Der Seewandel Jesu bei Markus und Matthäus im synoptischen Vergleich. Die Erzählung von Wundern in der Bibel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

19 Seiten, Note: 1,7

A. B. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein synoptischer Vergleich?

3. Der Seewandel Jesu im synoptischen Vergleich
3.1 Synopse
3.2 Gemeinsamkeiten
3.3 Unterschiede

4. Theologischer Ertrag: Der Seewandel Jesu
4.1 im Markusevangelium
4.2 im Matthäusevangelium

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

An Wunder zu glauben ist schwer, aber Wunder zu erleben nicht. Denn gucken wir einmal genauer hin, so sollte uns auffallen, dass schon unsere Geburt ein Wunder war. Wir entstanden aus zwei Chromosomen im Bauch unserer Mutter. Wir leben auf einem Planeten, der sich um die Sonne dreht, um uns Wärme zu geben und der die Hilfe des Mondes braucht, um die Meere zu bewegen. Wir sehen und erleben Dinge auf der Erde, die wunderbar schön sind und von der Natur geschaffen wurden, wie die Meere, die Kontinente, die Tierwelt und die Pflanzenwelt sowie Berge und Wasserfälle. Aber auch kleine Wunder passieren, wenn auch vielleicht unbemerkt. Großartiges Wetter an dem Geburtstag, eine Nachricht von einem Freund an einem Tag, an dem wir uns nicht gut fühlen oder das Lieblingsessen bei den Eltern, wenn man wieder zu Besuch ist. Wunder sind aber auch alltägliche und für viele selbstverständliche Dinge, wie Sehen, Riechen, Hören oder auch Lieben.

Vor genau einem Jahr habe auch ich ein Wunder erfahren. Ein großes Wunder. Mein Vater hatte einen starken Herzinfarkt, bei dem von den drei Herzarterien, zwei ganz zu waren und die dritte teilweise zu. Durch eine Not-OP wurden ihm mehrere Stents eingesetzt. Nach dieser OP sagten die Ärzte zu uns, dass mein Vater diesen Herzinfarkt eigentlich nicht hätte überstehen können. Die einen können sagen, dass es ein großartiger Zufall war, doch für mich war es definitiv ein Wunder. Während der OP sind meine Mutter und ich in die Kapelle gegangen und haben eine Kerze angemacht und gebetet. Wir beteten für ein Wunder und wurden erhört. Ob Gläubig oder Nicht-Gläubige, Gottes Werk oder Zufall, Wunder bleiben Wunder.

Schaut man in die Bibel, so entdeckt man viele verschiedene Wundergeschichten. Da gibt es die Geburt Jesu von der Jungfrau Maria oder die Wandlung von Wasser zu Wein sowie die Heilung der Massen oder die häufig auftauchenden Wetterwandlungen. Im Alten-, wie auch im Neuen Testament, werden Wunder vollbracht, die sich damals und heute nicht erklären lassen. Man weiß nicht genau, ob diese wahr sind oder nicht, denn historisch belegbar sind keine. Meiner Meinung nach kann man statt der Wahrheitsfrage aber auch einfach eine Relevanzfrage stellen: Warum werden Wunder in der Bibel erwähnt und wieso kann es heutzutage relevant sein? Ich denke, dass Wunder allein den Menschen Hoffnung geben. Hoffnung auf Veränderungen im Leben, Hoffnung auf Gutes oder auch einfach nur Hoffnung in Gott. So wie im Markus und Matthäus Evangelium. Dort passiert während der Seewandlung Jesu ein bestimmtes Wunder. Dieses Wunder ist eines der bekanntesten Jesus: er kann über das Wasser laufen. Und nach Matthäus lässt Jesus sogar auch Petrus auf dem Wasser laufen. Eine so unwirkliche Geschichte wirkt auf den ersten Blick vielleicht übertrieben und erfunden, doch nimmt man den Wahrheitsfaktor raus, so bleibt eine Erzählung von einem Ereignis, welches eine tiefere Bedeutung aufweisen kann. Und genau diese tiefere Bedeutung werde ich im Folgenden beschreiben.

Aufgebaut ist die Arbeit wie folgt: Zu Beginn stelle ich die Methode vor, mit der ich mir die Szene in der Bibel angucke. Damit baue ich eine Basis auf, an der ich mich während der Arbeit orientieren kann. In dem Kapitel der Anwendung beschreibe ich genau, welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten und welche Auffälligkeiten im Vergleich zu erkennen sind und welcher Grund dahintersteckt. Die Methode, die ich gewählt habe, um dies durchführen zu können, ist der synoptische Vergleich. Anhand dieser Methode kann Vers für Vers untersucht werden und analytische Betrachtungen erkenntlich gemacht werden. Dabei gehe ich meiner Fragestellung, inwieweit sich die theologischen Niederschriften von Markus und Matthäus bei der Seewandlung von Jesus unterscheiden, nach. Abschließend folgt ein Fazit, um meine Ergebnisse zusammenzufassen.

