Oft stellen sich den Protagonisten in der phantastischen Literatur Hürden, Rätsel und Probleme in den Weg die auch, aber nicht immer, von anderen Protagonisten geschaffen worden sein können und deren Ursprung teilweise unbekannt ist, welche jedoch überwunden und gelöst werden müssen. Oder die Protagonisten sind gezwungen ihrerseits Hürden, mit der Intention einer ablehnenden oder abwehrenden Haltung gegenüber anderen, zu errichten. Diese Hürden treten oft in Form von Barrieren auf, die mitunter auch auf magische Art und Weise erzeugt und gestaltet sind. Sie alle haben den Effekt einer irgendwie gearteten Grenzsetzung und erfordern vom Protagonisten die Kompetenz oder das Erlernen einer Kompetenz mit dem Umgang dieser Setzung.
Im Folgenden soll untersucht werden, wie diese, teils magischen, Barrieren in verschiedenen Werken der phantastischen Literatur dargestellt sind, mit welchen Funktionen sie ausgestattet wurden und wie die Protagonisten letztendlich mit diesen Grenzsetzungen und Grenzerfahrungen durch die magischen Barrieren agieren und was sie daran bewegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Zur vorgenommenen Eingrenzung des Begriffes "Magische Barriere" und den damit verbundenen Auswahlkriterien
3. Untersuchte Primärquellen
3.1 Der "Wirbelwindkranz" zum Schutz der Utopie vor der realfiktiven Welt: James Krüss' "Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde"
3.1.1 Kurzüberblick über die Handlung zur Einbettung der Windgrenze in den Kontext
3.1.2 Die Windgrenze - Analytische Betrachtung zur Darstellung und Bedeutung für den Handlungsverlauf
3.1.3 Die Reaktion und der Umgang des Kapitäns und seiner Begleiter mit der Windgrenze
3.2 Die Barriere als Bewahrer und Medium der Vergangenheit: James Gurneys "Dinotopia"
3.2.1 Kurzüberblick über die Handlung zur Einbettung der "Riffküste" in den Kontext
3.2.2 Die Riffküste - Analytische Betrachtung zur Darstellung und Bedeutung für den Handlungsverlauf
3.2.3 Die Reaktion und der Umgang der Denisons mit der Riffküste
3.3 Die Zeit steht still und die Jahreszeiten sind vertauscht: Die Reise durch das Shao Irigú ins verborgene Jao é-Tinukai'i in Tad Williams' "Der Abschiedsstein"
3.3.1 Kurzüberblick über die Handlung zur Einbettung des Sommerliedes in den Kontext
3.3.2 Das Sommerlied - Analytische Betrachtung zur Darstellung und Bedeutung für den Handlungsverlauf
3.3.3 Die Reaktion und der Umgang Simon Schneelockes mit dem Verbergezauber des Sommertores
3.4 Kurzumriss weiterer magischer Barrieren in phantastischer Kinder- und Jugendliteratur und Fantasyliteratur
4. Zusammenfassende Reflektion einiger Analysepunkte
5. Klärung der Betroffenheit von Schulkindern im Umgang mit Grenzsetzungen
6. Zur Wahl der Ganzschrift oder des Auszuges
7. Annäherungsmöglichkeiten und Ansätze für eine Thematisierung von Grenzen und Grenzsetzung in Unterrichtsstunden
7.1 Bild-Text-Collage zum Näherbringen der phantastischen Figuren und ihres Grenzkonfliktes
7.2 Darstellung im szenischen Spiel
7.3 Kreativ verschriftlichte Darstellungsmöglichkeit eigener, grenzüberschreitender Wünsche und Bedürfnisse am konkreten Beispiel einer offen gestellten Schreibaufgabe
7.4 Entschärfung und Überwindung von mentalen und emotionalen Ängsten und Beschränkungen gegenüber erwachsenen Persönlichkeiten durch karikierende Personendarstellung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und Darstellung von "magischen Barrieren" als Hürden und Grenzsetzungen in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur und wie diese zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung im Unterricht genutzt werden können.
- Analyse magischer Barrieren in ausgewählten Werken der phantastischen Literatur
- Untersuchung des Verhaltens und der Reaktionen von Protagonisten beim Aufeinandertreffen mit Barrieren
- Didaktische Übertragung der literarischen Grenzerfahrungen auf die Lebenswelt von Jugendlichen
- Entwicklung von Unterrichtsansätzen zur Thematisierung von Grenzen und Grenzsetzungen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die Windgrenze - Analytische Betrachtung zur Darstellung und Bedeutung für den Handlungsverlauf
Die Konfrontation mit der magischen Barriere tritt im Buch unmittelbar zu Beginn ein, was fast schon wie das entsprechende Erzählelement einer Kurzgeschichte erscheint, in welche der Leser unmittelbar hinein katapultiert wird. Die Kinder sind also von Beginn an direkt in die Handlung hineingezogen, nämlich an die Stelle, an der die bisherige Reise der Zikade kurz und oberflächlich geschildert wird.
