Der jüdische Friedhof in Potsdam. Die Entwicklung von 1933 bis 2018

Eine kurze Darstellung


Facharbeit (Schule), 2018

13 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Der Jüdische Friedhof in Potsdam
1.1 Entstehung
1.2 Geschichte nach
1.3 Veränderung nach

2 Zerstörungen und Schändungen

3 Beerdigungen

Fazit

Literaturverzeichnis
Bücher
Broschüre
Online-Dokumente

Einleitung

Die Geschehnisse in der deutschen Geschichte stellen noch heute relevante Ereignisse dar. Dramatische und folgenreiche waren unter anderem der Erste und der Zweite Weltkrieg, die das Land erschütterten. Der zweite Weltkrieg hat das Leben aller Menschen in und um Deutschland stark beeinflusst, insbesondere die Bevölkerungsgruppen, die verfolgt, zu Zwangsarbeit gezwungen und grausam vernichtet wurden. Durch die selbsternannte Aufgabe Deutschland judenfrei zu machen, wurden nicht nur die Juden misshandelt und getötet, sondern auch deren Eigenturm zerstört, ihre Friedhöfe geschändet, Synagogen abgebrannt und Geschäfte demoliert. Jüdische Friedhöfe sind Zeugen der jüdischen Kultur und Religion, leider sind sie oft dem nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungswahn zum Opfer gefallen.

Gegenstand dieser Facharbeit soll der jüdische Friedhof in Potsdam nach 1933 sein. Der jüdische Friedhof in Potsdam wird von mir dargestellt, da er die NS-Zeit relativ unbeschadet überstand und im Jahr 1999 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurde.

Mit diesem Thema hat sich zuletzt die Historikerin Anke Geißler in ihrer 2016 erschienenen Publikation „Spurensuche auf dem jüdischen Friedhof in Potsdam“ auseinandergesetzt. Ihre Erkenntnisse, der Besuch des Friedhofes, meine Recherchen im Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam sowie Internetrecherchen dienten als Grundlage meiner Facharbeit.

Zuerst werde ich mich mit der allgemeinen Geschichte des jüdischen Friedhofes beschäftigen. Darunter zählen die Entstehung, die Geschichte nach 1933 und die Veränderung nach 1988. Im zweiten Teil gehe ich auf die Zerstörungen und Schändungen des jüdischen Friedhofes ein. Anschließend berichte ich über jüdische Beerdigungen und deren Rituale. Zuletzt werde ich in meinem Fazit die Fragestellung: „Welche Auswirkungen hatte Hitlers Machtübernahme auf den jüdischen Friedhof in Potsdam?“ auseinandersetzen.

1 Der Jüdische Friedhof in Potsdam

1.1 Entstehung

„Jüdische Friedhöfe sind in vielen Orten die einzigen augenfälligen Zeugen jüdischen Lebens in der Mark Brandenburg. Sie wurden im Glauben an die leibliche Auferstehung der Toten am Ende der Tage auf Dauer angelegt. Heute sind von den über 60 noch nachweisbaren Friedhöfen in Brandenburg nur wenige nicht zerstört. Mit ihren Lücken und Spuren der Zerstörung, aber vor allem auch mit ihren teils verwitterten Inschriften, sind diese "Häuser des Lebens", wie sie auf Hebräisch häufig genannt werden, Spiegel des Lebens der Einzelnen wie auch des Schicksals der Gemeinden. Doch dieser Spiegel ist durch den Wandel der Zeiten und den gewaltsamen Abbruch der Tradition trübe geworden und oftmals zersprungen.“1

Am 28. Oktober 1743 erwarb die jüdische Gemeinde in Potsdam von Friedrich II ein ca. 200 Fuß in Quadrat großes Gelände als Begräbnisplatz, hinter dem Weinberg am Südhang des Stellmachers Heinicken.2 Damit gleich ein dazugehöriger Zaun erbaut werden konnte, erfolgte die Vorfinanzierung durch den königlichen Hofmedikus Frese. Heute ist der Friedhof der Flächengrößte seiner Art in Brandenburg, zu finden am Fußweg zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche von Alexandrowka und dem Belve­dere.3

