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Theorien der Sozialpsychologie und ihre Anwendung auf die Zeugen Jehovas

Title: Theorien der Sozialpsychologie und ihre Anwendung auf die Zeugen Jehovas

Seminar Paper , 2008 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alfred Seif (Author)

Psychology - Social Psychology
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Summary Excerpt Details

Menschliches Erleben und Verhalten, wie es uns tagtäglich begegnet, kann man recht gut mit
Theorien der Sozialpsychologie beschreiben, erklären und vorhersagen. Dies gilt besonders
für das Erleben und Verhalten in besonderen Kontexten wie Glaube und Religion, da hier
oftmals extremer Druck auf den Betroffenen lastet. So kann man psychische Vorgänge bei der
Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gut mit den im Folgenden beschriebenen
sozialpsychologischen Theorien verdeutlichen.
Kritiker der Zeugen Jehovas sind der Ansicht, dass der einzelne Zeuge in einem unsichtbaren
Käfig lebt. Falls dies so ist, kann dem entgegnet werden, dass es dennoch sehr viele unter
ihnen schaffen, ein zufriedenstellendes Leben zu führen. Genau dazu dienen Verhaltens- und
Erlebnisweisen, die in den fünf sozialpsychologischen Theorien beschrieben und erklärt
werden können. Von der Wachturmgesellschaft (WTG), dem weltweiten Führungsgremium
der Zeugen Jehovas in New York wird außerdem versucht, die menschlichen
Grundbedürfnisse der Zeugen Jehovas in der Weise zu lenken , dass psychische Probleme
jeglicher Art oder bestimmte für die eigene Lehre unangenehme Kognitionen erst gar nicht
entstehen oder zumindest schnell wieder beseitigt werden können.
Anhand der Lektüre der meisten deutschsprachigen Bücher über die Zeugen Jehovas, darunter
auch Bücher von ZJ-Aussteigern, sowie durch jahrelange Besuche von Versammlungen der
Zeugen Jehovas und Gespräche mit vielen ihrer Mitglieder konnte ich mir ein ausreichend
klares Bild über diese Glaubensgemeinschaft verschaffen und im Folgenden Wertungen nicht
immer vermeiden. Laut Leon Festinger (1957) streben Menschen ein Gleichgewicht (Konsonanz) sowohl
zwischen relevanten Kognitionen (Meinungen, Einstellungen, Wissenseinheiten) , als auch
zwischen Kognitionen und Verhaltensweisen an. Es entstehen unangenehme Dissonanzen,
wenn aus dem einen das Gegenteil des anderen erfolgt (Beispiel: Rauchen und das Wissen
um die Schädlichkeit des Rauchens). Zugleich entsteht ein Bestreben, diese Dissonanzen zu
beseitigen. Dies kann geschehen, indem man mit dem Verhalten konsonante Kognitionen
hinzufügt („ich kenne jemand, der wurde trotz Rauchens 100 Jahre alt“), dissonanten
Kognitionen verdrängt, vergisst oder abwertet oder das Verhalten (das Rauchen) einstellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger)

a) Beschreibung der Theorie

b) Kognitive Dissonanz und Zeugen Jehovas:

3. Die Theorie der psychologischen Reaktanz (Brehm, 1966)

a) Beschreibung der Theorie:

b) Psychologische Reaktanz bei den Zeugen Jehovas:

4. Die Theorie der sozialen Vergleichsprozesse (Festinger)

a) Beschreibung der Theorie

b) Soziale Vergleichsprozesse bei den Zeugen Jehovas

5. Die Theorie der Selbstwerterhaltung und Selbstwerterhöhung:

a) Beschreibung der Theorie

b) Selbstwerterhaltung und Selbstwerterhöhung bei den Zeugen Jehovas

6. Hypothesentheorie der Wahrnehmung :

a) Beschreibung der Theorie

b) Hypothesentheorie der Wahrnehmung bei den Zeugen Jehovas

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie zentrale sozialpsychologische Mechanismen genutzt werden, um das Erleben und Verhalten innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu erklären, zu steuern und zu festigen.

  • Anwendung der Theorie der kognitiven Dissonanz auf interne Glaubensstrukturen
  • Analyse von psychologischer Reaktanz in Bezug auf autoritäre Vorgaben
  • Untersuchung sozialer Vergleichsprozesse und Gruppendynamiken
  • Evaluation von Strategien zur Selbstwerterhaltung und -erhöhung
  • Darstellung der wahrnehmungspsychologischen Filter durch die Wachturmgesellschaft

Auszug aus dem Buch

2. Die Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger)

Laut Leon Festinger (1957) streben Menschen ein Gleichgewicht (Konsonanz) sowohl zwischen relevanten Kognitionen (Meinungen, Einstellungen, Wissenseinheiten) , als auch zwischen Kognitionen und Verhaltensweisen an. Es entstehen unangenehme Dissonanzen, wenn aus dem einen das Gegenteil des anderen erfolgt (Beispiel: Rauchen und das Wissen um die Schädlichkeit des Rauchens). Zugleich entsteht ein Bestreben, diese Dissonanzen zu beseitigen. Dies kann geschehen, indem man mit dem Verhalten konsonante Kognitionen hinzufügt („ich kenne jemand, der wurde trotz Rauchens 100 Jahre alt“), dissonanten Kognitionen verdrängt, vergisst oder abwertet oder das Verhalten (das Rauchen) einstellt.

