Das Themenfeld der Arzt-Patienten-Kommunikation (APK) ist ein komplexes Gebiet der Forschung, das umfassend nur interdisziplinär angegangen werden kann. […]
Wie in der Arbeit deutlich werden wird, ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient von vielen Faktoren abhängig, u.a. auch von solchen, auf die Arzt und Patient keinen direkten Einfluss haben. […]
Trotz aller Erfolge auf dem Gebiet der Erforschung der APK können wir aber auf der anderen Seite nicht feststellen, dass ältere Probleme innerhalb der APK bereits beseitigt wären. Slang und Fachsprache dienen nach wie vor als Ausdrucksmedium von Ärzten (und Pflegepersonal), was immer noch zu Konflikten führt.
Daher versteht sich die vorliegende Arbeit als ein Beitrag zur Problembeschreibung. Sie legt sozusagen nochmals den Finger in die Wunde und stellt mit dem Gebrauch des Slangs in medizinischen Arztpraxen und dem Problem des Fachsprachengebrauchs in Arzt-Patienten-Gesprächen zwei Aspekte dar, die erhebliches Konfliktpotential für die APK bedeuten. […]
Untersuchungen zum Slang und zur medizinischen Fachsprache sind meist älteren Datums, da sich die Forschung neueren Themenfeldern zugewandt hat. Hier soll aber nochmals darauf eingegangen werden, um einem Anliegen der vorliegenden Arbeit Nachdruck zu verleihen: Die APK sollte umfassend und umfangreich neu in den Mittelpunkt der Forschung gerückt werden. Das gilt für die anzuwendenden Methoden, die beteiligten Fächer – Interdisziplinarität ist das Gebot der Stunde […].
Die vorliegende Arbeit wird nicht ausblenden, dass Konflikte in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient nicht ausschließlich auf den Gebrauch von Fachsprache oder Slang zurückzuführen sind. Viele verschiedene Einflüsse spielen eine Rolle, von denen getrennt Fachsprache in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient nicht betrachtet werden kann.
[…] Die Verwendung des Slangs und der medizinischen Fachsprache wird daher in den Gesamtkomplex der APK eingebettet, indem dieser zunächst ein allgemeines Kommunikationsmodell zugrundegelegt wird, das überblicksartig elementare Parameter der Kommunikation darstellt. Sodann werden diese Parameter für die APK konkretisiert. In einem weiteren Schritt werden medizinische Fachsprache und Slang als Konfliktfaktoren innerhalb der APK dargestellt, bevor sich der abschließende Teil verschiedenen Lösungsansätzen widmet.
Inhaltsverzeichnis
1. Slang und Fachsprache – Probleme aus den ´80ern?
2. Kommunikationsmodell
3. Parameter der Arzt-Patienten-Kommunikation
3.1 Vorbemerkung
3.2 Personale Parameter der APK
3.3 Außerpersonale Parameter der APK
3.3.1 Situation
3.3.2 Zeit
3.3.3 Thema
4. Medizinische Fachsprache und medizinischer Slang als Konfliktpotential innerhalb der APK
4.1 Medizinische Fachsprache und medizinischer Slang als Sondersprachen Erwachsener
4.2 Fachsprache
4.2.1 Definition und Merkmale
4.2.2 Medizinische Fachsprache
4.2.3 Kommunikationskonflikte aufgrund medizinischer Fachsprache
4.3 Slang in medizinischen Arztpraxen
4.3.1 Definition
4.3.2 Funktionen und Klassifizierung
4.3.3 Slang nach kommunikativer Reichweite
4.3.3.1 Stammslang
4.3.3.2 Regionalslang
4.3.3.3 Kleinstgruppenslang
4.3.4 Slang nach horizontaler Gliederung
4.3.4.1 Laborslang
4.3.4.2 Röntgenslang
4.3.5 Kommunikationskonflikte durch medizinischen Slang
5. Lösungssansätze
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Arzt-Patienten-Kommunikation (APK) und analysiert, inwiefern der Einsatz medizinischer Fachsprache sowie medizinischen Slangs zu Kommunikationskonflikten führt, die den Heilungsprozess behindern können. Das Ziel ist eine detaillierte Problembeschreibung sowie die Erörterung von Lösungsansätzen zur Verbesserung des Gesprächsklimas.
- Analyse der personalen und außerpersonalen Parameter der APK.
- Untersuchung des Konfliktpotentials durch medizinische Fachsprache.
- Systematische Einordnung und Charakterisierung von medizinischem Slang.
- Untersuchung der Auswirkungen von Slang auf das Arzt-Patienten-Verhältnis.
- Entwicklung von Lösungsstrategien für eine gelingende Kommunikation.
