Die Bedeutung von Weltanschauung, Wahrnehmung und Ideologie für das außenpolitische Handeln individueller Akteure


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Weltanschauung, Perzeption und Ideologie
2.1 Weltanschauung
2.2 Perzeption
2.3 Ideologie

3 Analyseebenen und theoretische Annahmen
3.1 Analyseebenen
3.2 Theorien
3.2.1 Rationale Akteure
3.2.2 operatives Umfeld

4 „Der Homo Psychologicus als Entscheidungsträger“

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Welt­anschauung und Ideologie für das außenpolitische Handeln indivi­dueller Akteure. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Weltan­schauung, die subjektive Wahrnehmung (Perzeption) der Welt, sowie eine bestimmte Ideologie das Rollenverständnis des Entscheidungsträ­gers als Einzelperson prägen und einen Einfluss auf deren Handlungen ausüben.

Um dies zu untersuchen, muss zunächst geklärt werden, was unter Per­zep­tion und Ideologie zu verstehen ist.

Danach werden die verschiedenen, das außenpolitische Handeln erklä­renden, Analyseebenen und theoretischen Annahmen kurz vorgestellt, um die individuellen und sozialpsychologischen Elemente im außenpoli­tischen Entscheidungsprozess[1] einordnen zu können. Danach wird die eigentliche Prämisse behandelt. Die Bedeutung von Weltanschauung und Ideologie in der Entscheidungsfindung eines individuellen Akteurs.

Das abschließende Fazit fasst die Hauptaussagen zusammen und führt die ver­schiedenen Stränge zu einem Gesamtbild zusammen.

Bevor nun die einzelnen Punkte diskutiert werden, bedarf es einer Erörterung ver­schiedener Grundbegriffe, um in der thematischen Auseinandersetzung die Ver­ständlichkeit sicherzustellen. Den elementaren Begriffen Perzeption und Ideologie ist das zweite Kapitel gewidmet. Voneinander abzugrenzen sind die Begriffe Außenpolitik, außenpolitischer Entscheidungsprozess, Internationale Politik und Internationale Beziehungen.

“Der Begriff der Außenpolitik bezieht sich auf die auf die internationale Umgebung gerichteten, seine Grenze nach außen überschreitenden Handlungen eines Akteurs.”[2]

Meistens wird mit einer Analyse der Außenpolitik auch eine Betrachtung des außenpolitischen Entscheidungsprozesses durchgeführt. Bei diesem Prozess werden die Bedingungen, unter welchen die grenzüberschreitenden Handlungen der Außenpolitik entstehen, untersucht.[3]

Abzugrenzen ist der Begriff Außenpolitik von dem Begriff der Internationalen Politik. Hierbei handelt sich um die “Interaktionsprozesse, die zwischen zwei oder mehr Akteuren in der internationalen Umgebung stattfinden.”[4]

Weitergefasst muss der Begriff der Internationalen Beziehungen werden, da er sich “auf alle grenzüberschreitenden Aktionen und Interaktionen, die zwischen den je unterschiedlichen definierbaren internationalen Akteuren … stattfinden können.”[5]

Kurz gesagt, ist die Außenpoltik eine Teilmenge der Internationalen Politik, die wiederum eine Teilmenge der internationalen Beziehungen bildet.[6]

Der zu untersuchende Bereich von Perzeption und Ideologie ist also in der Teilmenge der Teilmenge der Gesamtmenge – in der Außenpolitik angesiedelt.

2 Weltanschauung, Perzeption und Ideologie

2.1 Weltanschauung

Sämtliche Menschen verfügen, bewusst oder unbewusst über ein Da­seins- bzw. Weltverständnis. Dieses subjektive Verständnis beinhaltet „die aus vielen Teilelementen geformte Gesamtheit der Wissensinhalte, Sichtwei­sen, Wertungen und Bewertungsverfahren , durch die sich je­der Mensch selbst, seine unmittelbare Umwelt und die darüber hinaus­gehenden Existenzbedingungen seiner weiteren zwischenmenschli­chen und mate­riellen Umwelt versteht.“[7] Ohne ein solches Weltverständ­nis ist eine Daseins­orientierung und eine immer wieder­kehrende Motivierung und Ko­ordinierung menschlicher Aktions- und Reaktionsweisen nicht möglich.

Dabei verläuft die Wahrnehmung, die das sozio-politische Verhalten be­züglich des politisch-historischen Geschehens beeinflussen, im we­sentli­chen in drei Bereichen vonstatten:

„1. die Wahrnehmung von Daseinslage ihrer Gegenwart,

die rückblickende Deutung geschichtlicher Entwicklungen, aus denen u.a. die Entstehung der Gegenwart kausal erklärt wird, und

die prognostische Vision denkbarer Formen politischer Weiterentwick­lung in der unmittelbaren oder fernen Zukunft.“[8]

