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Gütertausch im 12. Jahrhundert

Motive und Handlungsspielräume von König und Fürst

Title: Gütertausch im 12. Jahrhundert

Term Paper , 2005 , 13 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Toni Börner (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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In der Mediävistik stand die Betrachtung des Verhältnisses zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen lange unter dem Einfluss der Vorstellung eines staufisch-welfischen Gegensatzes. Demnach hätten Hohenstaufer und Welfen als jeweils einheitliche Gruppen agiert und dieselben Ziele verfolgt. Da die Theorie des Gegensatzes der beiden Häuser in der mittelalterlichen Forschung so omnipräsent zu sein schien, haben viele Historiker wie beispielsweise Odilo Engels oder Alfred Haverkamp bis in die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die Ergebnisse ihrer Quellenarbeit an dieser Theorie ausgerichtet, obwohl die Befunde in den Quellen durchaus auch den gegenteiligen Schluss zugelassen hätten.
Denn wie neuere Untersuchungen zeigen , gab es weder einen staufischen noch einen welfischen Block. Weder Welf VI. und Heinrich der Löwe noch Barbarossa und beispielsweise Pfalzgraf Konrad agierten stets gemeinsam und verfolgten immer die gleichen Ziele. So erkannte schon Bradler 1973, dass Ravensburg „seine Stadtentstehung internen welfischen Spannungen zwischen Welf VI. und Heinrich dem Löwen“ verdankt . Ebenso lässt sich als Gegenbeweis zur Theorie eines staufischen Blockes die Tübinger Fehde in den sechziger Jahren des 12. Jahrhunderts anführen, bei der es um die Vorherrschaft in Schwaben ging und Barbarossa nicht Friedrich IV. von Schwaben unterstützte, sondern sich auf die Seite der süddeutschen Welfen stellte . Wenn man sich also lossagt von der vorgefertigten Theorie des Gegensatzes, was ja nicht heißen muss, dass einzelne Staufer mit einzelnen Welfen keine Probleme hatten, und die Quellen davon befreit untersucht, ergeben sich häufig völlig andere Schlüsse über Handlungsspielräume und Motive der Protagonisten.
Im Folgenden soll ein Gütertausch zwischen Kaiser Friedrich I. und Heinrich dem Löwen betrachtet werden, der durch eine am 1. Januar 1158 in Goslar angefertigte Urkunde überliefert worden ist . Ob deren Inhalt auf einen Konflikt zwischen den beiden Vettern hindeutet oder ob ganz andere Interessen eine Rolle spielten, soll erst nach getaner Quellenarbeit festgestellt werden, damit die Ergebnisse nicht von einer vorher bestehenden Theorie beeinflusst werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungskontext

2. 1. Ausgangssituation Barbarossas

2. 2. Ausgangssituation des Löwen

3. Die rechtlichen Bestimmungen der Urkunde

4. 1. Konsequenzen für Kaiser Friedrich I.

4. 2. Konsequenzen für Heinrich den Löwen

4. 3. Konsequenzen für das Reich

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht einen konkreten Gütertausch zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen aus dem Jahr 1158, um die tatsächlichen Machtmotive und Handlungsspielräume beider Protagonisten jenseits der traditionellen Theorie eines staufisch-welfischen Gegensatzes zu analysieren.

  • Kritische Hinterfragung des staufisch-welfischen Gegensatzes
  • Analyse der historischen Ausgangssituation beider Akteure
  • Untersuchung der rechtlichen Bestimmungen des Urkundeninhalts
  • Bewertung der politischen Folgen für Kaiser, Herzog und Reich
  • Bedeutung von Konsensentscheidungen und Fürstensprüchen

Auszug aus dem Buch

3. Die rechtlichen Bestimmungen der Urkunde

Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen gibt Kaiser Friedrich I. Barbarossa das „hereditatem uxoris suę Clementię, quam habebat in Sueuia, castrum videlicet Baden et centum ministeriales et quingentos mansos“ zu eigen.

Dafür bekommt der Löwe „quedam regni predia ex vicinitate sibi magis competentia proprietatis donatione.” Namentlich sind das die Burgen Herzberg und Scharzfeld und das Gehöft Pöhlde „cum omnibus pertinentiis suis preter wiltpan, quem in foresto Harz a nobis in beneficio habet.“ Außerdem erwarb Heinrich durch diesen Tausch den Reichsministerialen Adelhard von Burgdorf, welcher wohl Vogt von St. Georg in Goslar war.

Der Kaiser als „semper augustus“ ist jedoch aufgrund eines von Markgraf Albrecht dem Bären verkündeten Fürstenspruchs verpflichtet, das Reich für die entwendeten Güter zu entschädigen. Er tut dies, indem er durch gewisse Eigengüter, „quę a comite Rabadone tum per paternam hereditatem nostram tum per pecuniam non parvam comparavimus“, den Verlust des Reichsgutes ausgleicht. Im Einzelnen sind das die Burg Leisnig mit dem Lehen des Burggrafen Heinrich „et cum omnibus reditibus sibi pertinentibus“, die Burg Colditz mit dem Ministerialen Thimo und all seinen Kindern, Eigengütern und Lehen, deren Anzahl sich auf 20 Dörfer erstreckt, die Festung Lausigk mit dem Markt, den Hof Schkölen „cum foro“, die Berge Gleißberg und Jenzig und die Burg Mohrungen jeweils „cum redditibus sibi attinentibus.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel dar, den historischen Kontext des Verhältnisses von Friedrich I. und Heinrich dem Löwen abseits vorgefertigter Theorien eines Block-Gegensatzes neu zu bewerten.

