Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und insbesondere die nationalsozialistische Verfolgung haben tiefe Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen. Unter den zahlreichen Opfern des menschenverachtenden Regimes befanden sich auch die jüdischen Gemeinden, die nicht nur physisch gelitten haben, sondern auch durch die Zerstörung ihrer Kultur- und Gedenkstätten schwer getroffen wurden. Diese Facharbeit widmet sich einem besonderen Ort des Gedenkens und der Geschichte, nämlich dem jüdischen Friedhof in Potsdam.
Die Geschehnisse auf diesem Friedhof, der sich durch seine vergleichsweise unbeschadete Bewahrung während der NS-Zeit auszeichnet, stellen ein wichtiges Zeugnis der jüdischen Kultur dar. Im Jahr 1999 wurde der Friedhof sogar als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Das Interesse an diesem speziellen Ort gründet sich nicht nur auf seiner historischen Bedeutung, sondern auch auf die Frage, inwiefern die Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 Auswirkungen auf diesen jüdischen Friedhof hatte.
Die Grundlage für diese Facharbeit bildet einerseits die 2016 veröffentlichte Arbeit der Historikerin Anke Geißler mit dem Titel "Spurensuche auf dem jüdischen Friedhof in Potsdam". Zusätzlich flossen eigene Besuche des Friedhofs, Recherchen im Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam sowie umfassende Internetrecherchen in die Erstellung dieser Arbeit ein.
Die Gliederung dieser Facharbeit folgt einem chronologischen Ansatz, beginnend mit der Entstehung des jüdischen Friedhofs. Hierbei werden insbesondere die Geschichte nach 1933 und die Veränderungen nach 1988 eingehend betrachtet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Zerstörungen und Schändungen, denen der Friedhof ausgesetzt war. Im dritten Abschnitt wird der Fokus auf jüdische Beerdigungen und ihre rituellen Aspekte gerichtet. Abschließend wird das Fazit die zentrale Fragestellung aufgreifen und die Auswirkungen von Hitlers Machtübernahme auf den jüdischen Friedhof in Potsdam reflektieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Der Jüdische Friedhof in Potsdam
1.1 Entstehung
1.2 Geschichte nach 1933
1.3 Veränderung nach 1988
2 Zerstörungen und Schändungen
3 Beerdigungen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Facharbeit untersucht die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Potsdam unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme ab 1933. Das primäre Ziel ist es, die Zerstörungsprozesse, die zeitweilige Aufgabe des Friedhofs sowie die spätere Wiederherstellung und heutige Bedeutung des Ortes als historisches Zeugnis wissenschaftlich darzustellen und die Forschungsfrage zu klären, wie sich die politische Zäsur von 1933 konkret auf diesen Begräbnisort auswirkte.
- Historische Entwicklung des Potsdamer jüdischen Friedhofs seit der Gründung 1743
- Die Auswirkungen der NS-Zeit auf jüdische Bestattungskultur und Friedhofsareale
- Prozesse der Schändung, Zerstörung und späteren Sanierung/Denkmalpflege
- Rituale und Bestattungspraktiken im jüdischen Glauben
- Die Rolle des Friedhofs als Gedenkort und Weltkulturerbe
Auszug aus dem Buch
1.1 Entstehung
„Jüdische Friedhöfe sind in vielen Orten die einzigen augenfälligen Zeugen jüdischen Lebens in der Mark Brandenburg. Sie wurden im Glauben an die leibliche Auferstehung der Toten am Ende der Tage auf Dauer angelegt. Heute sind von den über 60 noch nachweisbaren Friedhöfen in Brandenburg nur wenige nicht zerstört. Mit ihren Lücken und Spuren der Zerstörung, aber vor allem auch mit ihren teils verwitterten Inschriften, sind diese "Häuser des Lebens", wie sie auf Hebräisch häufig genannt werden, Spiegel des Lebens der Einzelnen wie auch des Schicksals der Gemeinden. Doch dieser Spiegel ist durch den Wandel der Zeiten und den gewaltsamen Abbruch der Tradition trübe geworden und oftmals zersprungen.“
Am 28. Oktober 1743 erwarb die jüdische Gemeinde in Potsdam von Friedrich II ein ca. 200 Fuß in Quadrat großes Gelände als Begräbnisplatz, hinter dem Weinberg am Südhang des Stellmachers Heinicken. Damit gleich ein dazugehöriger Zaun erbaut werden konnte, erfolgte die Vorfinanzierung durch den königlichen Hofmedikus Frese. Heute ist der Friedhof der Flächengrößte seiner Art in Brandenburg, zu finden am Fußweg zwischen der Russisch Orthodoxen Kirche von Alexandrowka und dem Belvedere.
