Die Deutschlandpolitik Großbritanniens bis 1925


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Deutschlandpolitik Englands bis 1925
1. Die Versailler Friedensverträge
2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Großbritannien
3. Die für die Reparationsregelung hinderlichen Faktoren
3.1. Die galoppierende Inflation in Deutschland
3.2. Der englisch-französische Gegensatz
3.3. Die interalliierten Schulden
4. Die Konferenzdiplomatie der Alliierten I
4.1. Die Pariser Konferenz 1921
4.2. Die Londoner Konferenz von 1921 und ihre Folgen
4.3. Der Londoner Zahlungsplan 1921
4.4. Die Konferenz von Cannes
4.5. Die Genua-Konferenz
5. Die Balfour-Note
6. Die Konferenzdiplomatie der Alliierten II
6.1. Die Londoner Konferenz im Juli 1922
6.2. Frankreichs Druck auf Deutschland
6.3.Der Konflikt England-Frankreich
6.4. Die Kommissionen in Deutschland
6.5. Frankreichs Forderungen an Deutschland
6.6. Die Pariser konferenz von 1923
7. Die Ruhrbesetzung und der Ruhrkampf
8. Der Dawes Plan von 1924
9. Die Locarno-Verträge von 1925

III. Schluss

I. Einleitung

Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands in Compiegne am 11. November 1918 endete der erste Weltkrieg auf dem europäischen Kontinent. Mit geschätzten 10 Millionen Toten (u.a. Großbritannien: 723000) und über 20 Millionen Verwundeten (GB: u.a.1700000) die bis dato „fundamentalste Katastrophe des 20. Jahrhunderts“[1]. Nach vierjährigem Kampf unterlagen die Achsenmächte, an ihrer Spitze das einer imperialen Machtpolitik folgende Deutsche Reich der europäischen Entente unter Großbritannien und Frankreich in einem brutal geführten Krieg, der schon mit dem Eingreifen der USA 1917 entschieden war. Mit den Friedensverträgen von Versailles, die den Krieg offiziell beendeten, setzt diese Arbeit, die besonders die britische Außenpolitik gegenüber Deutschland betrachten soll, ein.

II. Die Deutschlandpolitik Englands bis 1925

1.Die Versailler Friedensverträge

Am 18. Januar 1919 begann, unter Ausschluss der besiegten Mittelmächte, die Pariser Friedenskonferenz an symbolträchtigem Ort – in Versailles, wo 1871 Wilhelm I. von Preussen nach dem deutsch- französischen Krieg zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde. An der bis 10. August 1920 dauernden Friedenskonferenz nahmen 32 Staaten teil. Eröffnet wurde sie vom französischen Staatspräsidenten Poincaré, als Präsident der Konferenz fungierte Frankreichs Ministerpräsident Clemenceau. Allein Großbritannien entsandte 207 Delegierte aus dem Außenministerium, dem Kriegsministerium, der Admiralität, dem Air Department, dem Finanzministerium und dem Handelsministerium. Da man sich darüber im Klaren war, dass mit einer so grossen Menge an Delegierten an ein vernünftiges Arbeiten kaum zu denken war, hatte in der ersten Verhandlungsphase der so genannte „Rat der Zehn“, die Außenminister und Regierungschefs der vier grossen Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und Italien, sowie Japans die oberste Entscheidungsgewalt inne. Seit 19. März kristallisierte sich daraus der „Rat der Vier“, US-Präsident Woodrow Wilson, Großbritanniens Premierminister David Lloyd George, Frankreichs Staatspräsident Clemenceau, sowie Italiens Ministerpräsident Vittorio E. Orlando heraus, welche aufgrund ihres Status als „Grossmächte“ nun die Interessen der Alliierten vertraten. Clemenceau und „die Stimme der Vernunft“, David Lloyd George stellten sich auf der Konferenz als die dominierenden Persönlichkeiten heraus. Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages waren die Nichtaufnahme Deutschlands in den Völkerbund; Gebietsabtretungen an Frankreich (Elsass-Lothringen), Belgien (Eupen-Malmedy), Polen (Teile Ostpreußens, Westpreußens, Posens, Oberschlesien), die Tschechoslowakei (Hultschiner Ländchen) und Dänemark (Nordschleswig). Danzig wurde Freistaat, das Saargebiet kam unter Mandat des Völkerbundes. Neben der Abtretung der Kolonien, der Reduzierung des Heeres und der Marine musste Deutschland auch die Besetzung des Rheinlandes hinnehmen, die alleinige Kriegsschuld anerkennen und wurde zu umfangreichen Reparationen verpflichtet. Gerade das Reparationenproblem und damit einhergehende Schuldenproblem zieht sich wie ein roter Faden durch die 1920er Jahre. Auf diese möchte ich deshalb nun gesondert eingehen.

