Freizeit im Dritten Reich


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Reglementierte Freizeit und Erziehung zum Nationalsozialisten in der Hitler-Jugend
1.1. Die Organisationsstruktur der Hitler-Jugend
1.2. Der Alltag in der Hitler-Jugend
1.2.1. Leibesübungen zur körperlichen Ertüchtigung
1.2.2. Wehrertüchtigung in der HJ
1.2.3. Die weltanschauliche Schulung in der HJ
1.2.4. „Kulturarbeit“ in der HJ
1.2.5. Weitere reglementierte „Freizeitgestaltungsmaßnahmen“ innerhalb der HJ
2. Die Gegner der HJ - jugendliche Banden und Cliquen
3. Die organisierte Freizeit des deutschen Berufstätigen

III. Zusammenfassung

Bibliographie

Abkürzungsverzeichnis

Freizeit im Dritten Reich

I. Einleitung

„Der Nationalsozialismus gestaltete eine Volksgemeinschaft, die vom Kind an beginnt und beim Greise endet. Niemand kann diese gewaltige Symphonie des deutschen Lebens zum Schweigen bringen.“1

Dieses Zitat des deutschen Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler aus dem Jahre 1939 veranschaulicht recht deutlich die Zielsetzung der nationalsozialisti­schen Regierung des Deutschen Reiches. Im Rahmen der Gleichschaltung soll­ten alle Individuen und Organi­sationen in Deutschland unter Kontrolle des na­tionalsozialistischen Totalitarismus gebracht werden. An die Stelle der traditio­nellen Gewerkschaften trat, nach deren Auflösung, die unter Parteikontrolle ste­hende „Deutsche Arbeitsfront“. Indem die Partei die Kontrolle über Studenten und Lehrer ausübte, wurden Schulen und Hochschulen in ihren Einfluß­bereich geführt. Ein ganzes Netzwerk von Parteiorganisationen kontrollierte die ver­schiedenen Berufsgruppen, in denen die Mitgliedschaft vorgeschrieben war.

Aber auch die Gesellschaft sollte unter Zwang dieser „Uniformierung“ der Mas­sen zum Opfer fallen. Eine Trennung von Politik und Alltagsleben, die heutzu­tage als selbstver­ständlich gilt, wurde von den Nationalsozialisten nicht akzep­tiert. Davon war auch der Bereich „Freizeit“ betroffen.2

Die „Freizeit“ wurde zu jener Zeit strikt reglementiert, damit war aber jegliche Selbstbe­stimmung ausgeschlossen. Die These „Freizeit = Freiheit“ kam somit nicht zur Geltung.

Den Aufgabenbereich „Freizeitgestaltung“ im damaligen Dritten Reich über­nahm die Deutsche Arbeitsfront, ein angeschlossener Verband der NSDAP. De­ren Organisation „Kraft durch Freude“ organisierte vielfältige, sich nach außen arbeiterfreundlich gebende Veranstaltungen. Diese hatten den Zweck, das ein­zelne Individuum gestärkt und neu ausgerichtet an seinen Arbeitsplatz zurück­kehren zu lassen.3

Die Organisation der Jugend, was deren Freizeit anging, stand im Mittelpunkt des Interesses der nationalsozialistischen Führung. Für den Staat galt die Reglementierung der Reifezeit des Heranwachsenden als „Garant der Zukunft“, das heißt der Herrschaftserhaltung.

Für etliche Millionen Jungen und Mädchen in Deutschland war zwischen 1933 und 1945 die Hitler-Jugend neben Familie und Schule die entscheidende Sozia­lisationsinstanz. Der Dienst in dieser Organisation sollte die nachwachsende Ge­neration möglichst restlos an die Leitbilder des NS-Systems binden und jene Verhaltensweisen eintrainieren, deren es für den faschistischen Alltag bedurfte. Anziehungskraft jugendverbandlicher Aktivität einerseits, Druck- und Zwangsmittel des NS-Staates andererseits brachten es zuwege, daß in der Tat die übergroße Mehrheit der Zehn- bis Achtzehnjährigen im Dritten Reich von der HJ-Erziehung erfaßt werden konnte.4

