Ein Fall für Freud? Eine psychoanalytische Interpretation von Kleists Novelle "Die Marquise von O..."


Facharbeit (Schule), 2019

16 Seiten, Note: 12 Punkte/ 2+

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Deckblatt

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Freud’sche Theorie

Kurze Zusammenfassung der Novelle „Die Marquise von O“

Die psychoanalytische Interpretation des „Graf F“

Die psychoanalytische Interpretation der „Marquise von O“

Fazit

Literaturverzeichnis

Quellen

Einleitung

In der folgenden Facharbeit wird eine psychoanalytische Interpretation der Marquise und des Grafen aus der Novelle „Die Marquise von O…“ gemacht. Diese Analyse bezieht sich im Wesentlichen auf das von Sigmund Freud entwickelte „Instanzenmodell“, auf die „Marquise von O…“und den „Grafen von F…“. Zunächst möchte ich allerdings erläutern warum ich dieses Thema gewählt habe. Es gibt mehrere Aspekte, die mich an diesem Thema interessieren. Zunächst ist es das Instanzenmodell von Sigmund Freud das ich bereits aus dem Philosophie Unterricht kenne. Auch wenn das Modell schon etwas älter ist, scheint es mir immer noch von Relevanz zu sein. Da ich überlege Psychologie zu studieren, interessiert mich dieses Thema ganz grundsätzlich. Ich werde nun kurz die Vorgehensweise erklären. Ich starte damit die Theorie von Freud zu erläutern und danach fasse ich die Novelle kurz zusammen. Daraufhin analysiere ich die beiden Hauptpersonen „Der Graf von F…“ anhand von zwei Textstellen und „Die Marquise von O…“, ob sie Unschuldig ist oder nicht und anhand einer weiteren Textstelle. Schlussendlich werde ich noch mein Fazit zu der Facharbeit ziehen.

Freud’sche Theorie

Zunächst möchte ich die Theorie von Sigmund Freud erläutern. Obwohl dieses Modell bereits 97 Jahre alt ist, ist es immer noch aktuell. In vielen Bereichen kommt dieses Modell noch immer zur Anwendung, zum Beispiel in der Psychologie. Freud ist der Meinung, dass es drei Instanzen der Seele gibt: Das „Es“, das „Ich“ und das „Über-Ich“. Unser Handeln wird aber aus dem Abwiegen zweier Instanzen entschieden, dem „Es“ und dem „Über-Ich“. Diese beiden Instanzen haben unsere Persönlichkeit geformt, also unser „Ich“ wie es heute ist. Zuerst möchte ich diese drei Instanzen einmal erklären und diese danach vertiefen. Die erste Instanz ist das „Es“. Dieses „Es“ haben wir bereits von Geburt an. Es ist also angeboren. Zudem findet sich im „Es“ das Verdrängte wieder. Unser ursprüngliches „Es“ entspricht im Wesentlichen den körperlichen Trieben. Allerdings erfährt dieses „Es“ auch im Laufe der Zeit eine Veränderung durch die Außenwelt. Beim „Es“ handelt es sich zum Großteil um unbewusste Prozesse. Das „Es“ hat starken Einfluss auf die Lebensansichten einer Person. Die körperlichen Triebe, welche Freud dem „Es“ zuordnet, sind seiner Ansicht nach überwiegend sexuelle Triebe. Das „Es“ umfasst aber auch lebensnotwendige Triebe, wie den Fluchttrieb, oder ganz allgemein: Lebenserhaltungstriebe. Dazu zählt es allerdings auch die Aggression. Das „Es“ zielt also kurz zusammengefasst darauf ab, eine schnelle Befriedigung der Bedürfnisse zu erlangen.1 2 Zudem ist das „Es“ impulsgesteuert. Das „Ich“ sucht nach Freud eine Lösung zwischen dem „Es“ und dem „Über-Ich“. Ein wichtiger Punkt des „Ich“ ist die Selbstsicherheit. Ist eine Person selbstsicher, so hat sie ein gefestigtes „Ich“. Das „Ich“ hat außerdem die Entscheidungsmacht, denn es entscheidet ob Triebe ausgelebt, unterdrückt, oder einfach nur verschoben werden. Dies entscheidet sich im Abgleich mit der Außenwelt. Das „Ich“ handelt vermittelnd, denn es versucht, den Anforderungen des „Es“ und dem „Über-Ich“ und der Außenwelt zu entsprechen. Es ist eine Art Aufsichtsorgan, denn es entscheidet, ob die Regeln und Anforderungen der Person erfüllt werden. Zusammengefasst kann man zum „Ich“ sagen, dass das „Ich“ zwischen den Trieben und den Idealen vermittelt. Damit kann man das „Ich“ auch als unsere „Persönlichkeit“ bezeichnen. 3 4 5 Die dritte und letzte Instanz ist das „Über-Ich“. Es steht für die elterliche Instanz. Es steht für die Erziehung, die man als Kind genossen hat. Das „Über-Ich“ spiegelt die Normen, Regeln und Erwartungen und das Weltbild wieder, das vom Elternhaus vermittelt wurde. Das „Über-Ich“ hat aber auch einen großen Einfluss auf die Bildung des „Ich“ und daraus folgende Entscheidungen. Nicht nur die Eltern sind das „Über-Ich“, auch soziale Kontakte, Vorbilder, Erzieher und Andere prägen dieses „Über-Ich“. Im Grunde kann man sagen, dass alles was Normen und Regeln vermittelt, in engem Kontakt mit dem „Über-Ich“ steht. Zudem steht das „Über-Ich“ in sehr engem Kontakt mit unserer Vernunft. Freud ist der Ansicht, dass bei einem gesunden Menschen das „Über-Ich“ und das „Es“ in einem gesunden Gleichgewicht sind bzw. stehen müssen. Ist dies nicht der Fall ist, so hat diese Person, laut Freud, eine gestörte Persönlichkeit, zumindest eine Störung zur Realität. Freud ist zudem der Meinung, dass die Libido, also das Lustprinzip gefährlich ist und man es kontrollieren muss um ein gutes Leben zu führen im Ausgleich mit der Außenwelt. 6 7

