Städteplanung und Großwohnsiedlungen

Ein Ost- / Westvergleich 1949-1989


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Sozialgeschichtliche Voraussetzungen & die Entstehung von Leitbildern der Stadtplanung
1. Die Phase des Wiederaufbaus 1945 – 1960
1.1. Bundesrepublik Deutschland
1.2. Deutsche Demokratische Republik
2. Wachstum und Verdichtung 1960 – 1975
2.1. Bundesrepublik Deutschland
2.2. Deutsche Demokratische Republik
3. Zeiten des Wandels 1975 bis 1989
3.1. Bundesrepublik Deutschland
3.2. Deutsche Demokratische Republik

II. Die Großwohnsiedlung zweier deutscher Staaten
1. Die Großwohnsiedlung der BRD
2. Die ostdeutsche „Platte“

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einführung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag Deutschland in Trümmern und Millionen von Vertriebenen und Flüchtlingen waren auf der Suche nach Unterkunft. Deshalb bestand die schwierige Aufgabe darin, neben einer Auseinandersetzung mit der soeben erlebten Vergangenheit auch die Zukunft zu bewältigen. Dies geschah aufgrund der Aufteilung Deutschlands in alliierte Besatzungszonen auf unterschiedliche Weise. Während in den Zonen der westlichen Alliierten ein demokratischer Staat mit marktwirtschaftlichen Strukturen errichtet werden sollte, gestalteten die Sowjets in ihrer Besatzungszone einen sozialistischen Staat mit planwirtschaftlichen Strukturen.

Im Bauwesen war die Beseitigung der Wohnungsnot die herausragende Aufgabe der Nachkriegszeit in beiden Teilen Deutschlands. Hierzu wurde anfänglich auch an die Erfahrungen des sozialen Wohnungsbaus der 1920er und 1930er Jahre angeknüpft.

Doch nach der Konstatierung der beiden deutschen Staaten 1949 sahen sich sowohl die Bundesrepublik als auch die Deutsche Demokratische Republik mit dem Problem konfrontiert, vom Krieg zerstörte Städte wieder aufzubauen und gleichzeitig neue Staaten zu festigen und zu repräsentieren.

Ich möchte für diese Arbeit die Annahme voraussetzen, dass sich politische Ideologien auch in der Stadtplanung widerspiegeln. Um diese These zu überprüfen, werde ich die sozialgeschichtliche Entwicklung und ihr Einfluss auf die Leitbilder der Stadtplanung erarbeiten.

Hierzu soll versucht werden, mögliche gesellschaftliche Gründe für Entscheidungen im Städtebau auszuarbeiten. Dies gilt insbesondere für die Entscheidungsgrundlagen zum Bau von Großwohnsiedlungen.

Im ersten Teil der Arbeit werde ich den genannten sozialgeschichtlichen Abriss darstellen. Im zweiten Abschnitt möchte ich den Vergleich auf Großwohnsiedlung spezifizieren.. Es soll die Frage untersucht werden, ob es Differenzen zwischen den ostdeutschen Plattensiedlungen und der westdeutschen Großwohnsiedlung gibt. Ist die sogenannte „Platte“ wirklich ein ostdeutsches Phänomen oder gab es nicht auch auf dem Gebiet der Bundesrepublik Großwohnsiedlungen mit ähnlicher sozialer Problematik? Inwiefern unterscheiden sie sich?

Um einen besseren Vergleich zu ermöglichen, werde ich noch zwei deutsche Großwohnsiedlungen in ihren soziologischen Aspekten direkt vergleichen: die Gropiusstadt in Berlin-Neukölln und Halle-Neustadt.

Das Thema Wohnen und Architektur in West und Ost ist bis heute schon relativ gut erforscht.

Zu einigen wenigen Bereichen gibt es vielseitige und auch umfangreiche Literatur. Dies gilt beispielsweise für die Auseinandersetzung mit der „Platte“ und ihrer Wohnqualität. Doch einen vergleichenden Blick haben bis jetzt nur wenige gewagt.

