Einführung des Klassenrats in der zweiten Klasse einer Grundschule


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie des Klassenrats in der Literatur
2.1. Argumente für den Klassenrat
2.2. Ablauf einer Klassenratssitzung
2.3. Rolle der Lehrkraft

3. Die Praxis des Klassenrats in der zweiten Klasse der Grundschule XY

4. Die Reflexion des Klassenrats
4.1. Reflexion der Schülerinnen und Schüler
4.2. Reflexion der durchführenden Lehrkraft
4.3. Reflexion meiner Rolle als durchführende Lehrkraft

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Schule hat die Aufgabe, junge Menschen zu selbstverantwortlichem und demokratischem Handeln in der Gesellschaft zu befähigen“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2019, Seite 3).

Daher müssen im unterrichtlichen Alltag die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gefördert werden, die für das Zusammenleben in einer Demokratie von wesentlicher Bedeutung sind: „mittels Entscheidungen das öffentliche Zusammenleben von Menschen in einer Gesellschaft zu regeln und gemeinsame Probleme unter Berücksichtigung des Gemeinwohls und der demokratischen Ordnung zu lösen“ (Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts 2013, Seite 28).

Innerhalb dieses Aufgabenfeldes nimmt das Fach Sachunterricht eine zentrale Stellung ein, denn laut dem vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport herausgegebenen Leitfaden Demokratiebildung gibt es eine erhebliche Schnittmenge zwischen den Inhalten des Fachs Sachunterricht und den Ansätzen der Demokratiebildung (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2019, Seite 39). Die „konsequente Einführung und regelmäßige Durchführung eines Klassenrats zu relevanten Themen und Konflikten für die Schülerinnen und Schüler“ (ebd.) ist eine daraus explizit zu entnehmende Anregung, um Demokratiebildung im Sachunterricht erfahrbar und vor allem auch vermittelbar zu machen. Dieser Impuls legitimiert den Klassenrat als festen Bestandteil des Sachunterrichts.

Die vorliegende Hausarbeit thematisiert die Etablierung des Klassenrats in der zweiten Klasse der Grundschule XY. Aufgrund seiner wesentlichen Stellung im Rahmen des Kompetenzerwerbs im Bereich der demokratischen Bildung soll diese pädagogische Auseinandersetzung dazu beitragen, das Konzept des Klassenrats zu verstehen, die praktische Umsetzung des Klassenrats zu erfassen und diese letztendlich zu reflektieren. Diese Zielsetzungen entsprechen dabei auch dem Verlauf der Arbeit, die mit einem Gesamtfazit und möglichen Konsequenzen und Folgen abschließt.

2. Die Theorie des Klassenrats in der Literatur

In diesem Kapitel werden sowohl die Chancen als auch die Grenzen des demokratischen Elements Klassenrat aufgezeigt und es werden der exemplarische Verlauf einer Klassenratssitzung und die Rolle der Lehrkraft dargestellt.

2.1. Argumente für den Klassenrat

Die Hauptintension des Klassenrates ist, die Partizipation der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen und ein pädagogisches Instrument einzuführen, mit Hilfe dessen alle wesentlichen Fragen des Zusammenlebens demokratisch entschieden werden, mit Hilfe dessen unterschiedliche Vorstellungen diskutiert werden und mit Hilfe dessen Konflikte besprochen und gelöst werden (vgl. Friedrichs 20142, Seite 14). Daraus können laut Birte Friedrichs verschiedene Argumente für den Klassenrat abgeleitet werden, von denen drei im Folgenden näher dargestellt werden (vgl. ebd., Seite 14 ff.).

Erziehung zur Demokratiefähigkeit: Im Klassenrat ist es notwendig, dass die Kinder ihre Meinung äußern, denn dadurch können sie sich an der unmittelbaren Gestaltung des unterrichtlichen Alltags und des Schullebens beteiligen. Desweitern lernen die Schülerinnen und Schüler, die Meinungen ihrer Klassenkameraden zu respektieren und zu tolerieren und entwickeln damit eine Bereitschaft zur Akzeptanz von Vielfalt (vgl. ebd., Seite 14 f.).