2. Was ist ein synoptischer Vergleich?

Der synoptische Vergleich ist eine Methode der Untersuchung, welche dafür dient, Bibeltexte auf das Wortmaterial zu untersuchen. Dabei werden mindestens zwei Texte nebeneinandergestellt und gelesen. Die Texte werden meist so formatiert, dass die bestimmten Verse, also der Sachgehalt, nebeneinanderstehen. Dies hat den Vorteil, dass so Unterschiede, wie Gleichheiten schnell erkannt werden können. Dazu werden häufig Markierungen verwendet. Entweder Farben oder verschiedene Arten des Unterstreichens.1 Die dafür verwendeten Texte haben einen ähnlichen beziehungsweise gleichen Inhalt. Die erwähnten Untersuchungen fokussieren sich dann auf das Wortmaterial, welches entweder übereinstimmt, sich unterscheidet oder welches hinzugefügt oder weggelassen wurde. Unterschieden wird ebenfalls zwischen sprachlich-stilistischen und inhaltlich-sachlichen Kriterien. Das sprachlich-stilistische Kriterium kann zum einen die Sprache selbst sein. Ist das Geschehene eher von dem Sprachniveau her leicht oder schwer? Markus, der erste Evangelist, schreibt zum Beispiel in einem einfachen Stil. Dies kommt wahrscheinlich daher, dass er die Geschehnisse nur weitergeben wollte, ohne diese groß auszuschmücken. Ein Beispiel für ein inhaltlich-sachliches Kriterium könnte ein Weglassen von Geschehnissen oder ein Zusatz sein. Die Auswertung kann ebenfalls auf mehreren Ebenen ausgewertet werden. Zum einen können Veränderungen im Wortschatz auftauchen. Dazu gehören Lieblingsvokabeln, Wendungen, stilistische Mittel und so weiter. Dann können stilistische Veränderungen, wie Glättungen, Vereinfachungen oder Klärungen eines Sinnproblems sowie Präferenzen in Konstruktionen von Sätzen auftauchen. Durch das Auslassen und Hinzufügen können ebenfalls Veränderungen auftreten. Die Erzählweise könnte dadurch gestreckt oder gestrafft werden oder es werden dadurch inhaltliche Akzentuierungen gesetzt. Dabei kann der Spielraum zwischen Sinn und Wortgleichheit ebenfalls ins Auge genommen werden.

Doch warum heißt es synoptischer Vergleich? Dies liegt daran, dass die drei Evangelien Markus, Matthäus und Lukas als die drei Synoptiker bezeichnet werden. Es gibt zwar noch das Johannesevangelium, jedoch wird es ausgenommen von den Dreien, da das Johannesevangelium als ein unabhängiges Werk gesehen wird.2 Wichtig zu wissen, ist die Reihenfolge, in der die Texte formatiert, beziehungsweise gelesen werden müssen. Da Markus als der älteste der drei Synoptikern zählt, wird dieses Evangelium als erstes gelesen und steht als Formation ganz links.3 Das Markusevangelium funktioniert ebenfalls als ein Geländer, an dem sich die anderen beiden Synoptikern orientieren. Diese schriftliche Vorlage nennen Theologen auch die Zweiquellentheorie.4 Die Zweiquellentheorie soll die Frage der Entstehung der drei Evangelien erklären und vor allem in welcher Verbindung diese miteinander stehen. Dabei steht im Mittelpunkt die Behauptung, dass Matthäus und Lukas für ihr eigenes Evangelium zwei Quellen, einmal das Markusevangelium und die sogenannte Logienquelle (Q) verwendet haben sollen5. Hinzu soll noch mündliches sowie schriftliches Sondergut gekommen sein, welches als matthäisches und lukanisches Sondergut beschrieben wird.

