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Massenmediale Realität

Massenmedien als Funktionssystem innerhalb der Systemtheorie Niklas Luhmanns

Title: Massenmediale Realität

Seminar Paper , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Kazmierski (Author)

Sociology - Media, Art, Music
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„Die Behauptung ist nicht übertrieben, dass unter den Instrumenten, welche gegenwärtig zur Verfügung stehen, das Fernsehen ebenso entscheidend für die Zukunft sein kann wie die Nuklearbombe oder der Computer“ (Flusser, 2005, S. 103).
Für Vilém Flusser bedeutete das Fernsehen in erster Linie eine ethische, ästhetische und intellektuelle Herausforderung, nicht zuletzt aufgrund seiner vermeintlichen Fähigkeit Menschen in ihren Einstellungen beeinflussen zu können. Anschließend an diese populäre Kritik massenmedialer Manipulation, vermeint Pierre Bourdieu in den Strukturen des Fernsehens selbst die Aushöhlungen des Politdiskurses zu entdecken, und damit einhergehend die zwangsläufige „Verdummung“ des Publikums, welches sich bereitwillig seinem auferlegten Schicksal fügt (Bourdieu, 1998).
Allen Annahmen in dieser Richtung liegt der Vorwurf der Propaganda und Manipulation zugrunde. Fernsehen wird, aufgrund der Möglichkeit unzählige Adressaten zu erreichen, definiert als Maschine, die missbraucht werden kann. Sei es durch Werbung, und damit verbundenen Wirtschaftsinteressen, sei es durch Politik, welche das Fernsehen als Instrument zur Verbreitung von Programmen verwendet, um auf Wählerfang zu gehen.
Dass Fernsehen auch zu Manipulationszwecken verwendet wird, würde Niklas Luhmann nicht leugnen. Aber fernab von ethischen Diskussionen, interessiert sich Luhmann für die Frage, inwiefern eine Gesellschaft dazu kommt einen Teil ihrer Selbstbeschreibung über das Funktionssystem der Massenmedien anfertigen zu lassen, während er den Manipulationsverdacht als systeminhärent, und damit als innerhalb des Funktionssystems verhandel-, aber nicht lösbar, bezeichnet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. MASSENMEDIEN BEI NIKLAS LUHMANN

2.1 THEORIE OPERATIV GESCHLOSSENER SYSTEME

2.2 MASSENMEDIEN ALS FUNKTIONSSYSTEM

2.3 NACHRICHTEN UND BERICHTE

2.4 FUNKTIONEN DER MASSENMEDIEN

3. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die theoretische Perspektive von Niklas Luhmann auf Massenmedien als eigenständiges Funktionssystem innerhalb der modernen Gesellschaft systematisch darzulegen und den Manipulationsverdacht als systeminhärentes Phänomen zu analysieren.

  • Systemtheoretische Grundlagen operativ geschlossener Systeme
  • Die Rolle der Massenmedien als ausdifferenziertes Funktionssystem
  • Selektionskriterien für Nachrichten und Berichte
  • Die Funktion der Massenmedien zur Erzeugung gesellschaftlicher Irritation
  • Das Verhältnis von Realitätskonstruktion und Systemautonomie

Auszug aus dem Buch

2.3 NACHRICHTEN UND BERICHTE

Jedes Funktionssystem ist gezwungen zu selektieren. Dazu Luhmann: „Vielmehr werden durch Ausdifferenzierung, Brechung der externen Determination und operative Schließung intern Überschüsse an Kommunikationsmöglichkeiten, also so hohe Freiheitsgrade geschaffen, die zur Folge haben, dass das System sich selbst Beschränkungen auferlegen muss – und kann!“ (Luhmann, 2004, S.57).

Für den Programmbereich der Nachrichten und Berichte unterscheidet Luhmann zehn Selektionskriterien. Grundsätzlich gilt, dass jede Information überraschend und neu sein muss, da sie sonst nicht informativ ist. Dementsprechend müssen Massenmedien die evolutionäre Unwahrscheinlichkeit überwinden, dass es auch in der Zukunft Berichtenswertes gibt, sie müssen tagtäglich agieren, und die Binärcodierung von Information / Nicht - Information immer wieder erneut mit Leben füllen (Luhmann, 2004, S.58). Daher ist das Prinzip der Selektion, „dass diese Erfordernisse für Zwecke der Massenmedien verstärkt werden, also auch mehr auf leichte Verständlichkeit der Information für möglichst breite Empfängerkreise geachtet werden muss“ (Luhmann, 2004, S.58).