Kurze Zusammenfassung der Novelle „Die Marquise von O…“

Die Novelle stammt aus dem Jahre 1808. Die Erzählung beginnt damit, dass die verwitwete Marquise schwanger ist und mit einer ungewöhnlichen Zeitungsannonce nach dem Vater ihres Kindes sucht. In der Rückschau erfährt man, dass sie mit ihren Kindern bei ihren Eltern in einer Zitadelle wohnt. Als diese Zitadelle von russischen Truppen angegriffen wird und die Marquise in die Hände russischer Truppen fällt, welche sie vergewaltigen wollen, wird sie von einem russischen Grafen befreit. Die Marquise (Julietta) wird ohnmächtig und in diesem Zustand von dem Grafen vergewaltigt. Der Graf, von dem man glaubt er sei tot, kehrt nach einigen Monaten zurück und möchte die Marquise heiraten. Die Familie bitte um Bedenkzeit und der Graf reist nach Neapel ab. Als die Marquise nach einiger Zeit als schwanger erkannt wird, verlangt ihr Vater, dass sie die Zitadelle verlässt. Sie zieht auf einen Landsitz. Hier schreibt sie die Zeitungsannonce, mit welcher sie verspricht den Vater ihres Kindes zu heiraten. Als der Graf seinen Heiratsantrag wiederholt, lehnt sie diesen ab. Der Vater erklärt sich bereit die Marquise in der Zitadelle zu treffen. Als sich herausstellt, dass der Graf der Vater des noch ungeborenen Kindes ist, ist die Marquise entsetzt und erbost. Sie hält sich aber an die von ihr gestellte Zusage, wenn sich der Vater melde und heiratet den Grafen. Allerdings muss dieser auf alles verzichten, was sonst typische Zeichen einer Ehe sind. So wohnt er z.B. alleine in der Stadt. Erst auf der Taufe des gemeinsamen Sohnes, zu der der Graf aufgrund seines vorzüglichen Benehmens eingeladen wird, sehen sich der Graf und die Marquise wieder. Der Graf vermacht dem Kind eine große Summe. Die Marquise berücksichtigt er in seinem Testament. Sie heiraten aus Liebe und bekommen noch viele Kinder. 8

