Ein IT-Verantwortlicher hat es in der heutigen Zeit wahrlich nicht einfach. Schrumpfende Budgets aufgrund anhaltender Konjunkturschwäche und Kostensenkungsprogramme innerhalb der Firma sind ein Grund hierfür. Verstärkt werden diese Unsicherheiten zudem durch den stetig schneller voranschreitenden Technologiewandel gerade im IT-Bereich. Eine Investitionsentscheidung wird einem somit nicht leicht gemacht. Auf der einen Seite stehen die Anbieter, die ihre Produkte und Dienstleistungen als „den Durchbruch“ und „das Unverzicht-bare“ anpreisen, und auf der anderen Seite muss der Unternehmer immer sorgfältiger dar-über entscheiden, was denn nun angebracht ist, sich rentiert und dem Unternehmen wirklich einen Fortschritt bringt. Die Tatsache, dass immer mehr neuartige Software und Ideen auf den Markt kommen heißt dabei nämlich lange nicht, dass diese auch so derartig neu und innovativ sind wie von den Entwicklern angepriesen. Diese müssen bei immer grösserem Wettbewerb immer mehr Phantasie entwickeln um ihre Produkte „neu zu verpacken“ – sie neu erscheinen zu lassen. Heutzutage ist es Gang und Gebe fortlaufend mit neuen „Mode-wörtern“ aufzukreuzen und neue Hypes einzuläuten. Die vorangegangenen Hype-Themen kennt auch jeder IT-Laie: Schlagwörter wie „e-business“, „WAP“, „Online Brokering“ oder auch „Application Service Providing“ geisterten durch die Firmen, durch Hörsäle und durch die Medien. Viele dieser Hype-Themen werden oft marketingmäßig so aufgebauscht, dass man denken könnte völlig neuartige Durchbrüche stehen an. Doch oft entpuppen sich solche Schlagwörter dann als schon da Gewesenes welches einfach eine neue Worthülle bekommt, um neu auszusehen und um sich besser zu verkaufen.
Das aktuellste Schlagwort im IT-Bereich ist wohl das Thema Enterprise Application Integration, kurz EAI. Dabei ist das Thema „Integration“ ja nun schon lange etwas Altbekanntes in-nerhalb der Unternehmen. Somit stellt sich die Frage, ob auch hier wieder mal nur „alter Wein in neue Schläuche“ gepackt wurde, oder ob es sich tatsächlich um eine richtungweisende Neuheit handelt.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema EAI und dessen aktuelle Entwicklung. Es wird diese spezielle Idee und Methodik der Softwareintegration vorgestellt, wobei die Architektur des EAI-Prinzips aufgezeigt und der Markt genauer beleuchtet wird. Auch soll der Frage nachgegangen werden, ab wann und wofür sich eine Investition in EAI lohnt und worauf da-bei geachtet werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. EAI – Eine höhere Stufe der Anwendungsintegration
2.1 Definition und Architektur von EAI
2.2 Nutzen und Motivation für EAI
3. Der EAI-Markt
4. Die Investition in EAI – Entscheidung und Auswahl
4.1 Wirtschaftlichkeit einer EAI-Investition
4.2 Auswahlkriterien bei der Anschaffung eines EAI-Tools
4.2.1 Kriteriengruppen und Ausschlusskriterien
4.2.2 Bewertungsmodelle
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Konzept und die Methodik der Enterprise Application Integration (EAI) sowie deren Relevanz und Wirtschaftlichkeit in modernen Unternehmenslandschaften. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen die Notwendigkeit für EAI bewerten und anhand strukturierter Auswahlprozesse die für ihre spezifischen Anforderungen optimale Integrationslösung finden können.
- Definition der EAI-Architektur und Abgrenzung zu herkömmlichen Integrationsmethoden.
- Untersuchung des aktuellen EAI-Marktes und der Dynamik zwischen Anbietern und Anwendern.
- Analyse der Wirtschaftlichkeit von EAI-Investitionen unter Berücksichtigung von Schnittstellen-Komplexität und Prozessautomatisierung.
- Vorstellung von Kriterienkatalogen und Bewertungsmodellen zur softwaregestützten Auswahl von EAI-Tools.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition und Architektur von EAI
Da das Thema EAI noch relativ „jung“ ist, muss eine klare Abgrenzung und Definition erfolgen, was darunter genau zu verstehen ist. Das Problem ist, dass viele Anbieter oft solch neue Schlagwörter und deren Werbekraft nutzen, um speziell ihre eigene Integrationsprodukte herauszustellen. Doch oft verkörpern diese nicht den korrekten EAI-Gedanken. Eine in der Literatur gängige Methode, EAI zu klassifizieren, ist die Orientierung anhand des Ebenenmodells. Die EAI-Lösung kann man sich dabei als eine prozessorientierte Integrationsplattform (eine Art „Datendrehscheibe“) vorstellen, welche im Wesentlichen aus drei Ebenen besteht:
- Datenebene
- Objektebene
- Prozessebene
In der Datenebene werden die angefallenen Datenobjekte wie Dateien, Messages, Programme etc. von der Datenquelle zur –senke transportiert. Hier muss insbesondere ein sicherer Transport auch bei Systemstörungen ohne jeglichen Datenverlust garantiert sein – es darf kein Datenobjekt verloren gehen.
