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Soziale Ursachen für Kinderarbeit

Title: Soziale Ursachen für Kinderarbeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 10 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Alexandra Zuralski (Author)

Sociology - Children and Youth
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Es gibt eine lange Tradition von Kinderarbeit, die in verschiedenen Wirtschaftssektoren anzutreffen war. In der Agrargesellschaft im 17. Jahrhundert war sie zu einem großen Ausmaß in der Landwirtschaft verbreitet. Ebenfalls wurden die Kinder im Wirtschaftssektor Hausindustrie beschäftigt, bei dem der Betrieb im Wohnhaus integriert war, so dass die Produkte für den Verleger zu Hause ausgearbeitet werden konnten. Der Bereich der Kinderarbeit in Fabriken kam mit der einsetzenden Industrialisierung hinzu, die somit in Tradition von Kinderarbeit in den zuvor genannten Wirtschaftssektoren stand.

Es stellt sich die Frage, welche Ursachen es gab, durch welche die Beschränkung der Kinderarbeit verzögert wurde. Gründe für Kinderarbeit wurden nicht nur von Seiten der Fabrikanten herangetragen. Sie wurden auch aus der Perspektive des Staates und der Eltern für die Befürwortung der Kinderarbeit eingesetzt. In dieser Hausarbeit möchte ich die sozialen Ursachen für Kinderarbeit insbesondere aus dem Blickwinkel der Unternehmer erläutern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Soziale Stabilität der Region

2 Kinder als Zuarbeiter

3 Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen

4 “Sittlicher Verfall” der Kinder

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die sozialen Ursachen und unternehmerischen Beweggründe, die im 19. Jahrhundert dazu führten, dass gesetzliche Beschränkungen der Kinderarbeit massiv verzögert wurden. Dabei liegt der Fokus auf der Perspektive der Unternehmer, welche die Kinderarbeit als notwendiges Instrument zur Sicherung der sozialen Stabilität, zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit ihrer Betriebe und zur moralischen Erziehung der Kinder instrumentalisierten.

  • Soziale Stabilität und Entlastung der Armenfürsorge
  • Wirtschaftliche Bedeutung von Kindern als Zuarbeiter
  • Konkurrenzdruck und technologischer Rückstand der Betriebe
  • Pädagogische und moralische Argumentation der Arbeitgeber
  • Interessenkonflikte zwischen Staat, Eltern und Unternehmern

Auszug aus dem Buch

2 Kinder als Zuarbeiter

Es war nicht von Anfang an möglich, Kinderarbeit in Fabrikarbeit zu integrieren. Die Voraussetzungen für den Einsatz der Kinder in Fabriken wurden erst dadurch geschaffen, dass auf Grund der zunehmenden Spezialisierung und Arbeitszerlegung bei der industriellen Produktion die Anforderungen an die Ausbildung und an die Körperkräfte der Arbeitenden unter die des Handwerks sanken (FELDENKIRCHEN 1981, S.5). Dadurch ergaben sich Aufgaben für die Kinder, die beispielsweise Nadeln in Nadelfabriken verpackten und sortierten oder in Spinnereien und Seidenfabriken Seide spulten, säuberten und abhaspelten.

Kinderarbeit wurde somit durch die Übernahme solcher Zuarbeiten vollständig in den Arbeitsrhythmus der Protofabrik integriert. Fielen die Arbeiten der Kinder aus, so konnten auch Erwachsene ihre Tätigkeiten nicht ausführen, da sie ihre Funktion nur im Anschluss an die Zuarbeiten und Handreichungen der Kinder leisten konnten. Bei der Befürwortung der Kinderarbeit setzten Fabrikherren diesen Aspekt sogar als Argument gegen den Besuch der Schule ein, was aus dem Bericht des Vorsitzenden der Aachener Schulkommission, Propst Claehsen, entnommen werden kann. Diese Quelle schildert die Sicht der Fabrikanten, die nur den Besuch einer Sonntagsschule befürworteten, “weil diese Kinder den erwachsenen Fabrikarbeitern in die Hand arbeiten, folglich die Fabrik für die Schulstunde stillstehen müßte”, wenn die Kinder zur Schule gingen (Propst Claehsen 1837, zitiert nach HERZIG 1983, S.355). Der Berliner Unternehmer G. F. Dannenberger berichtete von schwerwiegenderen Konsequenzen für die Fabrikanten sowie für die Arbeiter “da diese halbe Tage lang müßig sein (müßten), wodurch sie zu unnützen Dingen, besonders zum Trunk verleitet und demnächst durch schlechte Arbeit dem Fabrikherren unersetzlichen Schaden zufügen würden” (Dannenberger 1828, zitiert nach: HERZIG 1983, S. 355).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung der Kinderarbeit vom Agrar- zum Industriesektor und definiert das Ziel der Arbeit, die sozialen Ursachen der Kinderarbeit aus Unternehmersicht zu beleuchten.

