Hochschulbildung: Öffentliche oder private Finanzierung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Effizienzaspekte
2.1 Marktversagen
2.2 Bildungsinvestitionen vs. Einkommensteuer

3. Verteilungsaspekte
3.1 Empirische Untersuchungen zu den Verteilungswirkungen der öffentlichen Hochschulfinanzierung
3.1.1 Längsschnittanalyse vs. Querschnittanalyse
3.1.2 Die Nettotransferkalkulation
3.2 Die Hansen-Weisbrod-Pechman-Debatte – ihre Entstehung, ihre Folgen
3.2.1 Die Studie von Hansen und Weisbrod
3.2.2 Die Hansen-Weisbrod-Pechman-Debatte
3.2.3 Die Studie von Grüske
3.2.4 Die Studie von Sturn und Wohlfahrt
3.2.5 Die Studie von Barbaro

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als das Bundesverfassungsgericht im Januar 2005 das Verbot von Studiengebühren – eingeführt von der rot-grünen Regierungskoalition im April 2002 - aufhob, wurde die bis dato immer wieder geführte Diskussion um die Finanzierung der Hochschulausbildung erneut entfacht. Generelle Überlegungen wurden angestellt, ob Hochschüler weiterhin auf Staatskosten studieren dürfen oder ob sie sich an der Studienfinanzierung selbst zu beteiligen haben. Viele Bundesländer sprachen sich daraufhin für die Einführung von Studiengebühren beim Erststudium aus, darunter auch Nordrhein-Westfalen.

„In den unterschiedlichen Reaktionen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes sind sowohl verteilungspolitische als auch effizienzorientierte Erwägungen zum Ausdruck gekommen – auch wenn erstere zu dominieren scheinen.“[1] Aus der Verteilungsperspektive wird die Einführung von Gebühren entweder begrüßt, da nicht mehr nur die Besserverdienenden exklusiv profitieren; oder sie wird abgelehnt[2], weil einkommensschwache Gruppen von der Bildung ausgeschlossen werden.

Aus der Effizienzperspektive gibt es auch einige Gründe, die für oder gegen die öffentliche Bereitstellung der Hochschulbildung sprechen.

In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die Bildung als solche zu erwähnen. Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen des sonst rohstoffarmen Deutschlands; erhöhtes Humankapital[3] und ein damit einhergehendes erhöhtes Einkommensniveau sorgt laut OECD-Analysen für überproportionales Wirtschaftswachstum.[4] Dies zeigt sehr genau wie wichtig das Bildungssystem, speziell der tertiäre Bereich, für Deutschland und seine internationale Positionierung ist. Im Vergleich der Bildungsausgaben weltweit führender Industriestaaten belegt Deutschland einen der hinteren Ränge - nur 4,5% des BIP wurden im Jahre 2003 in die Bildung investiert, der OECD Durchschnitt lag hingegen bei 5,2%.[5]

Im Laufe dieser Arbeit werde ich zunächst die Effizienzaspekte der öffentlichen und der privaten Finanzierung des Hochschulstudiums beleuchten. Hierunter fallen speziell die effizienzpolitischen Argumente des Marktversagens wie positive externe Effekte der Hochschulbildung, imperfekte Kapitalmärkte für Bildungskredite sowie die fehlende Möglichkeit, sich durch Bildungskredite gegen Bildungsrisiken zu versichern. Auch das Argument, dass Hochschulbildung ein öffentliches Gut ist und so vom Staat zur Verfügung zu stellen sei, wird hierbei nicht außer Acht gelassen und kritisch hinterfragt. Die Steuereinflussfaktoren auf Bildungsinvestitionen finden ebenfalls Berücksichtigung.

Anschließend setze ich mich ausführlich mit den Verteilungsaspekten der Hochschulfinanzierung auseinander. Diese werden anhand empirischer Studien erörtert. Hierbei wird auf die Unterschiede zwischen einer Längsschnittanalyse und einer Querschnittanalyse der Perspektiven eingegangen, welche für das jeweilige Ergebnis von entscheidender Bedeutung sind.

Am Ende dieser Arbeit wird deutlich, dass es keine vertretbaren Gründe für eine ausschließlich öffentliche Kostenübernahme der Hochschulbildung gibt. Vertretbare Argumente gegen die (Wieder-) Einführung von Studiengebühren können ebenfalls nicht angeführt werden.