Die ersten Juden kamen 1690 nach Potsdam, zur Beisetzung brachten sie ihre Toten anfangs auf den entfernten Friedhof in Berlin. Nachdem 1743 der jüdische Friedhof in Potsdam angelegt wurde, war Frau Edel die erste nachweisbare Tote, die auf dem Friedhof beerdigt wurde. Sie verstarb bereits vor der Eröffnung am 14. Februar 1742. Bis zum heutigen Tage ist nicht klar, ob die Verstorbene an den „Guten Ort“ umgebettet oder gleich dort beerdigt wurde. Ihr schlichter Grabstein trägt die Bel-Nr. 59. Der Grabstein von Frau Edel ist aus Sandstein, Granit und Marmor, er ist der älteste Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Potsdam.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung jüdischer Friedhöfe als Zeugen der Geschichte und definiert das Ziel der Arbeit, die Entwicklung des Potsdamer Friedhofs unter dem Einfluss des Nationalsozialismus zu untersuchen.
1 Der Jüdische Friedhof in Potsdam: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung des Friedhofs im 18. Jahrhundert, die historische Entwicklung bis zur NS-Zeit sowie die Sanierung und Wiederbelebung nach 1988.
2 Zerstörungen und Schändungen: Der Abschnitt beschreibt die systematische Zerstörung des Friedhofs während der NS-Herrschaft sowie die Vorkommnisse und Schändungen in der Zeit der DDR und nach der Wiedervereinigung.
3 Beerdigungen: Dieses Kapitel gibt einen Einblick in die jüdische Bestattungskultur, die religiösen Rituale und die spezifischen Regeln, die bei Beisetzungen auf dem Potsdamer Friedhof befolgt werden.
Fazit: Das Fazit fasst die Auswirkungen der historischen Ereignisse auf den Friedhof zusammen und würdigt dessen heutige Rolle als Gedenkstätte und UNESCO-Weltkulturerbe.
Schlüsselwörter
Jüdischer Friedhof, Potsdam, Nationalsozialismus, Reichspogromnacht, Schändung, Denkmalpflege, Bestattungsrituale, Halacha, Geschichte, Kulturerbe, Jüdische Gemeinde, Zerstörung, Sanierung, Erinnerungskultur, Zeugenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Historie des jüdischen Friedhofs in Potsdam und analysiert dabei insbesondere, wie die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 und der Zweite Weltkrieg diesen Ort beeinflusst und geprägt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die Gründung des Friedhofs, die Auswirkungen der NS-Verfolgung auf die jüdische Gemeinde und deren Friedhof, die verschiedenen Phasen der Schändung sowie die jüdische Bestattungskultur und die heutige Bedeutung des Ortes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, welche Auswirkungen Hitlers Machtübernahme auf den jüdischen Friedhof in Potsdam hatte, und dabei den Weg von der Entstehung bis zur heutigen Anerkennung als Weltkulturerbe aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Fachpublikationen wie denen von Anke Geißler, Recherchen in Archiven wie dem Moses-Mendelssohn-Zentrum sowie einer Auswertung aktueller Online-Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine Geschichte des Friedhofs, die Dokumentation der Zerstörungen und Schändungen in verschiedenen Epochen sowie eine detaillierte Beschreibung der rituellen Bestattungspraxis im Judentum.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Jüdischer Friedhof, Potsdam, Nationalsozialismus, Schändung, Denkmalpflege, Bestattungsrituale und Erinnerungskultur.
Wie ging man in der NS-Zeit mit dem Friedhof um?
Der Friedhof wurde durch Erlasse zur "Reichsmetallspende" geplündert, Gräber wurden geschändet, Buntmetalle entfernt und die Trauerhalle wurde geplündert. Zudem wurde die jüdische Gemeinde zur Zwangseingliederung und schließlich zum Zwangsverkauf des Areals gedrängt.
Was ist das Besondere an der Beerdigung von John Gersmann?
John Gersmann war ein Stifter, der 1938 in die USA emigrierte. Seine Beisetzung im Jahr 2003 war die letzte Bestattung, die im historischen Bereich des Friedhofs stattfand, was sie zu einer Besonderheit macht.
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- Anonym (Author), 2018, Der jüdische Friedhof in Potsdam. Die Entwicklung von 1933 bis 2018, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/933618