Die ersten Juden kamen 1690 nach Potsdam, zur Beisetzung brachten sie ihre Toten anfangs auf den entfernten Friedhof in Berlin.4 Nachdem 1743 der jüdische Friedhof in Potsdam angelegt wurde, war Frau Edel die erste nachweisbare Tote, die auf dem Friedhof beerdigt wurde. Sie verstarb bereits vor der Eröffnung am 14. Februar 1742. Bis zum heutigen Tage ist nicht klar, ob die Verstorbene an den „Guten Ort“ umgebettet oder gleich dort beerdigt wurde. Ihr schlichter Grabstein trägt die Bel-Nr. 59.5 Der Grabstein von Frau Edel ist aus Sandstein, Granit und Marmor, er ist der älteste Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Potsdam.

Er wurde im schlichten Stil des 18. Jahrhunderts gestaltet mit einem eingezogenen Rundbogen und Verzierungen. Er ist in hebräischer Schrift geschrieben, die dann in Deutsch übergeht.6

Nach einem vergeblichen Ansuchen an den König die Kosten zu übernehmen, wurde obwohl kaum Gelder zur Verfügung standen, im Jahr 1801 aufgrund der hohen Zahl an Sterbefällen eine Steinmauer um das Areal gezogen. Ebenfalls wurde eine erste Trauerhalle errichtet. An den Mauern wurden Schilder angebracht die Strafgelder ankündigten, für diejenigen, die das Areal beschädigen. Der Bau dieser Steinmauer wurde an den Maurermeister Lindner für einen Preis von 615 Reichtaler übertragen. Die Mauer blieb das Sorgenkind der Gemeinde. Ob dies an einer schlecht ausgeführten Arbeit oder an minderwertigen Materialien lag, kann nicht mehr gesagt werden. Es kam immer wieder zu Beschädigungen, die wiederholt erneuert und repariert werden mussten. Später wurde die Mauer von Grund auf neu erbaut. Weil sich die Anforderungen an die Leichenhalle änderten, musste die im Jahr 1801 erbaute Leichenhalle im Jahr 1856 abgerissen und neu erbaut werden.7

Nach einem Besuch 1817 von Königin Luise wurde der sogenannte Judenberg, auf den Namen Pfingstberg getauft.8 Durch Platzmangel, der durch die stark wachsende Jüdische Bevölkerung entstand, benötigte das Friedhofsgelände drei Erweiterungen in den Jahren 1874, 1910 und 1920. Im Jahr 1910 wurde von den Architekten Börnstein und Kopp die große Trauerhalle und das Gärtnerhaus im neoklassizistischen Stil erbaut.9

1.2 Geschichte nach 1933

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei übernahm am 30.Januar 1933 die Macht in Deutschland. Paul von Hindenburg ernannte den NSDAP Vorsitzenden Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler. Für die jüdische Bevölkerung begann eine Zeit des Leids, der Angst und der Verfolgung.10 Am 09. November 1938, in der Reichspogromnacht schändeten die Nationalsozialisten den Friedhof und plünderten die Trauerhalle.

Es gab die Anordnung zur Reichsmetallspende. Dabei wurden alle Buntmetalle vom Friedhof entfernt. Juden durften nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen. Ihr Besitz (jüdische Geschäfte, Betriebe und Grundstücke) wurden enteignet. Die jüdische Gemeinde wurde zum Verkauf ihrer Synagoge gezwungen. Viele Familien flüchteten, jungen Juden gelang es ins Exil zu gehen oder sie tauchten in Berlin unter.11 Ab Januar 1939 mussten jüdische Männer den Zwangsnamen Israel und jüdische Frauen den Zwangsnamen Sara tragen. Zu dieser Zeit befanden sich noch 175 Juden in Potsdam. Der letzte Rabbiner ist 1940 mit seiner Familie aus Deutschland geflohen. Ab dem 01. September 1941 mussten alle noch verbliebenen Juden ab dem sechsten Lebensjahr den gelben Davidstern „Judenstern“ tragen. Die Juden sollten erkennbar sein und es sollte kein Entkommen geben. Auf dem sechszackigen Stern musste das Wort "Jude" zu lesen sein. Man hatte sich zum Ziel gesetzt Deutschland judenfrei zu machen.12

