Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Psychology - Psychology of Religion

Psychische Gesundheit und Religiosität

Title: Psychische Gesundheit und Religiosität

Seminar Paper , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alfred Seif (Author)

Psychology - Psychology of Religion
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Macht Religion oder Religiosität krank oder verläuft die Wirkung umgekehrt und neigen psychisch kranke oder auffällige Menschen zu Religiosität? Auf der einen Seite, so Godwin
Lämmermann (1) finden sich Belege für einen positiven Effekt von Religiosität auf die psychische Gesundheit - andererseits gibt es Hinweise, dass Religiosität mit psychischen Erkrankungen zusammenhängt. Lämmermann führt dabei Henning (Henning u.a., 2003, 147)
an, dass „insgesamt mehr Studien eine positive als eine negative Korrelation nachweisen.“ Allerdings zeigten sich hier „only slightly positive correlates of religion“ (Bergin 1983, 170) und diese Effekte sind auch nur geringfügig (O`Conolly u.a.2002,56;Bergin 1983, 176).

Es sei, glaube man Murken (1994, 141), „innerhalb der Religionspsychologie die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Religiosität und seelischer Gesundheit eine der am meisten diskutierten“. Die Frage, wie Religion und Gesundheit zusammenhingen, sei nicht einfach zu beantworten. Der Grund sei, dass die meisten empirischen Untersuchungen dazu auf Korrelationen beruhten, über die kausalen Wirkungsverhältnisse jedoch wenig aussagten und somit kein wirklich treffendes Bild über dieses Problem abgeben würden. Dabei könne man nie völlig ausschließen, dass Korrelationen von anderen intervenierenden Variablen beeinflusst würden. Wenn extrem religiöse Menschen weniger suchtgefährdet seien, so könne dies nicht nur auf die prophylaktische Wirkung starker Religiosität, sondern genauso auf rigider sozialer Kontrolle oder Selbstbeschränkung oder aber auch auf religiös bewirkten Angst- und Schuldgefühlen beruhen.

Glaube man den vielen amerikanischen Studien zu diesem Thema, dann sind religiöse Menschen gesünder, angstfreier und zuversichtlicher als Atheisten. „Die große Mehrzahl der Studien erweist, dass Religion heilsame Wirkungen auf die Gesundheit ausübt“ (Utsch 2005, 159) . Viele andere Untersuchung ergäben, dass suchtkrank und sexgierig werde, wer sein spirituelles Potenzial nicht ausschöpfe (Utsch 2005, 189) und dass der „Verlauf einer schweren Krebserkrankung ... von der Religiosität und Spiritualität des Patienten mitgesteuert“ werde. Dieser Euphorie stehe jedoch entgegen, dass viele dieser Studien, so Lämmermann, von evangelikalen Forschern stamme. Satura (1981, 6) stellt die Frage, ob „es in der religiösen Erfahrung Momente gibt, die zur seelischen Gesundheit beitragen“ und vermutet diesbezüglich vier Zusammenhänge, in denen Religiosität positiv wirken könne:

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Die Bedeutung der Religiosität für die Gesundheit

1. Religionspsychologie und Gesundheitsforschung:

2. Religiosität und Wohlbefinden:

3. Religion und Angst:

4. Religiosität und Depression:

5. Religiosität und Neurose:

6. Religiöse Wahnvorstellungen:

II. Mitgliedschaft in einer extremen religiösen Gruppe

1. Destruktive Gruppen:

2. Anwerben und Erzeugen von Abhängigkeit:

3. Die Führungsinstanz:

4. Die Indoktrination:

III. Zeugen Jehovas und psychische Gesundheit

1. Die Zeugen Jehovas unter dem Aspekt der Sozialpsychologie:

a) Kognitive Dissonanz und Zeugen Jehovas:

b) Psychologische Reaktanz bei den Zeugen Jehovas:

c) Soziale Vergleichsprozesse bei den Zeugen Jehovas

d) Selbstwerterhaltung und Selbstwerterhöhung bei den Zeugen Jehovas

2. Die Untersuchung der seelischen Gesundheit der Zeugen Jehovas von Jerry Bergman:

a) Zeugen Jehovas und das Problem der psychischen Erkrankungen

b) Zu Erkrankungen beitragende Faktoren

3. Stellungnahme der Zeugen Jehovas Deutschland und persönliches Fazit:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit sowie die spezifischen psychologischen Mechanismen innerhalb extremer religiöser Gruppen, insbesondere der Zeugen Jehovas. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob und unter welchen Bedingungen religiöse Überzeugungen als Gesundheitsressource wirken oder pathologische Prozesse fördern können.

  • Wissenschaftliche Debatte über Religion als Gesundheitsfaktor oder Risikoprädiktor
  • Psychologische Auswirkungen von Dogmatismus und religiös geprägten Angstvorstellungen
  • Sozialpsychologische Dynamiken der Mitgliedschaft in geschlossenen Glaubensgemeinschaften
  • Analyse der psychischen Belastungen durch Ausgrenzung und Indoktrination bei den Zeugen Jehovas

Auszug aus dem Buch

a) Kognitive Dissonanz und Zeugen Jehovas:

Disfunktionale, d.h. dem psychischen Wohlbefinden abträgliche kognitive Dissonanzen entstehen bei Zeugen Jehovas sehr häufig, da sie laufend mit dissonanten Kognitionen konfrontiert werden, die sich aus der Wahrnehmung der Welt und dem Lehrgebäude der WTG (Wachtturmgesellschaft, die organisatorische und ideologische Führung in New York) ergeben. Diese Dissonanzen werden meist beseitigt, indem der einzelne Zeuge nach und nach die von der WTG subtil dargebotenen konsonanten Kognitionen hinzufügt (die von der WTG dargebotene Literatur wiederholt die Lehre in unablässiger Weise, aber immer etwas nuanciert), dissonante Kognitionen allmählich verdrängt oder abwertet oder das bisherige Verhalten (als Nicht-Zeuge gelernte Verhaltens- und Erlebensweisen) einstellt.

