklicherweise stimmt dieses Bild nicht mit der Realität überein und es werden auch durchaus andere Typen von Frauen präsentiert: Frauen, die starke Männer vor dem sicheren Tod bewahren, Frauen, die die Welt vor dem Untergang schützen, Frauen als Anführerinnen usw.

Wie bereits eingangs erwähnt, werden Frauen in Anime und Manga oft als Objekt der Begierde, als schwach, dumm und naiv wahrgenommen.

Diese Beobachtungen hat auch Eri Izawa gemacht und sie folgendermaßen zusammengefasst:

The theme of „men ought to be stronger than women“ is a pervading theme that can sum up a lot of gender relations in manga and anime. The idea is that women, no matter how strong or independent they are, are actually looking for someone who they can depend on and who will protect them. (Next time you’re reading manga stories set in modern Japan, count the number of times Our Hero rescues the heroine from unwanted advances from other men, or the number of times a heroine faints from walking around in the rain while sick.) (Izawa 1997)

Allerdings konnte sich dieses Bild in den vergangenen Jahrzehnten, zumindest teilweise, ändern. Dennoch zeigt Izawas Beitrag ganz eindeutig, dass dort noch viel Arbeit offen steht. Trotzdem werden heute Frauen dargestellt, die sich oft in ihren 20ern befinden, die „weinen, lachen, schreien und tratschen“. (Heinze 2013: 29) Somit erfolgt eine Angleichung auch an westliche Geschlechterrollen. (vgl. ebd.) Es wird jungen und vor allem starken Frauen auf ihrem Weg gefolgt und dabei werden auch vormals westliche Werte, wie Individualität und Unabhängigkeit ausgelebt. (vgl. ebd.) Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass vor allem für junge Männer die anfangs erwähnten und hierarchischen Geschlechterrollen noch immer in Anime, wie auch Manga präsent sind. Demgegenüber steht aber eine Vielzahl an Werken, die die Frauen viel facettenreicher darstellen. In diesem findet der Leser unabhängige Mädchen oder Frauen vor, die ihr Leben eigenständig planen wollen, ohne Rücksicht auf eventuelle Sanktionen der Gesellschaft oder sich komplett von einem Mann abhängig zu machen. (vgl. Brock 2017: 11) Nach Brock sind die „Probleme [der Frauen] realer und ambivalenter“ geworden. (ebd.) Hier gibt es am Ende nicht mehr die einzigwahre Lösung als Ziel, meist muss die Protagonistin zwischen verschiedenen Optionen wählen, vielleicht sogar Kompromisse eingehen, Strategien entwickeln und diese schlussendlich auch anwenden. (vgl. ebd.)

Eri Izawa hat sich mit Geschlechterkonstruktionen im Anime befasst und hierzu vier Kategorien von Beziehungen entwickelt: die ungleiche Beziehung, die angleichende Beziehung und die stabile, gleichberechtigte Beziehung und die anfänglich ungleiche Beziehung. (Brock 2017: 12; Izawa 1997)

In der ungleichen Beziehung findet sich das bereits erwähnte Bild der Frau wieder. Meist nimmt sie die Rolle eines „Cheerleaders“ an, das dem Mann unterstützend und zusprechend zur Seite steht, womit sie eine fast schon mütterliche Rolle erhält. Viele Manga, die in den 1970er Jahren erschienen sind, spiegeln Stereotypen wider, in denen Frauen schüchtern, schwach, sanftmütig und bescheiden agieren aber niemals, wie die Männer, stark und „cool“. Für die Manga, die speziell auf die männliche Zielgruppe ausgerichtet ist, ist dieser Fakt schon fast verständlich, was ihn aber keineswegs legitimieren soll. Aber auch Manga, die für die weibliche Zielgruppe bestimmt waren, wurde keine starke weibliche Hauptfigur geboten. Auch hier war oft einem Mann zu gefallen das erklärte Ziel. Zudem wurden die Hauptfiguren „überwiegend naiv, fremdbestimmt und unsicher“ dargestellt. (Izawa 1997; Brock 2017: 12)

Die angleichende Beziehung nennt Izawa auch „bringing the woman down“. Eine anfangs ausgeglichene Beziehung mit Partnern auf Augenhöhe verändert sich im Laufe der Zeit dahingehend, dass die Frau sich an den Mann anpasst, abhängig von ihm wird und damit auch schwächer. (Izawa 1997)

Bei der stabilen, gleichberechtigten Beziehung bedarf es eigentlich keiner Erklärung. Die oben erwähnte Augenhöhe lässt sich in dieser Beziehungskonstellation wiederfinden. Die Partner bringen sich gegenseitigen Respekt entgegen und akzeptieren den anderen, so wie er ist. (ebd.)

Die letzte Art, die Izawa herausgearbeitet hat, ist die anfänglich ungleiche Beziehung. Tatsächlich findet der Rezipient in diesem Fall eine starke, selbstbewusste Frau vor, die ihre Mitmenschen an Fähigkeiten bei weitem übertrifft und von ihrem Partner unterstützt und motiviert wird. (Izawa 1997)

Brock verweist darauf, dass die Ausarbeitungen von Izawa keine wissenschaftliche Untersuchung darstellt, jedoch „interessante Anregungen für das Einordnen von Beziehungen in Anime und Manga“ bietet, weshalb in dieser Arbeit nicht darauf verzichtet werden sollte. (Brock 2017: 13)

Um an dieser Stelle ein Zwischenfazit zu ziehen, lässt sich sagen, dass es neben den Anime und Manga, die stereotype Rollenbilder vermitteln, genauso auch solche gibt, die selbstsichere und eigenständige Frauen aufzeigen. Fraglich ist, inwieweit hier mittlerweile ein Gleichgewicht geschaffen wurd, aber mit einem kurzen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte, hat sich die Figurengestaltung definitiv zum Positiven verändert.

II.3 Die Welt von Hayao Miyazaki

Da sich diese Hausarbeit mit einem Film aus der Feder Hayao Miyazakis beschäftigt, soll an dieser Stelle ein kleiner Überblick über seine Person erfolgen.

Geboren wurde das Animationsurgestein am 05. Januar 1941 in Tokio. Im Jahr 1963 schloss er sein Studium an der Gakushuin Universität ab und begann kurz darauf seine Arbeit bei dem Filmstudio Toei Animation. Nach einer dreimonatigen Ausbildung wurde er als Phasenzeichner des Films „WanWan Chushingura“ und der Serie „Okami shonen Ken“ eingesetzt. (McCarthy 1999: 30) Ein Jahr später, im Jahr 1964, war Miyazaki erstmals als Hauptanimator beschäftigt und wirkte bei der Serie „Shonen ninja kaze no fujimaru“ mit. (ebd.)

Unter dem Psydeudonym Saburo Akitsu veröffentlichte er dann 1970 seinen Manga „Sabaku no tami“. (Miyazaki 2009: 439) Nur ein Jahr später erfolgte der Wechsel von Toei zu Nippon TV. Dort sollte er mit seinem Freund Isao Takahata Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ animieren. Dieses Vorhaben konnte am Ende allerdings nicht umgesetzt werden. (ebd.) 1974 wurde dann endlich ein echter Meilenstein mit der Adaption von „Heidi“ gesetzt. (vgl. McCarthy 1999: 41) Bis heute ist diese Kinderserie nicht nur sehr vielen Menschen bekannt, sondern auch immer noch ein beliebter Klassiker. Zwischen 1974 und 1985 arbeitete Miyazaki mit Takahata an einigen Filmen und Serien. Allerdings wurde ihr Material bei anderen Studios veröffentlicht und sie hatten keine direkte Handhabe über ihre Arbeiten. Schlussendlich war das der Auslöser für die Schaffung des Studio Ghibli. (McCarthy 1999:41) Über die Jahre hinweg wurden dort viele Filme veröffentlicht, die auch heute noch beliebt bei Groß und Klein sind. Mein Nachbar Totoro, welcher im Jahr 1988 zusammen mit Die letzten Glühwürmchen können heute guten Gewissens als „Meilensteine der Anime-Geschichte“ bezeichnet werden. (McCarthy 1999:45; Brock 2017:16) Totoro scheint bei den beiden Schöpfern des Studio Ghibli sogar so beliebt zu sein, dass er bis heute das Logo des Unternehmens ziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Logo Studio Ghibli

Aus urheberrechtlichen Gründen wurde die Abbildung entfernt. (Anm. d. Red.)

In den Jahren danach folgte im Grunde fast jedes Jahr aufs Neue ein Film nach dem anderen aus dem Hause Ghibli – beispielsweise Kikis kleiner Lieferservice (1989), Tränen der Erinnerung (1991), Porco Rosso (1992), Die Stimme des Herzens (1995), um nur einige wenige zu nennen. (Odell, Le Blanc 2015: 63-100)

Nach eingen Dekaden im Animationsgeschäft war es eigentlich Miyazakis Plan, sich aus dem Animationsgeschäft zurückzuziehen. Vorher hatte er allerdings das Ziel vor Augen, einen einzigen, weiteren Film umzusetzen, dessen Idee ihn schon Jahre vorher beschäftigt hatte. 1997 war es dann soweit und es wurde Prinzessin Mononoke veröffentlicht. Allein in Japan brach der Film alle Rekorde und ist einer der meistgesehensten Kinofilme. (Miyazaki 2009: 447)