1941 wurde die Potsdamer jüdische Gemeinde mit ihrem Besitz in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zwangseingegliedert. Beerdigungen erfolgten auf dem Pfingstberg, ab 1942 ohne Grabsteine. Die letzten 40 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Potsdam wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert. Die Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, die meisten von ihnen kamen dort gewaltsam ums Leben. Es fand in dieser Zeit kein jüdisches Leben mehr in Potsdam statt.13

Da es in Potsdam keine Juden mehr gab, die sich um die Pflege des Friedhofs hätten kümmern können, übernahm dies die städtische Friedhofsverwaltung. 1980 sollte die Trauerhalle sogar abgerissen werden, da die Verwahrlosung durch Wetter und Schändung groß war.

1944 wurde der Friedhof für 10.000 RM an die Stadt Potsdam zwangsverkauft. Der Kaufpreis wurde nie gezahlt, es erfolgte auch keine Grundbucheintragung. Aufgrund eines mehrstufigen Prozesses und dem Krieg blieb die Abwicklung jüdischer Vermögenswerte unvollendet. 14

1.3 Veränderung nach 1988

In einer großen Aufräumaktion engagierte sich eine Gruppe Jugendlicher der ehemaligen FDJ, die auch der junge Matthias Platzeck angehörte für den jüdischen Friedhof. 1989 wurde Wildwuchs gerodet, dabei wurden zwei Grabsteine entdeckt, die mutwillig beschädigt waren. Unter fachlicher Leitung durch das Amt für Denkmalpflege entstand ab dem Jahr 1990 ein mehrjähriges Sanierungskonzept für den Friedhof. Dazu erfolgte eine sorgfältige Vermessung des Bestandes an 532 Grabmälern. Mit Geldmitteln von über 2,5 Millionen DM konnte der seit 1977 denkmalgeschützte Friedhof wiederhergestellt werden. Ebenfalls wurde erneut die marode Friedhofsmauer ersetzt. Internationale Studentenprojekte übernahmen zusätzlich die Pflege.15

Durch den Fall der Berliner Mauer 1989 und der Zuwanderung 1991 der Juden aus der untergehenden UdSSR und ihrer Nachfolgestaaten kehrte wieder jüdisches Leben nach Potsdam zurück. Die Jüdische Gemeinde im Land Brandenburg wurde neu gegründet.16 Es erfolgte eine Entscheidung zur Wiederherstellung der Trauerhalle mit ihrer monumentalen Fassade. Die offizielle Einweihung der Trauerhalle erfolgte am 30. Juni 1995. Die Landeshauptstadt Potsdam kann damit den einzigen voll funktionstüchtigen jüdischen Friedhof für das Land Brandenburg vorweisen und ist der einzige Ort auf den Beisetzungen nach dem Religionsgesetz, der Halacha, in Würde und ohne Provisorien stattfinden können.17 Der Friedhof wurde 1999 als einziger jüdischer Friedhof in Deutschland zum Weltkulturerbe anerkannt.18

Im Jahr 2001 erfolgte ein Anschlag auf die Trauerhalle. Dies veranlasste den ehemaligen Potsdamer John Gersmann dazu eine Stiftung für den Erhalt und Pflege des Friedhofes zu gründen.