Der Hauptschwerpunkt dieser Arbeit liegt bei der Analyse der Jugendverbände, da die junge Generation, wie schon erwähnt, den „Garant“ für die Zukunft des Nationalsozia­lismus bzw. des Deutschen Reiches darstellte und deshalb für das Regime von besonde­rer Bedeutung war. Es wird im nun folgenden die Hitler-Jugend einschließlich ihrer Un­terorganisationen vorgestellt. Anhand von ex­emplarischen Darstellungen soll die Vorge­hensweise erörtert werden, wie die Nationalsozialisten die Freizeit bzw. den Alltag des deutschen Jugendlichen reglementierten, um als Folge den Heranwachsenden der NS-Ideologie entspre­chend zu erziehen. Doch auch die Gegnerschaft der staatlichen Organi­sationen für den Nachwuchs findet hier Beachtung.

Eine Studie über die Deutsche Arbeitsfront beschreibt die Freizeitangebote die das Re­gime dem deutschen Arbeiter bietet, um ihn somit positiv für den Ein­satz für das Vaterland auszurichten.

Die Literaturlage ist allgemein als „gut“ zu bezeichnen; diverses Quellenmaterial speziell zum Aufbau bzw. zur Propaganda bezüglich der Jugendorganisationen ist in ausreichen­dem Maße vorhanden und auszugsweise veröffentlicht.

Die Forschung hat sich unter anderem mit dem Problem auseinanderzusetzen, das wider­sprüchliche Aussagen diverser Zeitzeugen bietet. Für die einen er­scheint im Nachhinein die Staatsjugendorganisation des Dritten Reiches als eine nahezu politikferne Veranstal­tung, in der Jugendliche ihren Freizeitinteressen nachgehen konnten und dabei staatliche Hilfe fanden. Für andere war der Blick zurück in die HJ-Zeit die Erinnerung an jugendli­chen „Idealismus“, an politi­sche Gläubigkeit, die „verraten“ oder „mißbraucht“ worden sei. Für wieder an­dere Mitbürger blieb von der HJ die Erfahrung eines Drills, dem sich der Betrof­fene nur notgedrungen unterwarf, gegen den sich manches Individuum mitun­ter auch auflehnte.5

II. Hauptteil

1. Reglementierte Freizeit und Erziehung zum Nationalsozialisten in der Hitler-Jugend

1.1 Die Organisationsstruktur der Hitler-Jugend

Die deutsche Jugend spielte eine besondere Rolle im Staatsapparat der national­sozialisti­schen Regierung. Diese Tatsache spiegelt sich in den Worten des Reichskanzlers Adolf Hitler sehr deutlich wieder. Der Führer wird folgenderma­ßen zitiert: „Was wir vom kommenden Deutschland ersehnen und erwarten / das müßt ihr / meine Jungens und Mäd­chen, erfüllen... Ihr seid das Deutschland der Zukunft und wir wollen daher / daß ihr so seid / wie dieses Deutschland der Zu­kunft einst sein soll und sein muß“6.

Um die Kinder und Heranwachsenden im Rahmen der Gleichschaltung unter die Kon­trolle der nationalsozialistischen Führungselite zu bringen, war eine straffe Organisations­form notwendig. Die konsequente Zuordnung der Jungen und Mädchen in verschiedene Jugendverbände, erleichterte dem Regime den Über­blick, um jede Altersgruppe zu erfas­sen und somit deren Freizeit bzw. Erzie­hung zu organisieren. Diese diversen Gruppie­rungen unterstanden natürlich der strengen Aufsicht der regierenden NSDAP.

Ab Juli 1933 existierte im Deutschen Reich folgende hierarchische und regle­mentierte Aufteilung der Hitler-Jugend in verschiedene Untergliederungen.

Das „Deutsche Jungvolk“ erfaßte die 10 bis 14jährigen Jungen, deren Eintritt in diese Organisation dann schuljahrgangsweise am Führergeburtstag erfolgte. Nach Beendigung ihrer Dienstzeit wurden die Burschen, ebenfalls am Geburts­tag Adolf Hitlers, in die ei­gentliche HJ überwiesen.

