Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit Psalm 113 und den Fragen, die er aufwirft. Psalmen sind poetisch wie inhaltlich sehr ausgefeilte Texte, die mehr verbergen, als es auf den ersten Blick scheint. So war ich der Annahme, dass Psalm 113 nicht viele Geheimnisse birgt, bin jedoch bei meiner Arbeit daran während des Seminars und meiner vorliegenden Ausarbeitung eines besseren belehrt worden. Die Arbeit am Psalm hat mir sehr viel Spaß gemacht und mich ermutigt, auch in meinem späteren Unterricht Psalmen zu verwenden. Meine Erkenntnisse zu Psalm 113 werden auf den folgenden Seiten entfaltet.
Da ich leider die hebräische Sprache nicht beherrsche, konnte ich mir keine eigene Übersetzung anfertigen. Die vorliegende Übersetzung stammt aus der revidierten Lutherübersetzung von 1984. Grundsätzlich gefällt mir die Übersetzung Hoffnung für alle besser, sie wird aber leider an der Universität als zu unwissenschaftlich und vorinterpretiert angesehen. Für eine Verwendung in der Schule oder Ähnlichem würde ich dennoch auf diese Übersetzung zurückgreifen, weil sie angenehm frisch und schöner zu lesen ist. Für meine Ausarbeitung schien mir die Lutherübersetzung am besten geeignet, da ich gerne damit arbeite und wir sie als Gruppe auch bei unserer Vorarbeit verwendet haben.
Meine Arbeit wird nun mit einer Einordnung des Psalms in das Psalmenbuch beginnen. Danach folgen die Bestimmung der Gattung und eine Strukturanalyse des Psalms. Im Anschluss werde ich die besonderen Merkmale von Psalm 113 herausarbeiten und einige Kommentare zum gesellschaftlichen Kontext, den Quellen und einer zeitlichen Datierung des Psalms machen. Bevor ich mit einem Fazit abschließe, soll es noch einmal um das Thema der Kinderlosigkeit gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Bibeltext Psalm 113
2. Allgemeine Einführung
3. Einordnung in das Buch der Psalmen
4. Gattung und Aufbau des Psalms
5. Besondere Merkmale des Psalms
6. Gesellschaftlicher Kontext, Quellen und Datierung
7. Betrachtung des Themas Kinderlosigkeit
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Psalm 113 im Hinblick auf seine poetische Struktur, seinen theologischen Gehalt sowie seine Relevanz im alttestamentlichen und heutigen Kontext. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie der Psalm trotz seiner antiken Entstehung als Ausdruck von Gottes Souveränität und Zuwendung, insbesondere zu Unterdrückten und Kinderlosen, verstanden werden kann.
- Strukturelle Analyse und Gattungsbestimmung von Psalm 113
- Die Einordnung des Psalms in den Kontext des Pesach-Hallels
- Die Bedeutung von Gottes Macht und seiner Zuwendung zu den Armen
- Die Thematisierung von Kinderlosigkeit als Ausdruck einer Notsituation
- Die heutige Aktualität und Relevanz des Psalms als Trostquelle
Auszug aus dem Buch
4. Gattung und Aufbau des Psalms
Der Psalm trägt in der Lutherbibel den Titel „Gottes Hoheit und Huld“. Diese Überschrift deutet schon an, welcher der sieben Psalmgattungen Psalm 113 angehört. Die Gattung eines Psalms „bestimmt den Aufbau […], das Inventar seiner Motive und seine theologische Intention“.4 Nicht alle Psalmen sind eindeutig einer Gattung zuzuordnen, weil sie meist eine Mischung aus Originalität und Konventionalität darstellen. Psalm 113 ist jedoch idealtypisch für seine Gattung. Er gehört den Hymnen/Lobpsalmen an und folgt daher idealtypisch dem Muster, dass zunächst eine Aufforderung zum Lob Gottes erscheint, auf die danach die Begründung und Durchführung des Lobpreises folgt. 5
Am vorliegenden Psalm kann man den Aufbau gut rekonstruieren. Er setzt in Vers 1 mit einem imperativisch formulierten Aufruf zum Loben ein. Die ersten vier Verse tragen dabei alle Merkmale einer Einführung, wie sie im Hymnus üblich ist. Im fünften Vers wird eine rhetorische Frage gestellt („Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?“), die ebenfalls als charakteristisch für einen Hymnus, speziell sein Mittelstück, anzusehen ist. Darauf folgen von Vers 5b-9 im hebräischen Text mehrere Partizipien. 6
Die Frage danach, ob der Psalm in zwei oder drei Strophen einzuteilen sei, ist sehr umstritten. Viele Wissenschaftler plädieren dafür, dass der Psalm aus den drei Strophen Vers 1-3, Vers 4-6 und Vers 7-9 besteht. Andere bevorzugen die Einteilung in die zwei Strophen Vers 1-4 und Vers 5-9. 7 Ich würde mich hierbei einer zweiteiligen Form anschließen, jedoch mit einer anderen Verteilung. Ich denke, dass die ersten drei Verse die Aufforderung zum Lob Gottes darstellen, während die folgenden Verse 4-9 die Begründungen dafür liefern, warum man Gott loben soll. Diese zweite Strophe kann zwar inhaltlich noch einmal untergliedert werden, aber ich halte es nicht für sinnvoll, es als eine dritte Strophe auszugeben. Prinsloo nennt dabei den ersten Teil der zweiten Strophe, der Vers 4-6 umfasst, The Lord’s nature (Das Wesen des Herrn) und den zweiten Teil, der mit Vers 7 beginnt und Vers 9b schließt, The Lord’s deeds (Die Taten des Herrn).8 Dieser Einteilung schließe ich mich an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bibeltext Psalm 113: Präsentation der vollständigen revidierten Lutherübersetzung von 1984 des Psalm 113 als Grundlage für die nachfolgende Analyse.