Förderung eines guten Klassenklimas: Der Klassenrat stellt einen geschützten Rahmen dar, in welchem die Kinder Probleme ansprechen können, die dann im Plenum lösungsorientiert diskutiert werden können. Durch diese gemeinschaftlichen Gespräche gelingt es ihnen auch, sich in ihre Mitschülerinnen und Mitschüler hineinzuversetzen und dadurch sowohl ihr Einfühlungsvermögen als auch ihre Empathiefähigkeit zu stärken (vgl. ebd., Seite 15).

Entlastung des Fachunterrichts: Dadurch dass zwischenmenschliche Konflikte zeitlich verschoben werden und deren Besprechung und Lösung innerhalb des curricularen Gefüges einen festen Platz einnehmen, wird der Fachunterricht entlastet (vgl. ebd., Seite 16.), da mehr Zeit für die unterrichtlichen Fachinhalte bleibt.

Der Klassenrat als fester und vor allem regelmäßiger Bestandteil des Sachunterrichts bringt also einige positive Aspekte mit sich und es gibt entscheidende Argumente für die Etablierung dieses pädagogischen Instruments. Allerdings hat auch der Klassenrat Grenzen.

Schülerinnen und Schüler, die familiäre oder psychische Probleme haben, bedürfen besonderer Zuwendung. Ob der Klassenrat in solchen Fällen der passende Rahmen für die Klärung eines zwischenmenschlichen Problems ist, sollte die durchführende Lehrkraft individuell prüfen. Auch in Bezug auf systematische Ausgrenzung und Mobbing sollte ist besondere Vorsicht geboten und gegebenenfalls sollte auf außerschulische Experten zurückgegriffen werden (vgl. Friedrichs 20142, Seite 16 f.).

2.2. Ablauf einer Klassenratssitzung

Der Ablauf einer Klassenratssitzung wird hier exemplarisch auf Basis der Literatur beschrieben. Im dritten Kapitel wird dieses Beispiel dann mit dem tatsächlichen Verlauf des Klassenrates in der zweiten Klasse der Grundschule XY verglichen.

Strukturen des Klassenrats: Für den Klassenrat gibt es innerhalb der Woche eine feste Stunde. Die Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Stuhlkreis. Es sollte mindestens eine Schulstunde dafür eingeplant werden und im Idealfall besteht die Möglichkeit, die Klassenratssitzung bei Bedarf zu verlängern. Es sollten feste Regeln und Strukturen gelten, die aber im Laufe des Schuljahres angepasst und weiterentwickelt werden können (vgl. Giese, Schmermund und Haufe 2004, Seite 2).

Der Beginn des Klassenrates: Eine Schülerin oder ein Schüler übernehmen die Leitung des Klassenrats. Der Vorsitzende führt durch die Tagesordnungspunkte, leitet die Diskussion und erteilt das Wort. Diese Aufgabe ist sehr anspruchsvoll und bedarf einiger Übung. Deshalb muss die Lehrkraft hier je nach Alter und Erfahrung der Kinder mehr oder weniger Unterstützung anbieten und deshalb gibt es meistens zwei Vorsitzende oder einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter (vgl. Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogigk 2018, Seite 17). Der oder die Vorsitzende eröffnet den Klassenrat mit einer festgelegten und ritualisierten Begrüßung.

Positivrunde: Zu Beginn des Klassenrats erfolgt zuerst die Positivrunde, in welcher jede Schülerin und jeder Schüler einen positiven Beitrag leistet, beispielsweise was oder wer ihr oder ihm in der letzten Woche besonders positiv aufgefallen ist. Diese positive Runde schafft ein angenehmes Arbeitsklima und stärkt das Gemeinschaftsgefühl und das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Klasse (vgl. Giese, Schmermund und Haufe 2004, Seite 3).

Überprüfung der Vereinbarungen: In einer zweiten Runde liest der oder die Vorsitzende das Protokoll der letzten Woche vor. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob sich die Absprachen bewährt haben oder ob ein Thema erneut besprochen werden muss (vgl. Friedrichs 20142, Seite 19).