Vor allem die Baugeschichte der ehemaligen DDR ist bisher noch relativ unerforscht geblieben, was vor allem an der ziemlich schlechten Quellenlage liegt.

Aber auch Zusammenhänge zwischen Sozialem, Historischem, Politischem und der Architektur sind bisher nicht in ausreichendem Maße untersucht worden.

In dieser Arbeit wird sehr differenzierte Literatur Verwendung finden. Es sollen sowohl Primärquellen als auch Sekundärliteratur berücksichtigt werden.

Ein interessantes Werk ist von Peter Neumann „Berlin-Marzahn und Märkisches Viertel“. Der Autor vergleicht darin beide Siedlungen anhand ihrer Entstehung und Struktur.

Weiterhin sehr empfehlenswert ist Häußermann´s „Großstadt. Soziologische Stichworte.“ Eine gute Grundlage zum Thema „Platte“ bietet „Die Platte. Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR“ von Christine Hannemann.

I. Sozialgeschichtliche Voraussetzungen & die Entstehung von Leitbildern der Stadtplanung

1. Die Phase des Wiederaufbaus 1945 – 1960

Quantitativ war die Beseitigung der Wohnungsnot die herausragende Bauaufgabe der Nachkriegszeit sowohl in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) als auch in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Sowohl in der BRD als auch in der DDR knüpfte man zunächst an den Sozialen Wohnungsbau der 1920er und 1930er Jahre an. Dennoch gingen beide Länder bald signifikant eigene Wege. Neben divergierenden architektonischen Leitbildern waren diese auch unterschiedlichen Produktionsmitteln geschuldet.

1.1. Bundesrepublik Deutschland

Für Millionen Flüchtlinge mussten neue Wohnungen geschaffen werden. Bei der Volkszählung 1950 waren auf dem Gebiet der BR fast acht Millionen Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aus der Tschechoslowakei und aus Südeuropa sowie 1,5 Millionen aus der Sowjetischen Besatzungszone Zugewanderte registriert worden. Neue Staatsbürger stellten also bereits 1950 ein Fünftel der Einwohnerschaft der jungen Bundesrepublik.[1] Diese gewaltige Aufgabe bedeutete für die städtebauliche Planung eine große Faszination wegen der historisch einmaligen Chance, etwas grundsätzlich Neues schaffen zu können. Trotzdem lässt sich sagen, dass in der BRD eher eine generelle Planungsfeindlichkeit herrschte, die als Reaktion auf die Planwirtschaft der DDR zu sehen ist.

Dennoch gelang es der Bundesrepublik allein zwischen 1950 und 1960 fünf Millionen Wohnungen zu errichten, davon etwa 60 Prozent staatlich subventionierte Sozialwohnungen. Im Laufe der fünfziger Jahre erhöhte sich die Quadratmeterzahl dieser Wohnungen von 53 auf 68, verteilt auf vier Zimmer. Aufgrund dieser Ausweitung verlagerte sich der Wohnungsbau an den Rand der städtischen Ballungszentren. So entstanden die sogenannten „Schlafstädte“, die in einem späteren Abschnitt noch näher erläutert werden sollen.[2]

In der jungen Bundesrepublik wurden zwei unterschiedliche städtebauliche Leitbilder verfolgt, die man versuchte miteinander in Einklang zu bringen.

[...]


[1] Bundeszentrale für politische Bildung: Heft 256. Deutschland in den fünfziger Jahren. Jg. 2003. S. 5.

[2] Vgl. hierzu. Jessen, Johann: Großsiedlungen – West, in: Häußermann, Hartmut (Hrsg.): Großstadt.

Soziologische Stichworte. Opladen 2000. S. 104f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Städteplanung und Großwohnsiedlungen
Untertitel
Ein Ost- / Westvergleich 1949-1989
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Soziologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V93345
ISBN (eBook)
9783638068093
ISBN (Buch)
9783656306146
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städteplanung, Großwohnsiedlungen
Arbeit zitieren
Katrin Spott (Autor:in), 2006, Städteplanung und Großwohnsiedlungen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93345

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