2. Effizienzaspekte

„Es gibt zahlreiche Belege für Ineffizienz und damit Verschwendung knapper Ressourcen im deutschen Hochschulsystem (…).“[6]

Aus genau diesem Grund ist es wichtig, die derzeitig finanzielle Situation der Hochschulbildung zu analysieren und aufzuzeigen, ob eine öffentliche Finanzierung sinnvoll bzw. nötig ist. Zuallererst ist hier zu prüfen, ob Marktversagenstatbestände vorliegen; des Weiteren ist zu prüfen, inwieweit Bildungsinvestitionen und Einkommenssteuern Staatstätigkeit im Hochschulsektor bedingen.

2.1 Marktversagen

Der Staat wird zum korrigierenden Eingriff bewegt, wenn ein unvollständiger privater Markt vorliegt, d. h. wenn Marktversagen diagnostiziert wird.[7] Durch die dem Staat zur Verfügung stehenden (Zwangs-) Mittel ist es ihm möglich, ein besseres/effizienteres Marktergebnis herbeizuführen.

Die Diskussion, ob Bildung ein öffentliches Gut und somit vom Staat bereit zu stellen ist, setzt die Begriffsdefinition eines öffentlichen Gutes voraus: ein solches Gut ist gekennzeichnet durch Nichtausschließbarkeit im Konsum und Nichtrivalität in der Nutzung.[8] In Bezug auf die Hochschulbildung ist eindeutig festzustellen, dass sowohl die Möglichkeit des Ausschlusses als auch die der Rivalität vorliegt. Somit ist Bildung kein rein öffentliches Gut[9] sondern prinzipiell ein privates Gut.[10]

Im Folgenden wird daher auf andere, oben bereits erwähnte, Marktversagenstatbestände eingegangen, die eine öffentliche Finanzierung des Staates rechtfertigen könnten.

Externe Effekte sind Auswirkungen von Handlungen eines Individuums, die sich auf andere Individuen auswirken und die nicht kompensiert werden.[11] Sie können sowohl in positiver Form (steigender Nutzen für Andere) als auch in negativer Form (sinkender Nutzen für Andere) vorliegen. Zumeist findet in der Literatur die Betrachtung der positiven externen Effekte Anwendung.

Auf die Bildung bezogene externe Effekte werden ebenfalls meist als positiv wahrgenommen.[12] Hingegen gibt es auch eine Vielzahl von Autoren, die anderer Meinung sind.[13]

Positive externe Effekte der Bildung liegen vor, wenn die daraus gewonnenen Erträge die Preise übersteigen, die auf privaten Märkten für die Leistung der Hochschulabsolventen gezahlt werden.[14]

Doch selbst wenn einige Hochschulstudiengänge positive externe Effekte hervorbringen, so ist dies kein ausreichender Grund für eine allgemein öffentliche Bereitstellung von Hochschulbildung[15] und widerspricht nicht der Einführung von Studiengebühren.

Unvollkommene Kapitalmärkte bei der Finanzierung von Hochschulbildung liegen vor, weil erzielbares Humankapital nicht als Kreditsicherheit gehandelt werden kann.[16] Den Studierenden aus einkommensschwachen Haushalten ist es so nicht möglich, ihr Studium vorzufinanzieren bzw. (komplett) selbst zu finanzieren. Daher sind Studenten aus unteren Einkommensklassen weniger häufig an den Hochschulen anzutreffen als solche aus höheren Einkommensklassen. Ein ausschlaggebender Faktor für diese Tatsache ist, dass schon während der gesamten Kindheit die Grundeinstellung/-fähigkeit erzeugt wird von einem Hochschulstudium zu profitieren. Es kann daher zwischen langfristigen und kurzfristigen Liquiditätsbeschränkungen unterschieden werden. Während - wie oben beschrieben - langfristige Liquiditätsbeschränkungen kaum behoben werden können, so können die kurzfristigen Effekte jedoch durch eine öffentliche Bereitstellung der Hochschulbildung nahezu unwirksam gemacht werden.[17]

Somit sind auch unvollkommene Kapitalmärkte kein hinreichender Grund für die öffentliche Finanzierung des Hochschulsektors; ausreichend wären wohl vom Staat zur Verfügung gestellte Bildungsdarlehen.[18]