In der Regel ändert man schwersten die widerstandsfähigen Kognitionen, d.h. die mit vielen anderen Kognitionen konsonant und mit wenigen Kognitionen dissonant sind. Eine Änderung solcher Kognitionen würde weitere kognitive Dissonanzen bewirken. Schwer zu ändern sind auch außerpsychische Realitäten (wie in diesem Fall das Rauchen selbst).

Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstehen kognitive Dissonanzen : - nach Entscheidungen: Die positiven Aspekte der nicht gewählten Entscheidungsalternative und die negativen Aspekte der gewählten Alternative erzeugen Dissonanzen. Diese wird reduziert durch eine Revision der Entscheidung, durch eine Aufwertung der gewählten Alternative („spreading-appart-Effekt“) oder eine Aufwertung der nicht gewählten Alternative („regret-Effekt“, Brehm, 1957). Menschen neigen dazu, nach Entscheidungen eher entscheidungsunterstützende als entscheidungswidersprechende Informationen zu suchen, da hierdurch Dissonanzen besser reduziert werden

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den Kontext der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas im Licht sozialpsychologischer Theorien.

2. Die Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger): Erläuterung, wie Dissonanz durch die Lehre der Wachturmgesellschaft vermieden oder durch Hinzufügen konsonanter Kognitionen gelöst wird.

3. Die Theorie der psychologischen Reaktanz (Brehm, 1966): Untersuchung, wie Einschränkungen der persönlichen Freiheit innerhalb der Glaubensstruktur durch das Feindbild „böse Welt“ kanalisiert werden.

4. Die Theorie der sozialen Vergleichsprozesse (Festinger): Analyse der Intergruppenvergleiche, durch die die eigene Gruppe als überlegen dargestellt und Abgrenzung gefördert wird.

5. Die Theorie der Selbstwerterhaltung und Selbstwerterhöhung:: Diskussion, wie die ständige Beschäftigung mit der eigenen religiösen Identität das Selbstwertgefühl schützt und stabilisiert.

6. Hypothesentheorie der Wahrnehmung :: Beschreibung, wie die Literatur der Organisation die Wahrnehmung der Realität so beeinflusst, dass eine geschlossene, kognitive Welt entsteht.

7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der psychischen Belastungen beim Ablösungsprozess und der Schwierigkeit, ohne Hilfe in ein Leben außerhalb der Gemeinschaft zurückzukehren.

Schlüsselwörter

Sozialpsychologie, Zeugen Jehovas, Kognitive Dissonanz, Psychologische Reaktanz, Soziale Vergleichsprozesse, Selbstwerterhaltung, Wahrnehmungstheorie, Wachturmgesellschaft, Gruppendynamik, Glaubensgemeinschaft, Konformitätsdruck, Identitätsschutz, Elitebewusstsein, Psychische Belastung, Ausstieg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Verhalten und Erleben von Zeugen Jehovas mithilfe von fünf klassischen sozialpsychologischen Theorien.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Felder sind kognitive Dissonanz, psychologische Reaktanz, soziale Vergleichsprozesse, Mechanismen der Selbstwerterhaltung und die Hypothesentheorie der Wahrnehmung.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, psychologische Vorgänge bei den Zeugen Jehovas anhand etablierter Theorien zu verdeutlichen und zu erklären, warum diese Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Glaubensstruktur beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Fachliteratur der Sozialpsychologie mit publizierten Werken, Zeitschriften der Wachturmgesellschaft und Berichten von Aussteigern verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Jedes Hauptkapitel beschreibt zunächst eine psychologische Theorie in ihrem allgemeinen Kontext und wendet diese im Anschluss konkret auf die spezifischen Verhaltensweisen und Doktrinen der Zeugen Jehovas an.

Was sind die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie soziale Vergleichsprozesse, kognitive Dissonanz, Wahrnehmungsfilter und autoritäre Strukturen definiert.

Wie gehen Zeugen Jehovas mit dem Nichteintreten von Prophezeiungen um?

Laut dem Text wird dies meist nicht als Fehler des Glaubenssystems gewertet, sondern durch nachträgliche Rationalisierung oder Reinterpretation der Aussagen konsonant zum bestehenden Glauben umgedeutet.

Warum fällt ein Ausstieg aus der Gemeinschaft oft so schwer?

Der Ausstieg erfordert eine komplette Umkehrung der über Jahre verinnerlichten Denk- und Verhaltensweisen, was ohne Hilfe oft zu psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen führen kann.

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Details

Title
Theorien der Sozialpsychologie und ihre Anwendung auf die Zeugen Jehovas
College
LMU Munich  (Psychologie)
Course
Seminar Lektürekurs Sozialpsychologie
Grade
1,0
Author
Alfred Seif (Author)
Publication Year
2008
Pages
14
Catalog Number
V93321
ISBN (eBook)
9783640098002
Language
German
Tags
Theorien Sozialpsychologie Anwendung Zeugen Jehovas Seminar Lektürekurs Sozialpsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alfred Seif (Author), 2008, Theorien der Sozialpsychologie und ihre Anwendung auf die Zeugen Jehovas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93321
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