Die Frankophonie und der Einfluss des Französischen in Tunesien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Der Begriff Frankophonie
1.2. Ziel der Studienarbeit

2. Geschichtliches zur Republik Tunesien

3. Die Entwicklung und Verbreitung des Arabischen im Maghreb

4. Einfluss des Französischen in Tunesien

5. Entlehnungen und Mischformen im tunesischen Dialekt

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Der Begriff Frankophonie

Auf sprachlicher Ebene bezeichnet die Frankophonie die Gesamtheit aller französischsprachigen Staaten. Der funktionale Status in den einzelnen Ländern ist jedoch unterschiedlich. In einem Land kann das Französische Muttersprache und einzige Amtssprache (Frankreich) oder eine Amtssprache eines mehrsprachigen Landes (Schweiz, Belgien, Kanada etc.) sein. Es kann ebenfalls eine Amtssprache in einem Land sein ohne dass es Muttersprache für weitere Bevölkerungsgruppen ist (Zaire, Kongo). Schließlich kann es auch nur eine Verkehrssprache (Madagaskar) oder eine privilegierte Bildungssprache (Tunesien, Libanon etc.) sein.[1]

Der Begriff „Frankophonie“ hat sich im Laufe der Zeit jedoch nicht nur auf die sprachliche Ebene beschränkt. Die Frankophonie repräsentiert heute auch ein gemeinsames sozialpolitisches und wirtschaftliches Netz jener Länder, die sich dem Französischen – unabhängig seiner Funktion im Land – bedienen. Es ist ein Projekt von internationalen Institutionen und Organisationen, das durch das Französische eine gemeinsame Basis für kulturellen und sozialpolitischen Austausch schaffen will. Andererseits ist es auch eine Strategie dem Englischen Konkurrenz zu machen.

Jedoch entstand im Zuge des Kolonialismus und hauptsächlich in den afrikanischen Ländern eine Art Widerstand gegen die Französisierung. Einige afrikanische Staaten und Bevölkerungsgruppen sehen das Französische als eine Bedrohung seitens des Neokolonialismus gegen die eigene Sprache im Land, die aufgrund des Französischen immer mehr zurückgedrängt wird. Auf der Oberfläche kann es schon möglich sein, dass mit Hilfe des Französischen afrikanische Staaten mehr und mehr in die westliche Welt integriert werden. Es ist gut möglich, dass sich für einige Menschen aus Afrika die Türen Europas öffnen und sie eine Möglichkeit für eine bessere berufliche und soziale Zukunft haben. Einige Menschen aus afrikanischen Ländern träumen Tag und Nacht davon nach Europa auszuwandern und ein neues Leben anzufangen. Denn das Französische oder auch das Englische würde den Zugang zum Beruf erleichtern. Dies ist nun mal die Geschichte, die sich so entwickelt hat. Westeuropäische Sprachen stehen für Fortschritt und Globalisierung. Dieses Faktum kann man nicht ändern oder rückgängig machen. Daher ist es vielleicht aus diesem Grund, dass einige Bevölkerungsgruppen das Französische als Bedrohung für die eigene Kultur sehen. Es ist für sie alles andere als eine Leitkultur oder eine privilegierte Sprache. Sie zerstöre die eigene Kultur im Land und würde die Verantwortung dafür tragen, wenn die heimischen Sprachen nach und nach aussterben würden.

1.2. Ziel der Studienarbeit

Ziel dieser Arbeit ist es genau dieses Phänomen des Französischen in Tunesien zu untersuchen. Gilt das Französische dort als eine „bessere“ Sprache? Ist es für die tunesische Bevölkerung eine Leitsprache, die Chancen für eine bessere Zukunft in Europa verleiht? Wie ist der Status des Französischen im Gegensatz zum Arabischen? Gibt es eine Art Wettstreit um die privilegiertere Sprache im Land?

Ein anderer Punkt, der in dieser Arbeit ebenfalls untersucht werden muss und der mehr im Mittelpunkt dieser Analyse steht, ist der Einfluss des Französischen auf den arabischen Dialekt Tunesiens. Wie bekannt besitzt eine Sprache, die in mehreren Ländern gesprochen wird, keine vollständige Homogenität. Es gibt verschiedene Sprachvarietäten, die davon abhängig sind welche andere Sprache im Land ebenfalls gesprochen wird und welche Auswirkungen dies auf das Französische und auch auf die einheimische Sprache hat. Der arabische Dialekt in Tunesien ist sehr durch das Französische geprägt. So findet man zahlreiche entlehnte Wörter aus dem Französischen, die auf dem ersten Blick arabisch klingen, da sie arabisiert wurden. Einige Wörter werde ich in dieser Arbeit vorstellen. Darüber hinaus ist der arabische Dialekt Tunesiens auch von anderen Sprachen geprägt worden. Welche das sind werden später aufgeführt. Ebenfalls wird auch analysiert, ob das Französische von der tunesischen Bevölkerung akzeptiert wird. Wie stehen z.B. tunesische Islamgelehrten zum Französischen? Sehen sie es als Bedrohung für die heilige arabische Sprache? Wie beliebt ist das Französische bei den Jugendlichen? Mögen wirklich mehr tunesische Frauen als Männer diese Sprache?

2. Geschichtliches zur Republik Tunesien

Von 1574 bis 1705 unterlag Tunesien dem Osmanischen Reich. 1705 gründete Hussain ibn Ali in Tunesien die Dynastie der Hussainiden und befreite somit Tunesien vom Osmanischen Reich. Als Sultan regierte er in Tunesien bis zum Jahre 1735. Die Dynastie der Hussainiden hielt bis zur Abschaffung der Monarchie im Jahre 1957 stand.