Folgende Selektionskriterien unterscheidet Luhmann:

Jegliche Information muss neu sein. Sie muss mit bestehenden Erwartungen brechen. Bezieht sie sich auf vertraute Kontexte, können Serienproduktionen entstehen, so bei Sportereignissen, wo die gegebene Information auf den Kontexten der Vergangenheit aufbaut. „Überraschungen und Standardisierungen steigern sich aneinander, um Informationswerte zu erzeugen“ (Luhmann, 2004, S.59).

Konflikte sind ebenso ein Kriterium, da sie Ungewissheiten provozieren. Die Entscheidung, wer den Konflikt auflöst, wird auf die Zukunft vertagt, gleichzeitig ein Kontext geschaffen, über den auch in der Zukunft noch berichtet werden kann (Luhmann, 2004, S.59)

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die medienkritischen Diskurse von Flusser und Bourdieu ein und grenzt Luhmanns systemtheoretische Perspektive, die Manipulation als systeminhärent begreift, davon ab.

2. MASSENMEDIEN BEI NIKLAS LUHMANN: Dieses Kapitel erläutert die systemtheoretischen Grundlagen, wie die operative Geschlossenheit und die funktionale Differenzierung, um Massenmedien als autopoietisches System zu verorten.

2.1 THEORIE OPERATIV GESCHLOSSENER SYSTEME: Hier werden die Grundprinzipien der modernen Gesellschaft als Ensemble horizontal nebeneinanderstehender Funktionssysteme dargelegt, die über binäre Codes und Programme agieren.

2.2 MASSENMEDIEN ALS FUNKTIONSSYSTEM: Dieses Kapitel beschreibt den Aufbau der Massenmedien als System, das durch technische Vervielfältigung Kommunikation ohne Interaktion unter Anwesenden ermöglicht.

2.3 NACHRICHTEN UND BERICHTE: Es werden die von Luhmann identifizierten Selektionskriterien analysiert, die notwendig sind, um den binären Code von Information und Nicht-Information laufend zu bestätigen.

2.4 FUNKTIONEN DER MASSENMEDIEN: Das Kapitel erörtert die zentrale Leistung des Systems, die Gesellschaft durch die ständige Erzeugung und Verarbeitung von Irritationen „wach“ zu halten.

3. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Massenmedien als nützliches Werkzeug der Gesellschaft fungieren, dessen Manipulationspotential als zwangsläufige Folge ihrer operativen Logik zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Massenmedien, Funktionssystem, Operative Geschlossenheit, Kommunikation, Information, Nicht-Information, Selektion, Realitätskonstruktion, Autopoiesis, System-Umwelt-Differenz, Strukturelle Kopplung, Binärcodierung, Irritation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Beschreibung der Massenmedien als eigenständiges Funktionssystem innerhalb der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die operative Geschlossenheit von Systemen, die spezifische Binärcodierung der Massenmedien sowie deren Funktion bei der gesellschaftlichen Konstruktion von Realität.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, Luhmanns theoretische Herleitung der Massenmedien zu rekonstruieren und zu klären, wie das System Realität produziert, ohne dabei auf externen Manipulationsabsichten zu basieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse von Luhmanns zentralen Werken, ergänzt durch systemtheoretische Sekundärliteratur.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Systemtheorie, die spezifische Funktionsweise der Massenmedien, die Selektionskriterien für Nachrichten und die gesellschaftliche Rolle der Irritationserzeugung.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie System-Umwelt-Differenz, Autopoiesis, Information/Nicht-Information und strukturelle Kopplung maßgeblich geprägt.

Warum betrachtet Luhmann Massenmedien nicht als bloße Manipulationsinstrumente?

Für Luhmann ist der Manipulationsverdacht systeminhärent und unvermeidbar, da jede Kommunikation selektiv ist; er betrachtet das System eher als nützliches Werkzeug zur Selbstbeschreibung der Gesellschaft.

Welche Rolle spielt die Zeit bei der Selektion von Informationen in den Medien?

Die Zeit ist entscheidend, da Massenmedien ständig neue, überraschende Informationen generieren müssen, die durch die Zeitablauf-Dynamik schnell wieder zur „Nicht-Information“ werden, was das System zu ständiger Aktivität zwingt.

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Details

Title
Massenmediale Realität
Subtitle
Massenmedien als Funktionssystem innerhalb der Systemtheorie Niklas Luhmanns
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft, Sektion für Sozialpsychologie)
Course
Sozialtheorie I
Grade
1,0
Author
Michael Kazmierski (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V93276
ISBN (eBook)
9783640131679
ISBN (Book)
9783640136896
Language
German
Tags
Massenmediale Realität Sozialtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Kazmierski (Author), 2008, Massenmediale Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93276
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