Bildungskredite - gezahlt bzw. gefördert durch den Staat - können helfen, Ausbildungsrisiken zu reduzieren und dementsprechend mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien zum Studium zu bewegen. Sie würden eine Art staatliche Versicherung[19] für den Einzelnen bedeuten, denn auf privaten Versicherungsmärkten existieren sie in dieser Form nicht. Hierbei ist allerdings darauf zu verweisen, dass die Studierenden selbst einen Teil des Risikos tragen müssen, denn die Bildungsrenditen sind völlig ungewiss. Vor Beginn eines Hochschulstudiums ist weder sicher wie, noch ob das Studium beendet wird. Eine erfolgsabhängige Beteiligung der Studierenden bei der Finanzierung des Hochschulbesuchs – durch eine erfolgseinkommensabhängige Kredittilgung[20] - würde dieses Problem zumindest entschärfen (siehe Australien und dessen HECS[21] seit dem Jahre 1989). Eine andere Möglichkeit der Zurückzahlung wäre z. B. die der erfolgsorientierten Studiengebühren.

An dieser Stelle ist ebenfalls zu bilanzieren, dass auch das Ausbildungsrisiko nicht für eine rein staatliche/öffentliche Finanzierung der Hochschulbildung spricht. Eine sicherlich sinnvolle Möglichkeit wäre das staatliche Angebot von Bildungskrediten bzw. Bildungsdarlehen als eine Art Versicherungslösung für die Finanzierung von Studiengebühren.

Die untersuchten Marktversagenstatbestände rechtfertigen also keine rein öffentliche Finanzierung des Hochschulsystems. Es wäre durchaus denkbar das Studium durch Studiengebühren oder eine andere Art von privater Beteiligung an den Kosten zu finanzieren.

2.2 Bildungsinvestitionen vs. Einkommensteuer

Die ‚zukünftigen Studierenden’ stehen vor der Entscheidung, ein Hochschulstudium zu beginnen oder direkt in das Arbeitsleben überzugehen. Bei dieser Überlegung spielt eine Vielzahl von Ängsten eine Rolle. Abgesehen von einer nicht existierenden Arbeitsplatz-Garantie nach dem Studium, dem bereits erwähnten Scheitern des Studiums und der Finanzierungsproblematik spielen noch weitere Sorgen mit.

[...]


[1] Kupferschmidt/Wigger 2006, S.285

[2] Vgl. Ehmann 2001, S.73 f.

[3] Vgl. Becker 2002, S.256 und Sturn/Wohlfahrt 1999, S.362

[4] Vgl. OECD 2006, S.6 und Bodenhöfer/Riedel 1998, S.11ff.

[5] Vgl. OECD 2003, S.227 und Konegen-Grenier 2003, S.219

[6] Grüske 1997, S.284 und vgl. Dohmen 1997, S.291

[7] Vgl. Bätzel 2003, S.34

[8] Vgl. Pechar 2004, S.48 ff. und Nagel 2003, S.11

[9] Vgl. Stiglitz 1989, S.386 und Bätzel 2003, S.37

[10] Vgl. Klös/Plünnecke 2003, S.28

[11] Vgl. Nagel 2003, S.10 und Dohmen 1999, S.122

[12] Vgl. Kupferschmidt/Wigger 2006, S.287 und Bätzel 2003, S.41

[13] Vgl. Dohmen 1999, S.122

[14] Vgl. Kupferschmidt/Wigger 2006, S.287

[15] Vgl. Wigger 2004, S.216

[16] Vgl. Wigger/von Weizsäcker 1998, S.126

[17] Vgl. Kupferschmidt/Wigger 2006, S.289

[18] Vgl. Wigger 2004, S.216

[19] Vgl. Wigger/von Weizsäcker 1998, S.143

[20] Vgl. Schwirten 1999, S.2

[21] HECS: Higher Education Contribution Scheme

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Hochschulbildung: Öffentliche oder private Finanzierung?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Mercator School of Management)
Veranstaltung
Bildungsökonomik
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V93263
ISBN (eBook)
9783638066341
ISBN (Buch)
9783638953054
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochschulbildung, Finanzierung, Bildungsökonomik
Arbeit zitieren
Steffen Meyer-Feldmann (Autor), 2007, Hochschulbildung: Öffentliche oder private Finanzierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93263

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