3. Der Seewandel Jesu im synoptischen Vergleich

Um einen synoptischen Vergleich durchzuführen, werden mindestens zwei Texte miteinander verglichen. Für den folgenden Vergleich werden aus dem Markusevangelium die Stelle 6,45–52 und aus dem Matthäusevangelium die Stelle 14,22–33 miteinander verglichen. Beide Stellen eignen sich für einen synoptischen Vergleich, da sie trotz der Ähnlichkeit einen großen Unterschied aufweisen. Um dies aufzuzeigen, wird folgendermaßen vorgegangen: Im Kapitel 3.1 wurden die beiden Texte so formatiert, dass sie nebeneinanderstehen, dass Verse mit dem inhaltlichen Übereinstimmungen auch versweis übereinstimmen. So können Unterschiede und Gleichheiten schneller erkennbar gemacht werden. Damit diese Gegenüberstellung gelingt, kann es passieren, dass Verskapitel auseinandergezogen werden. Die Verszahlen stehen jedoch am Rande, vor jedem neu beginnenden Vers, sodass die Reihenfolge weiterhin erkennbar ist. Für die Markierung der verschiedenen Kriterien – wie in Kapitel 2 erläutert – wurden folgende Farben gewählt: Grün steht für Übereinstimmungen, Rot für Unterschiede, Blau für Zusatz oder einer Weglassung und Gelb für ungenaue bzw. genauere Beschreibungen. Da in diesem Vergleich nur zwei Texte miteinander verglichen werden, ist die Aufteilung der Farben noch recht überschaubar. Bei mehr als zwei Texten, kommen daher weitaus mehr Farben ins Spiel, was jedoch mit einer Legende schnell übersichtlicher gemacht werden kann. In Kapitel 3.2 und 3.3 werden dann die Gemeinsamkeiten, beziehungsweise Unterschiede rückführend auf die Synopse in Kapitel 3.1 erläutert. Diese Aufteilung auf zwei Kapitel hat den Vorteil, dass der Leser genau erkennen kann, welches Kriterium wo beschrieben wird. Des Weiteren kann dies die Häufigkeit von Übereinstimmungen und Gleichheiten visuell erkenntlich machen. Somit wird erkenntlich gemacht, ob die beiden verwendeten Texte sehr ähnlich oder sehr unterschiedlich sind. Während den Erläuterungen in den Kapiteln 3.2 und 3.3 wird Vers für Vers durchgegangen. Anhand dessen wird chronologisch analysiert und der Leser kann während der Ausführungen gut mitkommen.

3.1 Synopse

Im Folgendem wird die Stelle des Seewandels von Markus 6,45–52 mit der Stelle von Matthäus 14,22–23 verglichen und anhand von Farben erkenntlich gemacht. Grün steht für Gleichheiten, rot steht für Unterschiede, blau steht für eine Weglassung oder einer Hinzufügung und gelb steht für eine genauere bzw. ungenauere Beschreibung. Die nachfolgenden Angaben, die sich auf Markus und Matthäus berufen, beziehen sich auf die folgende Synopse, welche die Quelle das Münchner Neue Testament besitzen.6 7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Gemeinsamkeiten

Während große Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Lesen leicht zu bemerken sind, werden erst durch detaillierte, systematische Vergleiche kleinere Übereinstimmungen und Abweichungen sichtbar. Somit scheinen auf den ersten Blick beide Texte eine Menge an gleichen Versen aufzuweisen. Vor allem die ersten 6 Kapitel von Markus (Mk) scheinen übereinzustimmen mit den ersten 6 Kapiteln von Matthäus (Mt). Vorab ist wichtig zu sagen, dass Markus und Matthäus stark einer Meinung sind, wenn es um die Ereignisse, wie auch um die Wortwendung geht. Beide Anfangsverse beginnen damit, dass Jesus seine Schüler in das Boot bittet, fortfährt und die Volksmenge zurücklässt. Beide Synoptiker sind sich auch einig, dass Jesus sich danach auf einen Berg zurückzieht, um zu beten. Dort bleibt er folglich eine lange Zeit, da schon vier Schüler während dieser Zeit wache halten mussten. Beide sind sich auch einig, dass Jesus dort allein bleibt, bis es Abend wird. An dieser Stelle ereignet sich das Wunder in beiden Geschichten. Dadurch, dass das Boot durch den Wind hinauf auf den See getrieben wurde, musste Jesus zum Boot kommen. Er lief somit über das Wasser. Die Schüler haben jedoch gedacht, es wäre ein Gespenst und fürchteten sich. Daraufhin antwortete Jesus, dass er es ist und sie sich nicht fürchten müssen. Am Ende steigt Jesus wieder in das Boot hinein und der Sturm legt sich.