Diesem Erfolg hatten es am Ende die westlichen Länder zu verdanken, dass das Studio Ghibli Kooperationen mit Verleihern einging, um den Film auch in anderen Ländern vertreiben zu können. (Miyazaki 2009: 447) 1999 ging Miyazaki dann doch in den bereits Jahre zuvor angekündigten Ruhestand, der aber nur kurz andauern sollte. Im Jahr 2000 begannen dann die Arbeiten an dem Film, dem sich auch diese Arbeit noch widmen wird. 2001 lief in den Kinos weltweit Chihiros Reise ins Zauberland an. (Odell, Le Blanc 2015: 113) Womit wahrscheinlich niemand, nicht mal Miyazaki selbst, gerechnet hätte, war der durchschlagende Erfolg dieses Films. Als bis dato meist ausgezeichneter Zeichentrickfilm erhielt Chihiros Reise ins Zauberland auch den Oscar für den besten animierten Trickfilm. (Odell, Le Blanc 2015: 113-114)

Als zu Beginn dieses Jahres alle Studio Ghibli Filme nach und nach bei Netflix veröffentlicht wurden, gab es nicht nur einen großen Hype, sondern auch Countdowns zum tatsächlichen Start der Filme.

Doch was macht sie so besonders? Vor allem die Filme, die eine starke weibliche Hauptfigur haben, stellen sich gegen die Stereotypen, die bereits erwähnt wurde. Der Zuschauer kann die positive Entwicklung der Frauen miterleben und mit ihnen ihre Abenteuer erleben. Dabei fällt es auch sicher nicht schwer, sich mit ihnen zu identifizieren, da viele Charakterzüge ausgelebt werden, die alle Menschen an sich beobachten können.

San aus Prinzessin Mononoke, Chihiro aus Chihiros Reise ins Zauberland oder Sophie aus Das wandelnde Schloss haben alle Charakterzüge oder Eigenheiten, die sie im Laufe der Filme ablegen, sie beeinflussen andere Figuren und helfen ihnen sogar, sich weiterzuentwickeln und entwickeln sich damit auch selbst weiter, sie lernen, Kompromisse einzugehen, merken, dass der Weg durch die Wand eben nicht immer der beste ist und werden am Ende belohnt.

Da Miyazaki auch noch viele Jahre später immer weiter Filme aus seiner Feder fließen ließ und das den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, soll an dieser Stell nur noch darauf verwiesen werden, dass bis heute viele, wenn nicht sogar alle, Filme sich sehr großer Beliebtheit und einer eingeschworenen Fanbase erfreuen.

II.4 Methodisches Vorgehen

Ziel dieses Punktes wird es sein, kurz zu erläutern, nach welchen Kriterien der Film Chihiros Reise ins Zauberland untersucht werden soll.

Die Erarbeitung der einzelnen Figurenbilder wird sich grob an der Figurenanalyse von Werner Faulstich orientieren.

Für diese Arbeit werden aus dem Film, neben der Protagonistin, wichtige weibliche Figuren herausgestellt, die der Hauptfigur helfen, Hürden zu überwinden, oder diese Hürden sogar stellen. Auch wird kurz die Beziehung der einzelnen Figuren zu- oder gegeneinander erläutert, um auch jemandem, dem der Film nicht bekannt ist, zu ermöglichen, einen Kontext zu erkennen.

II.5 Chihiros Reise ins Zauberland

Bevor die Handlung des Films kurz wiedergegeben wird, gibt es einen kurzen Überblick über die wichtigsten Daten des Films geben, die der DVD entnommen sind. Vorgestellt wird hierbei aber nur die deutsche Version des Films.

Was für diese Hausarbeit zwar nicht von Belang ist, aber eine Erwähnung wert, ist die Musik, die Chihiros Reise ins Zauberland den Zuschauern präsentiert. Mit Joe Hisaishi hat Hayao Miyazaki bereits bei früheren Filme zusammengearbeitet (z.B. Prinzessin Mononoke) und jedes Mal aufs Neue war es positiv überraschend, was für eine gefühlvolle und passende Untermalung die Musik zum Geschehen bot.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hayao Miyazakis "Chihiros Reise ins Zauberland". Ein Überblick über die Entwicklung der weiblichen Figuren
Hochschule
Universität Rostock  (Medienforschung)
Veranstaltung
Filmkanon
Note
2,3
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V932038
ISBN (eBook)
9783346255259
ISBN (Buch)
9783346255266
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chihiro, Anime
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Hayao Miyazakis "Chihiros Reise ins Zauberland". Ein Überblick über die Entwicklung der weiblichen Figuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932038

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