In den letzten Jahrzehnten haben verschiedene Entwicklungen die weltweite Wirtschaft maßgeblich beeinflusst, wie bspw. der grenzüberschreitende Handel, die zunehmende Inanspruchnahme der Kapitalmärkte oder die Entwicklung von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt. Diese Faktoren führten zu einem Kampf zwischen konkurrierenden Unternehmen um die vorhandenen Märkte. Die zunehmende Dynamik und Diskontinuität der Wirtschaft, in den Bereichen der Produktentwicklung, der Produktlebenszyklen sowie am Kapitalmarkt und deren wachsende ökonomische Interdependenzen verschärften diesen Effekt. Alle genannten Entwicklungen steigerten die Komplexität der Unternehmensstrukturen und -prozesse und somit auch die Komplexität der Risikoumwelt von Unternehmen und deren (Investitions-) Entscheidungen.
Unternehmerisches Handeln ist allerdings zwangsläufig mit dem Eingehen von Risiken verknüpft und ein Negieren von Risiken undenkbar. Risiko ist ein Bestandteil der Marktwirtschaft und Fortschritt kann nicht erlangt werden, ohne dass Risiken in Kauf genommen werden. Oberstes Gebot der Unternehmensführung besteht folglich in der Minimierung von Risiken und in der Maximierung von Chancen.
Folgerichtig müssen Instrumente vorhanden sein oder entwickelt werden, die den heutigen ökonomischen Anforderungen entsprechen und die die Unternehmensführung bei der Entscheidungsfindung permanent unterstützen. Gefahrenpotentiale (d.h. Risiken) müssen durch technisches und kalkulatorisches Wissen identifiziert, analysiert, beurteilt und bewältigt werden können und vergangenheitsorientiertes Denken zwangs¬läufig zukunftsgerichtetem Denken weichen. Das Risiko-Management soll aktiv dazu beitragen und dem Unternehmer ermöglichen, nicht nur reagierend sondern agierend aufzutreten, um sich strategische Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Diese Diplomarbeit soll die Notwendigkeit eines Risiko-Controlling prüfen. Ziel der Arbeit ist es, das Risiko-Controlling zu erläutern und als strategischen Erfolgsfaktor bei der Unternehmensführung in Hinblick auf die zunehmenden internationalen Verflechtungen von Unternehmen zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B Risiko-Management
1 Begriffsbestimmungen
1.1 Risikoeinteilung und Risikoarten
1.2 Begriff des Risiko-Management
2 Notwendigkeit eines Risiko-Management
2.1 Auswirkungen der Internationalisierung und Globalisierung auf die Risikostruktur von Unternehmen
2.2 Rechtliche Notwendigkeit
2.2.1 KonTraG
2.2.2 Basel II
2.2.3 Sarbanes-Oxley Act
2.3 Wirtschaftliche Notwendigkeit
3 Aufbau eines Risiko-Management
3.1 Risikostrategie - Risikopolitik - Risikokultur
3.2 Risikoidentifikation
3.3 Risikobewertung
3.4 Risikosteuerung und Risikokontrolle
C Bedeutung des Risiko-Controlling
1 Begriff und Einordnung des Risiko-Controlling
2 Funktionen des Risiko-Controlling
2.1 Aufgaben des Risiko-Controlling
2.2 Entwicklung des Risiko-Managementprozesses
2.3 Informationsversorgung im Kontext Risiko-Management
3 Organisation des Risiko-Controlling
4 Instrumente des Risiko-Controlling
4.1 Frühwarnsysteme
4.2 Kennzahlensysteme
4.3 Risk-Map
5 Grenzen und Hindernisse
6 Erfolgsfaktoren
D Bedeutung des Risiko-Management und Risiko-Controlling für die XY GmbH & Co. KG
1 Ausgangssituation
2 Internationalität der Textilindustrie
3 Risikostruktur der XY GmbH & Co. KG
3.1 Beispiel einer Risikoanalyse
3.1.1 Risikoidentifikation
3.1.2 Risikobewertung
3.2 Aufgaben des Controlling
3.2.1 Bewältigung & Steuerung von Konzentrationsrisiken
3.2.2 Informationsversorgung & Risikokommunikation
4 Bedeutung des Risiko-Controlling für die XY GmbH & Co. KG
E Gesamtbeurteilung & kritisches Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Notwendigkeit und praktische Bedeutung eines Risiko-Controlling innerhalb des Risikomanagements für international agierende Unternehmen. Das primäre Ziel ist es, Risiko-Controlling als strategischen Erfolgsfaktor zu erläutern, wobei insbesondere Unternehmen aus dem Nichtbankensektor betrachtet werden, um den Beitrag zur Existenzsicherung und Unternehmenssteuerung in einem zunehmend komplexen, internationalen Umfeld zu analysieren.