3.3 Unterschiede

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, sind zu Beginn nur vereinzelnd Unterschiede zu erkennen. Dabei verschwimmen jedoch inhaltliche und wörtliche Unterschiede und sind manchmal nicht klar abgrenzbar. Der erste Unterschied zwischen Markus und Matthäus liegt im Vers Mk 45 und Mt 22. Bei Mk 45 bitte Jesus „seine“ Schüler in das Boot einzusteigen, bei Mt 22 bitte Jesus „die“ Schüler in das Boot einzusteigen. Dieser Wortwechsel ist jedoch inhaltlich kein kleiner Unterschied. Denn mit „seinen Schülern“ könnte Markus, Jesus Jünger beschreiben. Mit „die“ Schüler bei Matthäus hingegen, könnten auch Schüler gemeint sein, die Jesus auf seinen Reisen gelehrt hat. Ein weiterer inhaltlicher Unterschied befindet sich in Mk 46 und Mt 23. Bei Markus ist nicht klar beschrieben, von wem Jesus sich verabschiedet. Entweder von seinen Jüngern oder der Volksmenge oder beiden. Bei Matthäus hingegen wird explizit beschrieben, dass Jesus die Volksmenge entlässt und sich allein auf den Berg macht. Im darauffolgenden Vers, Mk 47 und Mt 23, kommt es zu einer Veränderung. Wo Markus noch genau beschreibt, wo Jesus auf dem Berg ist, „auf dem Land“,8 hält es Matthäus kürzer und benutzt „dort“,9 um den Standort von Jesus zu beschreiben. Auch bei der Wettererklärung kann eine Veränderung festgestellt werden.10 Während sich bei Markus die Jünger beim Rudern gegen den Wind quälen, redet Matthäus von den hohen Wellen, die der Wind mit sich bringt. Eine Erklärung könnte sein, dass Markus ein narrativer Erzähler war, der seine Geschichten lebhaft erzählte und auf Details achtete und Matthäus eher auf den Inhalt selbst.11 Eine weitere Ungenauigkeit bzw. Veränderung befindet sich im Vers Mk 49 und Mt 26. Während Markus nicht genau beschreibt, wer Jesus auf dem See sieht, gibt Matthäus direktere Hinweise, dass es sich um die Schüler handelt, die Jesus auf dem See entdecken. Unschlüssig ist die Stelle im Vers Mk 50 und Mt 27. „Mit“ den Jüngern redet Jesus im Markus Evangelium und „zu“ ihnen spricht Jesus bei Matthäus. Trotz dessen, dass der Satz sonst gleich ist, kann dieser Wechsel vom Wort her einen Unterschied im Sachverständnis bewirken. Denn „mit“ jemanden zu reden, hier mit den Jüngern, heißt: beide Parteien nehmen an dem Gespräch teil, wohingegen „zu“ ihnen eher bedeutet, dass nur Jesus redet und die Jünger zuhören. Somit würde Matthäus, Jesus mehr Autorität verleihen und unterstreichen, dass Jesus mit seinen Worten die Anwesenden beruhigen kann.

Der größte, wie auch wichtigste Unterschied, den dieser synoptische Vergleich aufweisen kann, folgt, nachdem Jesus sich vor seinen Schülern erkenntlich macht (Mt28). Schauen wir zurück auf die Tabelle in Kapitel 3.1, so fällt schon visuell eine große Lücke zwischen Vers Mk 50 und Mk 51 auf. Diese Lücke entsteht dadurch, dass Matthäus den Schüler Paulus bei seiner Geschichte in den Vordergrund rückt, wohingegen Markus seinen Namen nicht erwähnt. Anstatt, dass sich die Schüler beruhigen und Jesus in das Boot hineinsteigt, geschieht im Matthäusevangelium noch ein Wunder. Dieses Wunder ist, dass Jesus auch Petrus auf das Wasser holt, nachdem dieser ihn gefragt hatte. Doch Petrus sinkt in das Wasser und Jesus muss ihm hinaus helfen und zum Boot tragen. Erst dann übereinstimmen beide Geschichten wieder, mit einem kleinen Unterschied. Folglich steigt bei Markus nur Jesus in das Boot und Jesus und Petrus bei Matthäus, daher statt „er“12 „sie“.13 Im Ende der Wundergeschichte liegt jedoch keine einzige Übereinstimmung mehr vor. Bei Markus ,Vers 52, endet die Geschichte mit einer Metapher „Brote“ und scheint ein Weisheitsspruch zu sein. Matthäus hingegen beschreibt wie zuvor das Geschehen, indem er aussagt, dass die Schüler erkannten, dass Jesus wahrhaftig der Sohn Gottes ist.