Durch die ungeklärten Eigentumsverhältnisse verblieb der Friedhof bis zu Wiedereröffnung im November 1995 bei der religiösen Organisation Jewish Claims Conference. Danach wurde er auf die Potsdamer jüdische Gemeinde übertragen und ging 2011 in das Eigentum des Landesverbandes der Juden in Brandenburg über.19

2012 wurde von der Beerdigungsgemeinschaft Chewra Kadischa bei Sanierungsarbeiten an einem für Besucher zugänglichen Gehweg eine traurige Entdeckung gemacht. Dieser ca. 6 Meter lange Weg ist gepflastert aus Grabsteinen, die mit ihren Inschriften nach unten gerichtet waren. Es wurden ebenfalls zwei Grabtafeln gefunden, die von Kindergräber von einem fünf jährigen und einen neun monatigen Jungen stammen.20 Die Grabtafeln der beiden Kinder stammen vom Kinderfriedhof am oberen Ende des Friedhofes.21 In Abstimmung mit dem Denkmalschutz sollen diese restauriert und würdevoll aufgestellt werden.22

Der Grabstein Bel-Nr. 532 gehört zu dem am 09. Juli 2003 verstorbenen Stifter John Gersmann. Da er die Gefahren mit Hitlers Machtantritt sah, ist er 1938 in die USA ausgewandert. Erst 1989/1990 war es ihm vergönnt wieder in die Stadt seiner Jugend zurückzukehren. Mit seiner Schwester kümmerte er sich um die Restaurierung und Wiederherstellung der Grabanlagen seiner Familie. Seine Beisetzung 2003 war die letzte die im historischen Bereich des Friedhofs stattfand und stellt damit eine Besonderheit dar.23

Die Erschließung des Friedhofs ist inzwischen abgeschlossen. Es wurden alle 532 Gräber fotografiert und dokumentiert. Die Inschriften wurden übersetzt und mit Anmerkungen zum besseren Verstehen ergänzt. Es gelang durch das Vergleichen von Sterberegistern mit Namen und deren Verwandtschaftsgrad 1.020 Juden zu identifizieren. Dadurch konnte nachvollzogen werden, dass sich viele Juden vor dem Holocaust retten konnten. Die Inschriften der Grabstätten wurden in einer Datenbank erfasst. Aus nutzungsrechtlichen Gründen ist dieser Teil aber nicht freigeschaltet.24

[...]


1 S. Geißler, Anke (2017) [15.12.2017]

2 Vgl. Kaelter, Robert (1993) S. 97

3 Vgl. Weißleder, Wolfgang (2002) S. 86 –89

4 Vgl. Geißler, Anke: (2017) [15.12.2017]

5 Vgl. Geißler, Anke (2016a) S. 28

6 Vgl. Geißler, Anke (2016b) S. 161 [16.12.2017]

7 Vgl. Weißleder Wolfgang (2002) S. 86 –89

8 Vgl. Robert Kaelter (1993) S. 97-98

9 Vgl. Geißler, Anke (2016) S. 9

10 Vgl. Faix, Johann/ Krusemark, Robert: (2017) [16.12.2017]

11 Vgl. Geißler, Anke (2016a) S. 8

12 Vgl. Jokel, Julia (ohne Jahr) [17.12.2017]

13 Vgl. Faix, Johann/ Krusemark, Robert (2017) [16.12.2017]

14 Vgl. Geißler, Anke (2016a) S. 8

15 Vgl. Berul, Feliks (ohne Jahr) [16.12.2017]

16 Vgl. Faix, Johann/ Krusemark, Robert (2017) [16.12.2017]

17 Vgl. Berul Feliks (ohne Jahr) [16.12.2017]

18 Vgl. Potsdam Museum (ohne Jahr) [21.01.2017]

19 Vgl. Geißler, Anke (2016a) S. 9

20 Vgl. Janicke Gudrun (2016) [24.01.2017]

21 Vgl. Oelschläger Volker (2016) [24.01.2017]

22 Vgl. Janicke Gudrun (2016) [24.01.2017]

23 Vgl. Geißler, Anke (2016a) S. 46

24 Vgl. Geißler, Anke (2016b) S. 161 [17.12.2017]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der jüdische Friedhof in Potsdam. Die Entwicklung von 1933 bis 2018
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Note
1,5
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V933618
ISBN (eBook)
9783346263308
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedhof, potsdam, entwicklung, eine, darstellung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Der jüdische Friedhof in Potsdam. Die Entwicklung von 1933 bis 2018, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/933618

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