Im 19. Jahrhundert wurde die Freibeuterei in Tunesien abgeschafft und das Land geriet in eine wirtschaftliche Krise. Um die wirtschaftliche Lage zu verbessern, wurden Reformen durchgeführt. Abschaffung der Sklaverei, Reorganisation der Armee und die Gleichheit aller Bewohner Tunesiens vor dem Gesetz führten das Land dennoch zu einer hohen Verschuldung und zum Staatsbankrott. Obwohl die Reformen in der ersten arabischen Verfassung um 1861 bestätigt wurden, traten sie wegen Aufständen nie in Kraft. 1869 übernahmen Großbritannien, Frankreich und Italien die Finanzkontrolle über Tunesien.

Nach dem Staatsbankrott von 1869 zwang Frankreich Tunesien im Vertrag von Bardo – ein Stadtbezirk Tunis’- am 12.05.1881 den Protektoratsvertrag anzuerkennen. Frankreich hatte somit die außenpolitische Vertretung des Landes übernommen und Tunesien wurde 1883 zum französischen Protektorat. Die Abhängigkeit der tunesischen Wirtschaft war an den französischen Markt gebunden.

Im 20. Jahrhundert geriet Tunesien erneut in eine wirtschaftliche Krise. Die industrielle Produktion des Landes nahm ab und die Bevölkerung litt unter den Folgen der Massenarbeitslosigkeit. In diesem Rahmen entstanden viele Unabhängigkeitsbewegungen. Eine davon war die Destour[2] -Partei, die 1920 gegründet wurde. Die Partei führte eine Verfassung in der sie die Freiheit des Landes und die Teilnahme Tunesiens an der Staatsverwaltung forderte.

1934 wurde die Partei von Habib Bourguiba, der später zum ersten Präsidenten der tunesischen Republik wurde, in die Neo-Destour-Partei umgewandelt. Die Partei forderte die volle Unabhängigkeit Tunesiens nach westeuropäischem und bürgerlich demokratischem Vorbild. Frankreich gestand Tunesien im Jahre 1955 die innere Autonomie. Ein Jahr später erreichte das Land die staatliche Selbstständigkeit. 1957 musste Muhammad VIII. al Hussain al-Amin, der letzte Hussainid, auf Druck des Premierministers, Habib Bourguiba, abdanken. Mit der Ausrufung der Republik wurden die Hussainiden enteignet und die Monarchie abgeschafft.

Die Neo-Destour-Partei übernahm die führende Rolle im politischen Leben des Landes. 1964 wurde sie zur sozialistischen Destour-Partei. In Tunesien herrschte das Einparteiensystem.

Die Wirtschaft im Land entwickelte sich in Richtung einer liberalen und marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftpolitik. 1974 wurde Bourguiba zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit ernannt. 1987 wurde er allerdings für absetzbar erklärt und Zinelabedine Ben Ali wurde zum Präsidenten gewählt. Dies war der Anfang der II. Republik. Mit der Präsidentschaft Ben Alis wurde das Mehrparteiensystem eingeführt.[3]

3. Die Entwicklung und Verbreitung des Arabischen im Maghreb

Der heutige Maghreb, der die Nationalstaaten Marokko, Algerien und Tunesien umfasst, hat bereits vor der französischen Kolonialisierung einen kulturellen und politischen Wandel erlebt. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erfolgte im nordafrikanischen Raum die Besetzung und Christianisierung durch den römischen Kaiser Claudius. Als im 7. Jahrhundert der Begründer und Prophet des Islams seine Religion verkündete, erreichte seine Mission - durch die islamische Expansion – auch den nordafrikanischen Raum, wo sich der Islam entfalten konnte. Die Bezeichnung des nordafrikanischen Raumes als Maghreb stammt aus jener Epoche und bedeutet u.a. „der Westen“.

Nach dem Tod des Propheten setzten die Arabisierung und die Islamisierung der annektierten Gebiete ein. So wurde Tunesien 647, Algerien 680 und Marokko 683 besetzt und islamisiert. Nach dieser Zeit breitete sich die arabische Kultur und Sprache bis zur iberischen Halbinsel aus und bildete die Grundlage für die hoch entwickelte arabische Kultur hinsichtlich der Naturwissenschaften, Kunst, Philosophie, Dichtung und Handel.

Vor der islamischen Expansion, die nach dem Tod des Propheten Muhammad einsetzte, war der nordafrikanische Raum von Sesshaften und Nomaden bewohnt. Diese Volksgruppe, auch Berber genannt, lebt heute vor allem in Marokko, Algerien und Südtunesien. Das Berberische ist heute eine Minderheitssprache und hat keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Arabischen. Jedoch entstand im Zuge dieser kulturellen und sprachlichen Überlagerung und Vermischung ein Sprachaustausch in der gesprochenen Form.

Die heilige Sprache des Islams ist das Klassische Arabisch. Eine Sprache, mit der der Koran erst im 8. Jahrhundert unter dem Kalifen Uthman verschriftet wurde.

[...]


[1] vgl. Livia Gaudino Fallegger. Grundkurs Sprachwissenschaft Französisch. S.53ff

[2] arabisch für Verfassung

[3] vgl. محمد الهادي الشريف/ Muhammad Al-Hadi Al-Sharif

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Frankophonie und der Einfluss des Französischen in Tunesien
Hochschule
Universität Leipzig  (Romanistik)
Veranstaltung
Französisch als Leitkultur in Afrika?
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V93377
ISBN (eBook)
9783638068215
ISBN (Buch)
9783638954020
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankophonie, Einfluss, Französischen, Tunesien, Französisch, Leitkultur, Afrika
Arbeit zitieren
Aness Yacoubi (Autor), 2007, Die Frankophonie und der Einfluss des Französischen in Tunesien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93377

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