Sprachlich auffallend ist, wie unterschiedlich Markus und Matthäus ihre Sätze/ Verse beginnen. „Und“ ist ein beliebtes Anfangswort für Markus, um neue Verse zu beginnen.14 Matthäus hingegen wandelt lieber die Satzanfänge um und benutzt nur drei Mal das Wort „Und“ zu Beginn eines Verses.15 Dies führt zu einem schöneren Lesefluss. Dies zeigt, beziehungsweise bekräftigt die zuvor in Kapitel 2 belegte Markus Priorität, das Matthäus und Lukas das Markus Evangelium als Hauptquelle benutzen und sie ihren eigenen Schreibstil sowie ihrer Zeit wichtigen Personen, angepasst und hinzugefügt haben. Des Weiteren zeigt es, dass Markus Schriftstil, im Gegensatz zu dem von Matthäus, eher einfach gehalten ist und er seine Theologie in der Erzählung betreibt. Daher ist das Auftauchen von Metaphern eine Form des bildlichen Erzählens. Matthäus Schreibstil ist eher beschreibend. Seine Satzstruktur ist ebenfalls „niveauvoller“ als die von Markus.16

4. Theologischer Ertrag: Der Seewandel Jesu…

Der Seewandel Jesu ist eines von vielen Wundern, das in der Bibel beschrieben wird. Jedoch unterscheidet es sich in einem wesentlichen Punkt von den anderen: Das Wunder, welches ausgeführt wird, wirkt nicht an jemanden, den Jesus auf seinem Weg kennenlernte, sondern das Wunder wirkt an Jesus selbst.17 Daher zählt die Seewandlung Jesu zu einem Epiphaniewunder und im Weiteren zu einem Rettungswunder.18 Ein sogenanntes „Epiphanie-“19 Wunder bezeichnet die Wunder, in denen meist Gottheiten sichtbar unter den Menschen werden. Dies ist abgeleitet aus dem Griechischen „Epiphaneia“ und steht für das Verb „erscheinen“.20 In diesem Fall ist die Erscheinung Jesu, der wahre Gottessohn, der in Richtung Boot schreitet und sich seinen Jüngern erkennbar macht. Dieses Wunder ist jedoch nicht historisch zu verstehen. Es dient eher als eine christologische Intention, die verdeutlichen soll, welche Bedeutung Jesu hat und dass er wahrhaftig der Sohn Gottes ist.21 Der Charakter dieses Wunders kann als eine visionäre Schau wahrgenommen werden, denn die Jünger sahen die Gestalt auf sich zukommen und mit ihnen sprechen.22

[...]


1 Siehe Kapitel 3.1.

2 Ludwig-Maximilians-Universität München: Das Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den Synoptikern. Online unter: https://www.bibelstudium.kaththeol.uni-muenchen.de/evangelien/synoptische_frage/johannes_und_die_synoptiker/index.html (Stand: 14.07.2020).

3 Siehe Kapitel 3.1.

4 Adrian Wypadlo. Vorlesung: Literaturgeschichte NT, V.6. Das Markusevangelium (MkEv). S.2.

5 Wypadlo S.5.

6 Münchener Neues Testament: Markus 6,45–52/ Mt 14,22–33. Online unter: https://bibel.github.io/MuenchenerNT/nt/Markus_6.html (Stand: 14.07.2020).

7 Münchener Neues Testament: Matthäus 14,22–33. Online unter: https://bibel.github.io/MuenchenerNT/nt/Mt_14.html (Stand: 14.07.2020).

8 Mk 6,47.

9 Mt 14,23.

10 Vgl. Mk 6,48 und Mt 14,24.

11 Wypadlo S.2.

12 Mk 6,51.

13 Mt 14,32.

14 Vgl. Mk 6,45–48 und 51.

15 Vgl. Mt 14,22 und 23 sowie 32.

16 Näheres dazu befindet sich im darauffolgenden Kapitel.

17 Zwick, Reinhold. Modulforum: Die Wunder Jesu. Der Seewandel Jesu (Mk 4,45–52). S.6.

18 Zwick Mk S.5.

19 DUDEN (o. J.): „Epiphanie“ auf Duden online. Online unter: https://www.duden.de/rechtschreibung/Epiphanie (Stand: 14.07.2020).

20 DUDEN (o. J.): „erscheinen“ auf Duden online. Online unter: https://www.duden.de/rechtschreibung/Epiphanie (Stand: 14.07.2020).

21 Zwick Mk S.4.

22 Zwick Mk S.6.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Seewandel Jesu bei Markus und Matthäus im synoptischen Vergleich. Die Erzählung von Wundern in der Bibel
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V932905
ISBN (eBook)
9783346266378
ISBN (Buch)
9783346266385
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seewandel, Matthäus, Markus, Evangelisten, Wunder, theologische NIederschriften
Arbeit zitieren
A. B. (Autor), 2020, Der Seewandel Jesu bei Markus und Matthäus im synoptischen Vergleich. Die Erzählung von Wundern in der Bibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932905

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