2. Allgemeine Einführung: Der Autor erläutert die Beweggründe für die Wahl von Psalm 113 und begründet die Entscheidung für die verwendete Lutherübersetzung trotz alternativer Ansätze.
3. Einordnung in das Buch der Psalmen: Untersuchung der Stellung des Psalms innerhalb des Psalters, wobei Psalm 113 als Beginn des Pesach-Hallels und als Teil des fünften Buches identifiziert wird.
4. Gattung und Aufbau des Psalms: Bestimmung des Psalms als Hymnus mit einer zweistufigen Struktur, die Aufforderung zum Lob und Begründung miteinander verbindet.
5. Besondere Merkmale des Psalms: Analyse stilistischer Mittel wie dem Leitwort "Loben" und dem "parallelismus membrorum", die den Psalm als Unikat hervorheben.
6. Gesellschaftlicher Kontext, Quellen und Datierung: Erläuterung des nachexilischen Hintergrunds und der Bedeutung des Psalms als kollektives Danklied für das Volk Israel.
7. Betrachtung des Themas Kinderlosigkeit: Untersuchung der symbolischen und gesellschaftlichen Relevanz von Kinderlosigkeit als Ausdruck einer Unterdrückungssituation im alttestamentlichen Kontext.
8. Fazit: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnis, dass Gottes Größe und sein Herabbeugen zu den Menschen Trost und Stärkung bietet.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Psalm 113, Hymnus, Lob Gottes, Pesach-Hallel, Altes Testament, Kinderlosigkeit, Gottes Souveränität, Gerechtigkeit, Unterdrückung, Exegese, Psalmenbuch, Theologie, Gottes Herrlichkeit, Rettung, Liturgie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer exegetischen und inhaltlichen Analyse von Psalm 113, um dessen Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Gattung des Hymnus, die Einordnung des Psalms im Psalter, die Rolle Gottes als Machtvoller Helfer sowie die Thematik der Kinderlosigkeit im Alten Testament.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Psalm 113 trotz seines antiken Ursprungs als bedeutsamer Text verstanden werden kann, der Gottes Größe mit seiner konkreten Zuwendung zu leidenden Menschen verbindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse der Lutherübersetzung unter Einbeziehung theologischer Fachliteratur, um Struktur, Aufbau und Intention des Psalms zu erschließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Bestimmung des Psalms (Gattung, Aufbau), die Untersuchung sprachlicher Merkmale und die Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext, inklusive einer speziellen Betrachtung der Kinderlosigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Hymnus, das Pesach-Hallel, die Souveränität Gottes und der Trost für Menschen in Notsituationen.
Warum ist Psalm 113 laut der Arbeit als Unikat zu betrachten?
Obwohl er konventionelle Gattungsmerkmale eines Hymnus aufweist, ist die spezifische Kombination aus Machtanspruch Gottes und der Zuwendung zu den Geringen und Kinderlosen in dieser Form einzigartig unter den 150 Psalmen.
Welche Bedeutung kommt der Kinderlosigkeit im Psalm zu?
Sie dient als exemplarisches Sinnbild für Unterdrückung und soziale Ausgrenzung, wodurch der Psalm eine Offenheit für die individuelle Not von Frauen erfährt, die in den damaligen gesellschaftlichen Strukturen marginalisiert waren.
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- Katrin Zulauf (Author), 2007, Über Psalm 113 - Gottes Hoheit und Huld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93325