- Grundlagen und Definitionen des Risikomanagements und der Risikoklassifikation
- Rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen für das Risikomanagement (z.B. KonTraG, Basel II, Sarbanes-Oxley Act)
- Methoden zur Risikoidentifikation, -bewertung und -steuerung
- Integration des Risiko-Controlling in die Unternehmensführung und operative Instrumente
- Praxisanalyse der Risikostruktur und -bewältigung am Beispiel der XY GmbH & Co. KG
Auszug aus dem Buch
3.1 Risikostrategie - Risikopolitik - Risikokultur
Dem eigentlichen Prozess des Risiko-Management ist die Definition einer Risikostrategie vorgelagert. Die aus der Risikostrategie abgeleiteten risikopolitischen Grundsätze dienen als Leitfaden für alle weiteren Schritte des Risiko-Managementprozesses. Sie müssen ausnahmslos als Vorgabe für die einzelnen Prozessschritte berücksichtigt werden und als Rahmen jeglicher Handlungen im Unternehmen dienen. Deshalb ist die Strategie vom Management zu konzipieren. Zusammen mit dem Risikogehalt und der Komplexität der Geschäfte bestimmt sie den Umfang des Risiko-Management. Die Risikostrategie ist ein Teil der Gesamtstrategie und soll eine Risikopolitik und -kultur eines Unternehmens manifestieren.
Eine Risikostrategie zu entwerfen bedeutet nicht, alle Risiken zu umgehen, sondern auch absichtlich Risiken einzugehen, um Chancen nutzen zu können (symmetrischer Risikobegriff). Dabei darf eine völlige Risikovermeidung niemals das unternehmerische Ziel sein, da ein längeres Erwirtschaften risikoloser Gewinne nicht möglich ist. Ziel ist die unternehmensspezifisch optimale Kombination von eingegangenen Risiken und den komplementären Renditen – also die Risikooptimierung.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Beschreibt das wirtschaftliche Umfeld, die steigende Komplexität und den daraus resultierenden Bedarf an einem systematischen Risikomanagement.
B Risiko-Management: Erläutert die theoretischen Grundlagen, die Notwendigkeit sowie die rechtlichen Anforderungen an Risikomanagementsysteme.
C Bedeutung des Risiko-Controlling: Definiert das Risiko-Controlling als Unterstützung der Unternehmensführung bei der Risikotransparenz, -planung und -überwachung.
D Bedeutung des Risiko-Management und Risiko-Controlling für die XY GmbH & Co. KG: Analysiert anhand eines Praxisbeispiels die Risikosituation in der Textilindustrie und zeigt notwendige Steuerungsmaßnahmen auf.
E Gesamtbeurteilung & kritisches Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer konsequenten Integration des Risikomanagements in die Unternehmensführung.
Schlüsselwörter
Risiko-Management, Risiko-Controlling, Risikostrategie, Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikosteuerung, Risikokultur, Risikotransparenz, KonTraG, Basel II, Unternehmensführung, Textilindustrie, Frühwarnsysteme, Kennzahlensysteme, Risikobudgetmatrix
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung des Risiko-Controlling als strategisches Element eines ganzheitlichen Risikomanagements in international tätigen Unternehmen außerhalb des Bankensektors.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen des Risikomanagements, rechtliche Anforderungen wie das KonTraG oder Basel II sowie operative Instrumente des Risiko-Controlling.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Risiko-Controlling als unverzichtbaren Erfolgsfaktor darzustellen, der die Unternehmensführung bei der Entscheidungsfindung und der Sicherung der Existenz aktiv unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse und verknüpft diese mit einer anwendungsorientierten Fallstudie der XY GmbH & Co. KG.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung des Risikomanagement-Prozesses, der Funktionen des Risiko-Controllings sowie der praktischen Analyse von Konzentrationsrisiken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Risikotransparenz, Risikokultur, Frühwarnsysteme, Risikobewertung und Wertorientierung.
Warum ist das KonTraG für Unternehmen so relevant?
Das KonTraG verpflichtet Vorstände zur Einrichtung von Risikofrüherkennungssystemen und ist damit eine wesentliche rechtliche Triebfeder für die Implementierung systematischer Risikomanagement-Prozesse in Deutschland.
Welche Rolle spielt das Risiko-Controlling bei der Risikobewältigung?
Es fungiert als Koordinations- und Informationsinstanz, die Methoden und Instrumente bereitstellt, um Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und die Geschäftsführung bei der Wahl von Steuerungsmaßnahmen zu beraten.
Was ist das spezifische Konzentrationsrisiko bei der XY GmbH & Co. KG?
Das Unternehmen ist stark von einem einzelnen Großkunden (M&S Ltd.) abhängig, was bei einem möglichen Ausfall die Existenz der Gesellschaft gefährden würde.
Welche Empfehlung gibt der Autor für das Konzentrationsrisiko?
Der Autor empfiehlt eine Diversifizierung des Kundenportfolios und den Einsatz technischer Maßnahmen, um die Abhängigkeit zu senken und die Auswirkungen auf Deckungsbeiträge proaktiv zu steuern.
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- Holger Kliebe (Author), 2004, Die Bedeutung des Risiko-Controlling im Rahmen des Risiko-Management in international agierenden Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93396