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Definition
WILMA MAHLER hat 1978 eine Untersuchung vorgelegt zum Slang in medizinischen Arztpraxen, die bis heute in ihren grundlegenden Erkenntnissen Bestand hat, auch wenn einzelne Begriffe nicht mehr gebräuchlich sein mögen und das sprachliche Inventar des Slangs gemäß unten stehender Definition sicherlich erweitert wurde. In Anlehnung an die Untersuchungen von COHEN (vgl. COHEN 1985-1999) und dem französischen Äquivalent des Argots (vgl. VEITH 2002, 78-80) kann Slang wie folgt definiert werden:
Der Slang ist ein gesucht originelles, lässiges, affektorientiertes Register der Umgangssprache mit sondersprachlichen Merkmalen. (VEITH 2002, 80)
Nach MAHLER umfasst der Slang in medizinischen Praxen folgende Kriterien: Es handelt sich dabei um eine Gruppensprache, die identitätsstiftend und „gruppenstabilisierend“ (LÖFFLER 1994: 115) wirkt und die ständigen Veränderungen unterworfen ist, weil Wendungen und Bezeichnungen oft spontan gebildet werden. Die Begriffe des Slangs sind aufgrund der Funktion dieser Sondersprache zum großen Teil betont nachlässig und unwissenschaftlich (vgl. MAHLER 1978: 4) – „grob und zynisch“ (MAHLER 1978: 2) – sowie dialektal beeinflusst. (vgl. MAHLER 1978: 4) Zu erwähnen ist weiterhin, dass es sich bei dem hier untersuchten Slang um eine Sondersprache handelt, die sich vornehmlich durch Besonderheiten auf lexikalischer Ebene auszeichnet, wie die angefügten Beispiele zeigen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Slang und Fachsprache – Probleme aus den ´80ern?: Dieses Kapitel führt in das Themenfeld der APK ein und beleuchtet die historische Entwicklung des Arztbildes sowie die soziolinguistische Relevanz der Fachsprachenforschung.
2. Kommunikationsmodell: Es wird ein modifiziertes Kommunikationsmodell vorgestellt, das die wesentlichen Einflussfaktoren wie Sender, Empfänger, Thema und Störungen für die APK visualisiert.
3. Parameter der Arzt-Patienten-Kommunikation: Die zentralen personalen Faktoren (z.B. Erfahrung, soziale Rolle) und außerpersonalen Faktoren (z.B. Situation, Zeit) werden systematisch gegenübergestellt.
4. Medizinische Fachsprache und medizinischer Slang als Konfliktpotential innerhalb der APK: Dieses Hauptkapitel analysiert Fachsprache und Slang als Sondersprachen und deren spezifisches Konfliktpotential im asymmetrischen Arzt-Patienten-Gespräch.
5. Lösungssansätze: Abschließend werden Strategien diskutiert, wie durch verbesserte Kommunikation, didaktisches Handeln und strukturelle Anpassungen die APK und damit der Heilungsprozess optimiert werden können.
Schlüsselwörter
Arzt-Patienten-Kommunikation, APK, Fachsprache, medizinischer Slang, Kommunikationskonflikt, Sondersprache, Soziolinguistik, Arztrolle, Patientenrolle, Sprachverstehenskonflikt, Diskursanalyse, Gesundheitswesen, Interdisziplinarität, Genesungsprozess, Mediziner
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Kommunikationsproblemen zwischen Ärzten und Patienten, die durch die Verwendung von spezifischer Fachsprache oder medizinischem Slang entstehen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Analyse der asymmetrischen Kommunikationsstruktur, die Definition von Fachsprache und Slang in medizinischen Praxen sowie deren negative Auswirkungen auf das Patientenwohl.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist eine detaillierte Problembeschreibung von Kommunikationskonflikten und das Aufzeigen von Wegen, wie Ärzte durch bewusstere Sprachwahl die Kommunikation und damit den Heilungsprozess verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methodik wird für die Analyse verwendet?
Es wird ein diskursanalytischer und soziolinguistischer Ansatz gewählt, wobei ein theoretisches Kommunikationsmodell als Basis dient, um die Interaktion zwischen Arzt und Patient zu strukturieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung personaler Parameter, die Einordnung von medizinischer Fachsprache und die detaillierte Klassifizierung von Slang (z.B. Laborslang, Röntgenslang) als Konfliktquelle.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Arzt-Patienten-Kommunikation, Sondersprachen, Kommunikationskonflikte, medizinische Fachsprache und der Einfluss der Sprache auf den Genesungsprozess.
Warum wird medizinischer Slang von Ärzten überhaupt verwendet?
Laut der Untersuchung dient der Slang dem medizinischen Personal als Mittel zur Entspannung in einem stressigen Arbeitsalltag sowie zum psychologischen Selbstschutz vor Ekel und der emotionalen Belastung durch das Leid der Patienten.
Welche Bedeutung hat das "biopsychosoziale Modell" in diesem Kontext?
Es wird als Ansatz in der medizinischen Ausbildung genannt, um den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit (körperlich, psychisch, sozial) in den Mittelpunkt zu stellen und so eine zirkuläre, patientenorientierte Gesprächsführung zu fördern.
- Citar trabajo
- Jörg Röder (Autor), 2006, Kommunikationskonflikte in der Arzt-Patienten-Kommunikation (APK) bedingt durch medizinische Fachsprache und medizinischen Slang, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93494