2.Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Großbritannien

Um die Grundzüge der britischen Deutschlandpolitik in der ersten Hälfte der 1920er Jahre etwas besser zu verstehen, um klar darüber zu werden, welche innen- und wirtschaftspolitischen Gegebenheiten diese Politik beeinflussten, sollten wir zunächst einen kurzen Blick auf die Verhältnisse in Großbritannien werfen.

Nachdem die Konjunktur im Oktober 1918 noch auf ihrem Höhepunkt war, pendelte sie sich Auf- und Abschwüngen bis Juni 1921, erholte sich ab dann stetig bis 1924. Die Arbeitslosigkeit stieg bis Ende Mai 1921 auf ein, auch durch die großen Bergarbeiterstreiks verursacht, Maximum von 23,4 % unter den Versicherten Arbeitern.

Gerade die am Export orientierten traditionellen Wirtschaftszweige der Schiffbau-, Textil-, Stahl- oder Kohleindustrie hatten stärker unter der Arbeitslosigkeit zu leiden, als die „neuen“ Industrien, wie die Elektro-, die chemische oder die Kraftfahrzeugindustrie.

Der mithin wichtigste Grund für die Arbeitslosigkeit lag im Exportrückgang. Das Vorkriegsniveau konnte in diesem Bereich nicht mehr erreicht werden. Beispielsweise fehlte Großbritannien der deutsche Markt, welcher noch vor dem Krieg der wichtigste Handelspartner auf dem europäischen Kontinent gewesen ist. Gingen im Jahr 1919 bei einem Exportvolumen von 525 Millionen Pfund noch Güter im Wert von 41 Millionen Pfund (7,8%) nach Deutschland, so waren es 1921 bei 703 Millionen Pfund nur noch Güter für 18 Millionen Pfund (2,6%).

3. Die für die Reparationsregelung hinderlichen Faktoren

Übersichtshalber möchte im Folgenden einige Faktoren nennen, welche für die Reparationsregelung besonders hinderlich waren.

3.1.Die galoppierende Inflation in Deutschland

Ein erster Hinderungsgrund war im Deutschen Reich „hausgemacht“ Wie man noch sehen wird, waren die Währungsverhältnisse in Deutschland alles andere als stabil. Es herrschte eine galoppierende Inflation, welche durch eine maßlose und rücksichtslose Vermehrung der Zahlungsmittel durch den Staat verursacht wurde. Je nach dem Bedarf in der Wirtschaft (staatliche Subventionen) und der öffentlichen Hand (Reparationen) wurden ungeheurere Geldmengen gedruckt und ausgegeben. Infolgedessen kam es zu einer Scheinblüte der Wirtschaft, welche unmissverständlich zum Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftsgefüges und letztendlich auch zum Staatsbankrott führen musste. Diese Inflation nutzte Deutschland, um die Ableistung der Reparationen zu unterlaufen, da sich die Zahlungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit des Reiches unter diesen Verhältnissen von den Alliierten nicht klar feststellen ließ. Frankreich unterstellte Deutschland hierbei nicht zu Unrecht eine Absicht. Die Gewährung eines Moratoriums durch England sollte von Deutschland zur Stabilisierung der Währung und der Sanierung der Finanzen dienen, auf deren Grundlage dann die Reparationen in wieder geregeltem Rahmen abgeleistet werden sollten.

3.2.Der englisch-französische Gegensatz

Ein weiterer wichtiger Faktor war der innerhalb der Entente herrschende englisch-französische Gegensatz. Als Siegermacht des Weltkrieges fürchtete Frankreich durch ein neues, starkes Deutschland permanent einen Verlust seiner kontinentaleuropäischen Vormachtstellung und einhergehend damit eine mögliche Revanche durch das wirtschaftlich und infolgedessen möglicherweise auch militärisch wieder erstarkte Reich. Frankreich war von solch einer Revanche überzeugt. Nicht zu Unrecht, wenn man die nächsten 20 Jahre betrachtet. Darum bevorzugte Frankreich, Deutschland in der Rolle des ewigen Schuldners zu belassen, da man sich von einem abhängigen Deutschland keine zukünftigen Gefahren für die Republik ausrechnete. Des Weiteren strebte Frankreich eine über wirtschaftliche Interessen hinausgehende Politisierung der Reparationsfrage an; vor allem, um seine wirtschaftlichen und politischen Begehrlichkeiten im Rheinland und im Ruhrgebiet verwirklichen zu können. Der Konflikt mit Großbritannien bestand darin, dass der Regierung in London mehr an einem wirtschaftlich starken und politisch nicht in der Versenkung verschwundenen Deutschland gelegen war. Hierbei spielten vor allem nationale und internationale wirtschaftliche und politische Interessen eine große Rolle, welchen denen Frankreichs gegenüberstanden. Sollte durch ein wirtschaftlich starkes Deutschland sowohl die britische, als auch die gesamteuropäische Wirtschaft gestärkt und aus ihrer Nachkriegsdepression geführt werden, sollte durch ein politisch starkes, dabei aber keine hegemonialen Interessen verfolgendes Deutschland einen kontinentalen Gegenpart zu Frankreich bilden, welches selbst ebensolche kontinental-hegemonialen Interessen hegte.