Die psychoanalytische Interpretation des „Graf F…“

Ich möchte zuerst die „Schwan“ Szene interpretieren und die Bedeutung dieser Szene für die Traumdeutung und das Instanzenmodell hervorheben. Sigmund Freud sieht Träume als ein Zeichen an. Sie drücken also beispielsweise Ängste, Liebe, Trauer, Freude … aus. Handelt es sich um große Wünsche, so fühlen sich die Träume häufig sehr echt an. Im Grunde sind also viele Träume, wenn man sie deuten will, eine Aussage, die man entschlüsseln muss. Allerdings sind Träume, laut Freud, keineswegs als Mittel der Verständigung zu sehen. Freud ist nicht der Meinung, dass alle Träume sexueller Natur sind. Das heißt aber auch, dass er ist die Meinung vertritt, viele Träume seien sehr wohl sexueller Natur. Für ihn sind beispielsweise Träume mit Fischen, Hämmern, Schwertern … immer sexueller Natur9. Die „Schwanen“ Szene findet man recht mittig in der Novelle10. In dieser Szene wurde der Graf von der Familie der Marquise zum Abendessen eingeladen. Er wird von der Mutter der Marquise in ein Gespräch verwickelt in dem es um seine Verletzung geht, welche er erlitt. Er erzählt über seine Fieberträume. Kurz darauf geht er auf sein Zimmer. Diese Szene kann man aus meiner Sicht eindeutig als ein Geständnis des Grafen hinsichtlich der Vergewaltigung interpretieren. Darauf deutet folgendes hin: Zuerst spricht der Graf mit dem Forstmeister über die Jagd, und dann mit dem Kommandanten über den Krieg. Das sind ganz typische und konventionelle Themen beziehungsweise die typischen Themen der Männer dieser Zeit. Er spricht also nicht über etwas Unangenehmes, sondern nur über etwas was ihm angenehm scheint und keine schlechte Stimmung vermittelt. Er weicht also diesem, ihm peinlichen Thema des Traumes und somit dem Geständnis der Vergewaltigung aus. Als er dann aber doch auf dieses ihm eigentlich unangenehme Thema angesprochen wird, entscheidet er sich, dieses Geständnis abzulegen. Er erzählt, wie er sich vorgestellt hat, dass die Marquise während seiner Krankheit ständig an seinem Bett gesessen hat11. Dies steht offensichtlich dafür, dass er sich in der Realität ihre Nähe wünscht, d.h. er wünscht sich, sie würde auch in der Realität beständig an seinem Bett sitzen. Als er aber der Mutter davon erzählt, dass die Marquise beständig an seinem Bett gesessen habe, erzählt er es nicht, er habe sich das vorgestellt, sondern er erzählt es so, als sei es tatsächlich so gewesen. Dies verdeutlicht noch einmal, dass sich große Wünsche in Träumen häufig sehr echt anfühlen. Dann erläutert er, dass er die Marquise während seiner Krankheit häufiger mit einem Schwan in einer Kindheitsgeschichte von ihm verwechselt habe12.Dies ist für die weitere noch folgende Handlung wichtig, denn er erzählt, wenn er von diesem Schwan spricht eigentlich von der Marquise. Als nächsten Punkt spricht er von seinen Kindheitserinnerungen, die logischerweise in der Vergangenheit liegen13.Er spricht also von etwas bereits Geschehenem, wie es auch die Vergewaltigung war. Das ist auch ein Indiz dafür, dass es sich bei der Schilderung des Traums um ein Geständnis handelt. In seiner Erzählung bewirft er den Schwan mit Kot14.Wie bereits erwähnt steht der Schwan für die Marquise. Da der Graf diesen mit Kot bewirft, beschmutzt er ihn. Das Beschmutzen dieses reinen Tiers steht für die Vergewaltigung. Der Schwan ist für den Grafen, wie auch ganz allgemein die Gesellschaft, ein sehr geschätztes Tier. Wenn der Schwan die Marquise symbolisiert, zeigt das auch die Wertschätzung, die der Graf der Marquise entgegenbringt. Durch seine schönen weißen Federn und seine Haltung, wird der Schwan nicht nur als edles Tier angesehen, sondern auch als ein unschuldiges Tier. Unschuldig ist vermutlich selbsterklärend, denn ein solches Tier kann für die Angriffe der Menschen nichts. Der Graf erläutert, dass der Schwan nach dem Angriff still in das Wasser taucht und wieder sauber auftaucht15. Dieser Teil seiner Erzählung dient als Rechtfertigung seinerseits, denn genau wie der Schwan hat auch die Marquise sich nach dem Kot Angriff/ der Vergewaltigung erholt und ist danach wieder rein. Allerdings soll es auch zeigen, dass die Marquise, da sie es nicht gemerkt hat oder es sie nicht gestört hat, nicht so stark betroffen ist. Das „still“ untergetaucht und sauber aufgetaucht, könnte für die Zeit stehen, welche der Graf und die Marquise voneinander getrennt waren. Also die Zeit zwischen der Vergewaltigung und dem Essen steht für das stille Untertauchen, also die Zeit, in der der Graf von der Marquise getrennt war. Dann spricht der Graf davon, dass der Schwan (die Marquise) auf feurigen Fluten umher schwimme16.Diese feurigen Fluten stehen für die Leidenschaft des Grafen zur Marquise. Diesen Schwan aus seiner Vergangenheit nannte er Thinka17.Dieser Name ist die Kurzform von Katinka, dass leitet sich wiederrum aus dem altgriechischen „Katharos“ ab. Das bedeutet „die Reine“. Er erzählt weiter, dass er nicht in der Lage gewesen sei, den Schwan anzulocken, beziehungsweise ihren Namen zu rufen. Im Grunde hat der Graf also Angst davor, von der Marquise abgewiesen zu werden und vergewaltigt sie aus diesem Grund. Er ist also zu ängstlich sie zu umwerben und zu versuchen mit ihr eine Beziehung einzugehen. Die Angst vor Ablehnung zieht sich durch das gesamte Leben des Grafen, denn auch später hat er sich nur minimal verändert. Um