1 Soziale Stabilität der Region: Dieses Kapitel erläutert, wie Kinderarbeit als Mittel zur Entlastung der kommunalen Armenfürsorge genutzt wurde, da Armut zu dieser Zeit als selbstverschuldet galt.

2 Kinder als Zuarbeiter: Hier wird die funktionale Notwendigkeit von Kindern als Zuarbeiter im industriellen Produktionsprozess dargelegt, die unter anderem als Argument gegen den Schulbesuch angeführt wurde.

3 Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen: Dieses Kapitel analysiert, wie Unternehmer Kinder als billige Arbeitskräfte einsetzten, um trotz technischer Rückständigkeit im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

4 “Sittlicher Verfall” der Kinder: Hier wird die pädagogische und moralische Rechtfertigung der Kinderarbeit durch Unternehmer untersucht, die diese als Erziehungsmaßnahme gegen Müßiggang und Verwahrlosung darstellten.

Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass eine „Selbstblockierung“ der Akteure (Unternehmer, Staat, Eltern) den Kinderschutz maßgeblich verzögerte und wirtschaftliche Interessen die humanitären Aspekte überlagerten.

Schlüsselwörter

Kinderarbeit, Industrialisierung, Fabrikarbeit, Armenfürsorge, Unternehmerinteressen, Zuarbeiter, soziale Stabilität, Konkurrenzfähigkeit, Kinderschutz, Pädagogik, Preußen, 19. Jahrhundert, Pauperismus, Lohnkosten, Arbeitsamkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sozialen Ursachen der Kinderarbeit im 19. Jahrhundert und die Argumente, mit denen Unternehmer versuchten, eine gesetzliche Einschränkung dieser Arbeit zu verhindern oder zu verzögern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind der ökonomische Nutzen von Kindern als Zuarbeiter, die Verknüpfung von Kinderarbeit mit der Armenfürsorge, der Konkurrenzdruck zwischen Betrieben sowie die moralische Rechtfertigung der Beschäftigung von Kindern.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel besteht darin, die Sichtweise der Unternehmer zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese ihre ökonomischen Interessen (Profit und Wettbewerbsfähigkeit) hinter Argumenten der sozialen Stabilität und pädagogischen Erziehung tarnten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine historische Hausarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von zeitgenössischen Quellen wie Berichten von Schulkommissionen und Petitionen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Hauptaspekte: Kinder als Zuarbeiter im industriellen Ablauf, die Rolle der Kinderarbeit zur Sicherung der Konkurrenzfähigkeit sowie die pädagogische Argumentation der Unternehmer zum „sittlichen Verfall“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kinderarbeit, Industrialisierung, Fabrikarbeit, Armenfürsorge, Wettbewerbsfähigkeit, Kinderschutz und Arbeitsdisziplin.

Inwiefern spielte das „Allgemeine Landrecht von 1794“ eine Rolle bei der Kinderarbeit?

Es verpflichtete Gemeinden zur Armenfürsorge. Da diese über Steuern finanziert wurde, hatten die Bürger ein finanzielles Interesse daran, dass Kinder durch Arbeit zum Familieneinkommen beitrugen, um die Gemeindekassen zu entlasten.

Warum sahen Unternehmer in der Einschränkung der Kinderarbeit einen direkten wirtschaftlichen Schaden?

Sie argumentierten, dass Kinder als notwendige Zuarbeiter fungierten. Ein Ausfall dieser Zuarbeiten hätte den gesamten Produktionsrhythmus unterbrochen und die Erwerbsfähigkeit der erwachsenen Arbeiter eingeschränkt.

Wie wurde das Argument des „sittlichen Verfalls“ von den Arbeitgebern genutzt?

Sie behaupteten, Kinderarbeit würde die Kinder zur Arbeitsamkeit und Disziplin erziehen. Ohne die Fabrikarbeit, so die Argumentation, würden die Kinder nur „träge umherlungern“ und zu Diebstahl oder Bettelei neigen.

Was bedeutet der Begriff „Selbstblockierung“ im Fazit der Arbeit?

Die Selbstblockierung beschreibt das gegenseitige Zusammenspiel von Unternehmern, Eltern und Staat, die alle aus unterschiedlichen, aber ineinandergreifenden Gründen die Aufrechterhaltung der Kinderarbeit befürworteten und so den gesetzlichen Kinderschutz effektiv verhinderten.

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Details

Title
Soziale Ursachen für Kinderarbeit
College
University of Duisburg-Essen
Grade
1.0
Author
Alexandra Zuralski (Author)
Publication Year
2004
Pages
10
Catalog Number
V93425
ISBN (eBook)
9783638070539
ISBN (Book)
9783640101917
Language
German
Tags
Soziale Ursachen Kinderarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Zuralski (Author), 2004, Soziale Ursachen für Kinderarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93425
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