Der Autor verzichtet somit auf eine besonders lange Einleitung und einen Problemaufbau vor der Konfrontation mit der Barriere. Zudem nutzt er keine Vorgeschichte, um die Charaktere und ihre Eigenschaften zu präsentieren, weshalb diese im späteren Verlauf der Geschichte unter anderem bei der Konfrontation mit der Barriere, selbst zu erschließen und zu beschreiben sind. Lediglich die durch den Krieg erschwerten Umstände der bisherigen Fahrt werden kurz erwähnt. Auffällig ist bereits im Vorfeld schon, dass die Besatzung und die Passagiere des Schiffes eine sehr ethnisch-heterogene Zusammensetzung aufweisen. So finden sich etwa, obwohl Krieg herrscht, Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands, Deutschlands und Osteuropas und sogar mehrere Tiere in der Besatzung und unter den Passagieren wieder. Dieser Punkt wird rückwirkend relevant, wenn in der Handlung die Bedeutung der Inseln gegenüber der Weltgeschichte zu Tragen kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Thema ein, indem es die Rolle von Barrieren als Hürden in der phantastischen Literatur darstellt und die Forschungsfrage zur Untersuchung dieser Barrieren und der Reaktionen der Protagonisten aufwirft.
2. Zur vorgenommenen Eingrenzung des Begriffes "Magische Barriere" und den damit verbundenen Auswahlkriterien: Hier wird definiert, welche Art von räumlichen, magischen Barrieren untersucht werden, um eine klare Auswahl für die Analyse zu treffen.
3. Untersuchte Primärquellen: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Analyse der Barrieren in den Werken von Krüss, Gurney und Williams sowie einen Überblick über weitere Beispiele in der Literatur.
4. Zusammenfassende Reflektion einiger Analysepunkte: Es wird reflektiert, dass der Typus der Insel-Barriere ein häufiges Motiv ist, das einen starken Schutzeffekt bietet und Parallelen zur griechischen Mythologie aufweist.
5. Klärung der Betroffenheit von Schulkindern im Umgang mit Grenzsetzungen: Unter Einbezug entwicklungspsychologischer Ansätze wird die Relevanz der Thematisierung von Grenzen im schulischen Kontext dargelegt.
6. Zur Wahl der Ganzschrift oder des Auszuges: Es wird erörtert, welche Werke sich aufgrund ihres Umfangs als Ganzschrift oder in Auszügen für den Unterricht eignen.
7. Annäherungsmöglichkeiten und Ansätze für eine Thematisierung von Grenzen und Grenzsetzung in Unterrichtsstunden: Das Kapitel liefert konkrete didaktische Methoden wie Bild-Text-Collagen, szenisches Spiel und kreatives Schreiben, um das Thema Grenzen mit Schülern zu bearbeiten.
Schlüsselwörter
Magische Barriere, phantastische Literatur, Grenzsetzung, Persönlichkeitsentwicklung, Unterrichtsmethoden, Adoleszenz, Kreatives Schreiben, Szenisches Spiel, Literaturdidaktik, Kindheitsforschung, Grenzerfahrung, Identitätsfindung, Schulleben, Bild-Text-Collage, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von magischen Barrieren in ausgewählten Werken der phantastischen Literatur und deren didaktischer Nutzbarmachung im Unterricht für Kinder und Jugendliche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die literarische Darstellung von Hindernissen, das pubertäre Verhalten der Protagonisten beim Überwinden dieser Barrieren sowie die pädagogische Vermittlung von Grenzsetzungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jugendliche die in phantastischen Romanen thematisierten Grenzerfahrungen auf ihre eigene Lebenswelt übertragen und reflektieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Primärquellen mit einem fachdidaktischen Ansatz, der durch pädagogische Theorie untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst verschiedene Romanbeispiele analysiert, bevor in Teil II didaktische Ansätze wie das szenische Spiel und kreatives Schreiben für den Unterricht entwickelt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie magische Barriere, Grenzsetzung, Adoleszenz, Literaturdidaktik und Persönlichkeitsentwicklung charakterisiert.
Warum wird gerade der "Wirbelwindkranz" aus Krüss' Werk untersucht?
Er dient als prominentes Beispiel für eine räumliche Barriere, die eine utopische Welt von der Realität abgrenzt und den Protagonisten vor bestimmte Herausforderungen stellt.
Welche Rolle spielen die Schülerzeichnungen in der Arbeit?
Die Zeichnungen, etwa von karikierten Lehrpersonen, dienen als Fallbeispiel für die Entschärfung mentaler Ängste und als Mittel zur Stärkung der Persönlichkeit gegenüber Autoritätspersonen.
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- Christian Johannes von Rüden (Author), 2013, Untersuchung der Manifestationsarten von Grenzsetzungen in fantastischen und Fantasy-Jugendbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/933004