Vergabe der Ämter: Daran anknüpfend werden dann noch die weiteren Ämter vergeben, die für den Klassenrat benötigt werden. Dies kann entweder in einer festgelegten Reihenfolge oder durch selbständige Weitergabe erfolgen (vgl. ebd., Seite 20). Der Zeitwächter achtet auf den Zeitplan. Der Protokollant hält die Themen, Aufgaben und Ergebnisse einer Sitzung fest und erstellt ein gesamtes Protokoll der Sitzung. Je nach Schreibfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler kann an dieser Stelle die Unterstützung der durchführenden Lehrkraft unabdingbar sein. Der Regelwächter achtet darauf, dass die vereinbarten Regeln eingehalten werden und ahndet Regelverstöße. Dafür ist es notwendig, dass die Klasse gemeinsame Verfahrensweisen für Regelverstöße festgelegt (vgl. Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogigk 2018, Seite 17).

Tagesordnungspunkte festlegen: Es bietet sich an, die Tagesordnungspunkte in Form eines Plakates (Wandzeitung), eines Buchs oder einer Liste zu sammeln. Dabei sollte das Medium in verschiedene Kategorien, wie ich kritisiere ( Kritik ), ich finde gut (Lob) und ich wünsche mir (Wünsche) unterteilt sein. Die Eintragungen sollten in der Ich-Form erfolgen und mit Namen versehen werden. Der oder die Vorsitzende liest die Tagesordnungspunkte der aktuellen Klassenratssitzung vor und legt gemeinsam mit der gesamten Klasse die Tagesordnung fest. Je nach Umfang und Wichtigkeit können die verschiedenen Unterpunkte zeitlich begrenzt werden (vgl. Giese, Schmermund und Haufe 2004, Seite 3).

Besprechung der Tagesordnungspunkte: Grundsätzlich können alle Themen im Klassenrat diskutiert werden, die die Schülerinnen und Schüler betreffen, belasten oder interessieren.

Kritik: Wenn Konflikte besprochen werden, ist es besonders bedeutsam, dass diese konstruktiv und lösungsorientiert behandelt werden. An dieser Stelle soll das Modell von Birte Friedrichs exemplarisch dargestellt werden (vgl. Friedrichs 20142, Seite 44 ff.). Im Klassenrat gilt es, zunächst herauszufinden, worin das Problem besteht und wie es zu diesem Konflikt gekommen ist. Die Partei, die das Problem eingebracht hat, bekommt zuerst die Möglichkeit, sich zu äußern, bevor daran anschließend die betroffene Partei das Rederecht erhält. Auch alle anderen Mitschülerinnen und Mitschüler dürfen ihre Wahrnehmungen einbringen, um den Konflikt zu klären.

In einem zweiten Schritt werden mögliche Lösungsvorschläge gesammelt und beide Konfliktpartner können diese Lösungsvorschläge dann bewerten. Am Ende des Konflikts sollte in jedem Fall eine Lösung stehen, die für beide Parteien akzeptabel ist. Die Lösung wird dann im Protokoll festgehalten und kann aber auch, wenn sie von besonderer Bedeutung ist, zusätzlich von den beiden Konfliktparteien unterschrieben werden. In der folgenden Klassenratssitzung sollte die schriftlich fixierte Lösung dann nochmals aufgegriffen und hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit bewertet werden (vgl. ebd.).

Wünsche: Die Kategorie Wünsche bietet eine echte Chance, um die Schülerinnen und Schüler wirklich an der Gestaltung des Zusammenlebens teilhaben zu lassen und Partizipation zu leben (vgl. Friedrichs 20142, Seite 49).

Lob: Positives Verhalten und die Verbalisierung dessen muss von Schülerinnen und Schülern gelernt werden. Diese Unterkategorie führt dann dazu, dass Kinder positive Aspekte des Zusammenlebens aufmerksamer wahrnehmen und dieses auch honorieren (vgl. ebd., Seite 42).

Ende des Klassenrats: Wenn alle Themen besprochen wurden, wird der Klassenrat in einer festgelegten und ritualisierten Verabschiedung beendet (vgl. ebd., Seite 22).

Der Ablauf einer Klassenratssitzung muss selbstverständlich an die individuelle Klassensituation angepasst werden und variiert demnach in der Praxis. Bevor die praktische Umsetzung in der zweiten Klasse der Grundschule XY dargestellt wird, soll an dieser Stelle noch die Rolle der Lehrkraft aufgezeigt werden.