Diese umfaßte wiederum die 14 bis 18jährigen Jugendlichen, die mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahres in die NSDAP bzw. deren Untergliederungen überwiesen wurden.

Die 10 bis 14jährigen Mädchen, deren Organisation parallel zu der des DJ lief, waren als „Jungmädel“ in der HJ vertreten.

Zwischen dem 14 und 21. Lebensjahr fanden die jungen Frauen Aufnahme in dem Bund Deutscher Mädel, dabei waren parallel dazu die 17 bis 21jährigen Mädchen in dem an­gegliederten Werk „Glaube und Schönheit“ erfaßt.

Als Sondereinheiten innerhalb der HJ existierten vor allem die Nachrichten-, Marine-, Flieger- und Motor-HJ, die auf den jeweiligen Interessen des Jugendli­chen basierten. Weiterhin gab es da den Landdienst bzw. den Streifendienst der Hitler-Jugend. Letzterer stellte die Kontrollinstanz der HJ dar und arbeitete Hand in Hand mit der SS und der Si­cherheitspolizei zusammen.7

Das Hitlerjugendgesetz vom 1.12.1936 erklärte die HJ zur „Reichsjugend“ und schrieb ihr damit das alleinige Jugenderziehungsrecht außerhalb von Elternhaus und Schule zu. Zuvor erhielt die Reichsjugendführung durch die Ernennung des Parteireichsjugendfüh­rers Baldur von Schirach zum „Jugendführer des Deut­schen Reiches“ am 17. Juni 1933, im Rahmen der Gleichschaltung die Aufsicht über die gesamte Jugendarbeit in Deutsch­land. Die Zusammenarbeit der Reichsjugendführung der NSDAP und Jugendführung des Deutschen Reiches bedeutete im Prinzip die „Verschmelzung“ von Partei und Staat. Auf­grund des o.g. HJ-Gesetzes wurde aus der schon angesprochenen personellen Union ein institutioneller Zusammenschluß. Der Reichsjugendführer stellte von nun an eine oberste Reichsbehörde dar, mit direkter Verantwortung gegenüber dem Führer. Partei- und staatsrechtliche Befugnisse flossen in dem „Führungsamt“ zusam­men.8

Aus diesem Anlaß nahm die Hitler-Jugend nach 1936 eigentlich die Position ei­ner „Staatsjugend“ ein, obwohl diese Tatsache seitens der HJ nicht ohne Vorbe­halte akzep­tiert wurde. Somit stand die deutsche Jugend unter der Kontrolle der nationalsozialisti­schen Regierung, die ihrerseits nun in der Lage war, die junge Generation der NS-Ideo­logie entsprechend zu beeinflussen, d.h. deren Freizeit zum größten Teil in die Dienste des deutschen Reiches zu stellen.9

Wie nun der nationalsozialistisch geprägte Alltag in der Hitler-Jugend ablief, soll die fol­gende Erörterung der Tätigkeitsfelder innerhalb der HJ aufzeigen.

1.2. Der Alltag in der Hitler-Jugend

1.2.1. Leibesübungen zur körperlichen Ertüchtigung

Der deutsche Jugendliche genoß in seiner zumeist acht Jahre andauernden „Karriere“ in der HJ (s.o., vom 10. bis zum 18. Lebensjahr) eine wohldurch­dachte Ausbildung, die ihn für sein späteres Leben als Erwachsener im NS-Staat prägen sollte10.

Ähnlich der Zentralen Dienstvorschriften (ZDv) der Bundeswehr heutzutage oder den entsprechenden Handbüchern der Wehrmachtsgattungen, regelten die sogenannten „Dienstbücher“ die straff organisierte Schulung und den Unterricht der HJ (Bsp.: „Pimpf im Dienst“, ...)11.