dies zu belegen, möchte ich eine andere Szene einbeziehen, nämlich die „Garten-Szene“, welche auf Seite 33 ff. zu finden ist. Die Szene startet damit, dass der Graf sofort zur Marquise reitet, als er erfährt, dass diese wegen ihrer Schwangerschaft verstoßen wurde. Als er vom Wächter aber weggeschickt wird, sucht und findet er einen anderen Weg um zu ihr zu gelangen. Sie sitzt in einem Garten. Man merkt, dass er schnell zu ihr will, was darauf deutet, dass er in dieser Situation nach dem „Es“ handelt, also triebgesteuert. Das „Über-Ich“ kommt in dieser Situation auch noch zum Vorschein aber es ist nicht so stark wie das „Es“. Er bleibt nicht mehr und verschwindet sofort, nachdem er seine Information bekommen hat. Wäre sein „Über-Ich“ ausgeprägter, so würde er noch etwas bleiben und beispielsweise ein Gespräch führen. Da er sich korrekt verabschiedet handelt er damit noch nach Mindestnormen. Als er auf den Vorplatz gehen möchte, versucht er metaphorisch in ihre Privatsphäre einzudringen, dies verhindert aber der Wächter18, der ihn zudem fragt, ob er der Graf sei. Er lügt aber und verneint das19. Er kennt allerdings kein Nein, denn er will unbedingt hinein und sucht nach einer Möglichkeit in den Garten einzudringen, was ihm auch gelingt. Hier sieht man, dass er nach dem „Es“ handelt, denn er lügt, um weiterhin den Versuch unternehmen zu können auf den Vorplatz zu kommen d.h. in ihre Privatsphäre einzudringen. Die Normen aber sagen man solle nicht lügen. Ein weiteres Indiz dafür, dass das „Es“ in seiner Persönlichkeit überwiegt, ist, dass er nicht wie angekündigt geht und sich schriftlich anmeldet, sondern nach seinen Trieben handelt und sich trotz des deutlichen Hinweises, dass die Marquise alleine sein möchte, Zutritt zu ihr verschafft. Das zeigt sehr deutlich, dass er sich weitestgehend vom „Es“ leiten lässt. Als er am Eingang der Gartenlaube ist, entscheidet er, sie nicht zu fragen ob sie ihm Eintritt gewährt, sondern tritt einfach ein. Das zeigt, dass er Angst vor einer Ablehnung beziehungsweise einer Abweisung der Marquise hat. Hier zeigen sich Parallelen zu der „Schwanen-Szene“, denn auch bei dieser, traut er sich nicht, den Namen des Schwanes zu rufen, aus Angst vor einer möglichen Abweisung. Auch die Vergewaltigung verstehe ich als ein Zeichen der Angst vor einer möglichen Ablehnung. So dass er sie während ihrer Ohnmacht vergewaltigt. Bei der Vergewaltigungsszene handelt er auch nach dem „Es“, denn die sexuellen Triebe überwiegen die Normen/ Regeln. In all diesen erwähnten Szenen zeigt der Graf seine Angst vor einer Ablehnung. Eine kleine Veränderung zu seiner Kindheitsszene ist zu erkennen. Bei der „Schwanen-Szene“ entscheidet er sich aus Furcht vor Ablehnung nicht nach dem Schwan zu rufen. Bei der „Gartenszene“, in der er auch Angst vor Ablehnung hat, entscheidet er sich, ohne zu fragen, zu der Marquise zu gehen. Er will auf diese Art ein mögliches Nein vermeiden. Der Graf hat sich folglich verändert. Er fragt jetzt nicht mehr, um zu erreichen was er will. Man kann folglich sagen, der Graf hat eine negative Veränderung gemacht. Kommen wir noch einmal zurück zu der „Schwanen-Szene“. Der Graf spricht hier davon, dass sie Freude gehabt habe, beim Rudern und Ruder-in-die-Brust-werfen20.Auch das ist eine Anspielung auf die Vergewaltigungsszene, denn Rudern ist mit Anstrengung verbunden, wie eben die Vergewaltigung auch. Man ist auch recht schnell, wenn man rudert, d.h. man kann schnell sein Ziel erreichen. Wie eben bei der Vergewaltigung auch. Er spricht weiter davon, dass sie Spaß gehabt hätte, wäre sie nicht in Ohnmacht gefallen. Es hätte ihr gefallen. Auch das, eine Art Rechtfertigung. Als er seine Erzählung beendet hat gesteht er ihr, dass er die Marquise liebe und wird dabei „blutrot“21, was wiederum ein Zeichen von Scham ist. Der Graf schämt sich also für die Vergewaltigung. Fast könnte man sagen, der Graf lässt sich in dieser Situation von seinem „Über-Ich“ leiten und ist ehrlich. Allerdings wird er in diese Situation mehr oder weniger hineingedrängt und macht dieses Geständnis nicht ganz freiwillig. Erröten ist bekanntermaßen eine unbewusste Reaktion, die man in der Regel selbst kaum beeinflussen kann. Das zeigt, dass der Graf die Marquise wirklich liebt und dass es ihm wirklich peinlich ist, oder besser, dass er Scham für die Vergewaltigung verspürt. Nachdem er seinen Traum zu Ende erzählt hat, schaut der Graf auf seinen Teller nieder und schweigt22. Der Graf wartet also nach seinem Geständnis der Vergewaltigung und seiner Liebe, auf eine Reaktion der Familie. Da er seine Augen niederschlägt und auf seinen Teller schaut, muss er der Familie nicht in die Augen sehen. Nach einem kurzen Gespräch mit der Mutter geht er auf sein Zimmer. Der Graf schämt sich also, sein Geständnis abgelegt zu haben. Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich sowohl eine Rechtfertigung als auch um ein Geständnis handelt. Es zeigt außerdem die Liebe und Besessenheit des Grafen. Dass es sich um ein Geständnis handelt, zeigt auch der Wechsel des Personalpronomens, den der Graf während seiner Erzählung vollzieht. Erst sprich er vom Schwan, dann wechselt er aber während seiner Erzählung zu dem „Sie“. Fieberträume, wie sie der Graf hat, sind ein deutliches Indiz für ein schlechtes Gewissen. Der Graf zeigt ein Schuldempfinden und macht das auch sehr deutlich.