Die Aufgabe der Objektebene ist es, die in einem bestimmten Format mit einer für die Anwendung spezifischen Semantik vorhandenen Daten in ein anderes, für das Zielsystem notwendiges Format unter Beibehaltung der Semantik zu konvertieren.
Diese Arbeit würde mit den heute bereits vorhandenen üblichen Point-to-Point-Verbindungen für jede Schnittstelle von neuem beginnen. EAI löst diese Problematik durch den Übergang zu vernetzten Hub-and-Spoke-Verbindungen, bei denen die benötigten Datenobjekte wieder verwendet werden können. Dadurch ist ein erhebliches Einsparpotenzial beim zukünftigen Einbinden neuer Anwendungen gegeben.
Die Neuigkeit und das Hauptmerkmal einer EAI-Lösung stellt allerdings die Prozessebene dar. Hier wird die Planungs- und Steuerungslogik der Geschäftsprozesse in der Integrationsplattform abgebildet. Somit wird eine teilweise Automatisierung und Überwachung der integrierten Geschäftsprozesse realisiert und die zentrale Kontrolle durchgeführter Kommunikationen innerhalb der EAI-Lösung gewährleistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Herausforderungen für IT-Verantwortliche angesichts knapper Budgets und der Notwendigkeit, technologische Hypes von echten Innovationen wie EAI zu unterscheiden.
2. EAI – Eine höhere Stufe der Anwendungsintegration: Erläutert die Architektur des EAI-Prinzips anhand der drei Integrationsebenen (Daten, Objekte, Prozesse) und den Nutzen der Systemverknüpfung.
3. Der EAI-Markt: Beleuchtet die aktuelle Marktdynamik, die Herausforderungen für Anbieter sowie den unterschiedlichen Reifegrad des Marktes in Deutschland und den USA.
4. Die Investition in EAI – Entscheidung und Auswahl: Analysiert die Wirtschaftlichkeitsfaktoren, wie die Schnittstellenanzahl, und stellt Methoden zur fundierten Auswahl von Software-Produkten vor.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Bedeutung von EAI als zukunftsträchtige Technologie und unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen, situationsspezifischen Investitionsprüfung.
Schlüsselwörter
Enterprise Application Integration, EAI, Softwareintegration, IT-Management, Integrationsplattform, Wirtschaftlichkeit, Return on Investment, Geschäftsprozessoptimierung, Middleware, Schnittstellenmanagement, Prozessautomatisierung, Softwareauswahl, Hub-and-Spoke, IT-Infrastruktur, Systemintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Enterprise Application Integration (EAI) und deren Rolle bei der Optimierung unternehmensweiter IT-Landschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition der EAI-Architektur, eine Marktanalyse der Anbieter, die ökonomische Bewertung von EAI-Investitionen sowie Methoden zur Auswahl geeigneter Integrations-Software.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, IT-Entscheidern eine Orientierungshilfe zu bieten, um den Nutzen von EAI kritisch zu prüfen und Investitionsentscheidungen auf Basis fundierter Kriterien zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte, Marktbeobachtungen sowie die exemplarische Darstellung von Bewertungsmodellen für Softwareinvestitionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Architektur-Betrachtung, eine detaillierte Marktanalyse und eine betriebswirtschaftliche Analyse, die insbesondere die Kosten-Nutzen-Rechnung bei der Schnittstellenimplementierung hervorhebt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind EAI, Prozessintegration, Schnittstellenmanagement, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Softwareauswahl und IT-Infrastruktur.
Warum spielt die Schnittstellenanzahl eine so große Rolle für die Rentabilität?
Da der Aufbau und die Wartung von Schnittstellen mittels EAI-Tools günstiger sind als bei herkömmlichen Methoden, wächst das Einsparpotenzial überproportional mit der Anzahl der benötigten Schnittstellen.
Was sind die sieben Kriterien des Scorecard-Modells der Giga Information Group?
Diese umfassen Werkzeugunterstützung, Adapterverfügbarkeit, Qualität und Skalierung, Laufzeitverhalten, Unterstützung von Geschäftsprozessen, Herstellerunterstützung sowie Kosten für Anschaffung und Betrieb.
Warum hinkt der EAI-Markt in Deutschland im internationalen Vergleich hinterher?
Die starke Präsenz von SAP R/3 in deutschen Unternehmen führt zu einer bereits integrierten Systemlandschaft, wodurch der akute Bedarf an zusätzlichen EAI-Lösungen hierzulande geringer ausfällt als in den USA.
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- M.Sc. Thomas Bossert (Author), 2003, Enterprise Application Integration - EAI, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93393