2. Entstehungskontext: In diesem Kapitel wird die jeweilige politische Ausgangslage der beiden Akteure vor dem Tauschgeschäft 1158 beleuchtet, einschließlich ihrer militärischen Erfolge und innenpolitischen Herausforderungen.

3. Die rechtlichen Bestimmungen der Urkunde: Hier wird der detaillierte Inhalt der Tauschurkunde vom 1. Januar 1158 analysiert, inklusive der überlassenen Burgen, Dörfer und Ministerialen.

4. 1. Konsequenzen für Kaiser Friedrich I.: Dieser Abschnitt untersucht, wie der Gütertausch die schwache Machtbasis des Kaisers in Schwaben stärkte und seine Italienpolitik absicherte.

4. 2. Konsequenzen für Heinrich den Löwen: Hier wird analysiert, wie der Herzog von der Arrondierung seines Besitzes im Harzraum profitierte und seinen Einfluss ausbaute.

4. 3. Konsequenzen für das Reich: Dieser Teil beschreibt die Gründung des Reichslandes Pleißen und beleuchtet Siedlungsbewegungen sowie die Bedeutung der herzoglichen Mitgestaltung der Reichspolitik.

5. Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass beide Parteien von dem Tausch profitierten und die Urkunde ein kooperatives Verhältnis in den späten 1150er Jahren widerspiegelt.

Schlüsselwörter

Friedrich I. Barbarossa, Heinrich der Löwe, Gütertausch, Staufer, Welfen, Mittelalter, Urkundenanalyse, 1158, Reichspolitik, Herzogtum, Herrschaftsspielräume, Harzgebiet, Konsenspolitik, Fürstenspruch, Ministerialen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit einem Gütertausch zwischen Kaiser Friedrich I. und Heinrich dem Löwen im Jahr 1158 und nutzt diesen als Fallbeispiel, um die Beziehungen der beiden Großen des 12. Jahrhunderts zu untersuchen.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Themen sind die historische Analyse des staufisch-welfischen Verhältnisses, die Funktionsweise mittelalterlicher Urkunden und die Bedeutung regionaler Machtpolitik für das Römische Reich.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob der dokumentierte Gütertausch einen Konflikt zwischen den beiden Vettern widerspiegelt oder ob er vielmehr von gemeinsamen Interessen und politischen Strategien geleitet war.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Untersuchung der Urkunde von 1158 unter Einbeziehung zeitgenössischer Forschungsergebnisse und historischer Erklärungsmodelle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Ausgangslage beider Akteure, die Analyse der rechtlichen Bestimmungen des Tauschvertrags sowie die Diskussion der daraus resultierenden Konsequenzen für Kaiser, Herzog und das Reich.

Welche Keywords charakterisieren den Inhalt?

Wichtige Begriffe sind Barbarossa, Heinrich der Löwe, Gütertausch, Staufer, Welfen, Reichspolitik und Konsenspolitik.

Welche Bedeutung kommt dem "Pleißenland" bei diesem Tausch zu?

Das Pleißenland wurde dem Reich als Entschädigung übereignet, wodurch der Kaiser trotz der Abgabe von Hausgut im Harz die königliche Direktherrschaft in diesem strategisch wichtigen mitteldeutschen Raum aufrechterhalten konnte.

Warum wird die Theorie eines "staufisch-welfischen Gegensatzes" infrage gestellt?

Die Arbeit zeigt anhand des Gütertauschs und anderer Beispiele auf, dass beide Parteien in dieser Zeit eher kooperativ handelten, um ihre jeweilige Machtbasis zu festigen, statt als starre, antagonistische Blöcke zu agieren.

Welche Rolle spielt das Prinzip "consilium et auxilium"?

Dieses Prinzip der Beratung und Hilfe war essenziell für Barbarossas Regierungsstil; er suchte den Konsens mit den Fürsten und ließ Entscheidungen durch Fürstensprüche legitimieren, um seine Herrschaft zu stabilisieren.

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Details

Title
Gütertausch im 12. Jahrhundert
Subtitle
Motive und Handlungsspielräume von König und Fürst
College
University of Heidelberg  (Historisches Seminar)
Course
Die Herrschaft Friedrichs I. Barbarossa
Grade
2,3
Author
Toni Börner (Author)
Publication Year
2005
Pages
13
Catalog Number
V93301
ISBN (eBook)
9783640097906
ISBN (Book)
9783640119820
Language
German
Tags
Gütertausch Jahrhundert Herrschaft Friedrichs Barbarossa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Toni Börner (Author), 2005, Gütertausch im 12. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93301
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