Konsonante Kognitionen werden dem einzelnen Zeugen von der WTG etwa in folgender Form geliefert:

Entweder ganz subtil: „Jehova erwartet keinen blinden Gehorsam. Er wünscht sich von uns nicht die Art des Gehorsams, den ein Zureiter oder Dompteur einem Tier mittels eines Zügels oder einer Peitsche abverlangt ... Jehova hat uns vielmehr mit Denk- und Unterscheidunvermögen ausgestattet, so dass wir – gestützt auf unser Verständnis – es uns erwählen können, ihm zu gehorchen.“ (Wachtturm, 01.04.1988, S.30)

Oder ganz unverblümt „Wenn wir Jehovas und die Organisation seines Volkes lieben, werden wir nicht misstrauisch sein, sondern werden, wie die Bibel sagt >> alles glauben <<, nämlich alles, was der Wachtturm darreicht.“ („Zum Predigtdienst befähigt, 1957).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Die Bedeutung der Religiosität für die Gesundheit: Dieses Kapitel erörtert die konträren Forschungsmeinungen dazu, ob Religiosität die psychische Gesundheit fördert oder das Risiko für psychische Störungen und Wahnvorstellungen erhöht.

II. Mitgliedschaft in einer extremen religiösen Gruppe: Hier werden die sozialpsychologischen Mechanismen wie Indoktrination, emotionale Abhängigkeit und der Aufbau von Feindbildern in sogenannten destruktiven Kulten analysiert.

III. Zeugen Jehovas und psychische Gesundheit: Der Hauptteil untersucht mittels sozialpsychologischer Theorien und der Arbeit von Jerry Bergman, wie die Organisation der Zeugen Jehovas den Selbstwert und das Verhalten ihrer Mitglieder prägt und welche psychischen Belastungen daraus resultieren können.

Schlüsselwörter

Religionspsychologie, psychische Gesundheit, Zeugen Jehovas, kognitive Dissonanz, psychologische Reaktanz, soziale Vergleichsprozesse, Selbstwerterhaltung, Indoktrination, Wachtturmgesellschaft, destruktive Gruppen, psychische Erkrankungen, Religiosität, Dogmatismus, Aussteiger, Seelsorge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit, wobei ein besonderer Fokus auf die gruppendynamischen Prozesse und psychischen Auswirkungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas gelegt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind der gesundheitliche Nutzen versus Risiken von Religiosität, die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit in extremen Gruppen sowie die spezifischen Bedingungen innerhalb der Zeugen Jehovas.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist die kritische Hinterfragung der These, dass Religion automatisch gesundheitsfördernd wirkt, und die Identifikation von Faktoren, die in geschlossenen Systemen zu psychischen Belastungen führen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender religionspsychologischer Studien und greift ergänzend auf die Ergebnisse klinischer Beobachtungen und Interviews des Experten Jerry Bergman zurück.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Religionspsychologie, eine Analyse der Strukturen extremer Gruppen und eine detaillierte Fallbetrachtung der Zeugen Jehovas unter Anwendung sozialpsychologischer Theorien.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Psychologische Reaktanz, Kognitive Dissonanz, Indoktrination und der Einfluss der Wachtturmgesellschaft auf das individuelle Wohlbefinden der Mitglieder.

Welche Rolle spielt die Wachtturmgesellschaft für die psychische Verfassung der Zeugen?

Der Autor legt dar, dass die WTG durch ideologische Vorgaben, die soziale Kontrolle und die Unterbindung unabhängigen Denkens zwar kurzfristig Stabilität bieten kann, langfristig jedoch Konflikte schürt, die psychische Probleme begünstigen.

Wie reagieren die Zeugen Jehovas auf die Kritik der Arbeit?

Die Organisation antwortete offiziell mit dem Hinweis, dass es keinen monokausalen Zusammenhang zwischen Religion und Gesundheit gebe und der Glaube für viele Mitglieder eine persönliche Stütze sei.

Warum ist das Aussteigen aus der Gruppe nach Ansicht des Autors so schwierig?

Das Aussteigen ist mit hohen psychischen Hürden verbunden, da die jahrelange Internalisierung der Glaubenssätze, die soziale Isolation und der Verlust des gewohnten sozialen Netzwerkes oft traumatische Prozesse nach sich ziehen.

Was ist das Fazit zur Bedeutung der Religiosität?

Der Autor schlussfolgert, dass die Wirkung von Religiosität ambivalent ist; sie kann bei positiver, erfüllungsmotivierter Ausrichtung gesundheitsfördernd wirken, während sie in dogmatischen und kontrollierenden Systemen das Risiko für psychische Störungen massiv erhöhen kann.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Psychische Gesundheit und Religiosität
College
LMU Munich  (Psychologie)
Course
Psychische Gesundheit
Grade
1,3
Author
Alfred Seif (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V93320
ISBN (eBook)
9783640097999
Language
German
Tags
Psychische Gesundheit Religiosität Psychische Gesundheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alfred Seif (Author), 2008, Psychische Gesundheit und Religiosität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93320
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint