Die Geschichte des Lernens von Fremdsprachen mit dem Computer, sog. CALL (Computer Aided Language Learning), hat ihre Anfänge in den 60er Jahren. Die weitere Entwicklung bis heute lässt sich in drei Phasen gliedern, auf die hier kurz eingegangen werden soll.
Die erste Phase, im Zeitraum von 1960 bis 1975, basierte auf dem behavioristischen Ansatz. Das Angebot beinhaltete sog. "drill-and-practice" Programme mit wiederholenden Sprachübungen und ohne differenziertes Feedback.
In der zweiten Phase, d.h. 1975 bis Ende der 80er Jahre, behauptete sich der kommunikative Ansatz, d.h. die Umstrukturierung der Lernprogramme für eine authentischere Kommunikation. Da sich der PC etabliert hatte und die Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit für eine breitgefächerte Gesellschaft gewährleistet war, stieg die Nachfrage nach computergestützten Lernprogrammen. Durch die daraus folgende Massenproduktion litt jedoch die Qualität und Didaktik der Programme.
In der dritten Phase ergaben sich neue Möglichkeiten durch den Einsatz von Multimedia mit Internet und CD-Rom. Der integrative Ansatz beinhaltet die Einbindung unterschiedlicher Medien und Übungen unter Nutzung des Internets, woraus sich neue Kommunikationsformen, wie z.B. e-Mail und Chat, ergaben.
Doch nicht nur neue Kommunikationsformen haben sich entwickelt, sondern auch neue Lehr- und Lernformen. Webbasiertes Lehren und Lernen ist heutzutage kein Fremdwort mehr, sondern steht für eine innovative Alternative im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts. Zumal es auch bei geringer Medienkompetenz in einigen Bereichen einen Mehrwert bietet, wie z.B. in der Anwendungsphase, bei der Wortschatzerweiterung, bei den Fertigkeiten Lesen und Schreiben und nicht zuletzt bei der Erweiterung der Medienkompetenz (vgl. Bünger, Ursula). Auch sonst bietet webbasiertes Lernen viele Vorteile, wie u.a. die flexible Einteilung des Lernstoffes, die Möglichkeit zur Interaktion zwischen Lehrendem und Lernendem, das Erlernen der Fähigkeit zur Recherche und vor allem der Einsatz von Multimedia - um nur einige Beispiele zu nennen.
Jedoch ist die "Papierdidaktik" (vgl. Bünger, Ursula) nicht völlig durch Internet-Angebote substituierbar.
Eine Kombination aus beidem wäre da eine gute Lösung - wie z.B. das Lehrwerk Passwort Deutsch des Klett-Verlags bietet. Im Nachfolgenden soll die Online-Komponente www.passwort-deutsch.de des Lehrwerks anhand der Kriterien von Hartmut Schröder evaluiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Evaluation
A. Technisch – formale Kriterien
1. Anleitung
2. Komponenten
3. Didaktisches
4. Bildschirmgestaltung
B. Didaktische Kriterien
1. Sprachmaterial
2. Interaktivität/ Flexibilität
3. Medienintegration
4. Fertigkeiten und Übungen
5. Integration von Sprache, Fach, Kultur
6. Mediendidaktische Konzeption
III. Zusammenfassung
IV. Literaturverzeichnis und Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Online-Komponente des Lehrwerks "Passwort Deutsch" einer systematischen Evaluation zu unterziehen. Dabei soll analysiert werden, inwiefern das webbasierte Angebot den Anforderungen an multimediale Lernprogramme für den Fremdsprachenunterricht gerecht wird und einen didaktischen Mehrwert bietet.
- Historische Entwicklung und Einordnung von computergestütztem Sprachenlernen (CALL)
- Überprüfung technisch-formaler Qualitätskriterien von Online-Lernangeboten
- Didaktische Analyse der Inhalte, Fertigkeiten und Sprachvermittlung
- Beurteilung der Integration von Sprache, Fachwissen und interkultureller Landeskunde
Auszug aus dem Buch
1. Sprachmaterial
Die auditiven Sequenzen sind ausnahmslos von Muttersprachlern gestaltet und entsprechen der Sprachnorm und dem Sprachstandard. Das Sprachniveau und die Progression sind der Zielgruppe entsprechend gestaltet, in den ersten Lektionen werden nur einfache Satzstrukturen und Grundlegendes, wie z.B. das Alphabet, Zahlen und Präpositionen behandelt. Im ersten Band, d.h. Lektion 1 – 6, sind die Audiosequenzen nicht authentisch, d.h. sie sind synthetisch produziert. Dies wurde jedoch schon im Online-Handbuch mit der Gewährleistung der Verständlichkeit begründet (s. oben).
Ab dem Band 2 werden aber auch authentische Sprachmaterialien eingesetzt, z.B. Lektion 7 Nr. 9: „Wie wird das Wetter in Salzburg“. Hier hört der Lerner einen Wetterbericht mit leichtem österreichischem Dialekt. Ein anderes Beispiel ist Lektion 9 Nr. 1: „So spricht man im Dreiländereck“. Hier ist ein Dialog zu hören, in dem einige Partikel und Interjektionen die Satzstruktur auflockern, z.B. „ja“, „ach“ und „eigentlich“. Inhaltlich sind die Sequenzen bemerkenswert, da sie den Bezug zur Plurizentrität der deutschen Sprache herstellen und der Devise nach der Multiregionalität von Lehrwerken folgen.
Auch entsprechen die Kommunikationssituationen und Textsorten weitgehend der Realität, z.B. virtuelle Stadttouren (Lektion 5 Nr. 5), Schreiben einer Postkarte (Lektion 5 Nr. 7) oder Lesen eines Stadtplans (Lektion 11 Nr. 7). Für Internet-Recherchen werden ebenso alltagsrelevante Themen eingesetzt, z.B. Suchen einer Bahnverbindung (Lektion 1 Nr. 10), eines Rezeptes (Lektion 5 Nr. 14) oder von Telefonnummern und Postleitzahlen (Lektion 1 Nr. 12 und 13). Den Lernern wird zu der Aufgabe gleich der passende Link genannt, z.B. lautet die Aufgabenstellung: „Planen Sie eine Reise. Beginnen Sie bei www.bahn.de . Recherchieren Sie die Reisedetails.“ (vgl. Lektion 1 Nr. 10). Dadurch wird die Medienkompetenz der Lerner zusätzlich gefördert, denn Suchen im Internet will ebenfalls gelernt sein !
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die drei Entwicklungsphasen des computergestützten Sprachenlernens (CALL) und führt in die Bedeutung webbasierter Lernangebote als innovative Ergänzung für den Fremdsprachenunterricht ein.
II. Evaluation: Hier findet die detaillierte Untersuchung der Online-Komponente "Passwort Deutsch" anhand der Kriterien von Hartmut Schröder statt, wobei sowohl technische als auch didaktische Aspekte analysiert werden.
III. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse in einer Stärken-Schwächen-Analyse zusammen und formuliert konkrete Verbesserungsvorschläge für das untersuchte Online-Angebot.
IV. Literaturverzeichnis und Anhang: Dieser Teil dokumentiert die verwendeten Quellen sowie ergänzende Definitionen und methodische Hintergründe zur durchgeführten Untersuchung.
Schlüsselwörter
DaF, Computer Aided Language Learning, E-Learning, Evaluation, Fremdsprachenunterricht, Internet, Lernsoftware, Multimedialität, Sprachmaterial, Didaktik, Medienkompetenz, Passwort Deutsch, Online-Lehrwerk, Blended Learning, Landeskunde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation einer spezifischen Online-Komponente eines Deutschlehrwerks für den Fremdsprachenunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die technische Gestaltung, die didaktische Aufbereitung, der Einsatz von Sprachmaterial sowie die Integration von landeskundlichen Inhalten in einer Online-Umgebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Qualität und den didaktischen Mehrwert der Internetseite "Passwort Deutsch" durch einen wissenschaftlichen Kriterienkatalog zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf die Evaluierungskriterien für multimediale Lernprogramme von Hartmut Schröder, ergänzt um Aspekte der antiken Rhetorik für die didaktische Prüfung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Aspekte wie Navigation und Komponenten sowie didaktische Schwerpunkte wie Übungstypen, Fertigkeitstraining und interkulturelle Wissensvermittlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CALL, E-Learning, DaF (Deutsch als Fremdsprache), Didaktik, Medienkompetenz, Blended Learning und Multimedialität.
Wie bewertet die Autorin den Fokus auf die verschiedenen Fertigkeiten?
Es wird kritisiert, dass ein unausgewogenes Verhältnis besteht, da der Fokus sehr stark auf dem Hörverstehen liegt, während Sprechen und Schreiben weniger intensiv gefördert werden.
Welchen Stellenwert räumt die Autorin der Landeskunde ein?
Die Integration von landeskundlichem Wissen wird sehr positiv bewertet, insbesondere die Vermittlung von Informationen über verschiedene deutschsprachige Länder und die Nutzung von virtuellen Stadttouren.
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- Julia Akra (Author), 2002, DaF und Neue Medien - Evaluierung eines Internet-Angebots, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9338