3.3. Die interalliierten Schulden

Ein dritter wichtiger Punkt waren die interalliierten Schulden. Untereindander waren die Siegerstaaten in einem Schuldner- und Gläubigersystem vernetzt, an dessen Spitze die USA als Hauptgläubiger standen. Diese betrachteten die Kriegsanleihen, welche sie den europäischen kriegführenden Mächten gewährt hatten als simple Schulden, welche von den Nehmerländern mit Zins zurückgezahlt werden sollten un darauf bestanden sie schließlich. England, selbst sowohl große Schuldner- , als auch Gläubigernation, sollte die Hauptlast dieser Schuldenrückzahlungen tragen und fühlte sich daher benachteiligt. Die Balfour-Note, ursprünglich von Großbritannien an die USA gerichtet, beschäftigt sich mit dieser Schuldenproblematik.

4.Die Konferenzdiplomatie der Alliierten I

Als bedeutendster Konfliktpunkt zwischen der Entente und Deutschland in den frühen 20er Jahren sollte sich das Problem der Reparationen herausstellen. Hatte Deutschland mit der Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge die alleinige Kriegsschuld anerkannt, ging damit auch die Verpflichtung zur Leistung von Reparationen einher. Für diese Alliierten, vor allem Frankreich, kam nur „möglichst viel, möglichst bald“ in Frage. Der Zwist, der sich hierbei zwischen Deutschland und den Alliierten, aber auch zwischen den Alliierten selbst bildete, zieht sich wie ein roter Faden durch die folgenden Jahre.

4.1.Die Pariser Konferenz 1921

Im Januar 1921 wurde auf der Pariser Konferenz eine erste Gesamtforderung von, für Deutschland utopischen, 269 Milliarden Goldmark gefordert, welche binnen 42 Jahren abgetragen werden sollte – also theoretisch 6,4 Milliarden Goldmark pro Jahr. Die Aussicht auf Erfüllung musste die Alliierten angesichts der wirtschaftlichen Lage Deutschlands unmöglich erscheinen. Gerade Frankreich, welches die machtpolitischen Verhältnisse auf dem Kontinent zu seinen Gunsten entwickeln wollte, steckte hier in einem Konflikt: Einerseits beharrte es auf solch hohen Zahlungsforderungen, welche erst durch eine einigermaßen prosperierende Wirtschaft in Deutschland, eingehend mit einem erneuten wirtschafts- und außenpolitischen Machtzuwachs, möglich gewesen wären, wollte seinen Erzfeind andererseits gerade aus Angst vor solchen Entwicklungen auf Jahre hinaus niederhalten.

4.2.Die Londoner Konferenz von 1921 und ihre Folgen

Auf den Londoner Konferenzen vom März 1921 lehnte die durch Außenminister Simons vertretene Reichsregierung, nach einem Ultimatum, die Bedingungen binnen vier Tagen zu akzeptieren, diese aufgrund ihrer Unerfüllbarkeit ab. Gleichzeitig lehnten die Siegermächte die präsentierten Gegenvorschläge der deutschen Gesandtschaft ab. Nach Abbruch der Verhandlungen am 7. März traten die angekündigten Sanktionen in Kraft: Frankreich besetzte mit Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort drei Brückenköpfe am Rhein. Lloyd George, der Konflikte mit Frankreich bezüglich solcher Repressalien, welche den Anschein eines Teilerfolges Frankreichs für sein Ziel, das Rheinland zu separieren, vermeiden wollte, stimmte der Besetzung zu. Die Reparationskommission verringerte jedoch im April 1921 die Forderungen auf „nur“ noch 132 Milliarden Goldmark, welche sich folgendermaßen zusammensetzten: Zu einer Garantiesumme von 50 Milliarden Goldmark, welche effektiv mit 5 % zu verzinsen und mit 1 % zu tilgen war, kamen „hypothetische“ schwebende Schulden in Höhe von 82 Milliarden Goldmark, welche „…were largely a fiction and would probably never have to be paid…“[2].

[...]


[1] Möller, Horst,Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 21. Europa zwischen den Weltkriegen, München 1998, S. 1

[2] Doerr, Paul: British Foreign policy1919-1939, Manchester 1998, S. 59

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Deutschlandpolitik Großbritanniens bis 1925
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für neuere und Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Die auswärtigen Beziehungen des demokratischen Deutschlands, Weimarer Republik - Bundesrepublik Deutschland
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V93246
ISBN (eBook)
9783638066068
ISBN (Buch)
9783638952590
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschlandpolitik, Großbritanniens, Beziehungen, Deutschlands, Weimarer, Republik, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Magister Artium Christoph Huber (Autor), 2006, Die Deutschlandpolitik Großbritanniens bis 1925, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93246

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