[...]


1 Vgl. (Freud, Der psychische Apperat, 2015, S. 94)

2 Vgl. (Freud, Das Verhältniss von Ich, Es und Über-Ich, 2015, S. 96)

3 Vgl. (Freud, Das Verhältniss von Ich, Es und Über-Ich, 2015, S. 96)

4 Vgl. (Freud, psychischen Qualitäten, 2015, S. 95)

5 Vgl. (Freud S. , 2017)

6 Vgl. (Freud, Das Verhältniss von Ich, Es und Über-Ich, 2015, S. 96)

7 Vgl. (Freud, Der psychische Apperat, 2015, S. 94)

8 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 5-50)

9 Vgl . (Freud, Revision der Traumlehre, 1999, S. 37-56)

10 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20)

11 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.2)

12 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z 4)

13 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.6)

14 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.7)

15 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.8)

16 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z 10)

17 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.10-11)

18 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 33 Z14 ff.)

19 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 33 Z.19 ff.)

20 Vgl . (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.13)

21 (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.15)

22 Vgl .22 (Kleist, Die Marquise von O..., 2009, S. 20 Z.16)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ein Fall für Freud? Eine psychoanalytische Interpretation von Kleists Novelle "Die Marquise von O..."
Note
12 Punkte/ 2+
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V932849
ISBN (eBook)
9783346260161
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine psychoanalytische Interpretation Kleists Novelle. Facharbeit zu der Schwanen Szene und Garten Szene der Novelle "Marquise von O", mit Bezug auf das über-Ich, Es und Ich von Freud. Insgesamt: 5395 Wörter und 16 Seiten Note:2+ im Deutsch LK
Schlagworte
fall, freud, eine, interpretation, kleists, novelle, marquise
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Ein Fall für Freud? Eine psychoanalytische Interpretation von Kleists Novelle "Die Marquise von O...", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932849

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