Den größten Stellenwert innerhalb des Jugenddienstes nahm in Anbetracht des Arbeits­aufwandes und des zeitlichen Umfangs die körperliche Ertüchtigung ein. „Der völkische Staat hat... seine gesamte Erziehungsarbeit nicht auf das Ein­pumpen bloßen Wissens ein­zustellen, sondern auf das heranzüchten eines kern­gesunden Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung geistiger Fähigkeiten“ äußerte sich Adolf Hitler diesbezüglich in „Mein Kampf“ und legte damit seine Prioritäten bezüglich der Erziehung der Jugend eindeutig fest12.

Die Hitler-Jugend förderte den „Sportsgeist“ ihrer Mitglieder, indem sie eine Reihe von Wettkämpfe zur Körperertüchtigung durchführte. Dazu zählten u.a. Bann- und Gebiets­sportwettkämpfe, Winterkampfspiele, Frühjahrsgeländelauf, Führerzehnkampf und nicht zuletzt der Reichssportwettkampf der HJ, der bei­spielsweise 1939 7 Millionen Teilneh­mer zählte.

Auf speziellen Reichssportschulen wurden Sportwarte und Übungsleiter aus­gebildet, damit diese dazu in der Lage waren, ihr Wissen korrekt an die sport­treibende deutsche Jugend weiterzugeben. Für spezielle Sportarten existierten diverse Ausbildungsstätten, wie z.B. Motor-, Segelflug- und Seesportschulen. Um den militärischen Rahmen inner­halb dieser besonderen Sportarten sicher­zustellen, arbeiteten die o.g. Schulen kooperativ mit den entsprechenden Son­dereinheiten der HJ zusammen (Marine-, Flieger- und Mo­tor-HJ).

[...]


1Zitiert nach Adolf Hitler, Ewiges Deutschland. Ein deutsches Hausbuch. Weihnachtsgabe des Winterhilfswerkes des Deutschen Volkes, hrsg. von Georg Westermann, Braunschweig 1939, S.9.

2George L. Mosse, Der nationalsozialistische Alltag, Frankfurt am Main, 1993/3, S.1,2.

3Helmut Seidel, Wertewandel bei Arbeitern in Arbeit und Freizeit. Eine sekundäranalytische Studie sozialwissenschaftlicher Literatur und Forschungsergebnisse, Konstanz 1992, S. 92 ff.

4Arno Klönne, Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und Analysen, Düsseldorf 1982, S. 7.

5Jugend im Dritten Reich, Frankfurt 1975 und: Damals war ich vierzehn - Leben unter dem Hakenkreuz, Ravensburg 1981, hrsg. von Hermann Glaser und Axel Silenius.

6Zitiert nach Adolf Hitler, Ewiges Deutschland. Ein deutsches Hausbuch. Weihnachtsgabe des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes, hrsg. von Georg Westermann, Braunschweig 1939, S.119.

7Arno Klönne, Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und Analysen, Düsseldorf 1982, S.42-44.

8Harald Focke, Uwe Reimer, Alltag unterm Hakenkreuz. Wie die Nazis das Leben der Deutschen veränderten. Ein aufklärendes Lesebuch, Hamburg 1979, S.20-32. Vgl. dazu auch: Baldur von Schirach, Aufruf an die deutsche Jugend (nach der Gleichschaltung des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände), in: Das Junge Deutschland 5 (1933).

9Hans Helmut Dietze, Die Rechtsgestalt der Hitler-Jugend, Berlin 1939, S.176.

10George L. Mosse, Der nationalsozialistische Alltag, Frankfurt am Main 1993/3, S.312.

11Arno Klönne, Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und Analysen, Düsseldorf 1982, S.56. Vgl. auch dazu diverse ZDv der Bundeswehr.

12Zitiert nach Adolf Hitler, Führung und Verführung, München 1964, hrsg. von Hans-Jochen Gamm, S.48.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Freizeit im Dritten Reich
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geistes- Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Die Geschichte des Deutschen Volkes
Note
1,3
Autor
Jahr
1998
Seiten
26
Katalognummer
V9344
ISBN (eBook)
9783638160735
ISBN (Buch)
9783638640992
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freizeit, Dritten, Reich, Geschichte, Deutschen, Volkes
Arbeit zitieren
Magister Artium Michael Krinzeßa (Autor), 1998, Freizeit im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9344

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