2.3. Rolle der Lehrkraft

Alle Teilnehmer im Klassenrat sind gleichberechtigt, was für die Lehrkraft eine veränderte Rolle bedeutet, die maximale Gleichberechtigung anstrebt (vgl. Giese, Schmermund und Haufe 2004, Seite 5). Dennoch hat die Lehrperson die Aufgabe, Kompetenzen zu vermitteln, Rollen und Aufgaben einzuführen und die Schülerinnen und Schüler bei deren Umsetzung zu unterstützen und sie muss letztendlich auch die Verantwortung für den Umgang der Kinder untereinander übernehmen (vgl. ebd.).

Die Haltung der Pädagoginnen und Pädagogen und deren Reflexion ist ein entscheidendes Kriterium für das Gelingen des Klassenrates. Um den Schülerinnen und Schüler das Erlernen der Verantwortlichkeiten zu ermöglichen, muss die Lehrkraft nacheinander in vier verschiedene Rollen schlüpfen (vgl. Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogigk 2018, Seite 23):

Modeling: Die Lehrkraft selbst hält sich an die vereinbarten Regeln und dient den Schülerinnen und Schüler als positives Vorbild.

Coaching: Die Lehrkraft gibt einzelnen Schülerinnen und Schülern ein kurzes Feedback über ihr Verhalten im Klassenrat oder die Erfüllung der zugewiesenen Aufgabe und analysiert somit deren Kompetenzen.

Scaffolding: Die Lehrkraft bietet ihren Schülerinnen und Schüler ein im Idealfall visualisiertes Gerüst für die Durchführung des Klassenrates.

Fading: Die Lehrkraft nimmt als gleichberechtigtes Mitglied an der Klassenratssitzung teil und übergibt die Verantwortlichkeit, wenn möglich, immer mehr in die Hände der Schülerinnen und Schüler.

Der Klassenrat kann also auch für die Lehrkraft selbst ein Lernfeld darstellen, da sie ihre Rolle finden und entsprechend einhalten muss (vgl. Friedrichs 20142, Seite 34 f.).

Die wesentlichen theoretischen Aspekte des Klassenrats wurden nun mit Hilfe wissenschaftlicher Literatur skizziert und erläutert. Im folgenden dritten Kapitel sollen diese nun der tatsächlichen Umsetzung des Klassenrats in der zweiten Klasse der Grundschule XY gegenübergestellt werden, um so abschließend in Kapitel vier zu einer Reflexion der pädagogischen Praxis zu gelangen.

3. Die Praxis des Klassenrats in der zweiten Klasse der Grundschule XY

An der Grundschule XY ist der Klassenrat ein fester und wiederkehrender Bestandteil des Sachunterrichts, der klassenübergreifend ab der ersten Jahrgangsstufe durchgeführt wird. Die Schülerinnen und Schüler sind mit dem Konzept also von Anfang an vertraut, allerdings kommen in jedem Schuljahr altersangemessene weitere Aufgaben hinzu, die nach und nach selbständig von den Kindern übernommen werden.

Strukturen des Klassenrats: In der zweiten Klasse findet der Klassenrat immer freitags statt und zwar immer in der zweiten oder dritten Stunde. Diese Zeit wurde gewählt, da die Schülerinnen und Schüler in der fünften Stunde größere Konzentrationsprobleme haben und es ihnen deutlich schwerer fällt, sich an die vereinbarten Regeln zu halten. Außerdem besteht so die Möglichkeit, die Klassenratssitzung im Bedarfsfall zu verlängern. Es gelten die gemeinsam vereinbarten Klassenregeln, die auch im Fach- oder Klassenlehrerunterricht gelten. Während des Klassenrats sitzen die Schülerinnen und Schüler in einem Stuhlkreis. Die einzelnen Abschnitte sind durch Kärtchen an der Tafel visualisiert und werden durch Zeitangaben transparent gemacht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Einführung des Klassenrats in der zweiten Klasse einer Grundschule
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V932813
ISBN (eBook)
9783346260208
ISBN (Buch)
9783346260215
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praxis Klassenrat Sachunterricht Einführung Organisation
Arbeit zitieren
Christina Kienlen (Autor), 2020, Einführung des Klassenrats in der zweiten Klasse einer Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932813

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