Der Begriff Weltverständnis zielt auf die unmittelbaren und wirklichen Vor­stellungsinhalte, die jeder von sich, seiner unmittelbaren Umwelt und von der Welt hat. Dieses Weltverständnis des Menschen übt in Bezug auf menschliches Verhalten eine dynamische und auch zentrale Steue­rungs­funktion aus. Dynamisch ist die Funktion, weil sie zum einen Ver­haltens­weisen bestimmt und zum anderen die Ergebnisse derselben verarbeiten und als neue Lebenserfahrung speichern kann. Für den Be­reich der Au­ßenpolitik sind vor allem historische und sozio-politische Kenntnisse und Bewertungsformen von Bedeutung. Das in diesen Strukturen angehäufte Wissen liefert mittels Analogiebildung wichtige Anhaltspunkte zur Entschei­dungsfindung.[9]

2.2 Perzeption

Ein wirklichkeitsbezogenes Verhalten ist durch Wahrnehmung (Perzep­tion) der Wirklichkeit bedingt. Diese Perzeptionen entstehen, „wenn von außen kommende Eindrücke oder Informationen vom Erkenntnissystem eines Menschen erfaßt werden.“[10] Zu unterscheiden sind unreflektierte Per­zeptio­nen und reflektierte bzw. bewusste Perzeptionen. Die unreflek­tierten (un­bewussten) Perzeptionen entsprechen einem ersten Ein­druck. Dieser Vor­gang geschieht in sekundenschnelle und ordnet die eingegan­genen Infor­mationen entsprechend dem eigenen Weltver­ständnis (s.o.) ein. Die be­wussten Perzeptionen sind ein Ergebnis ratio­naler Informati­onsverarbei­tung, die genau wie bei den unreflektierten Perzeptionen nach der eigenen Weltanschauung sortiert werden.[11] Wahr­nehmung ist ein selektiver Prozess, bei dem Signale aus der Um­welt auf Grund von bereits gespeicherten Informationen gedeutet wer­den. Darüber hinaus werden die Informationen herausgefiltert, die in der jeweiligen Situation dem Individuum wichtig erscheinen.[12]

Bei einer Verankerung der reflektierten Perzeptionen zu längerfristigen und einstellungsprägenden Erkenntniselementen , so spricht man von Vorstel­lungsbildern („images“) von bewusst wahrgenommenen Teilas­pekten der Wirklichkeit.“[13] Ein Image setzt sich aus drei Kategorien zu­sammen. Erstens , „aus den Werten, Zielen, Kriterien usw., die das In­dividuum seinen Entscheidungen zugrunde legt; (2) aus den Überzeu­gungen, die die möglichen Konsequenzen der alternativen Verhaltens­weisen beschreiben; (3) aus den möglichen Verhaltensweisen, die Al­ternativen eines Entscheidungsproblems sein können.“[14]

[...]


[1] Vgl., Haftendorn, Helga: Zur Theorie außenpolitischer Entscheidungsprozesse, in: PVS, Sonderheft 21/1990., S.413.

[2] Meyers, Reinhard: Weltpolitik in Grundbegriffen, Band 1 Ein lehr- und ideengeschichtlicher Grundriss, Düsseldorf 1979, S.201.

[3] Vgl., ebd.

[4] Vgl., ebd., S.202.

[5] Vgl., ebd., S.206.

[6] Vgl., ebd.

[7] Kindermann, Gottfried-Karl: Weltverständnis und Ideologie als Faktoren Auswärtiger Politik, in: Kindermann, Gottfried-Karl (Hrsg.), Grundelemte der Weltpolitik, München 1986, S.145.

[8] Ebd., S.145.

[9] Vgl., Ebd., S.146f.

[10] Ebd., S.147.

[11] Vgl., Ebd., S. 147.

[12] Vgl., Kirsch, Werner: Entscheidungsprozesse, Band 1: Verhaltenswissenschaftliche Ansätze der Enthscheidungstheorie, Wiesbaden 1970, S.81.

[13] Kindermann, Gottfried-Karl: Weltverständnis und Ideologie als Faktoren Auswärtiger Politik, in: Kindermann, Gottfried-Karl (Hrsg.), Grundelemte der Weltpolitik, München 1986, S.148.

Vgl. auch Boulding, Kenneth E.: The Image, Ann Arbor 1956.

[14] Kirsch, Werner: Entscheidungsprozesse, Band 1: Verhaltenswissenschaftliche Ansätze der Enthscheidungstheorie, Wiesbaden 1970, S.78.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Weltanschauung, Wahrnehmung und Ideologie für das außenpolitische Handeln individueller Akteure
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar: Theorie und Praxis außenpolitischer Entscheidungsprozesse: Amerikanische Außenpolitik seit 1990
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V9326
ISBN (eBook)
9783638160582
ISBN (Buch)
9783638640985
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Außenpolitik, Entscheidungsprozesse, außenpolitische Entscheidungsprozesse, Weltanschauung, Wahrnehmung, Perzeption, Ideologie, rationale Akteure, operatives Umfeld
Arbeit zitieren
Thomas Schauf (Autor), 2002, Die Bedeutung von Weltanschauung, Wahrnehmung und Ideologie für das außenpolitische Handeln individueller Akteure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9326

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